Coco Mellors - Blue Sisters

Cover zum Buch Blue Sisters

Titel: Blue Sisters

, (Übersetzer)

4,5 von 5 Sternen bei 10 Bewertungen

89% Zufriedenheit

Verlag: Eichborn

Format: Broschiert

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783847902256

Termin: Neuerscheinung Oktober 2025

Aktion

  • Kurzmeinung

    Marie
    "Little Women" 2.0. Drogenschicksale, Tod, aber ein paar happy Ends zu viel
  • Cover zum Buch Cleopatra und Frankenstein
  • Ein emotional extrem starker Familienroman mit authentischen und vielschichtigen Figuren

    [TW: Alkohol- und Drogenmissbrauch, häusliche Gewalt, Überdosis, Tod, problematisches Essverhalten]

    Ich verneige mich vor Coco Mellors, die mir nach langer Zeit endlich mal wieder ein Jahreshighlight beschert hat. Eine klare Empfehlung für alle, die komplexe Familienromane, Perspektivwechsel und ambivalente Figuren mögen.

    Die Schwestern Avery, Bonnie und Lucky versuchen nach dem Tod der vierten Schwester Nicky eine neue Dynamik zu finden. Doch nicht nur die gestaltet sich reibungsintensiv, die drei kämpfen auch jeweils mit ihren ganz eigenen Problemen. Dadurch passiert unglaublich viel, ohne dass die Handlung überladen wirkt.

    Coco Mellors fängt unfassbar stark jede einzelne Beziehung und Figur ein. Avery, die als älteste Schwester die Rolle der Mutter übernehmen musste, weil diese mit dem Alkoholismus ihres Mannes beschäftigt ist, und die nicht so recht weiß, wie sie mit dem Kinderwunsch ihrer Frau umgehen soll. Bonnie, die ihre erfolgreiche Boxerinnenkarriere nach Nickys Tod auf brutale Art beendete und sich seitdem komplett abschottet. Und schließlich Lucky, ein Model mit zu hohem Alkohol- und Drogenkonsum, die sich als Jüngste alleingelassen fühlt.

    Was die Schwestern bei aller Verschiedenheit eint: Schuldgefühle und die Einstellung, lieber nicht über die eigenen Probleme zu sprechen. Damit baut Mellors einen Spannungsbogen aus tickenden Zeitbomben auf, der mich regelrecht süchtig gemacht hat. So konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und habe am Ende auf jeden Fall ein paar Tränchen verdrückt. 🥺

    Positiv herausheben möchte ich noch, dass der Verlag sich hier für eine entgenderte Schreibweise entschieden hat und dass Coco Mellors ungeschönt auf das Thema Endometriose blickt.

    Ein Roman mit viel Schwere, die die Autorin aber durch ganz viel Wärme im Schreiben ausgleicht. Für mich durch die Vielfalt der Themen, die Tiefe der unperfekten Figuren und die messerscharfe Beobachtung von Familiendynamiken definitiv eines der besten Bücher des Jahres. 💙

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Familie Blue

    Nach Nickys tragischem Tod bleiben ihre vier Schwestern zurück. Vier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein können, die fortan aber die Trauer um ihre geliebte Schwester eint. Avery, Bonnie und Lucky treffen sich ein Jahr später in New York wieder, um den Verkauf der ehemaligen Wohnung Nickys zu verhindern. Alle stehen gerade an einem extremen Punkt in ihrem Leben, das in jegliche Richtung zu kippen droht.

    Blue Sisters von Coco Mellors ist ein tragischer Familienroman über die drei Schwestern Avery, Bonnie und Lucky. Mellors hat drei außergewöhnliche Charaktere erschaffen, die komplett unterschiedliche Leben führen und doch alle an einem ähnlichen Punkt in ihrem Leben stehen.

