Hera Lind - Zeit zu verzeihen

Cover zum Buch Zeit zu verzeihen

Titel: Zeit zu verzeihen

4,6 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

92,9% Zufriedenheit

Verlag: Knaur TB

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 464

ISBN: 9783426528389

Termin: Neuerscheinung Mai 2024

Aktion

  • Emotionale Geschichte über Menschen die grausames erlebt haben

    Als die Russen kurz davor stehen in ihr Dorf einzudringen, flüchtet Rosa mit ihren drei kleinen Kindern in die nächste grössere Stadt. Dort fährt, so hiess es überall, ein letzter Zug in den Westen. In eisiger Kälte, meterhohem Schnee stapft sie mit dem Schlitten, ihrem Hab und Gut und ihren drei kleinen Kindern die 17 km lange Strecke. Viele haben dieselbe Idee und alle wollen in den sicheren Westen. Doch Rosa bemerkt schnell, dass dieser Zug nicht in den Westen fährt und die erhoffte Freiheit bringt. Sie versucht mit ihren Söhnen aus dem Gewimmel zu kommen und notgedrungen wieder nach Hause zu laufen. Auf der Damentoilette des Bahnhofes finden sie ein ausgesetztes Baby. Glücklicherweise tauchen zwei weitere Frauen, Mutter und Tochter, auf und nehmen sich dem ausgesetzten Baby an. Die kleine Clara, findet hoffentlich ein neues zu Hause. Mit ihren drei Söhnen versucht Rosa ihr zu Hause wieder einzurichten und ja nicht von den Russen erwischt zu werden. Kälte, wenig Essen und die ständige Gefahr entdeckt zu werden, setzt der kleinen Familie zu. Als wäre dies nicht schon Schicksal genug, verliert Rosa ihre zwei ältesten Söhne und wird von den Bewohnern des Dorfes immer mehr ausgegrenzt. Als einzig verbleibende Deutsche hat sie keine Rechte und der kleine Viktor muss sich durchkämpfen, um überhaupt eine Ausbildung machen zu können. Ein Leben das man sich dem eigenen Kind nicht wünscht und man auch Opfer bringen muss.

    ‘Zeit zu verzeihen’ widmet sich wahren Begebenheiten und lässt den Leser erahnen, welche Grausamkeiten Rosa, ihre Familie, die kleine Clara und viele weitere durchmachen mussten. Hera Lind lässt einem nur so durch die Seiten fliegen, den als Leser möchte man unbedingt wissen, wie es Viktor und seiner Mutter ergangen ist, aber natürlich auch was aus der kleinen Carla geworden ist. Zu Beginn erfährt man sehr viel über die Geschichte von Rosa und Viktor, etwa zur Mitte des Buches wird zur Geschichte von Carla gewechselt, die nichts von ihrer Vergangenheit ahnt. Einige Vorkommnisse lassen den Leser sprachlos zurück und beeindrucken einem, wie stark man als Person sein kann, wenn man sich auf etwas konzentrieren kann.

    Rosa fand ich eine sehr eindrucksvolle Frau. Sie kämpft für ihre Familie, den sie hat es ihrem gefallenen Mann Paul versprochen. Dieses Versprechen gibt ihr Kraft und sie baut für sich und ihre Söhne ein gutes Leben auf. Auch von Schicksalsschlägen lässt sie sich nicht unterkriegen. Berührend fand ich, dass Viktor mit dem älter werden die Beschützerrolle von seiner Mutter übernommen hat und nun seine Mutter beschützt. Ein Rollentausch, den beide am Leben hält und ihnen Kraft für ihre neue Lebenssituation gibt. Von Carla erfährt man am Anfang ganz wenig, doch je mehr man in ihre Geschichte eintaucht, umso bewundernswerter ist ihr Kampfgeist. Wie Rosa lässt sie sich nicht unterkriegen und hat die Hoffnung ihre Liebsten und vor allem ihre leibliche Mutter nochmals zu sehen. Alle prägt ein Gedanke, Hoffnungsschimmer oder Versprechen um diese schwierige Zeit zu überstehen.

    Eine emotionale Geschichte, die mich vielfach sprachlos zurück liess. Wie kann Menschen so grausames angetan werden? Eine Leseempfehlung, für alle welche gerne Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg lesen die auf einer wahren Begebenheit beruhen.

