Stephanie Kempin - Der Flug der Krähen

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  • Klappentext:

    Mit sieben Brüdern sind die Aussichten der jungen Theresa auf gesellschaftlichen Aufstieg verschwindend gering.


    Doch sich mit einem Leben voller Mühe und ohne Selbstbestimmung abzufinden, kommt für sie absolut nicht infrage. Entweder wird Theresa eines Tages feine Kleider ragen und mehr als eine kleine Kammer zur Verfügung haben, oder den Ausweg nutzen, den ein sprung in den Fluss ihr bietet.

    Als sie Mächte entdeckt, die so gefährlich wie verboten sind, glaubt sie einen Weg gefunden zu haben, ihre Brüder loszuwerden und ihre Wünsche zu erfüllen.


    Doch alles hat einen Preis und für ein Leben im Reichtum ist dies möglicherweise der Wahnsinn...



    Meine Meinung:

    In der Reihe "Fairytales Gone Bad" nehmen sich verschiedene Autor:innen je ein Märchen vor und geben diesem eine andere Richtung, die nicht gut endet.


    "Der Flug der Krähen" von Stephanie Kempin ist an "Die Sieben Raben" angelehnt. Die junge Theresa merkt schon früh, dass sie im Gegensatz zu den sieben Brüdern nichts zählt. Von ihr wird erwartet, dass sie sich Handarbeiten und dem Haushalt widmet, dabei würde sie viel lieber Maschinen und Geräte bauen wie die Brüder. Auch möchte sie nicht mit einem Mann verheiratet werden, den ihr die Eltern aussuchen, sie will später kein Leben führen, das ihr nichts als harte Arbeit und Unterdrückung zu bieten hat. Doch um ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen, müsste sie das Geld ihrer Eltern erben und das fällt an die Brüder. Als sie schließlich bei einer Hexe das Zaubern lernt, verwandelt sie einen Bruder nach dem anderen in eine Krähe. Doch die Tat bleibt nicht ohne Folgen.


    Der Autorin gelingt es, ihre Figuren und deren Lebensumstände so plastisch zu schildern, dass schnell klar wird, warum es Theresa in dieser Welt zu eng ist. Sie ist klug und wissbegierig, alles, was ihre Brüder können, kann sie auch, manches sogar besser. Dass sie nicht tun darf, was sie kann und will, frustiert nicht nur sie. Dennoch war es mir manchmal etwas zu viel, wenn sie immer und immer wieder die gleichen Fragen und Bedenken wälzt und nur zwei Auswege aus dem Dilemma sieht: entweder sie geht in den Fluß oder ihre Brüder müssen weg. Doch mit jedem Bruder, den sie in eine Krähe verwandelt, verfällt ihre Mutter mehr in Verzweiflung. Sie wird zänkisch und überängstlich und macht den anderen damit das Leben schwer. Vor allem auf Theresa muss darunter leiden, was sie nur noch mehr in ihrem Vorhaben bestärkt. Denn alles, was Theresa versucht, um aus ihrer Situation herauszukommen, führt sie nur immer tiefer in ihre eigenen seelischen Abgründe und erreicht seinen Höhepunkt, als die Brüder anfangen, sie als Krähen heimzusuchen.
    Gegen Ende gibt es immer mal wieder kleine Hoffnungsschimmer, die der Geschichte eine andere Wendung hätten geben können, aber zu dem Zeitpunkt sind alle Beteiligten schon zutief in die Sache verstrickt, und es kann nur böse enden.


    Fazit:

    Die Geschichte ist bis zum Schluss absolut unversöhnlich, aber so gut geschrieben, dass ich mit Theresa mitgelitten und gehofft und gebangt habe. Obwohl mir ihre immer wieder gleichen Gedanken oft zu viel waren und ich auch an mehreren Stellen einen anderen Weg gesehen hätte, fand ich es so, wie es schließlich endete doch sehr schlüssig. Von mir gibt es :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Verführung Volljähriger zum Bücherkauf sollte nicht unter 5 Jahren Stadtbibliotheksmitgliedschaft bestraft werden!

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