Stine Pilgaard - Meine Mutter sagt / ‎Min mor siger

  • Klappentext:


    Von Abschieden und vergangener Liebe.

    Nach dem Erfolg von »Meter pro Sekunde« erscheint nun das sprühende Debüt der erfolgreichsten dänischen Schriftstellerin unserer Tage. Witzig und warm schreibt Pilgaard über Liebe, Familie und das Alleinsein. Und darüber, wie wir uns doch mit Worten umsorgen.


    Nachdem die Ich-Erzählerin von ihrer langjährigen Freundin verlassen wird, muss sie zurück zu ihrem Vater ziehen, einem Pfarrer und Pink-Floyd-Fan. Während sie auf ebenso komische wie verzweifelte Art versucht, ihre Ex zurückzugewinnen, wird sie von Freunden und Familie mit Ratschlägen traktiert. Vor allem ihre Mutter bedrängt sie mit zweifelhaften Lebensweisheiten. Doch allmählich lernt sie, zu trauern, ihre inneren Widersprüche zu akzeptieren, laut, betrunken und auf ihre eigene Art weise zu sein. – Ein Roman voller Energie und Eleganz, von Hinrich Schmidt-Henkel aufs Treffendste übersetzt.


    »Meine Mutter sagt« ist ein moderner Roman über unsere Vereinzelung. Er handelt vom Aneinander-Vorbeisprechen, vom Alleinsein durch Missverständnisse, von Abschieden und vergangener Liebe – und vom Vermögen, sich doch durch Sprache zu erklären.


    Mein Lese-Eindruck:


    „Meine Mutter findet, da ich jetzt Urlaub habe, sollte ich in ihr Sommerhaus kommen.“So beginnt das erste Kapitel, und dieses erste Kapitel zeigt schon das familiäre Miteinander der Ich-Erzählerin. Da ist eine Mutter, die die Tochter mit vielen unerbetenen Ratschlägen überhäuft und die sich bemüht, das Studium und allgemein das Leben ihrer Tochter wieder ins Gleis zu bringen. Die Ich-Erzählerin begegnet uns nämlich am Anfang als tief verletzte, entwurzelte junge Frau: ihre Lebensgefährtin hat sie vor die Tür gesetzt. Sie findet Unterschlupf bei ihrem Vater, einem Pfarrer, der für Pink Floyd schwärmt und im Unterschied zur Mutter von Belehrungen absieht. Im Gegenteil: die Ich-Erzählerin freundet sich mit seiner neuen Frau an und entwirft mit ihr spielerische Zukunftspläne. Alle Figuren dieses kleinen Romans werden uns als teilweise schrullige, aber liebenswerte und lebensechte Typen vorgestellt, keine der Figuren wird bewertet, und dieser freundliche Blick der Autorin auf ihre Mitmenschen macht die Lektüre zu einem Vergnügen.


    Das Buch ist originell aufgebaut. Auf wenige kurze erzählende Kapitel folgt ein sog. Seepferdchen-Monolog. Wieso Seepferdchen? Ein Teil des Gehirns ähnelt einem Seepferdchen, lat. Hippocampus, und dieser Hippocampus überführt die Erinnerungen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis. Diese Seepferdchen-Monologe reihen sich oft assoziativ in die Erzählung ein und öffnen dem Leser das Innere der Ich-Erzählerin: sprachlich wunderschöne Monologe, in denen man versinken kann.


    Überhaupt ist es die Sprache, die den Roman zu einem besonderen Lesevergnügen macht. Schon im 1. Kapitel zeigt sich der besondere Sprachwitz, wenn es z. B. darum geht, ob eine Krabbe ein Schalentier oder ein Kriechtier ist; kriecht die Krabbe oder schalt sie? Stine Pilgaard spielt in einer unglaublich frischen Weise mit der Sprache.

    Und so ist es auch die Sprache, mit der sie alltägliche Situationen gleichsam seziert, und es ist die Sprache, die die Kommunikation zwischen den Figuren letztlich gelingen lässt. Wie tröstlich! Gleichzeitig gelingt der Autorin damit auch der Spagat zu tiefernsten Themen wie der Vereinzelung des Menschen und der Angst vor dem Allein-Sein – und schließlich der überbordenden Freude über eine neue Liebe. Ein wunderbares Buch!


