Stine Pilgaard – Meter pro Sekunde / Meter i sekundet

  • Klappentext/Verlagstext
    Ein turbulentes Jahr voller Freundschaft! Ein Buch über das Finden des eigenen Tons, über die Kraft der Sprache. Kühe, Windräder und die sonderbare Welt einer Internatsschule: Eine junge Mutter zieht mit Mann und Baby nach Westjütland, ins "Land der kurzen Sätze“. Eine einfache Unterhaltung wird für sie zum Wagnis, und das Leben selbst ist auf einmal voller Hindernisse. Mutterschaft, Ehe und Fahrprüfung: alles kaum zu schaffen. Doch als sie Kummerkasten-Redakteurin bei der lokalen Zeitung wird, ändert sich ihr Leben, und der Himmel bricht auf. – Übersetzt in zahlreiche Sprachen, von Hinrich Schmidt-Henkel in ein wunderbar klingendes Deutsch. In Dänemark war »Meter pro Sekunde« der erfolgreichste Roman der letzten Jahre. Seine besondere Mischung aus Humor, Menschenfreundlichkeit und Sprachkunst macht es zum Buch unserer Tage. Ausgezeichnet mit dem renommierten Goldenen Lorbeer wie u.a. Karen Blixen, Tove Ditlevsen und Peter Hoeg.


    Die Autorin
    Stine Pilgaard wurde 1984 geboren. Bereits ihr erster Roman »Meine Mutter sagt« (erscheint 2023 bei Kanon) war ein Erfolg bei Publikum und Kritik und wurde mit dem wichtigsten Debütpreis des Landes ausgezeichnet. Mit »Meter pro Sekunde«, für das sie den Goldenen Lorbeer der dänischen Buchhändler erhielt, erscheint erstmals eines ihrer Bücher auf Deutsch. Stine Pilgaard lebt in Kopenhagen.


    Der Übersetzer
    Hinrich Schmidt-Henkel 1959 geboren, übersetzt u.a. Werke von Jon Fosse, Tomas Espedal, Louis-Ferdinand Céline, Édouard Louis und Tarjei Vesaas. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, zuletzt war er nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse.


    Inhalt
    Stine Pilgaards Icherzählerin ist mit ihrem Partner und dem noch namenlosen gemeinsamen Baby nach Velling/bei Ringkøbing in Westjütland gezogen, weil er eine Stelle als Lehrer in einer Heimvolkshochschule antreten wird. Die Schule soll jungen Schulabgängern mit Handwerks- und Musikkursen die Berufsorientierung erleichtern. Eine Art verlängerte Kindheit, die mancher später in den rosigsten Tönen schildern wird. Für Stine bedeutet der Umzug, dass sie mit in der Lehrerwohnung auf dem Schulgelände leben muss und unter Druck steht, zu heiraten und ihr Kind taufen zu lassen. Die Schulleiterin hat ihren Standpunkt dazu entschieden vertreten.“Vor 30 Jahren hatten wir auch Kinder und haben keinen Aufstand gemacht, sie waren einfach mit dabei.“ Von der jungen Frau wird erwartet, dass sie Grenzen anderer Menschen respektiert, aber klaglos die Taktlosigkeiten ihr gegenüber erträgt. Oberflächlich gesehen in eine Idylle wie in Astrid Lindgrens Kinderbüchern geraten, macht sich Pilgaards Protagonistin daran, vor aller Leute Augen ihre Elternrolle nicht zu perfektionistisch zu nehmen, endlich den Führerschein zu schaffen und ihre neue Stelle als Kummerkasten-Tante der Lokalzeitung auszufüllen. Allein ihre Beziehung zu wechselnden Fahrlehrern bildet innerhalb des Romans eine eigene Fortsetzungsgeschichte … Freundin Krisser, die gerade mit ihrem Mann gemeinsam das Hotel im Ort gekauft hatte, ist zwischen den widersprüchlichen Erwartungen der Kleinstadt "Schule" die einzige Stütze – und spart nicht mit Ratschlägen. In einer Situation, in der Beruf und Privatleben schwer zu trennen sind, scheint Velling geradezu eine Brutstätte für Konflikte zu sein. Während Lehrer Sebastian in kürzester Zeit wie ein Popstar angebetet wird, therapiert die neue Kummerkasten-Redakteurin sich mit Antworten an die Einsender selbst. Sie übersieht, dass Menschen sich ausheulen, aber selten Ratschläge hören wollen.


    Fazit
    Heimvolkshochschule und Lokalzeitung samt Kummerkasten-Kolumne erzeugen eine leicht plüschige Atmosphäre, in die Pilgaard - klug beobachtet - den Drei-Sprung junger Eltern setzt, ihren hohen Ansprüchen als Eltern und zugleich den Vorstellungen Fremder zu entsprechen. Dass diese Eltern-Generation übelst nerven kann, darüber darf man als Leser/in hier so hemmungslos grinsen wie über den teils atemlosen Ohne-Punkt-und-Komma-Stil der Erzählerin.


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    :study: -- Bohannon - Eva

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    :musik:-- Rätselhafte Fälle der Medizingeschichte (2.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow