Ayanna Lloyd Banwo - Als wir Vögel ware / When We Were Birds

  • Kurzmeinung

    Taxfree
    Magischer Realismus. Berührend.
  • Kurzmeinung

    drawe
    Eine magische Geschichte, in der sich Leben und Tod miteinander verbinden
  • Kurzmeinung

    easymarkt3
    Der Fluch der Frauen, die mit Totenbeschwörung zu tun haben – interessante Magie!
  • Klappentext:

    Port Angeles, Trinidad. In den sonnendurchglühten Gassen mischt sich das vielstimmige Geschrei der Händler mit Vogelgezwitscher und Verkehrslärm; es riecht nach Gewürzen und reifen Früchten. Unter stillen, schattigen Bäumen ruht Fidelis, der jahrhundertealte Friedhof der Insel. Hier arbeitet Emmanuel als Totengräber. Der junge Rastafari hat sein Zuhause verlassen, um seinen Vater zu finden. Als er Yejide trifft, hat das Schicksal ihre Wege längst fest miteinander verflochten. Und so beginnt dort, wo das Leben endet, eine magische Liebesgeschichte.

    Mein Lese-Eindruck:

    “No one but the corbeaux know that inside their bodies the souls of the dead transform and release.”


    Der Roman entführt seine Leser in die Karibik, nach Morne Marie auf Trinidad. Die Großmutter erzählt ihrer Enkelin eine Geschichte: In einem vorzeitlichen Paradies lebten einmal riesig große Papageien, die sich nach einer Art Sintflut veränderten. Die einen werden zu den kleinen bunten Vögeln, wie sie die Enkelin täglich beobachten kann, die anderen aber verwandeln sich in die schwarzen „Corbeaux“, in Aasfresser, in deren Körper sich die Seelen der Toten verwandeln und bereit werden für den Übergang in eine andere Welt.


    In Morne Marie begegnen sich die beiden jungen Menschen, deren Geschichte der Roman erzählt. Da ist Darwin, ein junger Rastafari, der dringend eine Arbeit sucht, um seiner Mutter Medikamente kaufen zu können. Dafür übertritt er seine Glaubensgebote und stutzt sich Haare und Bart, und obwohl ihm sein Glaube den Umgang mit Toten verbietet, nimmt er die harte Arbeit als Totengräber auf dem großen Friedhof Fidelis an.


    Und da ist Yejide, eine junge Frau aus einer alten Familie, die in einem großen ehemals herrschaftlichem Plantagen-Haus wohnt. Sie ist Traditionen auch in anderer Weise verbunden. Ihre Ahnenreihe wird bestimmt durch Frauen, und jeweils eine Frau in jeder Generation wird die Fähigkeit und die Aufgabe vererbt, Seelen nach dem Tod auf dem Weg in die andere Welt zu begleiten und sie so zu erlösen. In ihrer Generation ist es nun Yejide, die sich schweren Herzens dieser Gabe und dieser Aufgabe bewusst wird, auf die sie die Großmutter mit der Sage von den Corbeaux schon vorbereitet hatte.


    Beide hadern mit ihrer Situation, und der Friedhof ist es, auf dem sie zusammentreffen. Hier in dieser Totenstadt kreuzen sich die Wege der Lebenden und der Toten, auch der lebenden Toten, die sich materialisieren und mit den Lebenden in Verbindung treten. Der Autorin mischt die beiden Welten zu einer einzigen Welt zusammen. Darwin ist trotz seiner Arbeit und seiner Situation lebensfroh, während Yejide sich aufgrund ihrer Gabe den Toten näher fühlt. Sie unterscheidet dabei zwischen „Neutoten“, die sich in ihr Schicksal nicht fügen wollen und „Arbeit machen“, und „Alttoten“, die zwar schon weitergezogen sind, aber immer noch an ihren Knochen hängen.

