Eva Völler - Was die Hoffnung verspricht

  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Interessantes, vielleicht etwas übertrieben dargestelltes Bild einer Dorflehrerin und weiterer historischer Inhalt.

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  • Deutlich anders, als ich erwartet hatte


    Kurz zum Inhalt:

    Helene tritt 1961 eine neue Stelle als Dorfschullehrerin in einem kleinen Dorf im Zonenrandgebiet an. Als geflüchtete der sowjetisch besetzten Zone (DDR) hatte sie grausame Erlebnisse, über die sie jedoch bewusst schweigt. Die neue Stelle ist nicht der einzige Grund, weshalb es sie ausgerechnet in dieses Dorf gezogen hat.


    Leider hat der Klappentext des Buches meine Erwartungen bzgl. der Handlung in die Irre geleitet. Ich möchte das kurz zitieren:

    _...begegnet man ihr im ländlichen, erzkatholischen Ort zunächst mit Ablehnung. Der althergebrachte drakonische Erziehungsstil, die Gleichgültigkeit der Kollegen - für die engagierte Helene ist es ein Kampf gegen Windmühlen. In Tobias, dem Landarzt, findet sie schließlich einen Verbündeten. _

    Von einem Windmühlenkampf oder dergleichen war für mich nicht viel zu lesen. Das oben erwähnte fand, wenn überhaupt, nur am Rande statt. Überhaupt war von einem Kampf gegen althergebrachte Erziehung nur andeutungsweise etwas zu lesen. Es waren Nebenschauplätze, die höchstens für ein paar Seiten des mit etwa 440 Seiten nicht gerade dünnen Buches dienten.

    Hauptelement war eindeutig ihr kleines Geheimnis, was ich nicht unbedingt spoilern möchte. Zumindest diese Spannung soll bis Seite 46 bleiben. Ab da ist auch das Geheimnis gelüftet und nun geht es ziemlich spannungsarm weiter. Denn incl. anscheinend unvermeidlicher Romanze ist eigentlich alles vorhersehbar - das Ende eingeschlossen.

    Es gibt so gut wie keine Wendungen oder Überraschungen und die Romanze nimmt - Sexszenen eingeschlossen - einen für mich deutlich zu großen Teil der Geschichte ein. Wer jedoch gerne Liebesromane liest, der ist gut aufgehoben. Denn schreiben kann Frau Völler definitiv. Insofern war es auch für mich nicht sonderlich schwer, das Buch zu Ende zu lesen.

    Die Charaktere waren gut heraus gearbeitet. Leider auch in vielen Punkten etwas übertrieben. Helene hatte Lehrmethoden, über die sich manche Schule heute freuen würde - zu Beginn der 60er Jahre empfand ich das als total unglaubwürdig. Überhaupt war Helene einfach viel zu perfekt - bildschön, blitzgescheit, über alles informiert, was auf der Welt geschieht, begnadete Tänzerin, die beste Lehrerin, die die Welt je gesehen hatte.... ich weiß gar nicht, wo ich aufhören soll. Es mag sein, dass es solche Superfrauen gibt, aber sie sind für mich in einer Story generell totlangweilig! Keine Ecken und Kanten. Da war mir die Oma drüben schon deutlich lieber.

    Auch manche Geschehnisse erscheinen mir einfach zu weit hergeholt. Sicher: Es ist ein Roman und keine Dokumentation - aber wenn man einen ernstzunehmenden historischen Hintergrund darstellen möchte, dann sollte man sich auch ein wenig an den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit orientieren und keine Protagonisten erfinden, die denken wie in den 90ern.

    Gut fand ich hingegen die parallel laufende Story auf der anderen Seite der Demarkationslinie, die einem zumindest kurze Einblicke in die Welt "drüben" gewährte. Sofern diese Einblicke realistisch sind, was ich nicht wirklich beurteilen kann.

