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Andreas Storm - Das neunte Gemälde

  • NS-Raubkunst und ihre Folgen bis heute


    Kunsthistoriker Lennard Lomberg erhält im April 2016 auf dem Flughafen Bonn einen rätselhaften Anruf: Er soll die Rückgabe eines kubistischen Gemäldes organisieren, dass sich zu Unrecht jahrzehntelang in einer renommierten Stiftung befunden haben soll. Noch bevor ein Treffen mit dem Mann, der sich Dupret nennt, zustande kommt, wird dieser tot in einem Bonner Hotel aufgefunden. Vom zu überprüfenden Gemälde fehlt jede Spur.


    Dennoch ist Lombergs Neugier geweckt und er beginnt zu recherchieren. Dabei gerät er in den Fokus der Polizeirätin Sina Röhm, die mit einigen interessanten Details aus Lombergs Familiengeschichte aufwarten kann. Lomberg muss erkennen, dass sein verstorbener Vater, der Generalbundesanwalt, nicht so war, wie er von allen gesehen wurde.


    Je tiefer er in die Geschichte des Vaters eintaucht, desto klarer ist, dass dieses Bild eine explosive kunsthistorische Sensation darstellt und Lennard Lomberg nicht der einzige ist, der diesem Gemälde nachjagt.


    Meine Meinung:


    Andreas Storm ist mit diesem, auf gleich drei Zeitebenen, nämlich 1943, 1966 und 2016, spielendem Krimi eine fesselnde Geschichte rund um Raubkunst gelungen.

    Die Idee hatte der Autor, wie er in einem Interview sagt, als er im Jahr 2016 über einen Artikel über die Vernichtung von „entarteter Kunst“ durch die Nazis gestolpert ist. Bei der Bilderverbrennung am Jeu de Paume im Paris des Jahres 1943 soll statt wertvoller Bilder wie jene von Picasso & Co. nur minderwertiger Plunder verbrannt worden sein. Darüber streiten Kunsthistoriker seit Jahrzehnten.

    Neben Details über die offiziellen Raubzüge der Nazis erfahren wir über persönliche Bereicherung daran beteiligter Offiziere und wie sie ihnen gelang, beinahe unbehelligt nach dem Krieg wieder einflussreiche Positionen einzunehmen. Skrupellose Machtmenschen also, die ihre Seilschaften bis zu ihrem Tod (und manchmal auch darüber hinaus) pflegen.


    Geschickt sind die technischen Möglichkeiten, Übermalungen und/oder Fälschungen aufzudecken, in die Story eingebunden. So lernt der Leser etwas Neues, ohne zu merken, das er etwas lernt. So mag ich das! Unterschwellige Wissensvermittlung!


    Mir hat dieser Krimi, der in die Kunst eintaucht sehr gut gefallen. Provenienzforschung ist Detektivarbeit und so manches Kunstwerk, das sich heute noch in Familienbesitz befindet, könnte auf unrechtmäßige Art dorthin gekommen sein. Will man das eigentlich wissen?


    Der Schreibstil ist fesselnd und ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Ich wollte unbedingt wissen, wie das Buch endet. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Kunsthistoriker Lennard Lomberg.


    Fazit:


    Ein fesselnder, komplexer Krimi, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

    "Ein Tag ohne Buch ist ein verlorener Tag"


    "Nur ein Lesender kann auch ein Schreibender sein oder werden" (Maria Lassnig/1919-2014)

  • Kunst

    Lennard Lomberg ist ein bekannter Kunstexperte vor langer Zeit hat er seine Doktorarbeit über Beutekunst geschrieben und hilft auch heute noch die Kunstwerke zu finden und dann den rechtmäßigen Besitzern zurück zu geben bzw. ihren Erben zukommen zu lassen. Ein sehr heikles und auch gefährliches Thema, denn wer gibt gerne zu das seine Vorfahren im besten Falle Diebe waren.

    Nun gibt es einen geheimnisvollen Anruf, mit Andeutungen und dann nichts mehr. Nur die Polizei erscheint und stellt Fragen zu einer Person die Lennard nicht kennt und nur einmal telefoniert hat.

    Durch intensive Nachforschungen in der Kunstszene stellt sich heraus das Lombergs verstörbener Vater auf irgendeine Weise involviert ist.

    Die Suche nach einem ungwöhnlichen Bild und nach einem Mörder beginnt.

