Don Winslow - City on Fire

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  • Unfassbar, wie diese Geschichte einen in seinen Bann zieht


    Auch wenn es der Auftakt zu einer Trilogie sein soll, so steht das Buch alleine für sich schon erstklassig da, ob mit oder ohne Fortsetzung!

    Geschichte: Danny Ryan`s Vater war früher das Oberhaupt der Iren in Rhode Island und führte die Geschicke der Docks und der Gewerkschaften, dazu gehörten der Raub an eingehender Ware oder auch Überfälle auf LKW. Dem gegenüber stehen die Italiener die für Prostitution, Drogen und Schutzgelder zuständig sind. Beide vereint durch einen langjährigen Friedenspakt. Als sich Marty Ryan mehr dem Alkohol zuwendet übernehmen die Murphys alles und Danny wächst mit den Söhnen auf und Ihn verbindet eine starke Freundschaft zu Pat Murphy. Als Danny dann noch die Tochter von John Murphy heiratet, genügt sich Danny in der Rolle als Helfer, der aber nichts zu melden hat. Doch dann tritt eine wunderschöne Frau in das Leben in Rhode Island und die Welt, wie sie war ändert sich für alle....

    Personen und Schreibstil: Von Beginn an fesselt der Schreibstil und der Leser wechselt in die Zeit um 1986 und ist mitten im Geschehen. Und zwar so stark, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Die Personen haben Ihr Macken und man ist Hin und Hergerissen zwischen den Personen und auch den verschiedenen Gruppen, bei denen jeder irgendwelche Polizisten, Richter oder aber im Fall der Italiener, die Mafia hinter sich hat. Alles ist detailliert, ohne zu langweilen oder langatmig zu sein.

    Meinung: Ein Highlight 2022 in jeder Beziehung. Ob nun Mafia-Buch oder Freundschaften, Ehrencodex und Liebe. Es ist alles zu finden und man leidet oder ärgert sich mit den handelnden Personen. Selten, dass eine Geschichte einen so in den Bann ziehen kann, doch ich bin begeistert. Das Buch steht auch alleine für sich mit einem sehr starken Ende, so dass mancher Autor davon träumen könnte, so ein Einzelbuch zu schreiben. Hier ist es anscheinend nur der Auftakt...

    Fazit: Weltklasse aus meiner Sicht und glatte 5 Sterne ohne darüber nachzudenken. Wer Don Winslow kennt, kann ohne überlegen zugreifen. Wer Ihn noch nicht kennt, erst recht ! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Es ist 1986 und Danny Ryan und sein Freund Pat kontrollieren, Abseits von den großen Syndikaten in Boston und New York, die Straßen von Rhode Island. Die irische Mafia lebt in friedlicher Koexistenz mit der italienischen Mafia und die Grenzen sind klar geregelt. Doch häufig braucht es nur einen kleinen Tropfen, welcher das Faß zum überlaufen bringt. In diesem Fall ist es der Bruder von Pat, Liam, der die Frau eines italienischen Mafia Mitglieds ausspannt. Danach fängt die Stadt an zu brennen und Danny Ryan sieht sich schon bald in eine Rolle gedrängt, in welche er nie schlüpfen wollte…


    Dieses Buch ist das erste Buch einer Trilogie und ist gleichzeitig eines der letzten von Don Winslow, denn nach dieser Reihe wird er den Stift weglegen und sich dem Erhalt der Demokratie widmen. Don Winslow gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren, weshalb ich noch gespannter auf dieses Buch war und ich wurde nicht enttäuscht. Angelehnt an den Epos des Homers erzählt Don Winslow eine hervorragende Geschichte, welche in seiner alten Heimat spielt. Der Schreibstil ist gewohnt locker und man möchte dieses Buch überhaupt nicht aus der Hand legen. Erst Recht nicht nach der Lesung in Stuttgart, bei welcher wir die Chance hatten Don Winslow persönlich kennenzulernen. Das Hörbuch von City on Fire kann ebenfalls empfohlen werden, da dies von Dietmar Wunder vorgelesen wird, welcher eine unglaubliche Stimme hat. Alles in allem war ich sehr begeistert von diesem Buch und kann die nächsten Teile kaum erwarten.

    5/5 Sterne

  • Vergeltung ist ein teurer Luxus


    Gemächlich gleitet man in diese anscheinend harmlose Familiengeschichte mit einem unspektakulären Ferienambiente und kann nicht aufhören, weil einen die Charaktere interessieren, beiläufig dargeboten im O-Ton, wie in einem Kneipengespräch über einen Pitcher gebeugt. Ich mag diesen typischen Don Winslow-Tonfall: die obercoole, abgeklärte Stimme eines Insiders, eines Bescheidwissers, der sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt.


    Dabei ist die epische Dimension keineswegs zu vernachlässigen. Die Charaktere verkörpern Archetypen, die Verwicklungen könnten Homer oder Shakespeare entlehnt sein, die vorangestellten Zitate aus Ilias und Aeneis deuten das schon an. Dabei wurde ich mehrfach an Nesbos genialen "Macbeth" erinnert. Anhand des kriminellen Milieus aus irischen und italienischen Mafiafamilien zeigt Winslow auf, wie Kriege ausbrechen und sich entwickeln, mit all ihren Alliancen und zerstörerischen Schlachten.