    Der für mich interessante und auch angekündigte Teil der Geschichte (schulische Probleme, Erziehungsstil etc.) diente m. E. nur der Ausschmückung und war beileibe nicht Hauptinhalt. Deshalb bekommt das Buch von mir mit viel gutem Willen lediglich 3 Sterne.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Eva Völler - Die Dorfschullehrerin - Was die Hoffnung verspricht“ zu „Eva Völler - Was die Hoffnung verspricht“ geändert.
  • Die perfekte Lehrerin

    Sommer 1961. Helene wird als Dorfschullehrerin in einem kleinem Dorf an der innerdeutschen Grenze in Hessen eingesetzt. Sie ist jung und modern, die Kollegen und Eltern begegnen ihr mit Misstrauen. Es ändert sich schnell weil sie bei den Kindern sehr beliebt ist. Auch der Dorfarzt unterstützt sie und die beiden kommen sich näher. Aber Helene ist nicht zufällig in diesem Ort. Sie schleppt ein großes Geheimnis mit sich herum, das immer mehr zur Belastung wird.
    Als Leser erfährt man sehr viel über die Lebensumstände in dem Dorf und wie es in den Schulen zu der Zeit gewesen ist. Teilweise tauchen dadurch auch wieder eigene Erinnerungen an diese Zeit auf. Ein großes Augenmerk wird auch auf das Leben in der ehemaligen DDR gelegt. Nicht wertend, sondern es wird informiert wie einzelne Gegebenheiten unterschiedlich gehandhabt werden. Es wird im Wechsel über das Leben drüben und hier erzählt.
    Mir hat die zurückhaltende Sprache gefallen, Negatives und auch Positives auf beiden Seiten wird erwähnt.
    Die Liebesgeschichte zwischen Helene und dem Arzt nimmt keinen großen Raum ein, viel wichtiger sind die Gründe warum Helene in diesen Ort gekommen ist. Auch die politischen Entwicklungen und Ängste kurz vor dem Mauerbau spielen eine Rolle. Die Zonengrenze war schließlich ein heikler Ort. Es ist kein Geschichtsroman sondern reine Unterhaltung die mit historischen Einzelheiten gewürzt wurde. Es wird einmal aus der Sicht von Helene erzählt die in der BRD lebt und arbeitet und auf der anderen Seite ist es ihre Familie die von dem Leben dort berichtet.
    Gestört hat mich. dass Helene als eine Superlehrerin dargestellt wurde, sie war einfach zu gut um wahr zu sein. Sie übernahm ganze Klassen zusätzlich zu ihrer eigenen und managte den Unterricht mit links. Auch heute kann man sich über so eine engagierte Lehrerin freuen.
    Außerdem kam das Ende des Romans zu schnell, da hätte ich gern einige Einzelheiten ausführlicher beschrieben gehabt.
    Die Liebesgeschichte endet mit einem kleinen Cliffhanger, alles andere wurde zu Ende geführt. Aber es wird einen weiteren Band geben, da kann man dann auch diese Entwicklung weiterlesen. Schön finde ich, dass es nicht wie sonst oft, es zwingend ist, den Nachfolgeband zu lesen um das Ende zu erfahren.
    Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen, viele der historischen Tatsachen sind bekannt, aber in diesen Zusammenhang ergeben sich Bilder, das Kopfkino setzt ein, als ob ich als Leserin selber bei den Ereignissen anwesend war. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • "SBZ. Sowjetisch besetzte Zone. Es war eine amtliche Bezeichnung, doch zugleich spiegelte es auch wider, wer sie war – ein Flüchtling, eine Davongekommene." (Buchauszug)

    Helene Werner beginnt 1961 als Lehrerin in einem streng katholischen Kirchdorf in der Rhön und nahe an der Grenze zur DDR. Ursprünglich kommt sie aus Berlin, wo sie zuvor im Osten der Stadt unterrichtet hat. Doch nun möchte sie im Westen ein neues Leben beginnen. In ihre Vergangenheit lässt sie vorerst niemanden blicken, zu sehr dominieren noch ihre Ängste. Ihr Kollegen dagegen sind skeptisch, ob die neuen Unterrichtsmethoden gut ankommen. Allerdings kann sie die Kinder in der Schule schnell für sich gewinnen. Zudem versucht sie, den althergebrachten, strengen Erziehungsstil der Lehrer zu verändern, was nicht gerade einfach ist. Einen guten Vertrauten und mehr findet sie in Landarzt Tobias Krüger und mit Hebamme Isabella bekommt sie eine gute Freundin. Helenas Geheimnis, weshalb sie ausgerechnet nach Kirchdorf gekommen ist, führt sie immer wieder zu Wanderungen an die grenznahe Natur.


    Meine Meinung:

    Mit diesem Buch beginnt Eva Völler eine neue historische Saga. Diesmal geht es zurück zu den Jahren kurz vor dem Mauerbau in eine Grenzregion der Rhön. Für Dörfer und Bewohner, die durch die Grenze abgeschnitten sind, ist es keine einfache Zeit. Plötzlich werden Familien und gute Freunde voneinander getrennt, nur weil die einen im Westen und die anderen im Osten leben. Doch was keiner ahnt, ist, dass sich die Lage am 13. August 1961 mit dem Bau der Mauer weiter zuspitzt. Die junge Helene begleite ich bei ihrem Neuanfang in einer kleinen Dorfschule, bei der es vorne und hinten an Lehrern mangelt. Oft werden mehrere Klassen zusammengesteckt, sodass ein Lehrer nicht selten über 60 Kinder zu unterrichten hat. Die hier gut aussehende Lehrerin war mir mitunter allerdings etwas zu übertrieben dargestellt. Nicht nur ihre Unterrichtsmethoden empfand ich zu modern, sondern dazu noch ihr extremes Engagement. Es gibt sicherlich kaum Lehrer, die so viel Zeit opfern, um sich dem Einzelnen zu widmen und sogar noch nach einer Lehrstelle suchen. Ich selbst bin in dieser Zeit aufgewachsen und habe so ein Engagement nicht erlebt und kann es mir bei so vielen Kindern kaum vorstellen. Dagegen sind die Kollegen von Helene deutlich stimmiger dargestellt. Aber wahrscheinlich muss sie sich als Hauptprotagonistin irgendwie hervorheben. Doch in diesem Buch geht es um weitaus mehr als nur um das Leben einer Dorflehrerin. Es lüftet überdies Helenes Vergangenheit und ihr Geheimnis. So weit verrate ich, dass es dabei um Ost und West geht. Dieser besondere historische Part ist berührend, emotional und überaus spannend dargestellt, sodass mich der Nebenstrang fast noch mehr berührt hat. Was sicher daran liegt, dass mich die Begebenheiten in der DDR schon immer neugierig macht. Dazu sorgt der ständige Szenenwechsel für zusätzliche Spannung. Ich hätte nicht vermutet, dass mich hier so eine Nebenhandlung erwartet. Dabei finde ich insbesondere die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Nur allein mit der Darstellung einer Dorflehrerin wäre der Plot sicherlich nicht so interessant gewesen. Von daher Chapeau an die Autorin wieder einmal alles richtig gemacht. Schade ist nur die Übertreibung bei Lehrerin Helene und dass mir in der Handlung die Überraschung einer Fortsetzung genommen wird. Von mir gibt es deshalb einen kleinen Abzug und nur 4 1/2 von 5 Sterne für das Buch. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:  :bewertungHalb: :applause: :thumleft:

  • Spannende Unterhaltungsliteratur mit innerdeutscher Geschichte


    Die Hauptperson Helene Werner, 29 Jahre jung, fängt als Dorfschullehrerin in einem hessischen Dorf direkt an der innerdeutschen Grenze an. Das Ganze spielt 1961 vor und nach dem Mauerbau. Helene hat dabei ein Ziel: Sie will ihre kleine Tochter, die jenseits der Grenze in einem thüringischen Dorf bei Helenes Vater lebt, wiederhaben.


