Flake - Der Tastenficker: An was ich mich so erinnern kann
Schon zu Zeiten von Feeling B war er ein Unikum und seine Bandmitglieder machten es ihm wahrlich nicht leicht als Unikum gelten zu dürfen. Flake, seinen richtigen Namen kenne ich nicht, eben der Tastenficker von Rammstein. Mit dem Erfolg bei den Deutsch-Heroen stieg der Keyboarder vom Outlaw zum weltweiten Popstar auf. Und - schwer vorstellbar, dass dieser in Millionen von Euro schwimmende Mensch ein bescheidener geblieben sein soll, der zu dem die Bodenhaftung in keiner Weise verloren haben soll. Geht denn sowas?
Ich will es glauben. Unter anderem wegen dieses Buches, denn darin zeigt er sich in höchster Weise unprätentiös. Will heißen, er gibt nichts auf seinen Erfolg, sein Jet-Set-Leben, seine Prominenz. Sie scheint ihm völlig egal zu sein. Er untergräbt sie nicht, sieht sie aber nicht als Tenor des Schreibens. Dass er reich und erfolgreich ist, lässt er sehr wohl gelten. Das Besondere daran: Er sieht es nicht in Bezug auf seine Person. Er weiß, dass solche erfolgreichen Wege des Erfolges einfach nur Glück und somit zufällig sind. Kein Gelaber von harter Arbeit, einem schweren Weg, langem Durchhaltevermögen, geschweige denn künstlerischen Intentionen und bedeutungsvoller Selbstbeweihräucherung. Nichts von da all dem.
Der Duktus - erzähl ich mal was. Klare nüchterne Sprache. Deswegen weder zäh, befremdend, langweilend noch belanglos. In seiner, mir ansonsten noch nicht untergekommenen, ureigenen Art zieht er lakonisch seine erzählerisch beschreibenden Kreise. Stets durchzogen von Selbstironie und auf der Suche, besser Infragestellung, dessen was stets schwergewichtig in einem Leben gern erhöht und aufgeblasen wird. Er nimmt es stets wie es kommt und es kam nicht immer leicht für ihn. Unbesehen will er nicht sein Leid klagen, sondern es lediglich erwähnen und selbst das wieder in ironischer Brechung, ob es denn nun ein wirkliches Problem gewesen sei. Leichtfüßig. Ebenso kommt das ganze Buch daher. Um es noch falscher zu formulieren: Luftig. Flake würde diese Bemerkung vermutlich knorke finden. Etwas beweisen oder überzeugen liegt ihm fern. Auch in all seinen Interwies, ob als Feeling B Tastenficker oder eben inzwischen längst bei Rammstein. Eher Beschreibung als Erzählung. Eine Ansammlung von Lebensbildern, ohne exhibitionistische Konnotation.
Bescheidenheit ist ein weiteres Kärtchen, das beim Brainstorming ans Flipboard zu heften wäre. Es Manifest der Bescheidenheit, die ich als angenehm empfand und wohl nie erreichen werde. Beeindruckend also.
Zuweilen beschlich mich ich ein Gefühl, dass die Bescheidenheit durch eine gewisse Infantilität gespeist wird. Obwohl in der Welt stehend und ja selbst umherdüsend, ist er stets bei sich und seiner Sicht, ohne sie im Geringsten dem Lesenden nahelegen zu wollen. Vermutlich muss das bei Menschen, die in sich zu ruhen scheinen, so sein. Selbst politische Wertungen finden nicht statt, wo ihm die Sicht eines stotternden Underdogs in der DDR und ebenso die eines Weltstars vertraut ist. Da gäbe es sicherlich reichlich zu monieren. Sein Ding ist das nicht, was nicht bedeuten soll, dass er dem Geschehen in der Welt gleichgültig gegenüberstehen würde. Das ist nicht anzunehmen. Wer ihm nicht gesonnen ist, könnte ihm Tiefstapeln an den Hals dichten. Derjenige läge womöglich falsch - aber wer weiß.
Hier steht „nur“ drin, was der Untertitel kundtut: „An was ich mich so erinnern kann“.
Man kann es einfach mal so runter lesen, wenn man sich nicht schwergewichtig durch hochintelligente, existenziell wabernde Schreibexzesse kämpfen möchte. Dann einfach denken: Na, was hat wohl ein Tastenficker zu erzählen?