    Es geht um Ehre, Kränkung, Rache, aber natürlich auch ganz geschäftsmäßig um Geld, denn man hat ja Frau und Kinder zu ernähren. Meistens sind es Kleinigkeiten, die Gier und die Unbeherrschtheit Einzelner, die das Misstrauen säen und die Konflikte anschwellen lassen. Dumme Zufälle kommen noch erschwerend hinzu, aber "shit happens". Wie chemische Prozesse laufen die wechselnden Bündnisse ab. Als Katalysator dienen häufig Frauen, im positiven wie im negativen Sinn, das verleiht Dannys wieder aufgetauchter Mutter eine interessante Rolle.


    Man muss sich die Namen gut merken können und die Familienzugehörigkeiten, um den Überblick nicht zu verlieren, da aber alle Agierenden durch eine Vorgeschichte skizziert werden, hat man sie plastisch vor Augen.


    Bei den Altgedienten herrscht trotz aller Skrupellosigkeit sogar noch ein gewisses Ethos: "... was wenn seine Frau und seine Kinder in dem Wagen gewesen wären?" (S. 205). Glücklicherweise halten sich die Brutalitäten leidlich in Grenzen im Vergleich zu "Tage der Toten". Zu diesem Thema hat sich Winslow vor Kurzem in einem Interview gerechtfertigt: seine Recherchen haben ergeben, das das einfach die Realität darstellt in dieser Szene.


    Ursprünglich beherrschen Iren und Italiener das Feld, dann holen die Iren noch Schwarze Drogenhändler ("Zulus") ins Boot - trotz ihres tiefsitzenden Rassismus, aus rein pragmatischen Gründen. Das erste Treffen letzterer ist wie ein Kabinettstücken der Satire verfasst: "Das ist Neokolonialismus. Weiße verkaufen Drogen in Schwarzen Vierteln." (S. 260)


    In all der Unmenschlichkeit menschelt es immer wieder ganz gewaltig, das hält die Maschine am Laufen, erzeugt aber schwer erträgliche Kontraste aufgrund der daraus entstehenden Schizophrenie.


    Schon lange habe ich nicht mehr einen derartigen Pageturner in wenigen nächtlichen Sitzungen gelesen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Wir befinden uns im Jahr 1986 auf Rhode Island. Die irisch stämmige Familie Murphy und die Italienisch stämmige Familie Moretti beherrschen die Untergrundgeschäfte der Mafia in Dogtown. Es herrscht Frieden, die Geschäftsfelder sind aufgeteilt. Doch dann brechen junge Heißsporne einen Bandenkrieg vom Zaun.
    Das Buch wird hauptsächlich aus Sicht von Danny, der zum Murphy-Clan gehört, erzählt. Das Buch beschreibt einen verhängnisvollen Kreislauf von Ehre, Rache und Vergeltung und dem Kampf um Einfluss und dem großen Geld.
    Don Winslow entfaltet eine großartige Familiensaga. Der Schreibstil ist fesselnd. Hat man einmal angefangen zu lesen, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das ist auch notwendig, um nicht den Überblick zu verlieren. Es werden immer neue Personen eingeführt, die auf verschiedene Art miteinander verbunden sind und auch mal die Seite wechseln.
    Ich lese Don Winslow sehr gern. Mit diesen Buch ist ihm ein Meisterwerk gelungen, dass sogar seine hervorragende Art-Keller-Reihe übertrifft.
    Das Buch ist der Startband einer Trilogie. Ich warte nun sehnsüchtig auf die Fortsetzung
    Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

    Sub: 5475:twisted: (Start 2022: 5455)

    gelesen 2022: 375

    gelesen 2021: 94 / 1 abgebrochen / 35469 Seiten

    gelesen 2020: 92 / 2 abgebrochen / 42592 Seiten

    gelesen 2019: 90 / 1 abgebrochen / 36631 Seiten


    :montag: Liliane Fontaine Die Richterin und der Tanz des Todes

    :montag: Greg Woolf - Metropolis

    :study:


    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Eine Empfehlung, da stimme ich zu!!
    Die dreiteilige Verfilmung des Paten ist legendär, ähnlich beliebt sind bei vielen die zahlreichen Folgen der Serie Sopranos. Wer beides mag ist mit "City on Fire" gut beraten. Der Ort der Handlung, eine Küstenstadt an der US Ostküste, wird durch die Handlung lebendig, nie reißt der Spannungsbogen ab. In rascher Folge trifft ein Ereignis auf das andere. Die Mafioso der verfeindeten Gruppen erscheinen uns dabei als komplexe Persönlichkeiten mit zutiefst menschlichen Sorgen wie Krebserkrankungen, der Sorge um die Alten, das Wohlergehen der Kinder. Als Leser sympathisieren wir mit ihnen, um dann angesichts der Brutalität der Konflikte erschüttert zu werden.

    Dies war mein erster "Mafia-Roman" und meine anfängliche Skepsis wich schnell. Der Autor überzeugt und auch die Übersetzung ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gelungen.

  • :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:


    Es brennt in Providence


    City on Fire ist der Start einer Trilogie um Danny Ryan, dessen Familie und Freunde innerhalb der beiden Mafia-Clans italienisch- und irischstämmiger „Familien“. Die Geschichte beginnt 1986 auf Rhode Island, da ist Dannys Welt noch in Ordnung. Nach dem grausamen Tod seines besten Freundes und Schwagers Pat findet sich Danny dann in einer Rolle innerhalb des irischen Clans wieder, die er so nicht gewollt hatte.

    Dan Winslow versteht es, die Geschichte so zu erzählen, dass man in ihren Bann gezogen wird. Die familiären und freundschaftlichen Bande werden klar beleuchtet, die Charaktere gut beschrieben. Der Wandel von Freund zu Feind erfolgt allmählich, ausgelöst durch eine moderne Helena. Ich hatte keine Probleme, den unterschiedlichen Protagonisten zu folgen. Durch Winslows Erzählkraft werden auch grausame Szenen noch gut lesbar und verfolgen einen nicht. Für mich eine spannende, mafiatypische Geschichte, die das Potential für eine Verfilmung hat. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn einige Passagen dazwischen etwas gestraffter hätten sein können. Ein geradliniges Buch, das Erwartungen an die Folgeromane weckt.

  • Providence 1986: Die irischen Murphys und die italienischen Morettis sind zwar konkurrierende Mafiaclans, haben aber alles gut unter sich aufgeteilt, man hat sich im Zaum – bis eines Tages Liam Murphy sich an Paulie Morettis Freundin heranmacht.


    Don Winslow bedient sich der Ilias von Homer, des Kampfes um Troja, als Vorbild seiner Geschichte. Hier wie dort entsteht aus einer fatalen Liebesgeschichte ein Krieg, der eigentlich von beiden Seiten nicht gewollt wird, der aber auch, trotz mancher Möglichkeit, nicht beendet werden „kann“, da immer wieder Situationen entstehen, die die Gegenseite wieder zum Handeln „zwingt“.


    Im Mittelpunkt steht Danny Ryan, dessen Vater früher einer der Anführer war, nun aber nur noch ein alter Mann ist. Danny, der mit Pat, dem ältesten Murphy-Sohn, seit Kindheit befreundet ist, und dessen Schwester Terri geheiratet hat, wird immer tiefer verstrickt in den Kampf, obwohl er das eigentlich gar nicht möchte. Loyalität und Verbundenheit bringen ihn aber immer wieder dazu, sich nicht zurückzuziehen.


    Erzählt wird daher auch in weiten Teilen aus seiner Perspektive, aber auch andere Charakter treten vorübergehend ins Zentrum. Don Winslow charakterisiert alle tiefgehend, und von einigen, wie etwa Dannys Mutter, die ihn als Baby bei seinem Vater abgeliefert hat, um sich ein unabhängiges Leben aufzubauen, erfährt man auch viel über deren Hintergründe. So kommen einem einzelnen Personen sehr nahe, und auch wenn sie im Grunde alle Verbrecher sind, fühlt man mit ihnen.


    Der Roman ist der erste Band einer Trilogie, endet aber nicht mit einem Cliffhanger, sondern ist in sich so weit abgeschlossen. Dennoch bin ich gespannt, was in den Folgebänden passieren wird, und wen man von den Charakteren wiedertrifft.


    Don Winslow hat sich wieder einmal des Verbrechermilieus angenommen, und einen spannenden Thriller um zwei konkurrierende Clans, die größtenteils ungewollt in einen Krieg miteinander gezogen werden, dem sie nicht ohne weiteres entkommen können. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte in den beiden geplanten Folgebänden weitererzählt wird.

  • Bist du dir sicher, das du City on fire von Don Winslow meinst? Die Rezi passt nicht zum Buch.

    Das Buch sielt nicht in New York.

    Sub: 5475:twisted: (Start 2022: 5455)

    gelesen 2022: 375

    gelesen 2021: 94 / 1 abgebrochen / 35469 Seiten

    gelesen 2020: 92 / 2 abgebrochen / 42592 Seiten

    gelesen 2019: 90 / 1 abgebrochen / 36631 Seiten


    :montag: Liliane Fontaine Die Richterin und der Tanz des Todes

    :montag: Greg Woolf - Metropolis

    :study:


    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • sunny-girl danke für den Hinweis


    Ich habe mein Titel gelesene Bücher und Wunschliste vermischt. Ich habe ein vor einiger Zeit ein Buch mit dem gleichen Namen, aber von einem anderen Autor gelesen. Diese Rezension habe ich wiederum bei mir unter Don Winslow - City on fire abgespeichert, weil dieser Titel eben auf meiner Wunschliste steht. Da war der Wunsch leider Vater des Gedankens, den Titel habe ich zwar vorgemerkt, muss aber noch ein bisschen warten. Ich werde meinen Beitrag löschen lassen, wenn das möglich ist.

    Failure is success in progress. Either you win or you learn.

  • Beitrag von Squirrel ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: Fehlpost ().

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