Alex Schulman - Endstation Malma / Malma station

Cover zum Buch Endstation Malma

Titel: Endstation Malma

, (Übersetzer)

4,1 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

81,3% Zufriedenheit

Verlag: dtv

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783423283533

Termin: Oktober 2023

Aktion

  • Kurzmeinung

    Bartie
    Bewegende Schreibweise, emotional
  • Kurzmeinung

    Maesli
    Kaputte Seelen, kaputte Leben - Kindheitstraumas die zur Katastrophe führen.
  • Cover zum Buch Vergiss mich Cover zum Buch Verbrenn all meine Briefe Cover zum Buch Die Überlebenden
  • "Endstation Malma" war mein erster Roman von Alex Schulman, und schon die Leseprobe hat mich sehr berührt. Auf kunstvolle Weise verbindet Schulman erzählerisch meisterhaft Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten Harriet, Oskar und ihrer gemeinsamen Tochter Yana miteinander, die alle zu unterschiedlichen Zeiten auf der Zugstrecke von Stockholm nach Malma unterwegs sind. Den meisten Raum nimmt Harriets Geschichte ein, die wir als Kind, Ehefrau und Mutter erleben. Über die Bahnfahrten gewinnt man Einblick in die Gedankenwelt der Figuren, ihre Träume und Traumata, und erfährt von einschneidenden Erlebnissen, die teils jahrzehntelang nachwirken.

    Der Schreibstil ist eindringlich, lebendig, emotional, und ich konnte mich schnell in die Figuren einfühlen und mit ihnen mitleiden. Die Grundstimmung ist düster, das Ehepaar hat sich auseinandergelebt, Harriet kämpft zeitlebens mit ihren Traumata aus der Kindheit, die sie auch als Mutter gegenüber Yana blockieren. Schulman zeigt, wie negative Erfahrungen aus der Kindheit ein ganzes Leben prägen können, wie sie unsere Fähigkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, blockieren und und sich auch über Generationen hinweg fortsetzen. Das ist teilweise schmerzhaft zu lesen, und das Buch hat mich stellenweise sehr mitgenommen, so dass ich öfter innehalten und eine kurze Pause einlegen mußte.

    Dieser Roman wird mir - auch als Mutter und Tochter - sicherlich noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Schulman hat mich inhaltlich und stilistisch beeindruckt, und ich werde auf jeden Fall auch seine bisherigen Bücher lesen. Endstation Malma möchte ich unbedingt weiterempfehlen!

    5 Sterne.

  • Der Autor des hier vorliegendes Buches Alex Schulman ist für tiefgehende Bücher bekannt, so dass ich mich schon direkt auf sein neues Werk gefreut habe. In diesem geht es um den Ort Malma und drei Zugfahrten mehrerer Generationen von Menschen in den letzten fünfzig Jahren. Anfang der 1970er Jahre fuhr der Vater Bo mit seiner Tochter Harriet nach Malma, Anfang der 2001 Harriet mit ihrem Partner Oskar und dann in der Gegenwart unternimmt Yana, die Tochter von Oskar und Harriet diese Fahrt. Malma ist hierbei ein Ort, der die Geschichten dieser drei Generationen verbindet und für die Suche nach der Vergangengenheit, der Gegenwart und sich selbst steht.
    Gekonnt verknüpft Alex Schulman die Themen Identitätsfindung, abwesende Mütter, überforderte Väter und die Suche nach Liebe, Geborgenheit und Anerkannt-Werden mit einer Geschichte, die unter die Haut geht und sich erst nach und nach entschlüsselt. Dabei stehen die Brüche in den Lebensbiographien und nicht so sehr der äußere Glanz im Vordergrund, was die Geschichte merklich authentisch erscheinen lässt. Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an und kann von mir nur wärmstens empfohlen werden.

  • Klappentext:

    Ein Zug, drei Menschen und ihre miteinander verwobenen Schicksale: Nach ›Die Überlebenden‹ und ›Verbrenn all meine Briefe‹ erzählt Alex Schulman hier erneut mit großer emotionaler Wucht.

    Ein Zug fährt durch eine Sommerlandschaft. An Bord sind ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter sowie eine Frau, die das Rätsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma, einen kleinen Ort, wenige Stunden von Stockholm entfernt, umgeben von Wäldern. Und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und ob das, was sie in Malma erwartet, ihrem Leben nicht eine neue Wendung geben wird.

