Burkhard Rüth - Goldrausch in Bozen

  • "Zum Golde drängt, Am Golde hängt doch alles" - Dieser Krimi ist der dritte der Reihe rund um den Südtiroler Commissario Vincenzo Bellini.


    Ich kenne die Vorgänger nicht, kann aber deren Auswirkungen, die Bellini und seine Freundin plagen, gut folgen.

    Der Inhalt ist schnell erzählt: Eine Gruppe Einheimischer will das Gold, das einer alten Karte zufolge, in einem aufgelassenen Bergwerksstollen vorhanden ist, abbauen. Die Teilnehmer dieser Expedition können unterschiedlicher nicht sein: unter anderem eine Archäologin, ein alter Bergführer, ein eitler Museumsdirektor sowie eine sexbesessene Hoteleigentümerin samt ihrem Koch, der ihr hörig ist, steigen in ein altes Bergwerk ein. Nicht alle kommen von diesem Ausflug zurück.


    Wenig später brennt ein Haus, in den drei Personen sterben - Brandstiftung. Diese Morde rufen Comm. Vincenzo Bellini auf den Plan, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft.


    Nach und nach enthüllt sich das wahre Ausmaß der Tragödie am Berg sowie die Gier der Menschen. Die Ermittlungen werden von Rück- und Einblicken in das Seelenleben von Bellini und seiner Freundin durchbrochen, was die eigentliche Krimihandlung holprig wirken lässt.


    Meine Meinung:


    Von diesem Krimi bin ich ziemlich enttäuscht, obwohl sich aus der Idee mit dem Goldfund eine durchaus spannende Geschichte entwickeln hätte lassen. Burkhard Rüth hat sich sichtlich von der Erzählung „Die Goldpyritgänge von Brusson in Piemont“ von Th. Reinhold aus dem Jahr 1916 zu diesem Krimi inspirieren lassen. Dort findet ein Mineraloge mithilfe eines Detektors mehrere Hundert Kilo Gold.


    Einige Charaktere, wie die sexbesessene Hotelchefin, sind teilweise stark überzeichnet dargestellt. Auch Bellini wirkt weder sympathisch noch kompetent. Er hat sein eigenes Seelenleben, das durch die Entführung und Geiselhaft seiner Freundin zerrüttet ist, nur mit großen Mengen Alkohol halbwegs im Griff. Er fährt mit jeder Menge Restalkohol Auto und dilettiert bei seinen Ermittlungen. Für mich ist er nicht diensttauglich.


    Die mehrfache, an jeder passenden und unpassenden Stelle eingeschobene Beziehungskrise zwischen Bellini und seiner Freundin nervt. Wir Leser können uns das merken, da braucht es keine mehrfachen Wiederholungen.


    Was mich aber besonders ärgert, ist, dass diesmal das Lektorat unaufmerksam war. So liest man von „Geschmackspastillen“ (gemeint sind „Geschmackspapillen“) und von einem Schmied, der im Handumdrehen einfach einen Schlüssel aus einer gesperrten Hightech-Schließanlage kopiert. Üblicherweise werden Schlüssel von Schlossern hergestellt und Schmiede fertigen kunstvolle Zäune oder Werkzeuge her. Auch die mehrfache Verwechslung von "anscheinend" und "scheinbar" ist lästig. Diese Nachlässigkeiten kosten jedenfalls einen Stern.


    Der Schreibstil wirkt auf mich stellenweise unausgegoren und holprig. Bellini stolpert mehr durch das Buch als er ermittelt. Und dann trifft noch die Nachricht ein, dass der mehrfache Mörder, der Bellinis Freundin gefangen gehalten hat, aus der psychiatrischen Klinik ausgebrochen ist. Üblicherweise mag ich Cliffhanger, die auf einen weiteren Fall hinweisen. Ob ich diesmal aber meiner Neugier nachgeben werde, weiß ich noch nicht.


    Fazit:


    Leider kann ich diesem Krimi, aus dem man wesentlich mehr machen hätte können, nur 2 Sterne geben.

    "Ein Tag ohne Buch ist ein verlorener Tag"


    "Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden" (Maria Lassnig/1919-2014)