Jan Costin Wagner - Eden

Cover zum Buch Eden

Titel: Eden

4,2 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

84,3% Zufriedenheit

Verlag: Galiani-Berlin

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783869712598

Termin: Neuerscheinung August 2025

Aktion

  • Berührend
    - Kein Falsch oder Richtig:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Am 14. August wird der neue Roman: EDEN von Jan Costin Wagner als Ebook oder Gebundene Ausgabe auf dem deutschen Markt erhältlich sein.

    Der Autor ist mir durch seine außerordentlich erfolgreichen Kriminalromane schon bekannt gewesen.
    Mit diesem neuen Buch erhält das Belletristik Genre nun einen neuen Mitstreiter. Schon allein das Genre- Belletristik, hat meine Neugier befeuert. Greife ich doch meistens eher auf Spannungsliteratur zurück.
    Das Coverbild wurde enorm zurückhaltend aber auch edel gestaltet. Der Titel EDEN hat durch seine manigfachen Bedeutungs- & Interpretationsmöglichkeit eine eigene Vigilianz. Diese Kombi lässt Interesse aufkommen und spricht den Betrachter auf eine ganz eigene Weise an.

    Worum geht´s:
    Eine deutsche Familie. Mutter Kerstin, Vater Markus & Tochter Sofie. Sie leben ein zufriedenes, glückliches Leben. Der Vater kennt seine Sofie sehr gut & überrascht sie mit Karten für das Konzert ihrer Lieblingssängerin. Der Auftritt entspricht Sofie und ihre Wünsche wurden absolut erfüllt. Dann geschieht das Undenkbare. Von einem Moment zum anderen, verändert die Handlung eines Unbekannten, Sofies Welt & die ihrer Eltern unwiederruflich.

    Mein Leseeindruck
    Meine Erwartung: -

    - das Erzählte soll mich mitreißen:arrow:
    + die gewählte Erzählweise aus Sicht der Betroffenen, ist mit seinen kurzen Sätzen, ohne Verschachtelungen, sehr gut lesbar.
    Der gedanklich Schwerpunkt der Erzählenden auf eigene Erwartungen sowie deren Schlussfolgerungen & Reaktionen werden klar vermittelt.
    Es ergibt sich wie von selbst, dass ich mich in die Schuhe der Erzähler stelle und automatisch ihren Emotionen, Verwirrungen und Resilienz folge. Jan Costin Wagner lässt mir, dem Lesenden, Raum meinen eigenen Schlussfolgerungen und Emotionen nachzugehen. Er initiert Fragen ohne Antworten ohne ein Falsch oder Richtig zu definieren.
    Jeder Leser wird so ermutigt in seine eigene Bewertung einzutauchen.
    - die Erzählung soll Momentum aufbauen, ohne Klischees zu bedienen:arrow:
    + in diesem Punkt hat mich das Gelesene wirklich beeindrucken können. So viele unterschiedliche, zwischenmenschliche Bereiche werden nicht nur durch den Schicksalsschlag der Protagonisten miteinander verbunden, auch meine Gedanken und Emotionen finden hier einen Platz und laden zu meiner eigenen Kontemplation, ein.
    Die Story hat ihr eigenes Momentum. Obwohl die Schreckenstat gleich zu Beginn, vermuten lassen könnte, dass die Geschichte abflacht.
    In meinen Augen & Erleben war es genau gegenteilig.
    Die jeweiligen Charaktere brachten ihre eigenen inneren Spannungsbögen in die Story ein. Aus diesen konnte sich ein sehr mitreißender individueller Flow entwickeln.[-X
    - ich wollte etwas aus dem Erzählten, mit in mein Leben mitnehmen können:arrow:
    + auch hier wurde ich nicht enttäuscht.
    Es gab so viele erzählte Begebenheiten, die auch mein eigenes Leben und Erwartungen an unser gesellschaftliches und familiäres Miteinander berührte. Ich werde sicher noch eine Weile über das Buch und seinen Input nachdenken werde.:thumleft:

    Fazit:
    Es handelt sich um ein sehr gut aufgebautes, nachvollziehbares, realitätsnahes Drama, dass so oder so ähnlich einen jeden von uns persönlich betreffen könnte. :!:
    Der Schrifsteller konnte mich mit seiner professionell aufgebauten Story mitnehmen und bis zum Schluss begeistern.:applause:
    Auch kann das Buch zur Sensibilisierung unserer Gesellschaft, im Rahmen der interaktiven Kompetenz unseres Miteinanders, beitragen.
    Der Einsatz als Werkzeug, im Rahmen der Schullektüre kann ich mir ebenfalls sehr gut vorstellen.:huhu:

    Meine Wertung:
    Ich vergebe für diese, in meinen Augen sehr wichtige Lektüre außerordentliche 5 :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:Lesesterne und verbinde dies mit einer breiten Leseempfehlung.
    Dieses Buch hat das alles um unterschiedlichste Genre Fans, begeistern zu können.:study::montag::musik:

  • Squirrel 10. Juli 2025 um 18:32

    Hat den Titel des Themas von „Jan Costin Wagner & Eden“ zu „Jan Costin Wagner - Eden“ geändert.
  • Trauerarbeit

    Die zwölfjährige Sofie liebt die Musik von Ariana La Vega. Obwohl die Sängerin auf ihrer Deutschlandtournee kein Konzert in der Nähe von Sofies Wohnort gibt, will ihr Vater Markus ihr eine Freude machen und kauft Tickets für ein Konzert in Stuttgart. Mit dabei sind Sofies Cousine und deren Mutter. Dann passiert das Unfassbare: als die Konzertbesucher die Halle verlassen, wird ein Terroranschlag verübt und Sofie kommt ums Leben.

    Markus macht sich Vorwürfe, denn der Konzertbesuch war seine Idee. Er ist einerseits wie benommen und will den Tod seiner Tochter nicht wahrhaben, andererseits versucht er, jede Kleinigkeit über den Anschlag und den Attentäter Ayoub in Erfahrung zu bringen. Er geht sogar so weit, Ayoubs Familie aufzusuchen und zur Rede zu stellen.

    Sofies Mutter Kerstin geht den entgegengesetzten Weg. Ihre Tochter ist tot und das Wissen um Details bringt sie nicht zurück. Sie will sogar ihre demente Mutter, die im Pflegeheim lebt, von Sofies Tod erzählen, weil sie meint, ihrer Mutter nichts vormachen zu dürfen. Der unterschiedliche Umgang mit dem Tod der Tochter stellt die Beziehung von Markus und Kerstin auf eine harte Probe.

    „Eden“ ist ziemlich schwere Lektüre, es fiel mir teilweise schwer, mich in die manchmal sehr verworrene Gedankenwelt und die Handlungen von Markus hineinzuversetzen.

    Ein sehr sympathischer Protagonist ist Sofies Mitschüler Tobias, der in Sofie verliebt war und trotz aller Trauer sein Leben normal weiterlebt. Sofies Tod bringt ihn ihrer Familie näher und er vertraut seine familiären Probleme Markus an, dem der Kontakt zu Tobias auch guttut.

    In kurzen Kapiteln wird auch der Attentäter Ayoub vorgestellt und versucht, seine Beweggründe zu beleuchten. Ein interessanter Versuch, vielleicht sollte gezeigt werden, dass er auch nur ein Mensch mit Problemen ist, doch diese Kapitel habe ich sehr ungern gelesen. Ein interessantes Buch mit schwieriger Thematik. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Guter Ansatz, aber leider zu wenig Tiefgang

    In seinem neuen Roman „Eden“ greift Jan Costin Wagner brandaktuelle Themen auf. Neben dem Terroranschlag eines Islamisten bei einem Popkonzert, der einer Familie die 12-jährige Tochter entreißt, werden auch die Spaltung der Gesellschaft in Folge der Corona-Pandemie, das damit verbundene Erstarken der AfD, Fake News in sozialen Medien sowie die problematische dauerhafte Integration junger Muslime in unsere Gesellschaft angeschnitten. Zentrales Thema ist jedoch der Umgang der Familie mit Trauer und Verlust.