    In bestechender Prosa baut Alex Schulman seine Erzählung auf: wie einen Zug, der durch die Zeit fährt und in dem jedes Kapitel ein eigener Waggon ist, der an den nächsten angehängt wird. Lässt sich die Zukunft frei gestalten, oder ist sie durch Vergangenes vorgezeichnet?


    Mein Lese-Eindruck:

    „Ich will die Dunkelheit in mir verstehen“, schreibt Alex Schulman in seinem Roman „Verbrenn all meine Briefe“. Damit wird der psychotherapeutische Ansatz seiner Bücher deutlich: Schreiben zur Bewältigung einer traumatischen Kindheit. B

    isher wurden drei Bücher des schwedischen Erfolgsautors ins Deutsche übersetzt, und auch in seinem letzten Buch erzählt Schulman von traumatisierten Menschen. Er erzählt schreckliche Kindheiten, von verlassenen und verratenen Kindern und Erwachsenen, von einsamen Menschen, von gestörten und dysfunktionalen Beziehungen, bei denen die Familie keinen Schutzraum mehr bietet. Menschen, die in ihren Glaubenssätzen gefangen sind und ihre Gefühle nicht äußern können, Lebenslügen und nicht gelingende Beziehungen - es ist harter Tobak, den er dem Leser bietet. Und er erzählt von dem, was man heute transgenerationale Traumatisierung nennt: die Weitergabe von seelischen Verletzungen von einer Generation an die nächste.

    Für dieses komplexe Thema wählt Schulman ein bestechend klares Bild: das Bild einer Zugfahrt. Der Leser trifft auf die ca. 10 Jahre alte Harriet und ihren abweisenden Vater, wobei Harriet eine Urne in ihrem Gepäck hat. Außerdem reist Oskar mit seiner Frau. Das Paar ist zur Trennung entschlossen, aber Oskars Frau will ihm vorher noch einen besonderen Ort ihrer Kindheit zeigen. Und eine junge Frau sitzt im Zug, Yana, sie hat ein Fotoalbum dabei und sucht ihre verschwundene Mutter. Es dauert etwas, bis der Leser die Zusammenhänge erkennt. Es sind drei Generationen, die hier im immer gleichen Zug sitzen, sie fahren in dieselbe Richtung und haben immer dasselbe Ziel: den fiktiven Ort Malma. Und dem Leser wird klar: alle Reisenden haben ein Attribut der Vergänglichkeit bei sich bzw. blicken zurück.

    An diesem Punkt aber dreht der Autor/Erzähler die gewohnten Begriffe von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihr Gegenteil um: die Zukunft ist klar, weil das Ziel feststeht, nämlich die "Endstation Malma“. Aber die Vergangenheit kann mit Deutung versehen werden. Sie kann immer wieder aufs Neue beschworen und ihre Wirklichkeit kann durch den Blick zurück verändert werden. Vor allem aber kann sie erzählt werden, und durch die Sprache – sei es jetzt das Erzählen, wie es Schulmans Figuren in diesem Roman tun, oder sei es das Schreiben wie bei Schulman selbst – wird die Vergangenheit beherrschbarer.

    Und so besteht ein Großteil der Handlung aus Retrospektiven, aus Erinnerungen der Reisenden. Jede Figur beleuchtet eines oder mehrere Ereignisse der Vergangenheit. Das Interesse an der Vergangenheit ist größer als das an der Gegenwart und der Zukunft. Die Zukunft dieser traumatisierten Menschen bietet offenbar wenig Gestaltungsmöglichkeiten, ganz im Unterschied zur Vergangenheit. Dieser Blick zurück hilft die Vergangenheit genauer zu erfassen, und die Sprache macht die Schrecken der Vergangenheit vielleicht nicht kleiner, aber erträglicher.

    Zugleich entsteht durch das gleichzeitig wirkende Nebeneinander der Figuren und Handlungen ein merkwürdiger Schwebezustand, bei dem sich die Zeiten und auch die Räume ineinander verschieben und sich die Grenzen verwischen. Das Motiv des fahrenden Zuges trägt zu dieser Grenzverwischung bei. Schulman nutzt das Motiv aber auch, um das Durchbrechen der Generationenkette zu erzählen. Der mit Getöse herannahende Zug wird zu einer Metapher der drohenden Gefahr, und jeder Waggon ist ein Bild für das Gefangensein einer Familie im generationenübergreifenden Trauma. Sehr schön spielt Schulman dieses Symbol durch, wenn er bei Yana, dem jüngsten Glied der Familienkette, den Zug durchfahren lässt: Yana steigt nicht in diesen Zug, der sie wieder in die Vergangenheit bringen würde. „Richtungswechsel!“ (S. 300). Yana befreit sich, sie trägt das Trauma nicht weiter, sie wird einen anderen Weg nehmen. Ein hoffnungsvolles Ende.

    Mit diesen erzählerischen Kunstgriffen und dem überaus eindringlichen Bild einer Zugfahrt gibt Schulman seinem Roman eine feste Form. Damit hebt Schulman sein Buch über das rein autobiografische und therapeutische Schreiben hinaus ins Literarische. Die klare Komposition des Romans mag vielleicht auch den therapeutischen Nutzen haben, die Schrecken zu bändigen.

    Zur strengen Komposition gehört auch die wiederkehrende Verwendung von Motiven. Schulman setzt sie sehr plakativ ein, wenn er z. B. in zwei Generationen Ketten aus Trinkhalmen basteln lässt und dazu auch noch dieselben Wendungen einsetzt. Damit stößt er seinen Leser mit der Nase auf diese Motive. Auch bestimmte Handlungen und Sätze wiederholen sich fast identisch bzw. wortwörtlich in jeder Generation. Hier führt Schulman seinen Leser zu eng, er misstraut ihm offenbar. Wieso? Der Roman mit seinen Verwürfelungen stellt den Leser durchaus vor Anforderungen. Wieso lässt der Autor ihm jetzt keinen eigenen Entdeckungsspielraum?. Auch die Cliffhanger wären nicht nötig gewesen; auch ohne diesen Griff in die Krimi-Trickkiste, lieber Herr Schulman, hätte ich Ihren Roman zu Ende gelesen.

    Trotzdem: vielen Dank für diesen Einblick in verletzte Seelen und die Möglichkeit, Verständnis zu entwickeln, auf der rationalen und emotionalen Ebene.

    4,5 von 5*

    :musik: John Galsworthy, Die Forsythe-Saga I. Übersetzer: ungenannt. Sprecher: Thomas Dehler.

    :study: Julian Barnes, Abschied(e). Übersetzung: Gertraude Krueger.


    "Der echte Bibliophile liebt mehr als Form und Inhalt eines Buches seine Existenz; er muss es erst gar nicht lesen" (Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh, S. 49).

  • Ein Zug fährt durch eine Sommerlandschaft. An Bord: ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter, eine Frau, die das Rätsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und was sie in Malma erwartet.

    Sie sieht die hohen Kiefern, die sich wie eine Wand neben der Straße erheben, und zum ersten Mal auf dieser Reise denkt sie, dass es vielleicht besser wäre, umzukehren, denn man soll nicht nach etwas suchen, von dem man nicht sicher ist, dass man es finden möchte.

    Meine persönlichen Leseeindrücke

    Was bedeutet es, aus einer unglücklichen Familie zu stammen und ist es zwingend vorgeschrieben, dass man dieses Unglück an die eigene Tochter weitergibt? So könnte ich die Botschaft dieses neuen Romans von Alex Schulman zusammenfassen.

    „Sie hatten beschlossen, sich zu trennen und wollten uns Kinder unter sich aufteilen. Beide wollten Amelia, keiner wollte mich. Damit lebe ich jeden Tag. Ich bin die Verschmähte, bin es immer gewesen und werde es immer sein.“

    Nach den großartigen Büchern „Die Überlebenden“ und „Verbrenn all meine Briefe“ weiß ich bereits, dass ich wieder in tiefe dunkle Familiengeheimnisse eintauchen werde, und ein literarischer Knall am Ende der gleichzeitig die Tristesse der erzählten Leben erklärt. Darin versteht sich Alex Schulman besonders. Lange lässt er mich als Leser im Dunkeln, auch wenn ich aus Erfahrung schon weiß, da kommt noch der Moment, der alles erklärt und die Erzählung ins richtige Lot bringt. Darin werde ich nicht enttäuscht.