    Diese Vermischungen von Leben und Tod zeigen sich in wunderschönen, fast märchenhaften Bildern, aber auch in furchterregenden und bedrohlichen Wirbelstürmen und Sturmfluten. Die Autorin vermischt auch die Realitätseben und schafft für ihren Leser eine magische Welt, die aber zugleich sehr realistisch ist (z. B. Darwins Jugend) und im Hier und Heute existiert.


    Dazu trägt auch die realistische Sprache entscheidend bei. Das Original wurde geschrieben im trinidad-kreolischen Englisch und von Michaela Grabinger adäquat übersetzt, sodass die Sprache erfrischend aktuell ist.


    Eine wunderbare Geschichte! Ein Märchen, eine Liebesgeschichte, ein Krimi, eine Geistergeschichte, eine Geschichte über soziale Probleme, über paranormale Phänomene, über Traditionen und Familienwurzeln, bunt und farbig wie das Cover.


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    :study: Jaan Kross, Gegenwindschiff. MLR.

    :study: Walt Whitman, Besondere Tage.


    "Der echte Bibliophile liebt mehr als Form und Inhalt eines Buches seine Existenz; er muss es erst gar nicht lesen" (Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh, S. 49).

  • drawe

    Hat den Titel des Themas von „Ayanna Lloyd Banwo - Als wir Vögel waren“ zu „Ayanna Lloyd Banwo - Als wir Vögel waren/When we were birds“ geändert.
  • Fantastisch!



    Das bunte Cover zeigt exotische Blumen und die Umrisse einer Frau und eines Mannes, die zu schweben scheinen und sich zu berühren versuchen. In diesem außergewöhnlichen Roman geht es um die Liebe in all ihren Facetten, der Liebe innerhalb der Familie, zu Freunden und zwischen Partnern und natürlich auch um Probleme. Das Thema ist großartig mit Hilfe verschiedener Mythen umgesetzt und nimmt die Leser mit auf eine Reise der Protagonisten Yejide und Darwin. Der Schreibstil ist mitreißend und lebendig und so natürlich, dass man die Bilder während des Lesens vor Augen hat. Die Figuren im Roman sind sehr authentisch und auch sie kann man sich beim Lesen lebhaft vorstellen. Der Roman vereint verschiedene Dinge miteinander, alte Kultur, neue Gewohnheiten mit dem Einfluss alter Traditionen, Liebe in all ihren Facetten und die Schwierigkeiten des Lebens. Diese Mischung macht das Buch faszinierend. Ein wunderbares Lesevergnügen!

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Ayanna Lloyd Banwos Debütroman "Als wir Vögel waren" ist eine Liebesgeschichte zwischen Magie und Tod mitten in der Kulisse eines fiktiven Trinidads.



    Wir folgen Yejide und Darwin auf ihrer Geschichte zueinander, aber auch ihren ganz eigenen Geschichten zu sich selbst und zu einem neuen Lebensabschnitt.

    Yejide muss nach dem Tod ihrer Mutter ein mystisches Erbe antreten, das sie näher mit dem Tod verknüpft, als sie es vielleicht hoffen mag.

    Darwin hingegen verlässt seine Heimat, entgegen dem Willen seiner Mutter und seinem eigenen Glauben, um einen Job auf dem Friedhof Fidelis anzunehmen, obwohl er als Rastamann dem Tod fernbleiben sollte.



    Die Geschichte vor der Natur Trinidads, der Armut der Bevölkerung, den Intrigen, Toten, Lebendigen sowie denen dazwischen führt unsere Protagonisten auf magische Weise zueinander, sodass es sich anfühlt, als hätten die beiden schon immer zusammengehört.



    Das Buch hat mich vom Konzept, der Thematik und dem Umgang mit dem Thema Tod total packen können!

    Leider hatte ich Startschwierigkeiten und habe Probleme gehabt mich mit den Charakteren anzufreunden und diese zu verstehen. Auch am Ende des Buches hatte ich nicht den Eindruck zu den Titelfiguren vorgedrungen zu sein.

