Melina Borčak - Mekka hier, Mekka da

  • trotz Kürze sehr informativ und bereichernd - 5 Sterne


    Worum geht es?

    Die bosniakische Autorin klärt auf über antimuslimischen Rassismus, Sprache und Genozid. Darüber, was wir oft besser machen können.


    Worum geht es wirklich?

    Schmerz, Hoffnung und Weiterbildung.


    Lesenswert?

    Ja, absolut. Obwohl es ein eher kurzes Buch ist, so ist es doch sehr informativ und in kurzen knackigen Kapiteln verfasst. Hierbei ist die Sprache der Autorin ab und zu eher ungewohnt und tendenziell umgangssprachlich, andere Abschnitte wirken dann viel distanzierter und journalistischer. Rückblickend auf das gesamte Buch fand ich es aber eine schöne Mischung. Dennoch wird das Buch wohl eher jüngere Leute ansprechen.

    Es war sehr informativ und man hat sich auch ohne viel Hintergrundwissen gut abgeholt gefühlt und viele wichtige Themen werden angesprochen. Hauptsächlich geht es darum, dass die Autorin aufklärt und für Verständnis sorgt. Es geht um klare Worte und dass man bei Verwendung weiß, was man da sagt. Der Genozid an den Bosniak*innen spielt eine große Rolle in diesem Buch, viele Tipps und Erklärungen lassen sich aber auf muslimische Menschen generell anwenden. Dabei befasst sie sich mit einfachen Fragestellungen oder kleinen Tipps, teilweise aber auch mit großen sehr essentiellen Themen.

    Toll fand ich, dass konkrete Aussagen zu Genozid und sexualisierter Gewalt immer markiert wurden, damit man als betroffene Person - und nur als solche! - diese Sätze überspringen könnte. Der restliche Text ist auch ohne diese Passagen lesbar.

    An einigen wenigen Stellen hätte ich mir ein bisschen mehr Sorgfalt im Lektorat gewünscht, da dann plötzlich doch das generische Maskulin verwendet wird oder mal eine Anrede falsch ist.

    Über diese kleinen Punkte jedoch kann ich hinweg sehen, weil ich das Buch sehr informativ und bereichernd empfunden habe und es ein guter Einstieg in das Thema sein könnte. Richtig schön, dass die Autorin zu hanserblau gefunden hat!

  • Ich habe das Buch jetzt auch gelesen und finde den Schreibstil wirklich grauenhaft. Umgangssprachlich, fluchend, geschmückt mit Bleidigungen. Mir hat es das Lesen richtig verleidet. Inhaltlich ist es eigentlich gar nicht schlecht, sodass es mich betrübt hat, dass der Stil abgesegnet wurde.


    Es geht oft darum, wie geframed wird oder Othering durch Wortwahl betrieben wird, nur eben im Kontext von antimuslimischen Rassismus. Da beste Kapitel ist das, indem sie über den Begriff Genozid (das letzte Kapitel) spricht. Wie ein roter Faden zieht es sich durch, dass sie über den Genozid an Bosniak:innen spricht, sodass ich mich hinterher frage, wieso sie das nicht journalistisch und rassismuskritisch aufgearbeitet hat. Stattdessen ist es ein kurzes, wütendes Buch über die Gesellschaft, die Muslime diskriminiert und an manchen Stellen sich über die Unsinnigkeit auslässt, dass der Weißdeutsche darüber nachdenkt, ob Flüchtling ein rassistischer Begriff ist. Aber ich war an manchen Stellen schon genervt, dass die Themen ein wenig gegeneinander ausgespielt werden und sie entscheidet, welche jetzt wichtiger sind als andere (gerade im 1/3 des Buches).


    Ich habe mir mehr erwartet. Vor allem der Schreibstil drückt die Bewertung. Das Kapitel über den Genozid hat dann das ganze von 2 auf 3 Sterne gehoben. Vielleicht bin ich einfach nicht die Zielgruppe von diesem Buch.

  • Antimuslimischer Rassismus ist ein weitverbreitetes Problem – von Mikroaggressionen im Alltag über das Erstarken rechter Parteien bis hin zu Morden, Anschlägen und Genoziden. Muslim*innen werden im besten Fall als rückständig, im schlechtesten als extremistisch wahrgenommen – was natürlich einen Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Doch was können wir selbst tun, um rassistische Denkmuster zu erkennen und aufzulösen?


    In ihrem ersten Sachbuch widmet sich Filmautorin, Journalistin und Medienkritikerin Melina Borčak dieser Frage. Ihre Sprache fällt dabei als erstes auf: sie jung und modern, umgangssprachlich, sehr direkt und deutlich. Einige Leser*innen dürften sich daran wohl stören, aber die Autorin sagt, sie schreibe, wie sie eben spreche – was dazu führt, dass wir ein zugängliches Sachbuch vor uns haben, bei dem niemand befürchten muss, die Aussage nicht zu verstehen.


    In einer kurzen Einleitung legt Borčak dar, was sie mit ihrem Buch erreichen will. Es soll nicht nur um anti-rassistische Sprache und das eigene Handeln gehen, sondern vor allem darum, unbewusste Vorurteile zu erkennen sowie rassistische Strukturen und Framing (=Inhalte auf eine bestimmt Art kontextualisieren) zu entlarven. Eine wichtige Aussage der Autorin ist zudem, dass es nicht die eine kohärente Gruppe von Muslim*innen gibt. Schließlich scheren wir doch auch nicht alle Christen weltweit über einen Kamm. Außerdem erklärt sie falsch verstandene und verwendete Begriffe wie Dschihad, Scharia oder „Islamisierung“ und zeigt, dass Sachverhalte bewusst (sprachlich) unsichtbar gemacht werden.


    Das wichtigste Kapitel, so bezeichnet es Borčak auch selbst, ist das über Genozide - und es ist wirklich erschütternd. Wusstet ihr, dass weltweit nur drei Genozide von internationalen Gerichten als solche anerkannt wurden und der Holocaust beispielsweise nicht darunter ist? Ein Grund hierfür ist, dass wir sie noch immer als „Massaker“ oder „Massenmorde“ verharmlosen, wenn doch ein ganzes perfides System hinter ihnen steckt, das über das reine Morden weit hinausgeht. Ein wichtiges Buch, dem ich mit meiner Rezension nur schwer gerecht werden kann. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: