Yasmin Alinaghi - Unwert. Der Weg des Kirschmädchens

  • Kurzmeinung

    Gartenfee
    Ein sehr bewegendes Buch, was leider auf Tatsachen beruht. Unbedingt lesenswert!
  • Kurzmeinung

    Lesezeichenfee
    Ein Buch, das sich lohnt zu lesen. Gerade in der heutigen zeit. Dann kann man es besser machen!

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  • Yasmin Alingaghi Unwert Der Weg des Kirschmädchens Tinte u Feder Amazon 2021


    Bei Nacht sind alle Katzen grau, bei Tag oft auch


    Im Jahre 1935 ist Käthe 13 Jahre alt. Ihre Mama ist, nach ihrer Geburt, gestorben und ihr Vater als Alkoholiker im Heim. Sie arbeitet mit ihrer Schwägerin auf dem Hof. Weil ihr Onkel eingezogen wurde, hilft der Vater ihrer Schwägerin mit einem Knecht bei der Kirschenernte aus. Dieser Knecht, Zores, vergeht sich an Käthe, woraufhin ihn die Schwägerin anzeigt. Käthe kommt vor Gericht und wird verurteilt, weil sie schwachsinnig sei, dass sie unfruchtbar gemacht werden soll.


    Der Schreibstil ist sehr gut und unterhaltsam. Die Protas sind gut beschrieben, wobei mehr auch nicht schlecht gewesen wäre. Die 307 Seiten waren an drei Abenden ausgelesen. Die Geschichte hat einen mitgerissen und letztlich bin ich doch froh, dass die Protas nicht näher beschrieben werden. So war es entsetzlich und erschreckend, aber man saß nicht da und musste heulen. Auch wenn es zum Heulen war!


    Das Cover ist wunderschön und passt sehr gut. Nur hatte Käthe 2 Zöpfe. ;-) Eine 1.


    Mein – Lesezeichenfees – Fazit:

    Ein gelungener Einstand für eine Serie, die ich unbedingt weiterlesen möchte. 5 FeenSterne.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Yasmin Alinaghi - Unwert Der Weg des Kirschmädchens“ zu „Yasmin Alinaghi - Unwert. Der Weg des Kirschmädchens“ geändert.
  • Tat das Joch weh?


    Unwert – der Weg des Kirschenmädchens, historischer Roman von Yasmin Alinaghi, EBook herausgegeben von Tinte & Feder.


    Storyteller X Award-Gewinnerin Yasmin Alinaghi erzählt über den Mut, in schwerer Zeit, das richtige zu tun. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit.


    Die 13jährige Käthe lebt mit Onkel und Tante auf einem Obstwein-Gut in Hessen, ihr Vater der sich nach dem frühen Tod der Mutter dem Alkohol ergeben hat ist in einer Heilanstalt. Als der Onkel zur Wehrmacht eingezogen wird, kümmert sich der „raffgierige“ Vater der jungen Bäuerin um den Hof. Der Erntehelfer den er schickt, vergeht sich immer wieder an dem Kind. Im Bestreben sich den Hof anzueignen, überredet er seine Tochter, diese Übergriffe zu melden, zusammen mit dem hiesigen Amtsarzt, einem fanatischen Nazi-Anhänger gerät Käthe dadurch in die Fänge der braunen Schergen und findet sich vor dem Erbgesundheitsgericht wieder. So wird Käthe ein Opfer von Intrigen, gepaart mit einer abscheulichen Ideologie
    Die Kapitel sind mit Jahreszahlen und einer Überschrift markiert, die Überschrift hat mich des Öfteren auf den darauffolgenden Text neugierig gemacht. Die Autorin erzählt flüssig und sehr bildmalerisch, ich konnte mir die beschriebenen Personen, sowie das Setting sehr gut vorstellen. Einige Szenen sind in hessischer Mundart wiedergegeben, die die Dinge mit deftigen Ausrücken und Worten beim Namen nennen. (z. B. Piesel-Liesel). Liedtexte, Briefe, Auszüge aus Patientenakten etc. sind kursiv gedruckt und deutlich hervorgehoben. Anfangs musste ich oft schmunzeln, doch das Lachen ist mir im Verlauf der Erzählung schon bald im Hals steckengeblieben. Einige Szenen fand ich unfassbar grausam und ein beklemmendes Gefühl hat sich eingestellt. Immer öfter musste ich beim Lesen innehalten, besonders das unglaublich grausame Verhalten, des Stabsarztes Dr. Trabert hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
    Das Schicksal der jungen Käthe hat mich tief betroffen zurückgelassen, das Mädchen hat mir unsäglich leidgetan. Da sie nur 3 Jahre in die Schule gehen durfte, war es ein Einfaches, ihr ein gewisses Maß an Schwachsinn zu unterstellen. Sehr treffend hat ihr Lehrer bei der Gerichtsverhandlung ausgesagt, dass dies dann auch auf die Hälfte seiner Schüler zutreffen müsste, dies ist den Lebensumständen der damaligen Zeit zuzuschreiben. Besonders auf die Bildung von Mädchen wurde damals kein Wert gelegt. Niemals hätte ich gedacht, dass im 3. Reich auch Menschen, die weder durch Religion, Rasse oder ihrer Sexualität diskriminiert wurden, auch so behandelt wurden. Die Autorin hat es geschafft jeden einzelnen Charakter in ihrer Geschichte lebendig werden zu lassen. Interessant fand ich z.B. die Figur des Metzgerssohn, bei dem sich deutlich abgezeichnet hat, wenn man einflussreichere Eltern hat, kann man ruhig auch mal dumm sein. Die beiden rothaarigen Krempel Zwillinge haben mich oft zum Lachen gebracht. Meine absolute Lieblingsfigur jedoch war der Arzt Friedhelm Karges, der Beweis, dass es auch in dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte, Menschen gab, die aufrichtig, mitfühlend und ohne auf das eigene Wohlergehen zu achten, völlig selbstlos, sich gegen die Ungerechtigkeit und für die Menschlichkeit entschieden haben und zu helfen versuchten. Die Figur Carl Ott dagegen ist ein gutes Beispiel dafür wie tief ein Mensch durch Geiz, Neid und Hass zu sinken bereit ist.
    Das Buch hat mich bestürzt, nachdenklich gemacht und wird wohl noch lange in meiner Erinnerung bleiben. Im Anschluss habe ich es im Freundes- und Bekanntenkreis empfohlen, es hat einige Diskussionen und Gespräche darüber ausgelöst. Selbst das Nachwort hat mich noch betroffen gemacht.

