Rebecca Gisler - Vom Onkel

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  • Rebecca Gislers beachtliches Debüt besticht nicht nur durch seine Geschichte, sondern ebenso durch die Sprache, ohne gekünstelte Wort- und Satzgebilde, mit ausdrucksvollen Satzkonstruktionen, was den literarischen Genuss erhöht.


    Die Geschichte ist schnell erzählt und scheint simpel zu sein, skurril mit mystischen Andeutungen.


    Der dicke Onkel, in einer unvorhergesehenen Wohngemeinschaft in der Bretagne, am Ende der Welt mit Nichte und Neffen. Am Meer, aber der Onkel mit einer Metallplatte in der Hüfte badet nie, obwohl er erst 53 ist, pfeift er aus allen Löchern. Beim Essen setzten sich die drei auseinander soweit es geht und der Onkel starrt auf den toten Bildschirm des Fernsehers.

    Die Nichte des Onkels als Icherzählerin überwindet sich und stellt den Onkel zur Rede. Sie setzt sich mit dem Bruder, der Mutter und den Großeltern auseinander. Familiäre Retrospektive.

    Des Onkels dreißig Jahre Alleinleben fordern ihren Tribut. Sein Leben ist ein Einfaches ohne echte Beschäftigung, denn es ist ein Gestrandetes, der einzige Lebenszweck sind seine Rollerfahrten zum Supermarkt. Bis ihn sein Gesundheitszustand in Alarmbereitschaft versetzt.


    Der besondere Reiz des 137 Seiten starken Romanbüchleins liegt, und der wird dem Wort „stark“ gerecht, in der ausdrucksstarken Kraft der Sprache. Lange Sätze seien kompliziert verschachtelt und stoppen den Lesefluss, aber nicht hier. Es trifft genau das Gegenteil zu. Ich lebe diese Konstruktionen und sie führen zu großem Lesegenuss.

    Gisler ist zweisprachig aufgewachsen. „Französisch ist meine Kindersprache, Deutsch Schulsprache“, sagt Gisler. Die französischen Erstfassung hat Gisler selbst ins Deutsche übersetzt. Doch „D’oncle“ und „Vom Onkel“ sind nicht identisch, Gisler selbst nennt den Prozess „neu schreiben“.


    REBECCA GISLER, geboren 1991 in Zürich, studierte von 2011 bis 2014 am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und absolvierte anschließend den Master-Studiengang Création littéraire an der Universität Paris 8. Sie schreibt auf Deutsch und auf Französisch; Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien; Mitorganisatorin der Reihe Teppich im Literaturhaus Zürich. Ihr Debütroman Vom Onkel, den sie auf Französisch und auf Deutsch verfasst hat, erschien im Herbst 2021 unter dem Titel D’oncle in Frankreich und wurde für mehrere Literaturpreise, u.a. für den Prix Les Inrockuptibles, nominiert. Mit einem Auszug aus der deutschen Fassung gewann sie 2020 den Open Mike in Berlin und 2022 wurde »Vom Onkel« mit einem der Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Rebecca Gisler lebt in Zürich und Paris.

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  • Die französischen Erstfassung hat Gisler selbst ins Deutsche übersetzt. Doch „D’oncle“ und „Vom Onkel“ sind nicht identisch, Gisler selbst nennt den Prozess „neu schreiben“.

    :study: Ich bin alt genug, um zu tun, was ich will und jung genug, um daran Spaß zu haben. :totlach: na ja schön langsam nicht mehr :puker:

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