    Die Flucht ihrer Tochter und natürlich auch ihres Vaters ist geplant. Auch Helene war aus der DDR geflohen. Die Umstände, wie diese Konstellation zustande gekommen ist, sind sehr tragisch und werden im Laufe des Buches klar.


    In diesem Buch wird ein Stück deutsch-deutscher Geschichte erzählt. Ich finde, dass das aus beiden Aspekten, sowohl West als auch Ost, ziemlich gleichberechtigt dargestellt wird. Durch die sehr persönlichen Erlebnisse und Schicksale ist das recht gut gelungen. Ich habe gemerkt, dass die Autorin sehr viel Herzblut hineingesteckt hat.


    Die Figuren sind sehr gut charakterisiert, so dass ich mich mit den meisten davon identifizieren und bis auf wenige Ausnahmen ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Die Hauptheldin, Helene Werner, war mir von Anfang an sympathisch. Allerdings finde ich sie fast ein wenig zu positiv dargestellt. Alles, was sie in ihrer neuen Heimat anpackt, gelingt gleich. Sie wirkt fast wie ein Engel. Ein paar kleine Unzulänglichkeiten hätten ihr nicht geschadet und sie stattdessen etwas realistischer gemacht.


    Die Personen aus dem hessischen Dorf wirken auf mich sehr authentisch, insbesondere die Darstellung des hessischen Dialektes fand ich irgendwie niedlich. So kann man sich die Leute gleich besser vorstellen. Die Dialoge wirken lebensecht.


    Der Schreibstil der Autoren gefällt mir sehr. Vor allem die Art, wie das Buch aufgebaut ist. Es geht gleich mit Handlung los, ohne erst lange zu erklären, wer die Personen sind oder wie sie aussehen. So ist das ganz nach meinem Geschmack. Deshalb fiel es mir immer schwer, das Buch zwischendurch wegzulegen.


    Die Geschichte ist ziemlich spannend aufgebaut und auch das Herz kommt nicht zu kurz. Die Dynamik steigt immer mehr an. Die Wechsel zwischen West und Ost werden schneller. Das Ganze ist sehr schlüssig beschrieben.


    Es gibt am Ende eine überraschende Auflösung und dabei keinen Cliffhanger, der die Leser*innen zu zwingen versucht, auch die bereits angekündigte Fortsetzung zu lesen. Das finde ich sehr angenehm. Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich die Fortsetzung bestimmt auch lesen werde.


    Wer packend geschriebene Unterhaltungsliteratur mag, mit einem Bezug zu jüngerer Geschichte, wird dieses Buch genießen.


    Meine Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • „Die Hoffnung ist es, die die Liebe nährt.“ (Ovid)

    1961. Das in der Rhön gelegene kleine westdeutsche Örtchen Kirchdorf nahe der DDR-Grenze wird für die junge Lehrerin Helene Werner zur neuen Heimat. Helene kommt ursprünglich aus der DDR und ist über Berlin in den Westen geflohen, um hier ihre neue Anstellung zu beginnen. Schon bei ihrem Eintreffen macht sie die Bekanntschaft mit dem Arzt Tobias Krüger, dem sie unvorhergesehen bei einer Hausgeburt assistiert. Helene, die ein gut gehütetes Geheimnis in sich trägt, begegnet allen Dorfbewohnern mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, während diese sie erst einmal misstrauisch beäugen. Aber schon bald hat sie nicht nur ihre Schüler in ihren Bann gezogen, sondern ist auch in der Dorfgemeinsschaft angekommen. In Hebamme Isabella findet sie eine echte Freundin und auch Tobias nimmt einen immer größeren Platz in ihrem Herzen ein. Doch Helene kann sich ihnen nicht wirklich öffnen, zu groß sind ihre Ängste. Während Kirchdorf immer mehr zu Helenes Heimat wird, unternimmt sie immer öfter Wanderungen an die DDR-Grenze....