    Dennoch bin ich quasi nur so durch das Buch geflogen, da mich der Schreibstil und die Geschichte nur so mitgerissen haben.



    Insgesamt ein empfehlenswerter Debütroman, der mir viele neue Eindrücke aufgezeigt hat!

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Ayanna Lloyd Banwo - Als wir Vögel waren/When we were birds“ zu „Ayanna Lloyd Banwo - Als wir Vögel ware / When We Were Birds“ geändert.
  • Port Angeles in Trinidad und Tobago: Yejide wächst in einem Dorf in den Bergen auf. Ihre Familie stammt von Rabengeiern ab und kann den Toten den Weg in die andere Welt erleichtern. Als ihre Mutter stirbt, ist Yejide an der Reihe, dieses Erbe anzutreten. Das behagt ihr jedoch nicht. Emmanuel Darwins Religion verbietet ihm die Nähe zu Toten. Doch er ist gezwungen, als Totengräber auf dem Friedhof zu arbeiten.


    „Als wir Vögel waren“ ist der Debütroman von Ayanna Lloyd Banwo.


    Meine Meinung:

    Der Roman beinhaltet 36 Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Die Überschriften weisen die jeweilige Perspektive aus. Die Kapitel sind sieben Teilen zugeordnet. Erzählt wird im Präsens, wobei unklar bleibt, wann genau die Handlung spielt („gestern“, „heute“).


    Der Sprache ist atmosphärisch und bildstark, aber nicht zu schnörkelhaft. Sie stellt für mich die größte Stärke des Romans dar.


    Im Vordergrund stehen Darwin und Yejide. Beide Figuren werden realitätsnah und mit psychologischer Tiefe beschrieben. Dennoch blieben sie mir etwas fremd.


    Inhaltlich ist die Geschichte ebenfalls besonders, hat mich allerdings nicht komplett überzeugt. Es geht um Liebe in ihren verschiedenen Formen, um Leben und Tod. Anders als erwartet, spielen jedoch Mythen, Märchen, Magisches und Schöpfungsgeschichten eine große Rolle und nehmen breiten Raum ein. Durch dieses Ausmaß hat mich die Geschichte leider etwas verloren.


    Die Handlung nimmt nur sehr langsam Fahrt auf. Auf den rund 340 Seiten stellte sich bei mir bedauerlicherweise kein Lesesog ein. Erst gegen Ende konnte mich die Geschichte wieder abholen.


    Das Cover ist nicht nur ansprechend gestaltet, sondern passt auch thematisch gut. Der englischsprachige Originaltitel („When we were Birds“) wurde erfreulicherweise wortgetreu übersetzt.


    Mein Fazit:

    Mit „Als wir Vögel waren“ hat Ayanna Lloyd Banwo meine persönlichen Erwartungen nicht gänzlich erfüllt. Der ungewöhnliche Roman dürfte aber genügend Fans finden.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Darwin ist ein Rastafari, daher muss er sich von Toten fernhalten. Seine einzige Chance auf einen Job ist allerdings die des Totengräbers, und so trennt er sich von Dreads, Bart und Mütze und nimmt den Job an.


    Yejide stammt aus einer Familie mit einem mythologischen Hintergrund. Die Frauen der Familie haben eine besondere Beziehung zu Toten, und nach dem Tod ihrer Mutter, ist es nun an ihr, deren Platz einzunehmen.


    Die Autorin ist selbst auf Trinidad geboren, der Roman wurde im Original in trinidad-kreolischem Englisch verfasst, auch das Titelbild weist nicht nur mit seinen Farben auf die Karibik hin, sondern macht auch Lust, nach dem Buch zu greifen. Der Autorin gelingt es gut, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, sie einen sehr bildreichen, manchmal fast poetischen Sprachstil und erzählt abwechselnd aus Darwins und Yejides Perspektive.


