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Angelika Lauriel - Die Frau des Ölbauern

  • Klappentext:


    Die junge Deutsch-Italienerin Raffaela will sich endlich ihren Lebenstraum erfüllen: eine eigene Trattoria in der Altstadt von Saarbrücken. Während an dem Lokal die letzten Renovierungen durchgeführt werden, reist sie auf der Suche nach Rezeptideen, Handelspartnerschaften und Inspiration einen Sommer lang in die Toskana, die ehemalige Heimat ihrer Mutter. Hier stößt sie auf zahlreiche Verwandte, auf eine Welt, die immer schon in ihr geschlummert hat, auf die Jugendtagebücher ihrer Mutter und auf zwei Männer, die ihr Rätsel aufgeben. Während sie alles sammelt, was sie für ihre Trattoria brauchen wird, vertieft sie sich in Tizias Tagebücher und entdeckt die Geschichte ihrer italienischen Vorfahrinnen. Dieser Sommer führt Raffaela durch die Vergangenheit in ihre Zukunft und vielleicht zur Liebe ihres Lebens


    Über die Autorin:


    Angelika Lauriel schreibt Bücher für alle Altersklassen. An der Universität des Saarlandes hat sie Übersetzen und Dolmetschen studiert und arbeitete in verschiedenen Tätigkeitsbereichen des Bildungswesens. Mittlerweile widmet sie sich neben ihrem Hauptberuf als Lektorin, Korrektorin und Literaturübersetzerin verstärkt dem Schreiben. Im Saarland ist sie vor allem für ihre Kriminalreihe um das Saarlouiser Ermittlerduo Lucinda Schober und Frank Kraus bekannt.


    Eigene Meinung:


    Wenn ich ein Buch mit dreieinhalb Sternen bewerte, dann deshalb, weil es mich entweder gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat, oder weil ich etwas Neues lernen konnte.


    Auf „Die Frau des Ölbauern“ trifft dies alles zu. Bislang erschließt sich mir zwar immer noch nicht ganz, warum der Roman diesen Titel trägt, denn es gibt in diesem Buch mehrere Ölbauern und passend dazu auch mehrere Frauen. Deshalb vermute ich mal, dass der klanghafte Name aus Verlagssicht am besten zu dem malerischen Cover passte.


    Aber wie dem auch sei – auf spezielle Art und Weise habe ich die Geschichte um die junge Raffaela Stein, Tochter einer aus der Nähe von Viareggio stammenden Mutter und eines deutschen Vaters wirklich genossen.


    Angelika Lauriel beschreibt auf sehr authentische Art die Sehnsucht der Protagonistin, mehr über ihre italienische Herkunft herauszufinden. Raffaela ahnt, dass es in der Vergangenheit zu einem Bruch in der Familie ihrer Mutter Tizia kam. Da sie die Hintergründe nicht kennt, fährt sie mit gemischten Gefühlen zu Nonna Maria, die immer noch in dem kleinen Dorf an der toskanischen Küste lebt.


    Die Bindung, die sie zu diesem Teil ihres Erbes fühlt, wird deutlich in dem Wunsch, das kulinarische Wissen und die Besonderheiten der italienischen Küche in einem eigenen Lokal aufleben zu lassen. Was liegt also näher, als sich von der eigenen Großmutter beraten zu lassen und Kontakte mit Lieferanten vor Ort knüpfen zu können.


    Raffaela findet sich sehr schnell ein, die wunderbare Landschaft, die herzliche Art, mit der sie aufgenommen wird, tun ihres dazu. Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis sich eine Liebesgeschichte entspinnt, die ihrerseits einen Bezug zu Tizias Vergangenheit hat.


    Hier gelingt es Angelika Lauriel sehr gut, das Buch nicht zur Schmonzette verkommen zu lassen. Indem Raffaela durch die Tagebücher ihrer Mutter immer mehr über die Umstände erfährt, die Tizia aus dem wunderschönen Italien weggeführt haben, wird ihr auch klar, warum es nicht immer leicht ist, sich jemandem zu offenbaren. Gerade, wenn es darum geht, Entscheidungen fürs Leben zu treffen, die auch andere miteinschließen.


    Sehr gut nachvollziehen konnte ich die innere Zerrissenheit zwischen der ´anima italiana´ und der Sehnsucht nach einem abenteuerreichen Leben in Deutschland. Wer sich für einen festen Lebensort entscheidet, lässt unweigerlich einen anderen zurück. Ein Großteil der Geschichte dreht sich eben auch darum: mit dem Weg, den man gegangen ist, Frieden zu schließen und nicht ein Leben lang damit zu hadern.


    Die Autorin weckt mit ihren Beschreibungen der Region tatsächlich auch beim Leser ein gewisses Fernweh, unter anderem indem sie immer wieder italienische Sätze oder Redewendungen miteinfließen lässt. Aber keine Sorge – das meiste erschließt sich aus dem Kontext und ist wohldosiert.


    Ein wenig erleichtert, war ich, dass Frau Lauriel mit der Verwendung von saarländischen Ausdrücken sparsam umgegangen ist. Aber dies ist eine persönliche Sache. Mir als Saarländerin ist es eher unangenehm, den eigen Dialekt in einem Buch zu lesen oder in den Medien zu hören. Ich bin mir aber sicher, dass viele das anders sehen.


    Da ich den Teil Italiens, von dem die Rede ist, selbst kenne, ist es mir leichtgefallen, mich mitnehmen zu lassen. Und obwohl die Geschichte an der ein oder anderen Stellen für meinen Geschmack eine Kürzung vertragen hätte, war ich insgesamt angenehm überrascht und kann guten Gewissens eine Leseempfehlung aussprechen.