Jean Tobelmann führt in dritter Generation ein gut gehendes Restaurant in Köln. Zu seinen Stammgästen zählen der junge humorvolle und geheimnisvolle Sourie, der ein verbissenes Interesse am Phänomen Tod zeigt, und seine langjährige Freundin Tessa, die vor kurzem beide Eltern verloren hatte.
Ich wusste nicht, dass sie sich kannten, und da sie derart unterschiedlichen Bereichen meiner Welt angehörten, kam ihr Zusammentreffen für mich der Kollision zweier Planeten gleich. Seite 9
Sourie, 27 Jahre alt und Tessa, die sich in einer Lebens- und Ehekrise befindet und Söhne im Alter Souries hat, verlieben sich ineinander und beschließen ein Projekt zur Erkundung des Rätsels um den Tod, der grandiosen Zumutung, in der zugleich auch die absolute Gewissheit liegt, ins Leben zu rufen.
Leben ist Wahnsinn. Sterben ist Irrsinn. Eine Schlacht. Eine große oder kleine Schlacht, je nachdem ob Sie im Krieg oder allein sterben. Das ist meine Einstellung zum Tod. Seite 79
Meine persönlichen Leseeindrücke
Ich kannte Husch Josten nicht und wurde durch eine E-Mail des Berlin Verlages, der ein Rezensionsexemplar anbot, auf die Autorin und den Roman aufmerksam. Ich mag den Tod, er gehört für mich zum Leben, und hat nichts Böses oder Unheilvolles an sich. Und deshalb hat mich der Klappentext direkt angesprochen und ich war bereit, mich auf Souries Forschungen zu diesem Thema einzulassen.
Diesen Irrsinn, als den Sourie den Tod beschrieben hatte und mit dem er viel eher noch das Leben hätte meinen können: Es lächelt uns an. Es ist das unlösbare Rätsel, das Wissen, das es nicht gibt. Eine grandiose Zumutung. Seite 57
Ich habe nicht damit gerechnet eine Liebesgeschichte zu lesen. Ich habe nicht damit gerechnet über Freundschaft zu lesen. Ich habe nicht damit gerechnet in die Tiefen der menschlichen Seele zu blicken. Und ich habe nicht damit gerechnet den Tod als grandiose Zumutung zu betrachten, die er tatsächlich ist und das Leben als Fest zu feiern, als Irrsinn in all seinen Variationen.
Ich habe jederzeit die Erlebnisse, Erfahrungen und Gespräche, die aus einer Vielzahl von Bildern zusammengesetzt und durch Jean wiedergegeben wurden, geliebt, so wie ich Sourie und Tessa und all die anderen Romanfiguren, keine ausgenommen, in mein Herz geschlossen habe. Husch Josten ist es mühelos gelungen mit ihrer einfühlsamen, eleganten Sprache und ihren feinfühligen Beschreibungen und aufmerksamen Beobachtungen eine direkte Bindung zu mir herzustellen und ich werde von nun an, wann immer ich in Kontakt zum Thema Tod trete, an diesen besonderen Roman denken.
Fazit
Husch Josten ist mit ihrem Roman das schönste Buch, das ich zum Thema Tod bis jetzt gelesen habe, gelungen. Ich habe mich in jede Romanfigur verliebt und mit ihnen das Phänomen Tod akzeptiert, als Teil der Schönheit des Lebens, in dieser unglaublichen Gleichzeitigkeit der Dinge.
Durch die Gleichzeitigkeit von Blüte und Frucht galten Orangenbäume als Symbol der Zeitlosigkeit. Seite 177