    Fazit: Ein kleiner Roman über eine Umbruch-Situation im Leben einer jungen Frau, sprachlich originell und witzig!

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    :study: Jaan Kross, Gegenwindschiff. MLR.

    :study: Walt Whitman, Besondere Tage.


    "Der echte Bibliophile liebt mehr als Form und Inhalt eines Buches seine Existenz; er muss es erst gar nicht lesen" (Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh, S. 49).

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Stine Pilgaard - Meine Mutter sagt“ zu „Stine Pilgaard - Meine Mutter sagt / ‎Min mor siger“ geändert.
  • Ein Buch über Trennung und die Verletzungen, die sie verursacht - Ruft viele Bilder und Gefühle auf - aber was soll es bringen?


    Inhalt:

    Die Erzählerin wird von ihrer Frau verlassen und zieht deshalb bei ihrem Vater und dessen Frau ein. Die Zeit vergeht. Die Erzählerin hängt ihren Erinnerungen nach, wird von ihren Eltern und einer Freundin unterstützt, so wie die das eben vermögen. Es werden viele Gespräche geführt, auch mit der Ex. Die Erzählerin leidet.


    Bewertung:

    In meine Bewertung fließt bereits mit ein, dass man den Inhalt des Buches schlecht wiedergeben kann. Der Klappentext hat es nach meiner Meinung so gar nicht geschafft. Abgesehen davon, dass man von einer Geschichte nicht zu viel verraten soll, geschieht in diesem Buch sehr wenig. Und das, was passiert, geschieht in keinem Rahmen. Die Geschichte hat einen Anfang, aber für mich hat sie kein Ende. Das Ende ist nicht offen. Die Geschichte ist einfach irgendwann mal plötzlich aus. Das fand ich richtig enttäuschend, weil ich das Ende nicht habe kommen sehen.

    Das Buch ist zudem anstrengend zu lesen. Die Autorin Stine Pilgaard gibt Gespräche in fortlaufenden Sätzen ohne Anführungszeichen und Absätzen wieder. Ich sagte, sie sagte, ich sagte... und so weiter. Man muss ständig aufpassen, wer dran ist mit Reden.

    Die Gespräche sind auch inhaltlich sehr dicht. Der Ball geht von einem zum anderen. Und die Gesprächspartner gehen selten aufeinander ein. Es wird sehr gerne vorbeigeredet. Jeder Satz hat ein neues Thema. Zunächst ist die Erzählerin aufgewühlt und versucht, hinter Vorbeireden und Sarkasmus ihre Verletzlichkeit zu verbergen. Am Schluss hat man jedoch festgestellt, dass die Erzählerin kaum einen Satz herauskriegt, der in die Wirklichkeit passt, die sie mit ihren Mitmenschen teilt. Und ich fragte mich bei vielen Gesprächen, was diese eigentlich für die Geschichte tun sollen.

    Weiterhin hat mir nicht gefallen, dass dieses Vorbeireden bei mehreren Personen zu beobachten ist. Menschen sind doch eigentlich verschieden und in dieser Geschichte haben sie mir zu ähnlich geredet. Und das, obwohl die Personen an sich durchaus einen unterschiedlichen Charakter hatten.

    Andererseits waren die Texte, besonders die Erinnerungen („Seepferdchenmonologe“) interessant und berührend. Sie riefen sehr viele Bilder und Gefühle auf. In den vielen Beschreibungen und Szenen kann wohl jeder etwas finden, das er erkennt, das mit eigenen Erinnerungen verknüpft ist. Es wirkt auch sehr intim, als ob man einen echten Einblick bekommen würde. Auch wenn die Erzählerin mit ihrer Art zu reden, ihren Ausfällen durch Trunkenheit sehr abgedreht wirkt, war ihre Trauer und Verletzung für mich spürbar. Andererseits führt das dazu, dass man das Gelesene öfter einmal sacken lassen muss.

    Zusammengefasst würde ich sagen: das ist kein Buch, um sich zu unterhalten. Es geht um die Verletzungen, die Trennungen hinterlassen, auch wenn die Trennung ohne Drama geschah.

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