    Eva Völler hat mit „Was die Hoffnung verspricht“ den ersten Roman ihrer „Dorfschullehrerin-Saga“ vorgelegt, der mit gut recherchiertem historischem Hintergrund sowie einer einfühlsamen, schicksalhaften Geschichte zu überzeugen weiß. Der flüssige, farbenfrohe und einfühlsame Erzählstil, der zwischendurch immer wieder mal durch den örtlichen Dialekt gefärbt ist, nimmt den Leser schnell mit in eine schicksalsträchtige Zeit, als Ost und West auf grausame Weise voneinander getrennt wurde und Menschen, die eigentlich zusammengehörten, durch Stacheldrahtzäune und eine rigorose, unbarmherzige Politik zum Abstand gezwungen wurden. An Helenes Seite erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle, denn die junge Frau hat schon einiges durchmachen müssen und hat noch immer mit dem Trauma des Erlebten zu kämpfen. Der Neuanfang in der Schule wird ihr von den Kollegen nicht leicht gemacht, jedoch stellt sich Helene den Herausforderungen und auch den oftmals fragwürdigen Methoden ihrer Kollegen um Umgang mit den Schülern. Sie nimmt sich der Schüler auf empathische Weise an, lehrt sie die Freude am Lernen wiederzufinden und kann schon bald erste Erfolge verbuchen, was ihr den Respekt der Dorfgemeinschaft einbringt. Völler hat akribisch recherchiert und verbindet die historischen Fakten sehr gut mit ihrer Geschichte, verleiht ihr dadurch viel Authentizität und Glaubwürdigkeit. Ihr gelingt es mühelos, den Leser schnell einzufangen und durch ihre Art der Erzählung ein wunderbares Kopfkino in Gang zu bringen. Der Leser hat nicht nur die Örtlichkeiten vor Augen, sondern kann die Ereignisse praktisch hautnah mitverfolgen. Der Spannungslevel ist erst gemächlich, steigert sich aber mit Helenes Ausflügen an die Grenze immer weiter in die Höhe. Gleichzeitig erlebt der Leser das Schicksal der Menschen auf der ostdeutschen Seite mit, die nicht nur um ihr Hab und Gut, sondern auch um ihr Leben bangen müssen. Sehr glaubwürdig und realitätsnah erlebt der Leser nicht nur die Unterwanderung eines Spions mit, sondern auch die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Helene und Tobias. Erst nach und nach gibt Völler das Geheimnis von Helenes Vergangenheit preis und spannt den Leser bis zum finalen Schluss auf die Folter, wie es wohl ausgehen wird.


    Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und in Szene gesetzt. Menschliche Ecken und Kanten machen sie dem Leser nahbar, der einen Logenplatz bei den Ereignissen bekommt und mitfiebern, hoffen und bangen kann. Helene ist eine freundliche, zurückhaltende Frau mit viel Einfühlungsvermögen. Nach außen zeigt sie Stärke und Einfallsreichtum, innerlich ist sie ängstlich und unsicher. Tobias ist ein fleißiger, sympathischer Arzt, der auch sein Päckchen zu tragen hat. Er ist offen, ehrlich und hilfsbereit. Isabell ist eine Frohnatur, die für alle Schandtaten zu haben ist. Göring ist ein strenger Lehrer mit fragwürdigem Ruf. Aber auch das restliche Lehrerkollegium, der Bürgermeister sowie Helenes Verwandtschaft gestalten die Handlung sehr abwechslungsreich und spannend.