    Mellors Schreibstil führt und ins Extreme, Mittelmaß oder Normalität trifft man kaum bis gar nicht. Das lässt etwas Authentizität vermissen, führt jedoch zu einem hohen Grad an Emotionalität gegenüber den Schwestern. Selten wollte ich mal in ein Buch springen, um die Protagonisten aufzuwecken. Hier war das mehrfach der Fall! Obwohl fast jede Figur in ihrer Eigenschaft sehr extrem dargestellt wurde, kann man gewisse Denkmuster und Werte in den Schwestern wiederfinden, sodass man mit ihnen mal mehr oder mal weniger mitfühlen kann.

    Das Ende oder viel mehr der Epilog konnte mich dann leider gar nicht von sich überzeugen, weswegen am Ende leider eine Ernüchterung bleibt und trotzdem wird Blue Sisters als emotionales Familiendrama in Erinnerung bleiben.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

  • Dieses Buch hat mich weder vom Cover her angesprochen, noch vom Klappentext - aber daran sieht man mal wieder, dass sich Ausflüge in andere Genres durchaus lohnen und positiv überraschen können!

    Wir erleben hier das Porträt von drei Schwestern, die sich irgendwie durchs Leben kämpfen und die tiefe Verbindung, die sie in der Kindheit zusammengeschweißt hat, verloren haben. Ein Jahr ist es hier, dass eine der vier gestorben ist, und das hat bei jeder der anderen einen Riss zur Folge, der schwer wieder zu kitten ist.

    Bevor es im ersten Kapitel mit Lucky losgeht, umreißt die Autorin erstmal alle vier Schwestern und man gewinnt auf den wenigen Seiten direkt einen guten Einblick in alle vier Persönlichkeiten. Danach wird jedes Kapitel aus der Perspektive einer der Schwestern erzählt, so dass man nach und nach miterlebt, welche aktuellen Probleme sie beschäftigen, welche inneren Belastungen sie mit sich tragen und wie sie versuchen, damit klarzukommen.

    Avery ist mit 33 die älteste und damit schon immer als "Mutterersatz" gezwungen, sich um die anderen zu kümmern und sich selbst zurückzustellen. Ihr Versuch, aus dieser Rolle auszubrechen, ist zwar misslungen, aber mittlerweile scheint sie eine gefestigte Person zu sein, eine gut verdienende Anwältin, verheiratet mit einer liebevollen Frau und gut verankert in ihrem Leben.

    Aber Avery war nicht solide, nicht wirklich. Die Fassade bröckelte. Nur hatte das bisher noch keiner gemerkt - im Grunde nicht mal sie selbst.
    Zitat Seite 84

    Bonnie ist 31 und hat ihr Leben durch Disziplin und Willenskraft in den Griff bekommen. Ihr sanftes Wesen versteckt sich hinter der harten Fassade des Boxkampfes, dem sie sich verschrieben hat - doch der Tod ihrer Schwester hat sie in ein tiefes Loch gestürzt.

    Die jüngste ist Lucky mit 26, ein Modell seit Teenagerjahren und sie prägt das typische Bild eines Jet Set Lebens mit viel Party und vor allem Alkohol und Drogen, ohne die sie kaum einen Tag übersteht. Sie wirkt völlig verloren und einsam trotz ihrem turbulenten Leben und den vielen Bekanntschaften, die immer nur Bekanntschaften bleiben.

    Bonnie hätte gesagt, dass man Lucky nur lieben konnte, wenn man ihren Freiheitsdrang akzeptierte. Lass sie kommen und gehen, wie es ihr passt, dann wird sie irgendwann auf deiner Hand landen.
    Zitat Seite 43

    Auch über Nicky erfahren wir natürlich einiges, die in so jungen Jahren auf tragische Weise ums Leben kam und deren Platz nun leer erscheint und die Schwestern dazu führt, sich nicht mehr vollständig zu fühlen.

    Ich fand den Aufbau äußerst spannend, weil man nach und nach immer tiefer in die Persönlichkeiten der drei eintaucht und man über ihr Leben, ihre Gedanken, Hoffnungen, Träume und Verluste sowie Ängste die ganzen Facetten miterlebt, die uns Menschen prägen und beschäftigen. Die Autorin hat einen guten Blick und findet offene Worte für viele schwierige Themen der Trauer, dem Tod von Angehörigen, Missbrauch, Sucht, Verdrängung und Selbsttäuschung.
    Das Einfangen der Stimmungen ist der Autorin grandios gelungen und ich konnte mit jeder der Schwestern sehr mitfühlen und die Verzweiflung spüren, mit all der Last, die sich mit sich herumschleppen, zurechtzukommen.

    Es weckt auf jeden Fall die Empathie, über die Oberflächlichkeit von Menschen und ihre Vorurteile wegzusehen und genauer hinzuschauen. Die Motive von Verhaltensmustern haben nunmal immer tiefere Bedeutungen und Ursachen, die man auf den ersten Blick nicht erkennt. Wenn man sich aber die Mühe macht zu verstehen, entdeckt man die wirklichen Wesenszüge hinter der Fassade und dass sich jeder danach sehnt, gesehen und geliebt zu werden. Und zwar so, wie man ist, ohne sich verstellen zu müssen.

    Die Geschichte lebt für mich von ihrem ungeschönten Blick auf die Wahrheit, auf Momente, die ungefiltert und authentisch direkt ins Herz treffen und die teilweise dramatisch sind, aber auch in bedachtsamen Situationen ihr Gewicht finden und mich tief berührt haben.
    Kein einfaches Buch, denn es zeigt die tiefen Täler, die viele Menschen jeden Tag durchschreiten müssen, während die Geschäftigkeit im Alltag an ihnen vorüber fließt, während sie versuchen, auf ihre Weise in dem Chaos zu überleben.

    Mein Fazit: 5 Sterne

    Weltenwanderer

  • Girlshood pur!

    Als erstes war da dieses wunderschöne Cover und der zum Titel passende blaue Buchschnitt, aber spätestens ab dem ersten Blick ins Buch war meine Begeisterung nicht mehr zu bremsen.

    Die Autorin schafft es zwischen den Seiten alle vier Schwestern und die Dynamiken zwischen ihnen so detailreich und mit einem so liebevollen aber auch sehr ehrlichen, fast schon therapeutischen Blick zu beleuchten. Ich habe den Sprachstil, den sie dafür verwendet, geliebt und mein Exemplar über und über mit Postits versehen, da so viele Stellen für mich sprachlich so schön und anders als sonst ausformuliert waren.

    Alle vier Schwestern haben bzw. hatten ihr Päckchen zu tragen und stehen vor großen Fragezeichen. Zusätzlich sind die drei zurückgebliebenen Schwestern nach Nickys Tod damit konfrontiert, wie Trauer für jede persönlich aussehen kann und ob sie eine neue Dynamik finden ohne ihre Schwester und auf den Zusammenhalt der so unterschiedlichen anderen Schwestern zählen können.

    Ich konnte mich an so vielen Stellen in die Schwestern hineinversetzten und bei ihren Learnings manchmal nur aufgeregt nicken, weil ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe und habe den Leseprozess dahingehend wie einen richtig ehrlichen Austausch mit Freundinnen erlebt.

    Und auch die Aufarbeitung und Thematisierung von Generationenkonflikten und Blicke in die Vergangenheit und wie sehr diese uns beeinflußt und wie wir aufwachsen und welche Rollen wir bereits früh innerhalb der Familie einnehmen, hat mir gut gefallen und mich nur so durch das Buch fliegen lassen.

    Insgesamt hat mir die Mischung aus schweren Themen wie Sucht, Verlust und Umbrüchen aber auch vielen leichten und lustigen Szenen und Erinnerungen sehr gut gefallen. Die schweren Themen wurden immer wieder gut moderiert und eingebettet und nicht nur als Aufhänger oder für die Spannung ausgeschlachtet und einige Lösungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt.

    Außerdem hat mich die feministische Perspektive in dem Buch positiv überrascht und ich habe es sehr geschätzt, dass immer wieder Themen und Schwerpunkte subtil gesetzt und angebracht wurden, zum Beispiel der Fakt, dass Endometriose immer noch zu selten von Ärzten ernst genommen wird und innerhalb des Buches auch gegendert wurde.

    Ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen, eignet sich in dieser ästhetischen Ausgabe sicher auch zum Verschenken!

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