Wilhelm Kuehs - Ortstafelmord

  • Warum musste Siggi Achatz sterben?


    Als Siggi Achatz von einer Betriebsfeier nicht nach Hause kommt, schlägt seine Frau Alarm, ist doch der Siggi die Zuverlässigkeit in Person. Doch dort nimmt man sie nicht ernst.


    Wenig später findet man seine Leiche im Sablatnigmoor: Mit einer zweisprachigen Ortstafel erschlagen. Sofort wird der ewig köchelnde Konflikt hochgespielt und der Mord an Siggi politisch ausgeschlachtet. Journalist Ernesto Valenti zweifelt an der kolportierten Meinung und beginnt zu recherchieren.


    Dabei entdeckt er, dass Achatz im Unternehmen doch nicht ganz so beliebt war, weil er als Buchhalter penibel auf korrekte Abrechnungen geachtet hat. Außerdem stößt der Journalist auf weitere Ungereimtheiten, die ihm neben Interventionen des Landeshauptmanns auch die Drohung seinen Arbeitsplatz zu verlieren, einbringen.


    Doch wer die drei Vorgänger kennt, weiß, dass sich Ernesto durch solche Drohungen nicht einschüchtern lässt, sondern nach dem Motto „Jetzt erst recht“, angestachelt fühlt, der Sache auf den Grund zu gehen.


    Meine Meinung:


    Autor Wilhelm Kuehs hat mit Ernesto Valenti einen Charakter geschaffen, der sich von der Landespolitik nicht einschüchtern lässt, auch wenn es für ihn nicht immer angenehm ist. Obwohl der Autor bestimmt und dezidiert darauf hinweist, dass es sich bei diesem Krimi um reine Fiktion handelt und lediglich die genannten Orte der Wirklichkeit entsprechen, so hat manch Österreicher ein Deja-vu-Erlebnis.


    Ich finde dieses Buch sehr spannend. Für Nicht-Kärntner ist der seit Ende des Ersten Weltkrieges (!) schwelende Konflikt über Minderheitenrechte (und -pflichten) kaum verständlich. Bei der Volksabstimmung 1920 hat sich die überwiegende Mehrheit der in Kärnten lebenden Slowenen FÜR den Verbleib in Österreich ausgesprochen. Während der NS-Zeit hat man alle nicht-deutschsprachigen Kärntner enteignet und in Lager deportiert, um für jene Deutschen („Optanten“), die aus Südtirol bzw. dem italienischen Kanaltal ins Deutsche Reich auswandern wollten, Platz zu schaffen. Wilhelm Kuehs schafft es, diesen historischen Exkurs gut verständlich in die Handlung einzubauen, in dem er Betroffene davon erzählen lässt.


    Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Dorf- und Landespolitiker sowie die diversen Dorfgrößen sind recht gut charakterisiert.


    Fazit:


    Ein fesselnder Wirtschaftskrimi, der Anleihen an der Wirklichkeit nimmt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

    "Ein Tag ohne Buch ist ein verlorener Tag"


    "Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden" (Maria Lassnig/1919-2014)