    Mit „Was die Hoffnung verspricht“ ist Völler ein wunderbarer Auftakt für ihre neue Saga gelungen. Familiengeschichte, reale Historie sowie ein schöner Mix aus Geheimnissen, Liebe und Verrat halten den Leser in Atem, der das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis die letzte Seite gelesen ist. Absolute Leseempfehlung für einen Pageturner!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Das Jahr 1961 an der innerdeutschen Grenze in Hessen: Helene Werner aus Berlin fängt eine Stelle als Lehrerin in einem Dorf an. Die junge Witwe steht vor keiner leichten Aufgabe. Tobias Krüger, der Landarzt, wird zu einem Verbündeten. Was keiner weiß: Helene wurde nicht ohne Grund genau an diesen Ort versetzt…


    „Die Dorfschullehrerin - Was die Hoffnung verspricht“ ist der erste Band einer neuen Reihe von Eva Völler.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 23 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Sie erstrecken sich über vier Teile. Die Handlung spielt im Jahr 1961 und umfasst mehrere Monate. Zeitangaben zu Beginn der Kapitel erleichtern die Orientierung. Erzählt wird vor allem aus der Sicht von Helene, aber auch der weiterer Personen wie Tobias. Dieser Aufbau ist schlüssig und funktioniert gut.


    Der Schreibstil ist unauffällig, aber anschaulich und bildhaft. Sprachlich authentisch wirken die Dialekteinschübe. Ein hilfreiches Extra ist dabei die Liste mit Wörtern des Rhöner Platts sowie deren hochdeutsche Entsprechungen.


    Helene ist eine sympathische und reizvolle Protagonistin, deren Gedanken und Gefühle gut nachvollziehbar sind. Nicht alle Charaktere der Geschichte kommen allerdings gänzlich lebensnah rüber.


    Was das Thema angeht, hat mich der Roman gleich angesprochen. Inhaltlich bietet die Geschichte viele Grautöne und vermittelt interessantes Wissen rund um die Zeit des Mauerbaus in West und Ost. Die fundierte Recherche ist dem Roman an mehreren Stellen anzumerken. Im interessanten Nachwort erläutert die Autorin, welche Passagen frei erfunden und welche Ereignisse und Begebenheiten historisch belegt sind.


    Auf mehr als 400 Seiten bleibt die Story unterhaltsam und abwechslungsreich. Längen sind so gut wie nicht vorhanden. Gegen Ende gleitet die Geschichte leider ein wenig ins Unglaubwürdige ab. Zugutehalten kann man dem Roman jedoch, dass er auf reißerische Cliffhanger verzichtet und als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann.


    Das nostalgisch anmutende und zugleich hübsche Cover passt sowohl zum Genre als auch zu der Geschichte. Der naheliegende Titel erschließt sich sofort.


    Mein Fazit:

    Obwohl mich Eva Völler mit ihrem neuen Roman nicht so begeistern konnte wie mit ihrer Ruhrpott-Saga, ist der Auftakt der Dorfschullehrerin-Reihe lesenswert. Auf den zweiten Band bin ich nun gespannt.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Über die Autorin (Amazon)

    Eva Völler hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem hat sie zuerst als Richterin und später als Rechtsanwältin ihre Brötchen verdient, bevor sie Juristerei und Robe schließlich endgültig an den Nagel hängte. „Vom Bücherschreiben kriegt man auf Dauer einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht.“ Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.


    Produktinformation (Amazon)

    ASIN ‏ : ‎ B092VRSGQ1

    Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2021 Edition (26. November 2021)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Dateigröße ‏ : ‎ 2111 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 449 Seiten,


    Beginn einer interessanten Reihe

    Es ist im Jahr 1961 als Helene eine neue Stelle als Dorfschullehrerin in Hessen an der Zonengrenze antritt. Zunächst begegnet man ihr mit Ablehnung. Es ist für Helene ein Kampf gegen Windmühlen, denn der drakonische Erziehungsstil ist gang und gäbe. Doch sei findet einen Verbündeten in dem Landarzt Tobias. Er bedeutet ihr bald schon mehr, als ihr lieb ist. Denn Helen hat ein Geheimnis – sie war nicht ohne Grund ausgerechnet an diesen Ort gekommen.