    Das Buch ist auf drei Zeitebenen geschrieben. Die Gegenwart 2016 ist einfach zu verfolgen, die Personen sind sehr verschieden, zum ersten die Männer die zur Kunstszene gehören machen alle einen sehr elitären schon arroganten Eindruck. Sie sind sehr gut vernetzt und haben anscheinend sehr gute finanzielle Möglichkeiten. 1966 die Wirtschaftswunderjahre jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, möglichst groß. Diese Personen sind von ihrer Art und Weise verständlicher. Dann sind wir mitten im Krieg in Paris 1943. Man könnte die Zeit als die des größten Kunstraubs aller Zeiten bezeichnen. Auch hier wollen einige etwas von diesen Werten abhaben und nicht nur für das Reich einsammeln. Diese Figuren sind ehr stereotyp beschrieben.

    Insgesamt eine erstaunliche Mischung an Figuren, Handlungen und Kunst.

    Ich habe noch nie soviel auf unterhaltsame und spannende Art und Weise über Kunst gelernt. Nicht nur wer, wann, was gemalt hat und wie sondern auch wie man die Bilder im Nachhinein mit hochkomplizierten Verfahren untersuchen und demnach zuordnen kann.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Spannend!


    Auf vier Zeitschienen, nämlich 1914, 1943, 1966 und 2016, verlaufen sprunghaft diverse Themenkomplexe rund um Kubismus, entartete Kunst unter dem Nazi-Regime und deren Zerstörung. Diese nur teilweise fiktiven Szenarien spielen an Orten in Frankreich wie Paris, Avignon, Céret neben mehreren Stationen in Deutschland wie Bonn, Wiesbaden etc.. Dieser spannend verwobene Weg der NS-Beutekunst in unserer Vergangenheit bildet den roten Faden in diesem Kriminalroman. In dieser Kombination von geschichtlichen Fakten und viel Fiktion, getragen von vielen kunstgeschichtlichen Details spiegelt der Roman einen ausgesucht edlen Schreibstil in gehobenem Ambiente wieder, angenehm zu lesen.


    Vermag man zeitlich den Krimi jedoch nicht in einem Durchgang genießen können, könnte die große Anzahl der Protagonisten an den divers agierenden Stellen eventuell schwer richtig einzuordnen sein in der jeweiligen Rolle im Roman.

  • Bonn 2016: Lennard Lomberg erhält einen ungewöhnlichen Anruf von einem Mann namens Dupret. Er bittet ihn bei der Rückgabe eines Gemäldes, das sich unrechtmäßig im Besitz einer Stiftung befindet behilflich zu sein. Kurz darauf ist der Mann tod, und von dem Gemälde fehlt jede Spur. Lomberg gerät ins Visier der Polizei, denn die Ermittlungen zeigen, das es sich bei dem verschwundene Gemälde wohl um einen von den Nazis geraubten verschollen Picasso handeln könnte, der mit Lombergs Vater in Verbindung steht. Denn dieser war unter den Nazis als Leutnant für Kunstschutz in Paris tätig. Lomberg beginnt in eigenr Sache zu ermitteln und dringt dabei immer tiefer in die eigene Familiengeschichte ein, die ihn tief erschüttern. Dabei ruft er Gegenspieler auf den Plan, die auch über Leichen gehen um an dieses Gemälde zu kommen.

    Das neunte Gemälde ist der erste Teil um Lennard Lomberg von Andreas Storm.

    Die Thematik hat mich direkt angesprochen, auch wenn ich eigentlich ein Kunstbanause bin, sprach mich die Verbindung in die Nazizeit und Raubkunst an. Die Geschichte selbst ist interessant und wird in zwei Zeitlinien erzählt. Vor allem die Zeitlinie, die in der Vergangenheit spielt, hat mir gut gefallen, der Aufbau und die Spannung haben mich hier erreicht. Bei der Zeitlinie um Lennard Lomberg hatte ich allerdings so meine Probleme. Hier empfand ich den Erzählfluss wahnsinnig sprunghaft, auch waren Charaktere für mein Empfinden auf einmal da und erst beim weiterlesen verstand ich in welchem Zusammenhang die zu Lomberg standen. Auch konnte mich die Aufzählungen von Luxusgütern, die Lomberg und seine Freunde und Geschätspartner konsumieren so gar nicht erreichen, und nervten mich auf Dauer auch ein klein wenig. Hier wäre für mein empfinden weniger ist mehr gewesen, Lombergs Lebenstil hätte man auch anders gut einfangen können ohne das es zwischendurch so dekadent wirken muss.

    Der Fall selbst ist spannend, erst nach und nach lichtet sich das Bild und die Zusammenhänge werden klar, dabei steuern beide Erzählstränge gekonnt aufeinander zu und ergeben zum Schluss ein stimmiges Bild.

    Mein Fazit:

    Ein interessanter Fall mit einer Themati die mich sofort angesprochen hat, der in zwei Erzählsträngen erzählt wird. Während der eine Strang mich wirklich abholte, konnte mich der andere leider nicht so wirklich erreichen.

  • Zu viele Zutaten

    Das wirklich Spannende an diesem Roman: Es wurden sehr viele, interessante, historische Tatsachen in die rein fiktive Handlung, eingearbeitet. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:


    Der deutsche, im Jahr 1964 geborene Schriftsteller Andreas Storm, war bisher bei einer Kommunikationsfirma als Geschäftsführer tätig.

    "Das neunte Gemälde" ist sein Debutroman. Die Reihe erzählt von Lennard Lomberg einem Kunstexperten.


    Zum Inhalt:

    Bonn 2016 - Flughafen: der Kunsthistoriker Lennard Lomberg erhält einen merkwürdigen Anruf.

    Ein, ihm Unbekannter - Hr. Dupret,möchte sich mit ihm zwecks eines bisher verloren geglaubten Gemäldes, austauschen.

    Nach diesem Telefonkontakt wird Lomberg Zeuge,von erstaunlichen mitunter befremdlichen Ereignissen.

    Auf der Suche nach deren wahren Ursprung und den Hintermännern muss er nun Europaweit, seine Beziehungen spielen lassen. Und er erkennt Verbindungen, von denen er nicht wusste.


    Buchgestaltung & Ausführung

    Die kreative Buch-Gestaltung springt durch seine kräftige orange-rote Farbgebung, dem Betrachter förmlich ins Auge.

    Mit ihren schwarzen Buchstaben sind Titel, Genre und Autorenname plakativ & somit rein informativ.

    Mir gefällt das Cover.

    Im Buchdeckel wurden Skizzen zu den wichtigsten Schauplätzen: Paris: 1943 & Ceret 2016 eingefügt. :!:

    Ein wirklich nettes Detail.

    Die im Buch verwendeten Schriftsätze sind etwas klein geraten.

    Die Abschnitte werden von kurzen Zeit- & Ortsangaben eingeleitet.


    Mein persönlicher Eindruck

    Ich war sehr auf diesen Kriminalroman gespannt. A.Strom hat hier tatsächlich stattgefundene, historische Ereignisse im 3. Reich, in die komplett fiktive Erzählung eingebaut.


    Erzählstil & Fluss:

    Einen guten Lesefluss zu erreichen ist mir hier wirklich nicht leicht gefallen. Die Abschnitte werden mitunter an den spannensten Stellen beendet. Wahrscheinlich um durch Spannungsbögen dem Krimi mehr Momentum zu geben.

    Da diese später weder kontunierlich weitererzählt noch wieder aufgenommen wurden, findet jegliches entstandene Momentum ein abruptes Ende.

    Das hat eine gewisse Frustation bei mir entstehen lassen.

    DIe Erfahrungen, Erlebnisse & Interaktionen der Romanhelden wurde leider durch die häufige Verwendung französischer Bemerkungen und anderen unwichtigen Ausschmückungen verwässert. :ergeben:

    Der Hauptstamm der Story ist wirklich sehr interessant und gut recherchiert, nur leider wird dieser, durch die Überbetonung von Nebensächlichkeiten, aus dem Fokus genommen.

    Von einer Straffung der Gesamhandlung sowie dem Verzicht kulinarische & andere Vorlieben zu thematisieren, könnte das Buch deutlich profitieren.


    Zusammenfassung:

    Andreas Storm präsentiert hier eine sehr interessante Erzählung.

    Leider führt die Fokussierung auf inhaltliche Nebensächlichkeiten wie z.Bsp.französische Redewendungen sowie die Annahme, historische Hintergründe & darauf basierende, intellektuelle Schlussfolgerungen wären dem Lesenden geläufig, schmälern den Lesegenuss enorm.


    Fazit: Ein Romandebut, das durch die fortlaufende Fokussierung auf Nebensächlichkeiten, viel an Spannung und Momentum verloren hat.

    Ich vergebe für diesen Roman, den ich eher dem Drama-Genre zuordnen würde: Gute 3 Lesesterne. :musik: :study: :montag:


    ISDN: 978-3462003888

    Verlag: KiWi

    Seitenzahl: 416

    Formate: elektr.,Paperback, CD, Hörbuch

    Veröffentlichung: 18.08.2022

  • Lennard Lombergs erster Fall.


