Jana Revedin - Der Frühling ist in den Bäumen

Cover zum Buch Der Frühling ist in den Bäumen

Titel: Der Frühling ist in den Bäumen

3,3 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Verlag: Aufbau

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 250

ISBN: 9783351041922

Termin: August 2023

Aktion

  • Auf den Roman „Der Frühling ist in den Bäumen“ habe ich mich sehr gefreut. Bereits die Leseprobe hatte mich überzeugt, vom Cover ganz zu schweigen. Ich hätte das Buch in der Buchhandlung ohne weiteres gekauft.

    Die Autorin Jana Revedin erzählt darin die Geschichte ihrer Mutter, vordergründig auf den 1. Mai 1953 konzentriert, mit immer wiederkehrenden Rückblicken. Es ist eine verstörende Geschichte, ein Einblick in die Hölle eines Ehelebens, aber auch gleichzeitig ein Aufruf, sich zu befreien und das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

    Auch ich gehöre zu den Lesern, die die Erzählung durchaus intensiv empfinden, doch fehlte mir für eine höhere Bewertung eine bessere Herausarbeitung einiger für mich relevanteren Themen wie z. B. die Gründung und der Werdegang der Frauenzeitschrift „Lady“. Sehr schade, denn Anfang und Ende des Romans waren durchaus sehr gelungen.

  • Gewalt gegen Frauen

    Jana Revedins Roman "Der Frühling ist in den Bäumen" fängt eigentlich sehr romantisch im Mai des Jahres 1953 an, genauer gesagt an einem 1. Mai und schildert das Frauenschicksal ihrer Mutter gegen die herkömmliche Rolle der Frau. Wir begleiten die junge Hauptdarstellerin Renina, die als Assistentin von Martin Heidegger arbeitete. Relativ schnell erfahren wir von der psychischen und physischen Gewalt, der sie durch Ihren Ehemann Fred, unter zu Hilfenahme von verabreichten Drogen, ausgeliefert ist. Zufällig trifft sie an diesem Tiefpunkt auf eine gute Freundin und Bekannte ihrer Eltern, die Ihr später noch eine große Hilfe und Stütze sein wird. Wir lesen von Reninas Projekt, die erste deutsche Frauenzeitschrift herauszugeben, immerhin mit Interviews von namhaften Persönlichkeiten, wie z.B. dem Couturier Christian Dior oder Gussie Adenauer, der Frau des Bundeskanzlers Konrad Adenauer und Freundin von Ise Gropius. Der Roman erzählt uns von den Hürden, sich als Frau scheiden zu lassen, oder als Geschäftsfrau durchzustarten. Ein Thema, dass leider auch heute noch aktuell ist und zum Nachdenken anregt. Ich empfehle dieses Buch, auch wenn das Ende offen bleibt und eigene Interpretationen zulässt.

  • Stellung der Frau in den 1950er-Jahren

    Ich habe alle bislang von Jana Revedin geschriebenen Bücher, die immer einige auto- bzw. familienbiografische Züge aufweisen, gelesen. Dieser hier dreht sich um ihre Mutter Renina, die vor ihrer Hochzeit Assistentin bei Martin Heidegger war. Verheiratet ist Renina mit dem Atomphysiker Fred, dem Neffen von Marlene Dietrich, der im NS-Regime einige zweifelhafte Forschungen betrieben hat. Der Missbrauch diverser Drogen wie Pervitin (heute besser als Crystal Meth bekannt) ist für ihn nicht einmal ein Kavaliersdelikt.

    Renina wacht eines Morgens nackt zwischen einem ebensolchen, aber fremden Paar, mit Unterleibsschmerzen auf. Quasi zum Frühstück erfährt sie von ihrem Mann Fred, dass er sie mit Drogen gefügig gemacht und dem Paar als Lustobjekt zur Verfügung gestellt hat. Empört und verletzt verlangt sie von ihm die Scheidung. Doch wie es in den 1950er-Jahren üblich ist, ist das nicht so einfach. Als sie am selben Abend noch von Fred halb tot geprügelt wird, setzt ihre Familie Himmel und Hölle in Bewegung, um ihr zu helfen, Freds Tante Marlene Dietrich inklusive.

    Meine Meinung:

    Dieser Roman erzählt nicht nur einige Episoden aus Reninas Leben, sondern beleuchtet auch auf die soziale Stellung der Frau in den 1950er-Jahren, die Wirtschaftswunder hin oder her, voll von Arroganz und patriarchalischer Gewalt ist. Wenn der Roman durch die die heutige Brille gelesen wird, erzeugt er Kopfschütteln. Daher ist es notwendig, sich in die 1950er-Jahre zurückzuversetzen. Das Alter der Volljährigkeit liegt bei 21 Jahren. D.h. junge Frauen kommen aus der Abhängigkeit der Eltern in jene des Ehemanns, weil der die Vormundschaft von Gesetzes wegen übertragen bekommt. Denn der Ehemann verfügt nicht nur über ein etwaiges Vermögen seiner Frau, bestimmt über den Wohnsitz, erlaubt ihr arbeiten zu gehen oder eben auch nicht, sondern hat ihr gegenüber sogar ein Züchtigungsrecht, was so mancher Ehemann, wie Fred, auch für sich „in Anspruch“ nimmt.

    Die geschilderten Ereignisse spielen sich innerhalb eines Tages ab. Das ist sowohl Stärke als auch Schwächer des Romans. Die Autorin packt unheimlich viel in diesen einen Tag, in dem sich die Ereignisse überstürzen. Als Rahmenhandlung dient die gescheiterte Ehe zwischen Renina und Fred und in der Mitte die Gründung Reninas Zeitschrift „Lady“, die genau diese patriarchalischen Strukturen aufzeigt. Dieser Teil kommt für mein Verständnis zu kurz, obwohl ihm viele Seiten gewidmet sind. Das klingt nach einem Widerspruch.

    Leider hat mich dieser Roman nicht wirklich gepackt, denn vieles wird, wie damals üblich, nicht klar ausgesprochen, sondern nur verklausuliert dargeboten. Ich bin ja ein Mensch der klaren Worte, auch wenn ich damit manchmal anecke.

    Fazit:

    Ein Roman, der mich leider nicht ganz erreicht hat und deshalb nur 3 Sterne erhält.

    "Ein Tag ohne Buch ist ein verlorener Tag"

    "Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden" (Maria Lassnig/1919-2014)

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