Elizabeth George - Was im Verborgenen ruht / Something to Hide

  • Buchdetails

    Titel: Was im Verborgenen ruht


    Band 21 der

    Verlag: Goldmann

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 800

    ISBN: 9783442316205

    Termin: Neuerscheinung März 2022

  • Bewertung

    4.6 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    91,7% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Was im Verborgenen ruht"

    Als die Polizistin Teo Bontempi nach einer schweren Verletzung nicht mehr aus dem Koma erwacht, weist alles auf einen Mordanschlag hin. Weil Teo zuletzt vor allem in der nigerianischen Gemeinde Nord-Londons ermittelte, beginnt Detective Superintendent Thomas Lynley auch genau dort mit der Suche nach dem Täter. Zusammen mit DS Barbara Havers taucht er in eine Welt ein, die nichts mit dem privilegierten britisch-bürgerlichen Leben, wie es Lynley bisher kannte, gemein zu haben scheint. Eine Welt, in der Schweigen und Unverständnis mehr als sonst ihre Arbeit behindern. Zumal auch Teo selbst nicht nur ein Geheimnis zu verbergen hatte ...
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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)
    When a police detective is taken off life support after falling into a coma, only an autopsy reveals the murderous act that precipitated her death. She'd been working on a special task force within North London's Nigerian community, and Acting Detective Superintendent Thomas Lynley is assigned to the case, which has far-reaching cultural associations that have nothing to do with life as he knows it. In his pursuit of a killer determined to remain hidden, he's assisted by Detective Sergeants Barbara Havers and Winston Nkata. They must sort through the lies and the secret lives of people whose superficial cooperation masks the damage they do to one another.


    Autorin (Quelle: Amazon)
    "Akribische Recherche, präziser Spannungsaufbau und höchste psychologische Raffinesse zeichnen die Bücher der Amerikanerin Elizabeth George aus. Ihre Fälle sind stets detailgenaue Porträts unserer Zeit und Gesellschaft. Elizabeth George, die lange an der Universität »Creative Writing« lehrte, lebt heute in Seattle im Bundesstaat Washington, USA. Ihre Bücher sind allesamt internationale Bestseller, die sofort nach Erscheinen nicht nur die Spitzenplätze der deutschen Verkaufscharts erklimmen. Ihre Lynley-Havers-Romane wurden von der BBC verfilmt und auch im deutschen Fernsehen mit großem Erfolg ausgestrahlt.


    Allgemeines
    21. Band der Reihe um Lynley & Havers
    Erschienen am 11. Januar 2022 im Viking Verlag als HC mit 704 Seiten
    Gliederung: Roman in zwei Hauptteilen, Großkapitel gegliedert nach Daten (21. Juli bis 16.August), weiter untergliedert in Kapitel mit der jeweiligen Ortsangabe als Titel – Danksagung
    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven
    Handlungsort und -zeit: London, ein heißer Sommer in der Gegenwart


    Inhalt
    Der Roman setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die erst allmählich miteinander verflochten werden:
    Die farbige Polizeibeamtin Teo Bontempi wird bewusstlos aufgefunden, sie erlangt im Krankenhaus das Bewusstsein nicht wieder und die Maschinen müssen wegen irreparabler Schädigung des Gehirns abgestellt werden.


    Mark Phinney. ein Kollege der Verstorbenen, lebt in schwierigen Familienverhältnissen, seine Frau Pietra kümmert sich fast ausschließlich um ihre schwerstbehinderte Tochter Lilybet, er selbst ist zwischen der Loyalität zu seiner Familie und dem Wunsch, dennoch etwas Freude in seinem Leben zu haben, hin und hergerissen.


    Adaku Obiaka, eine Afrikanerin, spioniert eine dubiose Frauenklinik aus, die nur Eingeweihten bekannt ist und in der offenbar nicht alle Behandlungen legal sind.


    In der nigerianischen Familie Bankole entwickelt sich der Vater Abeo immer mehr zum Familientyrannen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Familie seit Jahren in England lebt und – zumindest oberflächlich betrachtet – gut integriert ist, will er Sitten und Traditionen seiner Heimat ausleben. Er behandelt seine Frau Monifa wie seine Sklavin, will den achtzehnjährigen Sohn Tanimola mit einer diesem nicht bekannten sechzehnjährigen Jungfrau aus Nigeria verheiraten und plant, die achtjährige Tochter Simisola beschneiden zu lassen, damit sie „rein“ wird und er einen guten Brautpreis für sie erhalten kann.


    Beurteilung
    Für die Lektüre des 21. Bandes der Lynley & Havers-Reihe muss der Leser Ruhe, Geduld und Konzentration mitbringen. Im schnellen Szenenwechsel werden unterschiedliche Handlungsfäden abgerollt, die allesamt sehr fesselnde Unterhaltung bieten, aber zunächst den Sinnzusammenhang vermissen lassen.


    Der gemeinsame Nenner aller Handlungsstränge ist die menschenverachtende, illegale Praxis des FGM (Female Genital Mutilation), die keineswegs nur in arabischen und afrikanischen Ländern, sondern mit der Migration aus diesen Ländern zunehmend auch mitten in Europa ausgeführt wird. Die „medizinische FGM“ hat sich dabei als neuer Geschäftszweig etabliert, sodass die Mädchen nicht mehr in afrikanischen Hütten unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, sondern in europäischen Städten unter Narkose und sterilen Bedingungen verstümmelt werden. Letzteres bietet größere Überlebenschancen, führt aber zum selben Ergebnis, die Opfer dieser Praktik können kein erfüllendes Sexualleben mehr haben und leiden im schlimmsten Fall lebenslang unter Schmerzen und Infektionen.
    Als „Gegenbewegung“ gibt es Kliniken, die den bedauernswerten betroffenen Frauen eine rekonstruktive Chirurgie anbieten, die unterschiedliche Erfolge zeitigt, aber zumindest Schmerzen und Entzündungen beseitigen kann.
    Außerdem gibt es Organisationen Ehrenamtlicher, die von FGM bedrohten Mädchen Zuflucht gewähren, wie z.B. Orchid House.
    In diesem Umfeld müssen Lynley, Havers und Nkata einen sehr komplexen Fall lösen, in dem es mit zunehmenden Erkenntnissen immer mehr mögliche Motive und Tatverdächtige gibt. Die Ermittlungsschritte werden glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt, wobei die Autorin sich Zeit für ausführliche Schilderungen nimmt. Allerdings gibt es auch in jedem Handlungsstrang Abschnitte, die unglaublich spannend sind und den Leser mitfiebern lassen – die geschilderten Vorgänge erzeugen viel Empathie, aber auch großen Zorn… und viel Fassungslosigkeit.
    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr differenziert, die Autorin veranschaulicht am Beispiel der Familie Bankole die Konflikte der unterschiedlichen Generationen von Einwandererfamilien: Der Vater fühlt sich als unumschränkter Herrscher in der Familie, er stellt Traditionen über das Gesetz. Seine Frau leidet unter ihm, kommt aber nicht auf die Idee, sich ihm zu widersetzen – sie ist von Geburt an auf ihre unterwürfige Rolle gepolt.
    Die Kinder Tani und Simi sind als Engländer aufgewachsen und möchten als solche leben, Tani hat zum Missfallen seines Vaters eine „selbst ausgesuchte“ Freundin.
    Die Privatangelegen des Stammpersonals der Reihe, Lynley, Havers, Nkata und Deborah St.James, spielen hier keine so große Rolle, was es auch Lesern ohne Vorkenntnisse ermöglicht, diesen Band als ersten der Reihe zu lesen.


    Fazit
    Ein großartiger, bedrückender und hoffentlich wachrüttelnder Roman, dem man viele Leser, ganz besonders unter den Politikern, wünscht!

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Erfreulicherweise erscheint bereits am 28. März die deutsche Ausgabe dieses Romans, anbei deren Kurzbeschreibung (Amazon):


    Als die Polizistin Teo Bontempi nach einer schweren Verletzung nicht mehr aus dem Koma erwacht, weist alles auf einen Mordanschlag hin. Weil Teo zuletzt vor allem in der nigerianischen Gemeinde Nord-Londons ermittelte, beginnt Detective Superintendent Thomas Lynley auch genau dort mit der Suche nach dem Täter. Zusammen mit DS Barbara Havers taucht er in eine Welt ein, die nichts mit dem privilegierten britisch-bürgerlichen Leben, wie es Lynley bisher kannte, gemein zu haben scheint. Eine Welt, in der Schweigen und Unverständnis mehr als sonst ihre Arbeit behindern. Zumal auch Teo selbst nicht nur ein Geheimnis zu verbergen hatte ...

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Elizabeth George - Something to Hide“ zu „Elizabeth George - Was im Verborgenen ruht / Something to Hide“ geändert.
  • Diese Reihe verfolge ich ja schon seit vielen, vielen Jahren und letztens hab ich sogar die ersten Bände nochmal gelesen, um wieder reinzufinden und endlich auch die neueren Teile zu lesen. Ich mag vor allem die Spannung, die sich in den Krimis immer wieder aufbaut und steigert und mich die Bücher nicht mehr aus der Hand legen lässt!