    Meine Meinung

    Von Eva Völler hatte ich bisher nur Zeitreiseromane, also Fantasy gelesen. Und so war ich sehr gespannt, welchen Eindruck ein historischer Roman von ihr bei mir hinterlassen würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Durch den unkomplizierten Schreibstil der Autorin ließ sich der Roman sehr gut lesen. Es gab keine Unklarheiten im Text, die meinen Lesefluss gestört hätten. Ich war rechts schnell in die Geschichte eingetaucht, konnte mich gut in die Protagonisten hineinversetzen, In Helene die mit Hindernissen aus der damaligen DDR geflüchtet war, und zu allem Elend damals etwas zurücklassen musste, was ihr sehr wertvoll und teuer war. Wir lesen auch was sie zurückgelassen hat und erfahren, dass sie es so bald wie möglich zurückbekommen soll. Was das ist, verrate ich hier nicht, das soll der geneigte Leser selbst lesen, Auch ob und wie es gelingt. Das Buch ist spannend geschrieben von Anfang an. Es hat mich gefesselt, mir sehr gut gefallen und mich auch gut unterhalten. Eines möchte ich jedoch anmerken: Der Verlag sollte am Klappentext arbeiten, denn der führt nur in die Irre. Trotzdem bekommt dieses Buch von mir eine Leseempfehlung sowie die volle Bewertungszahl, denn ich war davon begeistert.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Lerchie



    _______________________
    nur wer aufgibt, hat schon verloren

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    Unglaublich toller Grenz-Roman


    1961: Als die Berliner Lehrerin Helene ihre neue Stelle in Hessen an der deutsch-deutschen Grenze antritt, begegnet man ihr im ländlichen, erzkatholischen Ort zunächst mit Ablehnung. Der althergebrachte drakonische Erziehungsstil, die Gleichgültigkeit der Kollegen - für die engagierte Helene ist es ein Kampf gegen Windmühlen. In Tobias, dem Landarzt, findet sie schließlich einen Verbündeten. Schon bald bedeutet er ihr mehr, als ihr lieb ist. Denn Helene hat ein Geheimnis - sie ließ sich nicht ohne Grund genau an diesen Ort versetzen.



    Eva Völler schreibt einfach tolle deutsche historische Romane. Auch „Was die Hoffnung verspricht“, der Auftakt ihrer neuen Reihe, hat mich wieder begeistert.


    Der Roman spielt 1961, einer Zeit kurz bevor die Mauer in Deutschland hochgezogen wurde.


    Wir begleiten Helene. Sie wurde bei einem Versuch zu fliehen mit ihrer Tochter festgenommen. Nur dank der Hilfe eines Bekannten konnte sie erneut fliehen, musste jedoch ihre Tochter zurücklassen. Nun hat sie sich als Lehrerin in das Grenzdorf versetzen lassen, welches an den Wohnort ihres Vaters grenzt. Sie wartet nur auf die Flucht ihrer Familie.


    Wir begleiten sie dabei, wie sie nach und nach wieder Vertrauen fasst, wie sie die Schule im Ort fast schon revolutioniert und wie sie immer wieder darum kämpft, den Mut nicht zu verlieren.


    Gleichzeitig erfahren wir durch die Sichtweise ihrer Tochter Marie, wie es ihr im Heim ergangen ist und später dann bei ihrem Opa. Wie sie erst dem System der DDR folgt und dann doch merkt, dass es nicht so gut ist, wie man ihr sagt.


    Die Autorin hat unglaublich gut recherchiert und verpackt dies in eine Geschichte mit wirklich tollen Figuren. Dazu lenkt sie auch das Augenmerk auf Details, die zumindest mir vorher so nicht bewusst waren. Sie zeigt Leid, Zusammenhalt, Freude und Angst in Bereichen auf, die man sich heutzutage nicht mehr vorstellen kann.


    Ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und bin richtig froh, direkt mit dem zweiten Band weiterlesen zu können. Übrigens Tränchen nicht nur auf den letzten Seiten inklusive.

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