    Die Handlung wird in kurzen prägnanten Sätzen aus Sicht der verschiedenen Protagonisten – allerdings in der dritten Person – geschildert. Dabei gelingt es dem Autor allerdings nur phasenweise die Emotionen auf den Leser zu übertragen. Oft wirken Erzählung und Dialoge etwas hölzern und oberflächlich. Hier hat mir leider der Tiefgang gefehlt und ich habe mich nur an wenigen Stellen wirklich in die Charaktere hinein versetzen können.
    Ebenso werden die oben genannten gesellschaftlichen Themen nur kurz an der Oberfläche angekratzt und zu einfach und schnell abgehandelt.

    Am Ende war ich insgesamt enttäuscht, weil es kein richtiges Ende gab, sondern die Handlung einfach aufhört, weil der durchaus gute Ansatz des Buches nahezu wirkungslos verpufft und weil ich von Jan Costin Wagner, den ich zu meinen Lieblingsautoren zähle und sehr schätze, weitaus mehr erwartet hatte.

  • Klappentext/Verlagstext
    Für die lebensfrohe Sofie ist ihre Familie ein Glücksfall. Sie, ihr Vater Markus und ihre Mutter Kerstin geben einander Sicherheit und wissen auch, was dem jeweils anderen wichtig ist. Als Markus seine Tochter mit Konzerttickets für ihre Lieblingssängerin überrascht, geht für diese ein Traum in Erfüllung. Der Abend nimmt jedoch eine schreckliche Wendung: Auf dem Konzert wird ein Anschlag verübt, auch Sofie ist unter den Opfern.
    Das einst so glückliche Ehepaar verliert die Balance. Währenddessen spitzt sich die gesellschaftliche Situation zu und die Familie muss mitansehen, wie ihr Unglück politisch instrumentalisiert wird.
    Im Moment tiefster Verzweiflung erinnert sich Markus an die soziale Lebenskraft seiner Tochter und beschließt, nicht aufzugeben. Er sucht weiterhin das Gespräch und fasst sogar den gewagten Entschluss, die Familie des Mörders aufzusuchen …

    Der Autor
    Jan Costin Wagner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main. Zuletzt erschien sein Songwriter-Album „violet tree“. Seine Romane um den finnischen Ermittler Kimmo Joentaa wurden von der Presse gefeiert, vielfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt. […]

    Inhalt
    Markus Stenger wird nach dem Tod seiner 12-jährigen Tochter durch einen Bombenanschlag stets damit hadern, dass er als besondere Überraschung die letzten Konzert-Karten für Sofie, seine Schwester und seine Nichte ergattert hatte. Er selbst erreicht den Tatort unmittelbar nach dem Anschlag. Im ersten Durcheinander aus Hoffnung und Vermutungen stellt sich heraus, dass der Täter Ayoub ein vaterlos aufgewachsener junger Migrant ist. Sein Anschlag folgt dem Muster vergleichbarer Taten, junge Menschen im Moment zu töten, in dem sie unbeschwert ihre Freizeit genießen. Während Tobias als Trauernder von Presse und Öffentlichkeit praktisch in Besitz genommen wird, setzt er sich mit Person, Herkunft und Männerbild Ayoubs auseinander und sucht das Gespräch mit dessen Angehörigen. Dabei scheint er zunächst den eigenen Trauerprozess und die Situation seiner Frau Kerstin zu verdrängen; Markus Therapie-Resistenz wird zu einer zusätzlichen Belastung für sein Umfeld.

    Durch Sofies Klassenkameraden Tobias, dem Markus unmittelbar vor dem Konzert bei seinem Deutsch-Referat geholfen hatte, betritt Tobias Vater das Setting. Als Prototyp eines Querdenkers verbringt er nach Meinung seines Sohns für einen Erwachsenen zu viel Zeit am Smartphone, wo er sich mit allen aktuellen Kontroversen befasst - von Impfkritik bis Migration. Markus Gedanken, die dem Aufeinandertreffen der drei Familien folgen, machen Stereotype in den Medien und den Einfluss des Talkshow-Unwesens bewusst. Er grübelt über gefühltes Nichtgesehen-Werden und Kränkung junger Männer, den Einfluss von Vaterfiguren und leichtfertig hingeworfenen Parolen als Auslöser für Hassverbrechen. Die zu kindlich wirkende Darstellung 12-13Jähriger in den ersten Kapiteln fand ich allerdings unbefriedigend, selbst im Bewusstsein, dass auch Ayoub ein Kind gewesen sein kann, das die Nachrichten nur teilweise versteht.