    Dieses Mal gibt es wieder eine Menge Protagonisten. Neben den bekannten Figuren des etwas antiquierten Inspektor Lynley und seiner skurrilen Kollegin Havers spielt auch Deborah eine wichtige Rolle. Eine langjährige Freundin von Lynley und berufliche Fotografin. Ihr neuer Auftrag führt sie zum Orchid House, einer Organisation, die sich zum Schutz von Mädchen und Frauen einsetzt. Explizit nigerianische und somalische, da diese noch immer der Tradition von FGM ausgesetzt sind: der Verstümmelung der Genitalien.

    Ich muss gestehen, dass ich darüber nicht viel weiß und auch schockiert war, dass dieses grausame Ritual noch immer durchgeführt, obwohl es verboten ist. Meist in Hinterzimmern von dubiosen Frauen mit den primitivsten Mitteln, wodurch die Mädchen ein Leben lang Schmerzen haben, zu keiner Lust mehr fähig sind und nicht selten auch an den Nachwirkungen sterben.


    Ebenfalls im Fokus steht die Familie Bankole, deren Tochter Simi genau dieses Schicksal droht.

    Außerdem Mark Phinney, ein Polizist, dessen Arbeit sich mit diesen Problemen auseinandersetzt.


    Dass diese Thematik hier zur Sprache kommt finde ich eine sehr gute Sache, da darüber sehr wenig geredet wird und ich tatsächlich kaum etwas davon höre. Da müsste wirklich mehr Aufklärung betrieben werden. Die Autorin erklärt im Nachwort, dass sie viel Recherche betrieben hat, was die Polizeiarbeit angeht, aber auch, was sich in den betroffenen Familien abspielt.

    Die Unterdrückung der Frau ist hier traditionell und anerzogen. Der Mann hat das Sagen, das Geld und kann im Prinzip machen, was er will. Frauen haben zu dienen und beim Sex keine Lust zu empfinden - auch um keine Ambitionen zu entwickeln, Erfahrungen sammeln zu wollen oder evtl fremdzugehen.


    Was mich ein bisschen gestört hat war die übertriebene political correctness im Hinblick auf das Schlagwort Diskriminierung. Leider ja immer noch ein Thema und wahrscheinlich hat die Autorin deshalb so konsequent das Misstrauen und die Abneigung dargestellt, das viele Schwarze der weißen Bevölkerung entgegenbringen. Ich benutze hier extra die Wortwahl aus dem Buch! Hier gibt es einige somalische Frauen, die einen regelrechten Hass auf "die Weißen" haben - teilweise durchaus verständlich, andererseits hat es mich in dem Kontext auch etwas gewundert, da es im Zusammenhang mit FGM eigentlich ja ein Problem aus dem Heimatland ist.

    Da es für mich aber schwierig nachzuvollziehen ist, da ich die Ängste und Erfahrungen dieser Menschen nicht geteilt habe, hab ich es einfach mal so stehenlassen und mich darauf verlassen, dass die Autorin hier die Szenen aus der Familiengemeinschaft bzw. der Somalier einigermaßen authentisch wiedergegeben hat.


    Es war jedenfalls wieder relativ kurzweilig und auch wenn ein paar Wiederholungen dabei waren und Passagen, die man ruhig hätte kürzen können, konnte ich das Buch schlecht aus der Hand legen. Man fliegt wirklich recht schnell durch die Seiten und ist gespannt, was dahintersteckt - denn natürlich passiert ein Mord und es mangelt nicht an Verdächtigen.

    Manche Gespräche wirken forciert bzw. etwas hölzern, was ich eigentlich nicht gewohnt bin aus der Reihe und grade Lynley in seiner etwas altbackenen Art was Beziehungen betrifft, könnte gerne auch mal etwas moderner werden mittlerweile.


    Auch der Abschluss war etwas unspektakulär - da hatte ich mir mehr erwartet.

    Insgesamt hat es mir trotz der kleinen Kritikpunkte wieder sehr gut gefallen und die ausgefeilten Charakterzeichnungen und komplexen Zusammenhänge waren gut aufgebaut!


    Noch ein schönes Zitat von S. 691


    "... Wir müssen den Menschen als Ganzes nehmen, auch wenn es bequemer wäre, sich nur die Teile auszusuchen, die uns gefallen."


    Weltenwanderer

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