  • Im letzten Kriegsjahr 1945 beginnt für die im ostpreußischen Allenstein und Wartenberg lebenden Menschen die Flucht. Rosa kehrt mit ihren drei Söhnen, darunter Viktor, wieder in die Heimat zurück. Sie leben nun für lange Zeit in Polen. Barbara versucht mit ihrem Baby den letzten Zug in den Westen zu erreichen. Ein sowjetischer Offizier entreißt ihr das Kind und legt es in der Toilette des Bahnhofs ab. Das kleine Mädchen wird von Rosa und ihren Söhnen gefunden und von zwei Flüchtlingsfrauen später mitgenommen. Sie nennen das Kind Clara. Im Jahr 1965 lernen sich Clara und Viktor an der Ostsee kennen, nicht ahnend, dass sie sich vor vielen Jahren in einem Ort in Ostpreußen schon einmal begegnet sind. Die beiden jungen Menschen lernen sich näher kennen und lieben. Clara lebt in der DDR und Viktor in der BRD, zwischen den beiden liegt die Grenze. Sie riskieren eine abenteuerliche Flucht, allerdings wird Clara verraten. Sie ist bereits schwanger und wird in das berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck eingewiesen. Unter entsetzlichen Umständen bringt sie dort ihren Sohn zur Welt, der ihr bald darauf weggenommen wird. Dank ihrer Liebe bleibt Clara standhaft und auch Viktor kämpft für sie und sein Kind.

    Das Cover spiegelt Zerissenheit von Menschen inmitten einer idyllischen Gegend wider. Erneut ist Hera Lind ein ergreifender Roman gelungen, der auf wahren Begebenheiten beruht. Die Autorin spannt in ihrer Erzählung einen Bogen um die Geschehnisse im Kriegsjahr 1945, über das Regime in der DDR, bis hin zur Gegenwart. Tief ergriffen war ich von der Mutterliebe und Opferbereitschaft Rosas, die täglich 30 Kilometer gelaufen ist, um dem kleinen Viktor ein rohes Ei ins Krankenhaus zu bringen. Zu dieser Zeit gab es nicht viel und es hat dem Kind geholfen, zu überleben.

    Im Jahr 1965 lebt Clara in der DDR und hat gerade eine Ausbildung als Krankenschwester abgeschlossen. Durch Zufall erfährt sie von ihrer leiblichen Mutter Barbara, die über Jahrzehnte in Sibirien Grauenhaftes durchgemacht hat und sich nun in einer psychiatrischen Einrichtung in der BRD befindet. Ich habe mit Barbara gefühlt, als sie nach der Gefangenschaft feststellen muss, dass ihr Mann eine neu Familie gegründet hat und ihre Tochter Clara für sie unerreichbar ist. Für Clara und Viktor kann es keine gemeinsame Zukunft geben, außer Clara flüchtet aus der DDR.

    Als ich von Claras entsetzlicher Haft unter unmenschlichen Bedingungen, ihrer Schwangerschaft und Geburt gelesen habe, sind mir die Tränen gekommen und ich musste unterbrechen. Wie qualvoll muss es für eine Mutter sein, von ihrem Kind getrennt zu werden. Ich bewundere Clara für ihre Kraft an die Liebe zu glauben und nicht aufzugeben. Später besitzt Clara sogar die Größe, jenen zu verzeihen, die sie verraten haben. Hera Lind versteht es mitreißend zu erzählen und Emotionen zu wecken. Ich vergebe für diesen auf wahren Tatsachen beruhenden Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Über die Autorin (Amazon)

    Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit zahlreichen Romanen sensationellen Erfolg hatte. Mit ihren Tatsachenromanen, die alle auf wahren Geschichten beruhen, erobert Hera Lind immer wieder verlässlich die vordersten Plätze der SPIEGEL-Bestsellerliste. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

    Produktinformation (Amazon)

    Herausgeber ‏ : ‎ Knaur TB; 2. Edition (2. Mai 2024)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Taschenbuch ‏ : ‎ 464 Seiten

    ISBN-10 ‏ : ‎ 342652838X

    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426528389

    Wer hat Clara verraten?

    Die Autorin erzählt von einer großen Liebe, einem grausamen Verrat und Zeit im Gefängnis der DDR.

    Clara und Victor lernen sich im Sommer 1965 kennen. Sie wissen nicht, dass sie sich als ganz kleine Kinder an einem tragischen Ort schon einmal begegnet sind. Damals haben sie nur dank ihrer mutigen Mütter überlebt. Sie verlieben sich ineinander, doch jetzt gibt es Ost und West. Sie gehen ein großes Risiko ein und wollen aus der DDR fliehen, doch das mündet in einer Katastrophe. Clara wird angezeigt, ein Verrat großen Ausmaßes und landet im Frauengefängnis Hoheneck. Dort wird auch unter fürchterlichen Umständen ihr Sohn geboren und sie muss monatelang um sein Überleben kämpfen. Doch das Kind wird ihr dann weggenommen. Claras wahre Liebe ist jedoch ungebrochen und Viktor hat sich auch nie aufgegeben.