    Fazit
    Anhand der Reaktion gegensätzlicher Elternfiguren auf einen Bombenanschlag zeigt Jan Costin Wagner mit großer Empathie aktuelle gesellschaftliche Konflikte, für deren Lösung genau diese Empathie nötig wäre. Indem Wagners Figuren jeweils konzentriert ein ganzes Spektrum extremer Positionen und Milieus in sich vereinen, zwingen sie seine Leser:innen, eigene Stereotype wahrzunehmen.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    :study: -- Lents - Diversität
    :study: -- Le Guin - Der Tag vor der Revolution
    :study: -- Laurence - Glücklichere Tage (Manawaka 1.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow

    --> Merkzettel: Serie: Buchtitel (Originaltitel), Erscheinungsjahr d. Erstausg. d. Originaltitels, ISBN d. Übersetzung
    Buchseite betreffend: direkt auf d. BS melden

  • Fels in der Brandung

    Ein Ehepaar hat den gewaltsamen Tod seiner einzigen Tochter Sofie, verursacht durch einen terroristischen Anschlag bei einem Popkonzert, zu verkraften. Bald tun sich Abgünde in ihrer beider Trauerarbeit auf: Markus versucht alle Teilaspekte rational zur erfassen und ist dann doch seinen Emotionen bis hin zu Gewaltexzessen unkontrolliert ausgeliefert. Kerstin entwickelt ein Posttraumatisches Syndrom und sucht professionelle Hilfe.

    Beider mentaler Zustand bricht sich im Zusammenklang mit Margot, Kerstins dementer Mutter. Sollen sie es ihr sagen oder den Zustand der Demenz als in diesem Fall wohltätig anzusehen? Auch darüber sind sich die beiden nicht einig. Überhaupt geht Markus ungewöhnliche Wege in seiner Aufarbeitung.

    Ganz behutsam behandelt Wagner seine Menschen, er zerrt sie in ihrem Kummer nicht ins Rampenlicht, sondern nähert sich ihnen aus respektvoller Distanz, die Raum lässt zwischen den Zeilen für den Leser.

    Bei allen Diskrepanzen differieren Markus und Kerstin jedoch nicht in einer gewissen Akzeptanz der grauenhaften Geschehnisse. Besonders Markus wehrt sich gegen Vereinnahmungsversuche gewisser politischer Richtungen. Explizit nimmt er in einer Talkshow die Gelegenheit wahr, seine Gedanken darzulegen. Insgesamt hat mich diese Schlüsselszene sehr an "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Antoine Leiris erinnert, aber ich musste auch an die Geste des Papsts Johannes Paul II. denken, als er seinen Attentäter im Gefängnis besuchte. Allerdings empfinde ich die erwähnten Passagen im vorliegenden Buch ein bisschen wie aus der einschlägigen Fachliteratur referiert, genauso wie bei dem Gespräch mit der Familie des Täters.

    Eine wahre Lichtgestalt gelingt ihm mit Tobias, der in Sofie verliebt war und durch eine Schulaufgabe eine positive Beziehung zu Markus entwickelte, gerade weil seine häuslichen Verhältnisse unter keinem guten Stern stehen. Wie ein Katalysator kann er helfen, gewisse Verwicklungen zu entzerren.

    Dieser Schleier der Melancholie, der sich über alle Werke Wagners ausbreitet, ist hier erst recht angebracht. Hinterbliebene, egal in welcher Situation, werden sich hier wiederfinden, gerade wegen der fehlenden Eindeutigkeit, denn alle müssen ihren eigenen Weg hindurch und darüber hinaus finden. Nur in einem lässt der Autor keine Kompromisse zu: in eine absolute Sackgasse führt der Hass, der immer und überall zu Eskalationen führt. Mit dem Titel "Eden" will der Schriftsteller wohl eine Vision der Welt heraufbeschwören, die entstünde, wenn endlich einmal alle einen Schritt aufeinander zu gingen. Und damit vertritt er ein ureigenstes christliches Weltbild, wenn man das auch nur indirekt herauslesen kann.

