Yara Rodrigues Fowler - Zwischen Himmel und Erde / There are more things

  • Der Zufall führt die energische Catarina und die verschlossene Melissa in einer Londoner WG zusammen. So unterschiedlich sie auch sind, so sehr sind sie durch ihre gemeinsamen Wurzeln und den unumstößlichen Wunsch verbunden, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Eine tiefe Freundschaft nimmt ihren Anfang und ist zugleich der Beginn einer weltumspannenden Liebesgeschichte, die lang wie ein Leben ist, groß wie eine Metropole und grenzenlos wie der Ozean.



    Nicht ganz überzeugend



    In diesem Roman geht es in erster Linie um Melissa und Catarina, die zusammen in einer Wohngemeinschaft leben. Nach einem Beginn mit beiden wird erst die Lebensgeschichte von Melissa und danach von Catarina erzählt.


    Das Cover ist großartig. Die Farben fallen sofort ins Auge und der Titel macht neugierig. Leider ist die Geschichte nicht sehr packend, sie ist doch sehr langgezogen und man hätte sich einige Seiten des 513 Seiten umfassenden Romans schenken können. Vom Titel her habe ich mir mehr oder etwas anderes versprochen. Der Titel wurde zwar im Verlauf des Romans erwähnt, doch hat er nicht ganz so viel mit der Handlung zu tun. Der Schreibstil der Autorin ist eigenwillig, man muss sich daran gewöhnen, dass manchmal Satzzeichen fehlen und die direkte Rede nicht gekennzeichnet ist. Die Figuren waren glaubwürdig, man hätte sie so auf der Straße treffen können.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Yara Rodrigues Fowler - Zwischen Himmel und Erde“ zu „Yara Rodrigues Fowler - Zwischen Himmel und Erde / There are more things“ geändert.
  • Geboren in eine bekannte Familie in Olinda (Brasilien), wächst Catarina im Schatten ihrer verstorbenen Tante Laura auf. Melissa dagegen kommt gebürtig aus dem Süden Londons und wurde von ihrer Mutter und Großmüttern aufgezogen. Im Januar 2016 treffen Melissa und Catarina erstmals aufeinander…


    „Zwischen Himmel und Erde“ ist ein Roman von Yara Rodrigues Fowler.


    Meine Meinung:

    Der Roman beginnt mit einem Prolog und endet mit einem Epilog. Dazwischen gibt es acht Teile, die wiederum in mehrere Abschnitte untergliedert sind. Die Handlung umfasst die Jahre 1969 bis 2017. Erzählt wird nicht chronologisch, sondern mit Zeitsprüngen nach vorne und zurück.


    Vor allem in sprachlicher Hinsicht ist der Roman auffällig und unverkennbar. Der Schreibstil ist sehr reduziert und wirkt daher recht modern. Die Beschreibungen sind überwiegend kurz, Dialoge dominieren. Darüber hinaus sind unterschiedliche Stilformen eingeflochten.


    Catarina und Melissa, zwei interessante Protagonistinnen, stehen im Vordergrund der Geschichte. Eine Identifikation mit den beiden Frauen fiel mir nicht leicht. Dennoch werden die Figuren lebensnah dargestellt.


    Inhaltlich ist der Roman eine Wundertüte mit vielen Themen, von denen ich manche gut nachvollziehen konnte, andere weniger. Die „Anmerkungen der Autorin“ habe ich leider erst zum Schluss hin entdeckt. Sie sind zum Verständnis sehr hilfreich. Alles in allem hat mir der rote Faden gefehlt.


    Der Roman mit etwas mehr als 500 Seiten konnte mich leider nicht durchgängig fesseln. An mehreren Stellen konnte mich die Geschichte nicht abholen. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sie abwechslungsreich und tiefgründig ist.


    Der deutsche Titel weicht erheblich vom Original („There a more Things“) ab, wobei beide durchaus mehr miteinander zu tun haben, als es zunächst scheint. Dennoch finde ich die sehr freie Übersetzung nicht so gut gelungen. Hübsch, aber wenig aufschlussreich ist die Gestaltung des Covers.


    Mein Fazit:

    Mit „Zwischen Himmel und Erde“ hat Yara Rodrigues Fowler meine hohen Erwartungen bedauerlicherweise nicht in Gänze erfüllt. Wer Lust auf eine unkonventionelle und besondere Lektüre hat, für den wäre der Roman allerdings durchaus einen genaueren Blick wert.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Danke für Deine interessante Besprechung!

    Der deutsche Titel weicht erheblich vom Original („There a more Things“) ab, wobei beide durchaus mehr miteinander zu tun haben, als es zunächst scheint. Dennoch finde ich die sehr freie Übersetzung nicht so gut gelungen. Hübsch, aber wenig aufschlussreich ist die Gestaltung des Covers.

    So ganz voneinander weg sind deutscher und englischer Titel nicht, denn es handelt sich um denselben Vers in Hamlet:

    "There are more things in heaven and earth..."

  • denn es handelt sich um denselben Vers in Hamlet:

    "There are more things in heaven and earth..."

    Genau das hatte mich so angezogen, dieser schöne Vers!


    Zur Autorin:


    Yara Rodrigues Fowler ist eine britisch-brasilianische Schriftstellerin und gilt als eines der größten Talente ihrer Generation. Sie wuchs in Südlondon auf. Ihr erster Roman, Stubborn Archivist, erschien 2019. Sie war auf der Shortlist für den Sunday Times Young Writer of the Year 2019 und für den Orwell Prize for Political Fiction 2022 sowie auf der Longlist für den Desmond Elliot Prize und für den Dylan Thomas Prize 2020. Rodrigues Fowlers Artikel und Aufsätze erscheinen in VOGUE, LitHub, Electric Literature, The Guardian, BBC-Brasil, Skin Deep, Litro u.a.