    Nähere Infos sind auf der Homepage der Autorin einzusehen.
    Eine absolute Leseempfehlung und von mir 5 Sterne. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Eine sehr berührende Geschichte, die sich schnell und gut lesen lässt. Der Schreibstil von Yasmin Alinaghi ist eingängig, nicht schwierig und sehr mitreißend. Ich hatte Käthe extrem schnell ins Herz geschlossen und hatte großes Mitleid mit ihr. Käthe ist 13 Jahre alt und nur bis zur 3. Klasse zur Schule gegangen. Sie hat das Herz am rechten Fleck und ist fleißig. Leider spielen ihr die Dorfbewohner und das Schicksal sehr übel mit. Die Befragung im Gericht ging mir total nahe. Jeder, der ein bisschen Verstand hat, hat gemerkt, dass Käthe nicht dumm ist. Sie hat einfach nur eine mangelnde Schulbildung. Aber letzten Endes stand das Urteil sowieso schon vor Beginn des Verfahrens fest.

    Mir persönlich ist Käthes Schicksal sehr nahe gegangen. Ja, ganz tief hinten im Kopf weiß man, dass solche Gräueltaten wirklich passiert sind, aber irgendwie verdrängt man das auch wieder. Ist ja auch lange her. Im Nachwort macht die Autorin aber nochmal darauf aufmerksam. dass Käthes Geschichte nur in Teilen auf Fiktion beruht. Sie hat für ihre Recherche die ursprüngliche Gerichtsakte herangezogen, die belegt, dass sowohl gesunde Menschen, wie Käthe, als auch kranke Menschen, tatsächlich dieses Schicksal ereilt hat.


    Letzten Endes ist es ja auch egal, wem dies angetan wurde, ob gesund oder wirklich nicht gesund. Niemand hat es verdient, dass andere darüber entscheiden, ob man Kinder bekommen darf, oder nicht. Nachdem man nun gelesen hat, wie Nahe es Käthe gegangen ist, wozu man sie verteilen, ja verdammen muss man sagen, will, ist mir das nochmal wieder sehr bewusst geworden. Es gab tausende von Frauen, die das Schicksal ereilt hat, welches Käthe blühen sollte. Es ist unglaublich, wie sich Menschen dazu aufschwingen können, über den Körper anderer Menschen zu entscheiden.


    Schnell merkt man, wie verbohrt die Leute sind, wie bereit sie sind, über andere Menschen zu entscheiden, die sie für weniger wert halten, als sich selbst. Sei es, weil sie den Idealen der Nazis wirklich Glauben schenken und diese umsetzen wollen (Dr. Trabert und Dr. Märzner) oder aus Eigennutz, wie der Otte-Karl. Insgesamt war die Geschichte, die Käthe widerfahren ist, widerlich, aber man sieht an dieser Geschichte auch, dass es Hoffnung gibt. Nicht alle Menschen sind grausam und schlimm, allen voran ein junger Arzt, Friedhelm Karges und seine Schwester, die sich für Käthe einsetzen zu einer Zeit, in der es sie das eigene Leben kostet könnte. Diesen Mut bringen wohl nicht viele Menschen auf. Ganz besonders gefallen hat mir der Förster. Der hat das Herz so richtig am rechten Fleck und wirkte fast wie ein liebevoller Opa für Käthe.