    Dies ist die wahre Geschichte von Clara und Viktor. Es geht um ein Schicksal, das in der Nachkriegszeit tausende in der DDR getroffen hat.

    Meine Meinung

    Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen, denn keine Unklarheiten im Text störten meinen Lesefluss. In die Protagonisten konnte ich mich hineinversetzen, auch wenn ich persönlich dem Krieg, zum Glück, nicht mehr erlebt habe. Wie es dazu kommt, dass Viktor den Krieg und die erste Nachkriegszeit überlebt hat. erfährt der Leser in diesem Buch. Es war für ihn und jedoch mehr für seine Mutter eine schwere Zeit. Clara überlebt dank eines russischen Soldaten, wieso das so ist, auch das erfährt der Leser beim Lesen dieses Buches. Die Spannung ist in diesem Buch von Anfang an da und bleibt bis zum Ende. Ich konnte mich in Viktors Mutter hineinversetzen, auch wenn ich nicht alles nachvollziehen bzw. verstehen konnte was, bzw. warum sie es tat. Auf der einen Seite ja, auf der anderen war es für mich fraglich.

    Gefreut hat mich, dass Viktors Mutter nach Clara suchte, nachdem sie deren Mutter kennengelernt hatte. Auch dieses hatte Schreckliches erlebt in ihrer Zeit in Russland. Dass Viktor und Clara ein Liebespaar wurden, steht ja bereits im Klappentext und dass Clara aus der DDR ausreisen wollte, kann sich jeder denken. Wie es vielen DDR-Flüchtlingen ergangen ist, das wissen wir und auch Clara blieb nicht verschont. Und dann wurde ihr auch noch ihr Kind weggenommen. Ob sie es je wieder sehen wird? Auch das liest der Leser in diesem Buch. Es hat mich gefesselt, mich richtig in seinen Bann gezogen und mich gut unterhalten. Daher von mir eine Leseempfehlung sowie fünf Sterne.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Lerchie


    _______________________
    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • Schicksale

    Wieder einmal hat Hera Lind es geschafft mich von Beginn an zu begeistern und zu fesseln.

    Die Autorin hat hier sehr realistisch, aber gleichzeitig sehr emotional und herzergreifend über die einzelnen, wahren Schicksale von Rosa, Barbara, Clara und Viktor berichtet, im Zeitraum von 1945 bis in die Gegenwart. Sie hat diese Einzelschicksale in ihrem Buch sehr gekonnt zu einem großen Ganzen verschmelzen lassen. Die einzelnen Protagonisten werden sehr anschaulich beschrieben und haben mich sofort in ihren Bann gezogen, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Erstaunlich woher diese Menschen trotz der oftmals menschenunwürdigen Umstände und Widrigkeiten ihre Kraft genommen haben um das alles zu überstehen. Sie haben sich nie unterkriegen lassen und immer an ihrem Lebensmut festgehalten.

    Man fühlt zu jeder Zeit mit ihnen uns ist fassungslos über die Repressalien die die Menschen nicht nur während des Krieges erleben mussten. In der ehemaligen DDR ging es für diejenigen, die gegen den Strom schwammen und mit dem Regime nicht einverstanden waren, auch nach dem Krieg weiter mit Demütigungen, Schikanen und vielem mehr. Trauen konnte man niemandem, denn die Verräter waren überall, wie auch Clara leider am eigenen Leib erfahren musste.

    Die Grausamkeiten die sie im Gefängnis erleiden musste, absolut barbarisch, aber leider die traurige Realität.

    Ich kann der Autorin zu diesem tollen Roman nur gratulieren und eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen!

  • Berührend, einfühlsam und schockierend zu gleich

    Nach zahlreichen Romanveröffentlichungen (wie z.B. „Das letzte Versprechen“ oder „Das einzige Kind“) hat Hera Lind nun ihr neustes Werk „Zeit zu verzeihen“, dass im Mai 2024 im Knaur Verlag erschienen ist, vorgelegt. Bisher habe ich nur ein Buch von ihr gelesen, aber das hat mich so begeistert zurückgelassen, so dass ich das Neuste ebenfalls lesen musste. Allein der Klapptext hat meine Neugierde mehr als nur geweckt.


