Carl Zuckmayer - Des Teufels General

  • Buchdetails

    Titel: Fischer Klassik: Des Teufels General: Dr...


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 176

    ISBN: 9783596902484

    Termin: März 2010

  • Bewertung

    3.5 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

    70% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Fischer Klassik: Des Teufels General: Dr..."

    Was soll man tun inmitten einer unmenschlichen Gesellschaft? Soll man so tun, als wäre nichts? Es sich gut gehen lassen, Karriere machen? Oder Widerstand leisten, auch wenn man dadurch mitschuldig am Tod eines Freundes wird? – Widerstand, daran lässt Zuckmayers Stück keinen Zweifel, ist unverzichtbar. Zum Engel oder Helden aber wird man dadurch nicht, solange in der Gesellschaft die Hölle auf Erden herrscht. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.
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  • Autor: Carl Zuckmayer
    Titel: Des Teufels General, uraufgeführt am 14. Dezember 1946 am Schauspielhaus Zürich
    Seiten: 156 Seiten in 3 Akten
    Verlag: Fischer Tb
    ISBN: 9783596270194


    Der Autor: (von der Verlagsseite kopiert)
    Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim am Rhein geboren. »Der fröhliche Weinberg« brachte ihm 1925 den Durchbruch und den renommierten Kleist-Preis. 1933 verhängten die Nationalsozialisten ein Aufführungsverbot über ihn. Zuckmayer zog sich daraufhin nach Henndorf bei Salzburg zurück. 1938 floh er weiter in die Schweiz, ein Jahr später in die USA. 1958 kehrte er in die Schweiz zurück. Am 18. Januar 1977 ist er bei Visp (Wallis) gestorben.


    Inhalt:
    Mitten im Zweiten Weltkrieg: Das Deutsche Reich kämpft unter anderem an der Ostfront und erste Meldungen zu dortigen Niederlagen werden unterdrückt oder schöngeredet. Fliegergeneral Harras ist selbst kein Nationalsozialist, nicht mal in der Partei, aber leidenschaftlicher Flieger. Er ist sich der Verbrechen der Nazis bewusst, wie man seinen zahlreichen abschätzigen Bemerkungen entnehmen kann, fühlt sich aber unentbehrlich. Doch seine vermeintliche Sicherheit schwindet, als in seiner Organisation Sabotage vermutet wird und es zu zahlreichen Abstürzen wegen Materialfehler bei neuen Flugzeugen kommt. Es wird ihm eine Frist zur Aufklärung gesetzt, kann er sich retten?


    Meinung:
    Das Theaterstück in drei Akten gilt als eines der erfolgreichsten Werke der Nachkriegszeit. Sicherlich traf es den damaligen Nerv und half der Aufarbeitung des Naziregimes. Zudem bietet Zuckmayer hier einen Helden, einen General, der zwar Mitläufer war aber eben kein böser Nazischerge.


    General Harras ist ein leidenschaftlicher Flieger, schon immer gewesen, hoch dekoriert und politisch so wenig wie möglich aktiv. Er sieht eindeutig die Missetaten des Naziregimes, hilft gelegentlich Juden zur Flucht, witzelt auf Parties über die Führung und geniesst ansonsten Wein, Weib und Gesang. Erst durch den Druck eine in seiner Organisation stattfindende Sabotage aufzudecken, führt im dritten Akt zu einem naja, Umdenken kann man es kaum nennen, aber zu einem logischen, konsequenten Schritt. Die sympathisch dargestellte, moralisch fragwürdige Hauptperson, mit der sich sicherlich einige Zuschauer identifizieren wollten, geht den Weg in die Heldenverehrung. So jedenfalls fassen es Kritiker auf, die die Figur des Harras als verharmlosend bezeichnen, und die teils rührselige, klischeehafte Aufbietung der übrigen Personen als seicht empfinden.


    Trotzdem: mir gefiel das Werk sehr gut. Ich akzeptiere, dass man bei einem abendfüllenden Theaterstück die Charaktere nicht allzu komplex anlegt. Die Situation muss veranschaulicht werden, ein Konflikt entstehen und dann letzten Endes eine Lösung / ein Höhepunkt plausibel dargestellt werden. Da dürfen meiner Meinung nach die Figuren auch mal allzu schwarz-weiss, bzw allzu gut und böse erscheinen. Der General als Mitläufer, der seine persönliche Leidenschaft fürs Fliegen aus politisch-moralischen Erkenntnissen nicht aufgeben möchte, lieber hie und da mal einem flüchtenden Juden hilft, mehr zu seiner eigenen Beruhigung möchte man sagen. Ja, so einen zur Titelfigur zu machen, verhalf vermutlich einigen damals als Ausrede, Verharmlosung, als Ventil, dass «nicht alle böse gewesen seien», die damals mitmachten. Aber gerade diese Charakterdarstellung fand ich sehr wichtig, um das innere Dilemma aufzuzeigen.


    Hinzu kommt, dass das Stück sehr witzig geschrieben ist, trotz des ernsten Themas. Es ist volkstümlich, es wird Dialekt gesprochen (bayerisch und berlinert), es gibt Liebschaften, Bösewichte aus Überzeugung, andere um persönliche Vorteile zu haben, und schliesslich auch eine gewissenhafte Person, die im letzten Akt der inneren Haltung entsprechend konsequent handelt.


    Ach ja: und aktuell bleibt dieses Stück leider weiterhin. Wie entsteht Mitläufertum (es war ja nicht nur Harras), Handeln aus Überzeugung, aber auch der lesenswerte Abschnitt zur «Völkermühle», etc.


    Gerne möchte ich das Stück mal im Theater sehen, und bis dahin eventuell den Film mit Curd Jürgens in der Hauptrolle auftreiben…

  • Danke für Deine treffende Einschätzung, ganz ähnlich habe ich das Stück damals auch erlebt, als Schüler zum ersten Mal. Was fingen Sie nun an mit diesem Harras, die Kritiker? Da war guter Rat teuer. Nicht die geifernde Bestie eines "Peider" aus Frischs Andorra, nicht der dümmliche Tölpel eines "Eisenring" aus Dürrenmatts "Biedermann", sondern ein fast normal handelnder gebildeter und denkender Mensch, der seinem jungen Offizierskollegen eine furiose Philippika hält, über Rassenwahn und Abstammung, gleichzeitig aber selbst tief verstrickt ist in das Räderwerk der faschistischen Diktatur. Den Part des Unsympathen hatte ja schon der Herr Schmidt - Lausitz übernommen, da blieb für Harras reichlich Gelegenheit, Punkte zu sammeln.

    Die Schlüsselszene war wohl der Dialog Harras - Oderbruch. Die direkte Konfrontation mit einem, der aus all diesen inneren Konflikten und dem Unbehagen auch Konsequenzen zog, dem Zweifel Taten folgen liess. Diese Szene fand ich grossartig angelegt und gelungen, sie hat mir Zuckmayers Intention erschlossen.

    Abgesehen davon liebe ich diese Sprache und die ganz eigene Melodie der Zuckmayerschen Dramen. Auch die Vita dieses Autors läßt Argwohn in Hinbblick auf eine Verharmlosung des Nationalsozialismus wohl kaum zu.

    Ich hätte dem Stück damals und heute viereinhalb Sterne gegeben. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

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