    Doch dieses Mal reißt mich die Handlung nicht so mit, mein Mitleid hält sich in Grenzen. Um einen Vergleich mit den beiden vorherigen Romanen komme ich nicht herum und vielleicht liegt es an seinem Stil, den ich jetzt schon ein bisschen kenne, dass ich dieses Mal den Zugang zu den Romanfiguren nicht finde, weil ich ja weiß, in Schweden, bei Schulman, geht es nun mal nicht lustig zu. Die ständigen Ort-, Zeit- und Personenwechsel haben eine Unruhe in der Entwicklung der Geschichte bewirkt, die sich auf meinen Lesefluss hemmend ausgewirkt haben.

    Fazit

    „Endstation Malma“ ist eine Erzählung über familiäre Lasten, die bewusst oder unbewusst an die nächste Generation weitergegeben werden und eine Zugfahrt nach Malma als gemeinsamen Nenner, der die Romanfiguren mit ihren Schicksalen an einen Ort zusammenfügt. Leider konnte diesmal die Handlung nicht die Intensität der beiden vorherigen Romane erreichen.

    „Nur ein einziges Mal im Leben geschieht es, dass man einen Blick auf sich selbst erhascht.“ sagt sie. „Und nur dies, und nur dies, wird entweder zum glücklichsten oder zum schrecklichsten Moment des eigenen Lebens.“

  • Gefangen im Zug


    Ausdruckstarke Bilder einer dysfunktionalen Familie zeichnet Alex Schulman in seinem neuesten Roman „Endstation Malma“.


    Drei Familienmitglieder: Harriet, Oskar und Yana erzählen abwechselnd über ihre Reisen mit dem Zug zu dem kleinen, ruhigen Ort inmitten der schwedischen Wälder. Die drei Erzähler unternehmen ihre Reisen zu unterschiedlichen Zeiten und bevor sie ihr Ziel erreichen, schwelgen sie in Erinnerungen an die Ereignisse aus ihren komplizierten Familienleben. Für die drei Zugreisenden sind es gleichzeitig die Zeitreisen durch ihr Leben.


    Die Bilder, die dabei entstehen, haben eine enorme emotionale Kraft. Sie bewegen und berühren, schockieren und erschrecken, erzeugen eine düstere Atmosphäre und sind oft schwer zu ertragen.


    Trotz all dieser Emotionen sind mir die Charaktere jedoch fremd, unnahbar geblieben, oft konnte ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Sie alle sehnten sich nach Liebe, könnten jedoch selbst keine Liebe geben.


    Die anschauliche Schreibweise, dramatische Szenen und mit einem Cliffhänger endende kurze Kapitel, lassen den Roman zuerst wie einen Thriller wirken; man möchte ihn in einem Rutsch zu Ende lesen.


    Doch dann häufen sich die unerklärten, schockierenden Ereignisse, die nur noch verwirren, die Sprache wird direkter und irgendwie rauer, die wiederkehrenden Details und die düstere Atmosphäre ermüden. Und auch der schwache Hoffnungsschimmer am Ende des Romans verfehlt in dem Zusammenhang seine Funktion; er kann mich nicht wirklich überzeugen.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Weil du mich befreien sollst

    In skandinavisch nüchternem Stil beschreibt Schulman emotional hochgradig gestörte Frauen und einen jähzornigen Vater einer Familie. Die ganze Zeit fragt man sich, wo die Wurzel des Übels sitzt. Was ist an diesem See in Malma vorgefallen, das zu einer ungewöhnlich schockierenden gewalttätigen Auseinandersetzung und zum endgültigen Bruch der Geschwister führte? Mehrere Male reisen Tochter und Enkelin dorthin, um das Verschwiegene aufzuklären. Wer hat welche Schuld auf sich geladen? Episodenhaft, Kapitel für Kapitel aus der Sicht einer anderen Person, nähert sich der Autor dem Kern des Geschehens, bevor er in bewundernswerter Weise am Ende den Kreis noch schließt und den Lesern Aha-Effekte beschert.