    Der Leser begleitet die Familie Lomberg durch drei Generationen (1943, 1966 und 2016) und erfährt nicht nur viel über die Familie sondern erhält auch viele Einblicke in die zu der Zeit herrschenden Gegebenheiten.


    Durch die vielen unterschiedlichen Zeitsprünge wird die Geschichte sehr komplex und eignet sich deshalb nicht für Zwischendurch. Man muss hier schon am Ball bleiben um nicht den Überblick über die unterschiedlichen Handlungsstränge zu verlieren. Auf manche Passagen hätte man allerdings auch verzichten können bzw. kürzen könne um das Buch nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Man hätte deshalb trotzdem der Geschichte noch ohne Probleme folgen können.


    Manche Szenen weder sehr detailreich beschrieben. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Auch bei den vielen Personen, Orte, Institutionen, Straßennamen, Hotels etc. wäre weniger mehr gewesen. Manchmal war es dann doch etwas unübersichtlich. Vielleicht wäre auch eine Personenverzeichnis zu Beginn hilfreich gewesen. Vielleicht war das auch mit einer der Gründe warum ich leider zu allen Beteiligten keine wirkliche Bindung aufbauen konnte. Ich war zu sehr damit beschäftigt mir alles zu merken um ja nichts zu vergessen was evtl. wichtig sein könnte. Durch die vielen Details in der Geschichte hat meiner Meinung nach auch die Darstellung der Charaktere gelitten.


    Der Schreibstil ist sehr elitär. Für mich aber definitiv für das Buch angemessen und auch zu den sonst üblichen flapsigen Ausdrucksweisen manch anderer Ermittler mal etwas anderes.


    Die Spannung hält sich allerdings für eine Krimi doch etwas in Grenzen. Wobei ich zu keiner Zeit gelangweilt war und immer wissen wollte wie es weitergeht.


    Hut ab vor dem Autor, dass am Schluss tatsächlich alle Fäden zusammen geführt haben und alle Handlungsstränge ineinander übergegangen sind. Alles war derart verwoben wie ein gut gestricktes Spinnnetz.

  • Interessante Geschichte über ein verschwundenes Gemälde


    Mit großem Interesse habe ich zum Debütroman von Andreas Storm gegriffen. Das Thema des Kriminalromans ist hochspannend. Es geht um ein während des Zweiten Weltkrieges verschwundenes Gemälde, vermutlich ein Werk eines bedeutenden Künstlers.


    Im Jahre 2016 wurde der weltweit geschätzte Kunstexperte Lennard Lomberg von einem mysteriösen Anrufer Dupret um die Vermittlung bei der Rückgabe des besagten Werkes beauftragt. In dem Gespräch deutete Dupret an, dass die Familie Lombergs in die Geschichte des verschwundenen Bildes verstrickt wäre. Kurz danach findet man den Anrufer tot in seinem Hotelzimmer liegen und Lomberg gerät ins Visier der Ermittler.


    In der ihm vertrauten Künstler- und Kennerwelt begibt sich Lomberg auf die Suche nach dem verschollenen Gemälde. Die Recherche führt ihn in die Vergangenheit und seine familiäre Geschichte, die nicht immer ehrenwert war.


    In einer akribisch konstruierten, detailreichen Erzählung führt den Autor seine Leserschaft von der Gegenwart, die sich an verschiedenen europäischen Orten abspielt, bis in die 1940-er Jahre zurück, vorwiegend mit Paris als Schauspielplatz.


    Trotz des interessanten Themas ist der Roman keine leichte Lektüre. Es ist vor allem der trockene Schreibstil, der bewirkt, dass das Buch sich nur zäh lesen lässt.


    Die unzähligen Romanfiguren, deren Verbindungen zueinander lange undurchschaubar bleiben, sind mir fremd geblieben. Auch die starke Vermischung der Fiktion mit der Realität wirkte manchmal leicht verwirrend. Das hochspannende Thema um das geraubte Gemälde verliert sich in unzähligen Details, mit denen sowohl der Handlungsstrang über die politischen Ereignisse wie auch die Geschichten über die menschlichen Schicksale in der Zeit von 1940 bis 2016 reichlich vorhanden sind.


    Ein vielschichtiger Kriminalroman, in dem der Autor die Fiktion mit der Realität gekonnt verbindet.

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