Mike Dash - Tulpenwahn / Tulipomania

Cover zum Buch Tulpenwahn

Titel: Tulpenwahn

4,3 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Verlag: Ullstein Taschenbuch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 336

ISBN: 9783548291680

Termin: Dezember 2019

Aktion

  • Über den Autoren:

    Mike Dash ist Dozent für Geschichte an der Universität Cambridge. Er arbeitet als freier Schriftsteller und Journalist und hat sich als Sachbuchautor einen Namen gemacht. Dash lebt mit seiner Familie in London

    (Quelle: Klappentext)

    Buchinhalt:

    In den Niederlanden setzte im 17. Jahrhundert über Nacht ein fieberhafter Run auf eine exotische Blume an: die Tulpe. Es entwickelte sich bald ein intensiver Handel, ihr Wert stieg schlagartig ins Unermessliche, und sie wurde zu einem begehrten Anlageobjekt. Nicht nur professionelle Händler, sondern Angehörige aller Stände und Berufe beteiligten sich an dieser profitversprechenden Spekulation. Sie verschuldeten sich mitunter haushoch für eine einzige Tulpenzwiebel. Eine Geschichte nicht nur für Blumenfreunde und kulturgeschichtlich Interessierte, sondern auch ein Buch, das sich Spieler, Banker und Börsianer unters Kopfkissen legen sollten.

    (Quelle: Klappentext)

    Das Buch umfasst 268 Seiten, dazu Danksagung, 36 Seiten hilfreiche Anmerkungen sowie 8 Seiten Bibliografie. Vorweg gibt es eine Einordnung der damaligen Preise zum besseren Verständnis sowie eine Einführung und einen Prolog. Unterteilt ist das Buch dann in 15 Kapitel. In der Mitte sind diverse Abbildung sowohl von Tulpen als auch von wichtigen Personen und Gegebenheiten enthalten.

    Übersetzt wurde es von Elfriede Peschel.


    Meine Meinung:

    Manch einer mag schon von dieser ersten geplatzten Börsenblase gehört oder gelesen haben. Ausgerechnet Tulpen stürzten im 17. Jahrhundert die Niederlande in eine Wirtschaftskrise - eine Blume, die heute so alltäglich ist wie die Scheibe Brot zum Abendessen. Aber das war nicht immer so. Mike Dash lässt daher dieses Sachbuch weit vorn beginnen und erklärt, woher die Tulpe kam (Asien) und wie sie langsam, über Jahrzehnte hinweg, den Weg nach Europa fand. Allein dieser Einstieg umfasst mehrere Kapitel und damit fast das halbe Buch, ist aber hoch interessant, selbst für Nicht-Blumenfreunde wie mich. Denn heute schütteln wir den Kopf über die Tulpenblase, doch damals war die Tulpe eine floristische Sensation und hatte wenig gemein mit der heute gängigen Variante. Dies wird immer wieder in detaillierten Beschreibungen sowie in den Abbildungen deutlich.

    Dann schildert der Autor die wenigen Jahre des „Tulpenwahns“ von ca. 1630 an, der zunächst wie eine sichere Wette erschien, weshalb sich auch viele Handwerker und andere nicht-professionelle Händler darauf stürzten und Hab und Gut für wenige Blumenzwiebeln verkauften. Und dieses „Hab und Gut“ ist wörtlich zu nehmen, gibt es doch detaillierte Listen darüber, was so manche Blumenzwiebel kostete und was man für dieses Geld hätte erwerben können. Am Höhepunkt der Spekulation konnte eine Tulpenzwiebel bis zu 3000 Gulden kosten, ein gesamtes Schiff dagegen oder 24 Tonnen Weizen kosteten jeweils um die 500 Gulden. Diese irrsinnige Spekulationsblase platzte dann abrupt 1637 und hinterließ viele Menschen in Not und Elend. Die Prozesse danach dauerten noch mehrere Jahre an und manch Gläubiger blieb auf seinen Schulden sitzen ohne Aussicht, jemals sein Geld wiederzusehen.

    Am meisten beeindruckt danach, dass es noch zu mehreren kleineren Tulpenblasen kam - man sollte doch denken, die Menschen hätten was gelernt. Aber bis heute können wir immer wieder aufs Neue diesen Wahn verfolgen und beten, dass die heutigen Spekulationsblasen nicht die gesamte Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen.

    Mike Dash hat hier zweierlei interessante Sachthemen in ein Buch gepackt: Blumenfreunde kommen voll auf ihre Kosten, denn sie erfahren sehr viel über diese Blume, die für uns den Frühling verkörpert und aus unseren Wohnungen nicht mehr wegzudenken ist. Geschichtsinteressierte kommen auf ihre Kosten, wenn sie den Weg dieses Exoten verfolgen und den Wahn, den diese harmlose Blume in den Köpfen der Menschen auslöste. Da dieser Wahn alle Schichten der Gesellschaft umfasste, von hoch gebildeten Gelehrten und professionellen Händlern, die Risiken abzuschätzen wissen sollten, bis hin zu kleinen Handwerkern und Quereinsteigern, die ahnungslos dem Hype folgten bis in den Untergang, lässt sich verfolgen, wie eine solche Idee alle Menschen einfangen und mitreißen kann. An fehlender Bildung oder ähnlichem lag es definitiv nicht. Und da wir heute noch immer mit diesen Spekulationsblasen zu kämpfen haben, liegt es auch nicht an den fehlenden Informationen darüber, wie diese funktionieren. Heute im Zeitalter der Informationstechnologie kann sich damit niemand mehr herausreden.

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Renate Berger - Tanz auf dem Vulkan
    :study: Irmgard Keun - Das kunstseidene Mädchen

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