    Kleine Szenen kindlicher Enttäuschung durchflechten den Verlauf der Dinge und tragen zur pessimistischen Lebenseinstellung bei. Wie die Erbsünde werden die psychischen Verbiegungen von Generation zu Generation weitergereicht, ohne Erlösung oder Erbarmen, und der Leser fiebert förmlich einer Auflösung entgegen - spannend wie in einem Krimi und dramaturgisch meisterhaft aufbereitet.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Squirrel 20. Dezember 2023 um 17:56

    Hat den Titel des Themas von „Alex Schulman - Endstation Malma“ zu „Alex Schulman - Endstation Malma / Malma station“ geändert.
  • Autor: Alex Schulman

    Titel: Endstation Malma

    Seiten: 316

    ISBN: 978-3-423-28353-3
    Verlag: dtv
    Übersetzung: Hanna Granz

    Autor:
    Alex Schulman wurde 1976 in Hemmesdygne, Schweden, geboren und ist ein skandinavischer Schriftsteller, Journalist und Blogger. Er schreibt für diverse TV-Shows und startete im Jahr 2006 einen Blog, zudem für diverse Zeitungen und Magazine Beiträge, zuletzt moderierte er eine TV-Sendung und startete 2012 einen eigenen Podcast.


    Inhalt:
    Ein Zug fährt durch eine Sommerlandschaft. An Bord: ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter, eine Frau, die das Rätsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma, einem kleinen Ort, wenige Stunden von Stockholm entfernt, umgeben von Wäldern. Und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und was sie in Malma erwartet. (Klappentext)


    Rezension:

    Zeitebenen, aneinandergereiht wie Waggons eines Zuges, sind es, die wir verfolgen, während wir den Spuren der Protagonisten des neuen Romans von Alex Schulman verfolgen, der in einer Mischung aus Fiktion und faszinierenden Psychogram wieder einmal eine eindrückliche Erzählung aufmacht.

    Nicht ganz einfach ist sie, diese Geschichte, in der wir die Figuren bis zu ihren jeweiligen Wendepunkten verfolgen. Alles läuft und entscheidet sich im fiktiven Ort Malma, wenige Stunden von Stockholm entfernt. Ein Ehepaar am Scheideweg, eine Frau auf der Suche, eine Tochter dazwischen, sie alle haben Fragen. Wird ihnen jemand diese beantworten können? Werden sie sich, teilweise selbst, überwinden?

    Alex Schulman gehört zu den wohl faszinierenden zeitgenössischen Autoren Schwedens, die außerhalb des sonst so klischeehaft beliebten Krimi-Genres brillieren, schafft er es in seinen Romanen eigene Dramen mit Fiktion zu verweben. Dies gelingt so gut, dass man sich im Norden Europas zuweilen fragt, welche Szenarien quasi Erlebten entsprechen und was frei erfunden ist, macht die Erzählung zuweilen jedoch nicht immer in Gänze zugänglich.

    Schwierig hineinzufinden ist es in den Text, in dem die Figuren sofort mit ihren Ecken und Kanten auffallen. Nicht einmal das Kind wirkt von Beginn an bedingungslos sympathisch, zudem sehr bald das große Thema Depression dunkle Wolken am schwedischen Firmament aufziehen lässt. Wortgewandt vermag das der Autor zu beschreiben, immer tiefer droht man dann doch zu versinken. Darauf sollte man sich nur einlassen, wenn man nicht dazu neigt, sich allzu sehr hinunterziehen zu lassen.

    Leicht ist etwas anderes. Schon die Zeitebenen machen es nicht unbedingt leicht, den Überblick zu wahren, die Protagonisten tun ihrerseits das Übrige. Sie streben voneinander weg, kommen doch nicht voneinander los. Ein Familiendrama in drei Akten, auf unterschiedlichen Ebenen, bei denen man sich die Haare raufen und die Figuren eine nach der anderen schütteln möchte. Ohne zu wissen, ob man enttäuscht, wütend oder einfach nur genervt ist.

    Landschaftsbeschreibungen indes kann der Autor so, wie er auch Figuren ausgestaltet, jedoch ohne Meta-Ebene. Orte, sei es nun der Bahnsteig, das Innere des Waggons oder auch Wohnungsszenen sind sehr plastisch beschrieben. Genau so stellt man sich das alles vor. Hier gelingt das Spiel mit der Sprache. Einzelne Sätze sind es, wie auch bei "Die Überlebenden", die sich einbrennen.

    Wer einmal etwas anderes als das lesen möchte, was man sonst aus dem skandinavischen Raum bekommt, ist auch mit dieser Erzählung von Alex Schulman gut bedient, wenn auch Schönheitsfehler in der B-Note diesen Roman nicht an das zuerst ins Deutsche übersetzte Werk heranreichen lassen. Dazu ist "Endstation Malma" etwas zu sperrig. Wie auch die Figuren ist diese Erzählung sehr eigen. Darauf muss man sich einlassen wollen. Nur so funktioniert es.

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