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  • Für Markus und Kerstin wird der schlimmste Albtraum Wirklichkeit: ihre Tochter Sophie kommt bei einem Anschlag ums Leben. Plötzlich werden aus einer glücklichen Familie zwei Menschen, die alleine trauern und keinen Weg mehr zueinander zu finden scheinen. Während Markus versucht, nicht nur die Tat, sondern auch den Täter zu verstehen, zieht sich Kerstin immer mehr zurück

    Jan Costin Wagner erzählt die Geschichte nicht nur aus der Sicht der Eltern, sondern auch aus der von Tobias, einem Klassenkameraden von Sophie. Der Junge ist in den Tagen vor dem Konzert regelmäßig bei der Familie gewesen, weil Markus ihm bei einem Referat geholfen hat. Er wusste von dem Konzert, bevor es Sophie wusste und hat als Erster realisiert, was geschehen war, als der Direktor am Tag danach in die Klasse gekommen ist.

    Der Hauptteil der Handlung wird aber durch Markus' Augen gesehen. Jan Costin Wagner beschreibt, wie Markus seine Tochter, für die es der schönste Tag in ihrem Leben ist, zum Konzert bringt und auch, was er erlebt als er sie abholt und mitten ins Geschehen nach der Bombenexplosion geworfen wird. Das macht er mit sehr deutlichen, aber auch sehr emphatischen Worten. So habe ich mit den Protagonisten mitgefühlt, aber nicht mitgelitten.

    Es ist eine sehr ruhige Geschichte, aber diese Ruhe passt für mich sehr gut für das Schweigen, das zwischen Kerstin und Markus nach dem Tod ihrer Tochter herrscht. So nah, wie sie sich als Familie standen, so weit haben sie sich jetzt voneinander entfernt. Sie können nicht verstehen, warum der jeweils andere auf gerade diese Weise auf den Verlust der geliebten Tochter reagiert. Dieses Unverständnis und das Schweigen entfernt sie immer mehr voneinander, bis sie erkennen, dass sie es auch verbinden kann.

    Jan Costin Wagner erzählt eine Geschichte von Verlust, aber auch von Liebe und neuen Chancen. Es ist ein schweres Thema, aber der Autor hat mir die Lektüre leicht gemacht.
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  • Trauerarbeit


    Ein Trauerfall erschüttert meist das komplette Umfeld. Wenn jemand unerwartet (zum Beispiel durch ein Unglück oder einen Anschlag) stirbt, ist dies umso gravierender, wie der Roman „Eden" verdeutlicht.

    Sofie steckt mitten in der Pubertät. Sie geht zur Schule, shoppen, hält Referate und hört gern Musik. Als ihr Vater sie mit Konzerttickets für ihre Lieblingssängerin überrascht, kann niemand die verheerenden Vorkommnisse an diesen Abend erahnen…
    Ich mag das Buch sehr gerne. Wagner beschreibt eher ruhig und unaufgeregt, aber sehr authentisch, welche Folgen Sofies Tod für ihre Familie und Freunde, aber auch die Gesellschaft hat. Speziell die Sicht von Toby, Sofies Mitschüler mit aggressiven Vater, ist spannend, da sein Vater Menschen mit Migrationshintergrund offen ablehnt und Toby so immer mehr Zweifel rutscht. Auch Sofies Vater, der die Situation schwer begreifen kann, ist eine interessante Figur. Von Alleingängen über Kennenlernen der Täter passiert bei ihm viel. Eventuell zu viel? Die Themen wie Rechtsdruck, Attentate und Trauerarbeit werden leider nur oberflächlich besprochen. Viel hätte noch intensiviert werden können. Da ich das Buch insgesamt als authentisch und wichtig einschätze, vergebe ich dennoch vier Sterne.

  • Verlustbewältigung

    Buchmeinung zu Jan Costin Wagner – »Eden«

    »Eden« ist ein Roman von Jan Costin Wagner, der 2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

    Zum Autor:
    Jan Costin Wagner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main.