    Ich vergebe sehr gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Wenn ihr etwas über das Schicksal vieler junger Frauen erfahren wollt, die während des zweiten Weltkrieges aufgrund von Fehlurteilen unfruchtbar gemacht wurden, dann seid ihr hier richtig.

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • Wer kann über den Wert eines Menschenlebens bestimmen?

    1935 Rheingau. Auf dem Bauernhof ihres Onkel Alwin im hessischen Dorf Gudenshain wächst die 13-jährigen Käthe Klepper auf, deren Mutter bereits tot ist und der Vater in einer Heilanstalt aufgrund seiner Alkoholsucht. Unter dem Vater ihrer Tante Elsa muss sie hart schuften, seit ihr Onkel einberufen wurde. Als der Erntehelfer Zores immer wieder auf dem Hof aushilft, nutzt er gleichzeitig die Gelegenheit, sich immer wieder an Käthe zu vergreifen. Die arme Käthe wird zum Spielball für den Vater ihrer Schwägerin, der unbedingt den Hof an sich bringen will, und gerät über einen fanatischen Amtsarzt ins Visier der Nazis mit ihren dubiosen Ideologien, die sie in einem Gerichtsprozess sogar zur Zwangssterilisation verurteilen…


    Yasmin Alinaghi hat mit „Unwert-Der Weg des Kirschmädchens“ einen sehr eindrucksvollen und berührenden Roman vorgelegt, der auf wahren Begebenheiten beruht und den Leser nicht nur vor Augen hält, was für unsägliche Gräuel während des Nazi-Regimes möglich waren, sondern mit Käthe auch ein stellvertretendes Schicksal darstellt, welches viele Frauen zur damaligen Zeit ereilte. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil katapultiert den Leser direkt ins vergangene Jahrhundert in Deutschlands düsterste Epoche. Dort trifft er für die Zeit von 1935 bis 1936 auf die junge Käthe, die zwar noch ein Kind ist, aber schuften muss wie eine Erwachsene, die Schule nur kurz besucht hat und dann noch den Widerlichkeiten eines Knechts ausgesetzt ist, deren sie sich nicht erwehren kann. Sie steht bei diesem Unrecht ganz allein da, hat niemanden der sich um sie kümmert und sie unterstützt, sondern wird anstatt des schuldigen Knechts sogar vor ein Gericht gestellt, dabei ist sie die Geschändete. Während die fanatischen Nazi-Anhänger an ihr ein Exempel statuieren wollen, gibt es auch Menschen mit Herz und Verstand, die Käthe vor der ihr zugedachten Strafe bewahren wollen. Die Autorin hat gründlich recherchiert und lässt mit ihren Schilderungen über die Rassengesetze oder die Experimente des grausamen Dr. Trabert dem Leser die Gänsehaut über den Rücken laufen und das Blut in den Adern gefrieren. Sehr gelungen ist auch der Mix aus eingefügten Briefen, Auszügen aus Patientenakten und diversen Texten, die die Geschichte noch mehr untermauern. Bei all den schrecklich-detailliert beschriebenen Grausamkeiten ist es der Autorin gelungen, sowohl den Leser an die Seiten zu fesseln als auch die menschlichen Facetten stark herauszustellen.


    Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und mit Leben versehen. Sie können mit glaubwürdigen menschlichen Zügen überzeugen und den Leser mit in die Geschichte hineinziehen. Käthe ist ein liebenswertes, fleißiges Mädchen, das aufgrund mangelnder Schulbildung etwas einfältig wirkt. Ihr Schicksal geht ans Herz und man möchte sie einfach beschützen. Dr. Karges ist ein Mann, der zwischen den Stühlen sitzt. Einerseits arbeitet er für die braune Brut, andererseits besitzt er Menschlichkeit und ein Gewissen. Dr. Trabert ist der Teufel in Person, während die Zwillinge mit ihren Einlagen immer mal wieder die Stimmung der Geschichte auflockerten.


    Mit „Unwert-Der Weg des Kirschmädchens“ ist der Autorin ein packender Roman gelungen, der den Leser mit einer perfekten Mischung aus Realität und Fiktion durch eine wahre Achterbahn der Gefühle jagt. Sowohl menschliche Abgründe als auch Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft werden hier sehr deutlich hervorgehoben und appellieren an das Gewissen des Lesers. Absolute Leseempfehlung für eine tiefgründige und ergreifende Geschichte!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

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