    Wie schon bei dem vorherigen Band konnte mich der flüssige und leichte Schreibstil der Autorin mehr als nur überzeugen. Bereits ab der ersten Seite konnte, nein, wollte ich dieses Buch fast nicht mehr aus der Hand legen, es zog mich magisch in seinen Bann. Nicht nur mit ihrem Schreibstil kann Hera Lind punkten, sondern auch mit ihrem bildhaften Erzählstil. Während des Lesens hatte ich das Gefühl, dass parallel ein Film dazu lief, so einzigartig waren die detaillierten Eindrücke beschrieben worden. Bei mir entstand eine Achterbahn der Emotionen, denn das was die Charaktere durchlitten hatten, spürte ich hautnah. Angst, Wut, Schmerz, Hoffnung, Hunger, Trauer von allem war, mehr als ein Mensch je verkraften kann, dabei. Teilweise las ich einige Szenen mit einer puren Fassungslosigkeit, dass ich kaum glauben mochte, dass so etwas tatsächlich passiert ist. Leider war dem so, denn auch ihr aktueller Roman ist nach wahren Begebenheiten geschrieben worden. Im Nachwort schreibt die Autorin zwar, dass sie einige fiktive Stellen dazugefügt hat, aber im Großen und Ganzen ist dieses Buch ein Tatsachenbericht, der sich vor etlichen Jahren so bei den vier Hauptakteuren abgespielt hat.


    Zu Handlung möchte ich gar nicht viel schreiben, nur so viel: mit ihren drei Söhnen lebt Rosa an der polnischen Grenze, aber als die Russen dort einmarschieren, ergreift sie die Flucht und versucht den Zug in den Westen zu bekommen. Im letzten Moment erfährt sie, dass dieser Zug gar nicht in die Freiheit geht, sondern nach Sibirien. Alle vier flüchten und beschließen, wieder in ihre alte Heimat zurück zu kehren. Dort kämpft sie ums nackte Überleben.


    Zeitgleich am Bahnhof wird die kleine Clara ihrer Mutter, die bereits im Zug ist, weggenommen und von einer Mutter und deren Tochter gefunden und mitgenommen, wo sie auch aufwächst. Als Clara von dem westdeutschen Viktor erfährt, dass ihre leibliche Mutter noch lebt, möchte sie zu ihr, aber der eiserne Vorhang steht ihr im Weg. Nicht nur wegen ihrer Mutter hält Clara Kontakt zu Viktor, nein, die beiden verlieben sich ineinander. Dies hat fatale Folgen, denn ihr Fluchtversuch missglückt. Für beide beginnt eine ungewisse Zukunft.


    Nicht nur Rosa und Claras Lebensgeschichte findet in diesem Roman Platz, sondern auch die von Barbara, Claras leiblicher Mutter.


    Hera Lind hat nicht nur einen Roman geschrieben, nein, sie nimmt ihre Leserschaft mit auf eine bewegende und erschreckende Zeitreise mit, die emotionaler nicht hätte sein können. Manchmal kam mir der Gedanke, wie viel Grausamkeit kann eine Menschenseele aushalten bzw. verkraften. Zudem zeigt mir dieses Buch, wie stark Menschen und wie tief der Glaube sein kann, um die grausamste Hölle zu überleben und vieles zu verzeihen. Um das Ganze mit einer einzigartigen Authentizität zu unterlegen, ließ Hera Lind Viktors Erinnerungen, die er für seine Enkelinnen aufgeschrieben hat, einfließen. Was für ein genialer Schachzug, die Leser an seinen Erinnerungen teilhaben zu lassen.


    Für mich ist „Zeit zu verzeihen“ erneut eine berührende und schicksalhafte Geschichte, die mich auf eine sehr emotionale und zugleich schockierende Reise in die deutsch- deutsche Vergangenheit entführt.


    5 von 5 Sterne und ich kann, nein, muss dieses Buch einfach weiterempfehlen!

    "Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie." (James Daniel) :study:

    :study:

Aktuelle Aktionen

Leserunde: Fritz oder Wer nie sei...

Nimm an der Leserunde teil und gewinne eins von fünf Büchern!

Jetzt mitmachen

Endet heute

Gewinnspiel: Unter dem Strand

Gewinne bei der Buchverlosung einen von drei Preisen!

Jetzt mitmachen

Endet in 4 Tagen

Leserunde: Dranora: Herz aus Asche

Nimm an der Leserunde teil und gewinne eins von fünf Büchern!

Jetzt mitmachen

Endet in 7 Tagen

Leserunde: Lord Breakinghams Gehe...

Nimm an der Leserunde teil und gewinne eins von sieben Büchern!

Jetzt mitmachen

Endet in 7 Tagen