    Zum Inhalt:

    Markus, Kerstin und ihre Tochter Sophie sind eine glückliche Familie bis Sophie bei einem Anschlag auf ein Konzert getötet wird. Markus und Kerstin stehen vor einem Scherbenhaufen und müssen einen Weg finden, das Geschehene zu verarbeiten.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch widmet sich dem schwierigen Thema der Bewältigung von Verlusten. Zu Anfang erleben wir eine glückliche Familie samt Sophies Schulfreund Tobias. Dann die Fahrt zum Konzert und das Attentat, dass der Vater Markus vor Ort miterleben muss. Wie man später eher beiläufig erfährt, rettet Vater Markus einem Mädchen als Ersthelfer das Leben. Markus ist ein besonderer Mensch, der akkurat das Beste tun will. Der Verlust seiner Tochter trifft ihn so hart, dass er die Auswirkungen auf seine Ehefrau nicht bemerkt und ihr nicht zur Seite steht. Markus und Kerstin finden keinen gemeinsamen Weg, um den Verlust zu verarbeiten. Sie sind noch nicht einmal in der Lage, sich gegenseitig zu helfen. Auch Schulfreund Tobias leidet unter dem Verlust, zumal die Ehe seiner Eltern zerbrochen ist. Er sucht die Nähe zu Markus und beide reden viel miteinander. Diese Abschnitte haben mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Markus Annäherung an die Täterfamilie konnte mich hingegen weniger überzeugen.

    Die Geschichte wird aus etlichen Perspektiven erzählt, so dass der Leser die Ansichten und Gefühle der Figuren gut nachvollziehen kann. Schwierigkeiten bereitete mir der Erzählstil, der oft Sätze und Gedanken unvollendet lässt.

    Fazit:
    Mich hat dieser Titel in weiten Teilen zum Nachdenken gebracht und deshalb bewerte ich ihn mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und gebe eine Leseempfehlung.

    :study: Hanna Caspian - Im Takt der Freiheit, Agatha Christie - Miss Marple (Kurzgeschichten von 12 erfolgreichen Autorinnen der Jetztzeit mit Miss Marple), Michael Peinkofer - Die steinerne Krone

    :musik:

  • Worte, die bewegen

    Stuttgart, 22. Mai

    Was soll passieren in einer Konzerthalle voller lachender Menschen, in der Ariana la Vega von Liebe singt? (69)

    Markus fühlt sich schuldig. Er hat seiner 12-jährigen Tochter Sofie die Tickets für das Konzert ihrer Lieblingssängerin geschenkt. Auf dem Konzert wurde ein islamistischer Anschlag verübt; Sofie hat ihn nicht überlebt.


    In seinem neuesten Roman schreibt Jan Costin Wagner über den tragischen Schicksalsschlag, der eine glückliche Familie wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat. Ihr Leben gerät aus der Bahn; die vertraute, sichere Welt existiert auf einmal nicht mehr.

    Wir begleiten Sofies Eltern in der ersten Tage nach dem Attentat. Markus und Kerstin sprechen abwechselnd über ihr Leben ohne Sofie; beide gehen dabei unterschiedlich mit ihrem Schmerz um. Während Kerstin in ihrer Verzweiflung zu versinken droht, beginnt Markus, der den Anschlag hautnah miterlebt hat, Details zum Tathergang und dem Attentäter herauszufinden. Denn Markus ist überzeugt:

    „Der Hass kann die Liebe nicht beseitigen, er kann sie nur in Trauer und in bittere, schöne Erinnerungen verwandeln und damit zum schärfsten Schwert machen, das es gibt.„ (129)

    Auch der Attentäter kommt kurz zu Wort. Und auch seine Gedanken erschüttern, denn auch er hat es früh verstanden: „Worte sind niemals nur Worte.“ (96)

    Präzise und äußerst einfühlsam schreibt Jan C. Wagner über die dramatischen Ereignisse, die das Leben vielen Menschen verändert haben. Seine Worte bewegen, rühren zu Tränen, machen fassungslos und manchmal sogar wütend.

    Denn „Eden“ von Jan Costin Wagner ist die Geschichte unserer Tage; hochbrisant und gegenwärtig. Sie wirkt authentisch und weckt viele Emotionen. Sie regt zum Nachdenken an und liefert einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Themen, die unsere Gesellschaft spalten.

    Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es gerne weiter.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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