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Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

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Die Identität + Die unerträgliche Leicht...

3.9|65)

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

ISBN: 9783596505876

Termin: Februar 2002

  • Ich fuege dennoch hinzu, dass der Erzaehler oft omnipraesent erscheint: er haelt sich kaum zurueck, sondern kommentiert in rechter Betrachtung das Beschriebene.


    Das ist typisch für Kundera und in einigen seiner anderen Bücher noch schlimmer. Entweder man mags oder man mags nicht. Ich mags sehr.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Tomas ist Chirurg in Prag und hat, trotz seiner Ehe mit der einstigen Kellnerin Teresa, immer gleichzeitig mehrere Geliebte. Als die russischen Panzer in die Stadt rollen, nimmt er das Angebot eines Kollegen aus der Schweiz an und verläßt mit Teresa das Land. Sie hält es jedoch nicht lange in der Fremde aus und kehrt bald in die Heimat zurück. Tomas folgt ihr widerwillig, aber er will sie in den unruhigen Zeiten auch nicht alleine lassen. Als ein regimekritischer Artikel von Tomas in einer Zeitung erscheint, verliert er seine Stelle im Krankenhaus und muss als Fensterputzer arbeiten. Schließlich überredet ihn Teresa mit ihr aufs Land zu übersiedeln, in der Hoffnung, ihn endgültig für sich alleine zu haben. Statt dessen beginnt sich die Spirale des sozialen Abstiegs immer schneller zu drehen und endet schließlich in einer Katastrophe.


    Um dieses magere Handlungsgerüst ranken sich umso üppiger die philosophischen Überlegungen des Autors zum Thema Körper und Seele, Liebe und Sexulität, das Leichte und das Schwere des Daseins. Mir persönlich waren Kunderas Gedanken jedoch zu konfus und verschwommen. Dabei hätte aus dem Thema "Tschechien zur Zeit des Prager Frühlings" sicher eine interessante Geschichte werden können; allerdings hatte ich bald den Verdacht, dass es dem Autor nicht vordringlich um die Darstellung der Realität in dieser schwierigen Zeit ging, sondern eben um seine philosophische Sichtweise, die er dem Leser nahebringen wollte. Mich konnte er mit diesem Versuch leider nicht überzeugen, weil mir die Handlung zu wenig ausgearbeitet erschien, während ich die philosophische Seite des Romans nicht nachvollziehen konnte.

  • Da ich manchmal etwas Philosophie mag, fand ich dieses Buch absolute Klasse!!! Es ist mit sovielen Thesen geschmückt, über die man sich stunden über stunden unterhalten kann! Am liebsten würde ich das halbe Buch auswendig lernen! :lol:
    Die Schreibweise ist leicht und unterhaltend, die philosophischen Thesen leicht verständlich gehalten!
    Ich werde es wieder lesen und wieder und wieder und wieder...

  • Es ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher!


    Eine Freundin hat es mir empfohlen, ich habe allerdings einen zweiten Anlauf gebraucht, bis ich es gelesen habe, am Anfang war es mir ein wenig suspekt und ich brauchte ein paar Seiten, bis mich die Geschichte einnahm.


    Als ich es dann doch geschafft habe war ich tief ergriffen von der ganzen Melancholie, die die Geschichte umrahmt. Eine tragische und zugleich wunderschöne Liebesbeziehung zweier Menschen, die es nie schaffen, sich voneinander zu lösen. Es ist auch ein Buch, der einem (oder auf jeden Fall mich) nachdenklich zurücklässt.

  • Als Liebesgeschichte wird dieses Buch beschrieben, es gilt das glaubhafteste Liebespaar der modernen Literatur zu entdecken - doch um ehrlich zu sein, empfand ich genau das viel eher als Randgeschichte. Teresa und Tomas sind die Hauptfiguren in diesem Roman und man folgt ihrer zeitweise recht schwierigen Beziehung durch die Zeit. Tomas ist ein notorischer Fremdgänger trotz seiner Liebe zu Teresa, und daran ändert sich auch nichts, als sie die Tschechei verlassen und nach Zürich ziehen. Tomas trifft dort seine 'alte' Freundin Sabina wieder und sie und ihr späterer Geliebter Franz sind das zweite Liebespaar, von dem erzählt wird. All dies wie auch die Rückkehr von Teresa und Tomas nach Prag ereignen sich vor dem Hintergrund des Einmarsches der sowjetischen Truppen in die Tschechei.
    Und genau dies ist das eigentlich Thema des Buches: Das Verhalten der Menschen zueinander und sich selbst gegenüber unter den erdrückenden Bedingungen des Lebens in einer Diktatur. Wie verändern sich die Menschen, Werte, Ideale? Kundera wechselt dazu in seinem Buch zwischen einer Art Essay, in dem verschiedene Überlegungen dargestellt werden und der 'normalen' Erzählform, mit der die Geschichten der Protagonisten wiedergegeben werden. Leider nicht chronologisch, sondern immer wieder gibt es Zeitsprünge, so dass es mir nicht gelang, den Figuren wirklich nahe zu kommen. Alles in allem hatte ich häufiger den Eindruck, eine politisch-sozial-philosophisch-psychologische Abhandlung zu lesen als einen Roman. Doch vielleicht ist dieses Buch einfach auch ein Kind seiner Zeit. Vor knapp 30 Jahren waren solche Gedanken vermutlich recht neu und die beschriebenen gesellschaftlichen Situationen hochaktuell und brisant, während sie heute weit entfernt erscheinen.
    Wer also eine Liebesgeschichte zum Schmökern sucht, sollte sich eine andere Lektüre wählen.

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