    Darwins Szenen sind dabei leichter zu lesen. Ich empfehle jenen, die sich nicht mit Rastafari auskennen, sich zu diesem Thema ein bisschen zu belesen, Darwin ist dann leichter zu verstehen. Mir kam er schnell nahe, und ich mochte ihn schon nach wenigen Seiten. Er hat es nicht leicht auf dem Friedhof, aber nicht nur wegen seines kulturellen/religiösen Hintergrundes, auch seine Kollegen machen es ihm nicht immer leicht, und erst nach und nach erkennt man, dass hinter ihnen mehr steckt, als zunächst gedacht, und es wird noch richtig spannend.


    Bei Yejide ist es schwieriger, ihre Szenen sind voller Mystik (hier erklärt sich dann auch der Titel), und als Leser:in versteht man nicht immer die Hintergründe, vieles kann man deuten und erahnen, aber bis zum Ende bleibt manches unklar. Ich hätte mir hierzu ein erklärendes Nachwort gewünscht, zumal ich auch nichts ergoogeln konnte. Handelt es sich hier um eine tatsächliche karibische Mythologie oder ist es eine fiktive, von der Autorin erdachte? Für mich wird das leider nicht klar. Und mit Yejide geht es mir teilweise ähnlich, ich kann sie nicht ganz greifen, komme ihr nicht so nahe wie Darwin.


    Im Laufe des Romans treffen Darwin und Yejide aufeinander, und schon das erste, noch nicht körperliche, Zusammentreffen zeigt, dass es eine besondere Verbindung zwischen ihnen geben muss. Als sie sich dann tatsächlich treffen, wird das in kurzen Abschnitten aus ihren abwechselnden Perspektiven beschrieben, was ich erzählerisch sehr gelungen finde. Sprachlich und erzählerisch ist der Roman überhaupt sehr gelungen.


    Neben den beiden Hauptcharakteren gibt es relativ wenige weitere Personen. Ich könnte nicht bei jedem Namen eine konkrete Charakterisierung liefern, doch einige sind wichtiger als andere, und diese finde ich gut gezeichnet, so dass ich mir ein deutliches Bild von ihnen machen konnte. Auch die Orte kommen gut zur Geltung, was dem bildhaften Erzählstil geschuldet ist, vor allem den Friedhof, auf dem Darwin arbeitet, kann man sich gut vorstellen.


    „Als wir Vögel waren“ ist kein Roman für zwischendurch, man muss ihm Aufmerksamkeit schenken und offen sein für seine Mystik.

  • Es gibt wenige Bücher, denen es auf Anhieb gelungen ist mich so intensiv zu berühren wie das hier vorliegende von Ayanna Lloyd Banwo. Es ist eines, wo 5 Sterne definitiv nicht ausreichen, zehn wären das mindeste.
    Inhaltlich geht es um zwei junge Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die junge Schamanin Yejide, die die Gabe besitzt, Verstorbene auf den Weg in die andere Welten zu begleiten und wo die Gabe von Mutter zu Tochter weiter vererbt wird. Und der junge Emmanuel, der sein Heimatdorf verlassen hat, um Geld zu verdienen und eine Arbeit als Totengräber gefunden hat. Über eine mystische Vision erkennen Yejide und Emmanuel einander und finden sich dann auch auf den Friedhof in der Realität. Wird es eine gemeinsame Zukunft geben können?
    Die Geschichte wird von der Autorin voller Tiefgang und Intensität erzählt, der mensch sich als Leser*in nicht wirklich entziehen kann. Es geht um mythisch - magische Traditionen, die Verbundenheit mit der eigenen Familie und den Ahnen, Heilung, seiner eigenen Aufgabe zu folgen, aber auch eigene Wege zu gehen. Und natürlich um eine tiefe Form von Liebe, die sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Danke für dieses wundervolle Buch.