Tamar Noort- Die Ewigkeit ist ein guter Ort

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  • Gott verloren und nicht nur das


    Elke, genannt Ellie arbeitet nach Abschluss des Teleologie Studiums ehrenamtlich als Seelsorgerin in einem Seniorenheim. So fühlt sie sich eigentlich ganz wohl. Perspektivisch weiß sie beruflich nicht, was sie tun möchte. Sie könnte beispielsweise die Gemeinde ihres Vaters übernehmen; er wünscht sich dieses. Sie hat sich jedoch ein Jahr Bedenkzeit genommen, das jedoch eher dahinplätschert. Zu ihren Eltern und Schulfreunden bzw. Personen aus ihrer Kindheit hält sie kaum Kontakt. Auch ihre Beziehung erscheint nicht sonderlich stabil. Sie teilt ihre Sorgen nicht mit ihrem Freund, nimmt nicht an seinen Interessen teil und hat ihn noch nie mit in ihr Elternhaus genommen. Sie separiert sich eher von ihrem Umfeld und auch das Leben der Eltern verläuft von ihr unbemerkt. Nur an ihrem Glauben zu Gott hält sie –schon fast stoisch- fest. Verleugnet ihn und seine Bedeutung für sie aber trotzdem bei Bedarf auch z.B. gegenüber den Eltern ihres Freundes.


    Direkt zu Beginn des Buches stellt Ellie bestürzt fest, dass sie das „Vater unser“ plötzlich nicht mehr aufsagen kann. Dieser partielle Gedächtnisschwund kommt natürlich zur Unzeit, denn sie möchte mit einer sterbenden Dame aus dem Seniorenstift beten, um ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen. Aufgeschreckt durch dieses Ereignis spricht Ellie mit ihrem Arbeitgeber, ihrem Freund Jan und mit Ärzten- kann aber keine Hilfe bei ihrem Problem bekommen.


    Der Leser begleitet Ellie durch ihre Welt und erfährt immer tiefergehende Sorgen von ihr, die erst nach und nach Scheibchenweise offengelegt werden und nicht nur die Religion betreffen. Dieser Aufbau ermöglicht eine umfassendere Darstellung von Ellie und ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist ansprechend und flüssig geschrieben. Da nicht sonderlich viele Protagonisten in der Geschichte auftauchen, konnten sie je nach Gewichtung in der Erzählung nachvollziehbar herausgearbeitet werden. Das hat mir gut gefallen.


    Es ist kein „Feel-good“ Roman und es ist auch nicht alles geklärt und eingerenkt am Ende der Geschichte, aber Ellie befindet sich auf einem Weg, der schlussendlich in die richtige Richtung führt und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, sie dabei zu begleiten, auch wenn die Geschichte zeitweise traurig und belastend war.


    Dieses Buch ist eine Bereicherung.

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  • Lesenswertes Debüt

    Die Endzwanzigerin Elke ist kurz davor, ihre Ausbildung zur Pastorin abzuschließen. Ihr Vater, der ebenfalls Pastor ist, erwartet selbstverständlich, dass sie eines Tages seine Gemeinde übernimmt.
    Elke arbeitet ehrenamtlich in einem Pflegeheim, eine Aufgabe, die ihr sehr viel Freude macht. Selbst während des Kölner Karnevals übernimmt sie gern eine Schicht, damit die Kollegen feiern können. In dieser Nacht passiert es. Eine sterbende Frau bittet sie, mit ihr das Vaterunser zu beten, doch Elke kann sich plötzlich nicht mehr an den Text erinnern. Sie diagnostiziert sich selbst mit „Gottdemenz“. Es bleibt nicht bei dem einen Vorfall und Elke beginnt zu zweifeln, ob sie überhaupt Pastorin werden will und kann.
    Ihr äußerst verständnisvoller Partner Jan beruhigt sie damit, es könne sich nur um eine Phase handeln, doch die Ursachen liegen tiefer. Vor Jahren hat Elke ein Trauma erlitten. Ihr Bruder kam ums Leben. Weder sie noch ihre Eltern haben dieses Trauma je überwunden. Als Elkes Vater schwer krank wird, fährt sie nach Hause und beginnt, sich der Vergangenheit zu stellen.
    „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich überzeugend. Elke ist zwar eine sehr eigenwillige Persönlichkeit und manche ihrer Handlungen sind so skurril, dass ich sie in keinster Weise nachvollziehen konnte, doch habe ich gerne ihre Entwicklung mitverfolgt. Der Roman behandelt ernste Themen und ist gleichzeitig stellenweise urkomisch. Ein ganz bemerkenswertes Debüt, das ich absolut empfehlen kann. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

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