    Klappentext:


    Ein fulminanter Roman über eine tiefe Freundschaft, über Familie, Liebe, Revolution und das politische Erwachen in einer Zeit der radikalen globalen Umbrüche.


    Es ist das schicksalhafte Jahr 2016, in dem Prince und George Michael sterben, die Menschen in Großbritannien mehrheitlich für den Brexit stimmen und, auf der anderen Seite der Welt, in Brasilien, ebenfalls Tausende auf die Straßen gehen, weil sie die Regierung in Frage stellen. In diesem Jahr zieht Catarina, frisch aus Brasilien eingetroffen, in Melissas Londoner Wohngemeinschaft. So unterschiedlich die beiden jungen Frauen in der Gegenwart sind, so verbunden sind sie in ihren Vergangenheiten. Mit Catarinas Einzug beginnen sich zwei Leben zu einer weltumspannenden Geschichte zu verflechten, die von Freundschaft, Liebe, Identität, Mut und dem Willen erzählt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.


    Mein Lese-Eindruck:


    Der optische Eindruck des Buches ist überwältigend. Diese explosiven Farben und dazu der Titel, der an ein Shakespeare-Zitat erinnert– wunderschön!


    London, zur Zeit des Brexits: Hier treffen zwei junge Frauen, Melissa und Catarina, in einer Wohngemeinschaft zusammen und freunden sich an. Beide haben brasilianische Wurzeln, und v. a. Catarina ist es, die durch ihre Familie, ihren sozialen Status (sie entstammt der brasilianischen Oberschicht) und nicht zuletzt ihren Verlobten in ihrer Heimat stärker verwurzelt ist.


    In kleinen Sequenzen wird die Vorgeschichte der beiden jungen Frauen in die Erzählung eingestreut. Beide Frauen erleben persönliche und politische Umbruchsituationen, und der Leser taucht mitten hinein einerseits in die Lebenssituation von Migranten in London und andererseits in die dramatische und blutige Geschichte der politischen Kämpfe in Brasilien.


    In die Geschichte der beiden Freundinnen wird eine andere eingebettet: die traurige Geschichte von Laura, Catarinas Tante, einer kommunistischen Guerilla-Kämpferin, und ihrer Liebe zu einer anderen Kämpferin mit dem Decknamen „Königsmörderin Clitemnestra“. Die Geschichte dieser beiden „queeren Kommunistinnen“ wie die Autorin sie in ihrer Danksagung nennt, ist der eigentliche Kern des Romans, und ich persönlich hätte lieber mehr über Laura und „Clitemnestra“ erfahren als über Catarinas abendliche Vergnügungen. Lauras Geschichte hat aber Auswirkungen auf Catarina: sie führt den Kampf ihrer Tante fort, allerdings auf dem sicheren Boden Londons.


    Das alles sind hochexplosive, packende Stoffe für einen Roman.


    Die Autorin macht es ihrem Leser aber nicht leicht und sorgt für eine ständige Distanz zwischen Leser und Erzähltem. Gedichtfragmente, Songtexte, Zeitsprünge, Ortswechsel, Lautmalereien und stilistische Brüche sorgen durchaus für Abwechslung. Aber die wiederholte Aneinanderreihung von Anaphern (z. B. „Sie cremte...Sie zog... Sie machte...Sie zog...Sie kochte...Sie sah..."etc.) und die fast durchgängige Verwendung von kurzen parataktischen Sätzen lassen kaum einen Lesefluss aufkommen. Gelegentlich fügt die Autorin auch portugiesische Textpassagen ein. Das erhöht zwar die Authentizität, aber sperrt sprachunkundige Leser aus. Auch das Pathos vieler Textpassagen ist sicher Geschmackssache.


    Dennoch: Yara R. Fowler versteht das Handwerk des Schreibens, und ich bin neugierig auf einen weiteren Roman.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    :study: Ruth Hoffmann, Das deutsche Alibi.




    "Der echte Bibliophile liebt mehr als Form und Inhalt eines Buches seine Existenz; er muss es erst gar nicht lesen" (Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh, S. 49).

  • die fast durchgängige Verwendung von kurzen parataktischen Sätzen lassen kaum einen Lesefluss aufkommen.

    Erschrecke die künftigen Leser bloß nicht. :friends: Ich musste grad parataktisch googeln. :uups: Aber ich liebe deine Rezensionen, dann muss es halt sein. Dieses Buch habe ich mir noch für dieses Jahr eingeplant. Mich hat die Beschreibung neugierig gemacht, allerdings näher mich damit beschäftigt, habe ich noch nicht. Da bin ich gespannt, wobei die Unterbrechungen durch Songtexte etc. hören sich gar nicht nach meinem Geschmack. O:-) Immerhin hast du 3,5 Sterne gegeben, dann müsste es gehen.

    2024: Bücher: 144/Seiten: 62 374

    2023: Bücher: 189/Seiten: 73 404

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    Lese gerade:

    Wilke, Malou - Aufbruch in eine neue Welt

  • Erschrecke die künftigen Leser bloß nicht.

    :uups:


    Ein Rezept auf portugiesisch ist auch drin.

    Wenn Du den Roman liest, bin ich auf Deine Rückmeldung gespannt.

    :study: Ruth Hoffmann, Das deutsche Alibi.




    "Der echte Bibliophile liebt mehr als Form und Inhalt eines Buches seine Existenz; er muss es erst gar nicht lesen" (Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh, S. 49).