Ernst Toller - Kritische Schriften, Reden und Reportagen

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  • Autor: Ernst Toller
    Titel: Kritische Schriften, Reden und Reportagen
    Seiten: 284 Seiten
    Verlag: Hanser
    ISBN: 9783446125179


    Der Autor:
    Ernst Toller, 1893 in Samotschin (Posen) geboren, war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller. Er war linkssozialistisch politisch engagiert und wurde als Protagonist der Münchener Räterepublik wegen Hochverrats zu fünf Jahren Haft verurteilt. Während seiner Zeit im Gefängnis war er schriftstellerisch sehr aktiv. Seine zu dieser Zeit verfassten Dramen wurden erfolgreich im Theater aufgeführt. Eine Begnadigung lehnte er ab, weil er nicht bevorzugt behandelt werden wollte und eine Amnestie für alle Revolutionäre der Räterepublik forderte.


    Nach der Haftentlassung hatte er weiterhin viel Erfolg am Theater, emigrierte aber bereits 1932 zunächst in die Schweiz, später via Paris und London nach Kalifornien. Sein Name stand bereits im August 1933 auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches und seine Werke fielen den anschliessenden Bücherverbrennungen zum Opfer. Die Theaterstücke duften nicht mehr aufgeführt werden und der Humanist und Pazifist war bestürzt über die Brutalität und den Siegesmarsch der Nazis und dem fehlenden Willen anderer Mächte, sich dem entgegen zu stellen.


    Aus Verzweiflung erhängte er sich am 22. Mai 1939 in New York.


    Inhalt:
    Dieser Sammelband enthält Schriften und Reden, die Ernst Toller zwischen 1917 und bis kurz vor seinem Tod 1939 verfasst hat. Sie sind thematisch unterteilt nach «Revolution und Räterepublik», «Herrschaftskritik», «Justizkritik», «Kulturkritik», «Reportagen» und allgemeine Reden, insgesamt 49 Texte. Hinzu kommt ein Vorwort des Mitherausgebers Walter Frühwald, Professor für Neuere, deutsch Literaturgeschichte in München und eine Bibliographische Notiz, also eine Quellenangabe / Satzvorlage, wann diese Texte erstmals erschienen sind.


    Meinung:
    Ich kam auf den bislang mir völlig unbekannten Ernst Toller, als ich an verschiedenen Stellen über Joseph Roths Bestürzung las, nachdem dieser den Zeitungsbericht über Tollers Suizid erhielt. Der Wikipediaeintrag über Tollers Lebenslauf und dessen grosse Theatererfolge aus dem Gefängnis heraus und bis zur Machtergreifung liessen mich aufhorchen und wundern, weshalb Toller heutzutage so unbekannt scheint.


    Also griff ich zu diesen Reden und Reportagen, die einen sehr guten Einstieg in Tollers Leben, die damalige Zeit und sein politisches Engagement zeigen.


    Zugegeben, insbesondere die ersten Texte zur Räterepublik waren für mich nicht ganz einfach: Ein Vorwissen zu Kurt Eisner, Eugen Leviné oder Gustav Landauer hilft. Ich musste parallel auf Wikipedia & Co über die Münchener Räterepublik und ihre Protagonisten recherchieren. Die anschliessenden Texte konnte ich direkt einordnen: ein «offener Brief an Herrn Goebbels» die Unterdrückung unerwünschter Künstler und abweichender Ansichten anklagend, ein Kommentar zum Reichskanzler Hitler, ein Überblick zur deutschen Situation 1932 – das alles aus der Sicht eines politisch engagierten Künstlers, der sich zuvor für die Abschaffung der Armut, für Pazifismus, für Kunstfreiheit, etc eingesetzt hat, was man in seinen «Leitsätzen für einen kulturpolitischen Bund der Jugend in Deutschland « (1917) nachlesen kann.


    Seine Aussagen zu Theaterzensur, Justizkritik, die Rede beim PEN-Kongress in Polen bis hin zu seinem letzten, nur wenige Stunden vor seinem Tod verfassten Aufruf zu Menschlichkeit und Widerstand gegen Faschismus – das alles liest sich beeindruckend, und bedrückend.


    Hier ist ein Idealist, jemand der Organisationen aufbauen möchte, um Ungleichheiten abzubauen, um anderen zu helfen und Grenzen niederzureissen / Vorurteile abzubauen. Er geht dafür ins Gefängnis und kämpft weiter, hat zunächst Erfolg, muss dann doch fliehen und kämpft weiter. Aber seine Feinde bekämpfen ihn auch im Ausland, er erhält keine Unterstützung mehr, man erkennt in diesen Texten – ich will nicht sagen Frust, aber einen stets deutlicher werdenden Aufruf zu Freiheit und Anerkennung Hilfesuchender und Bedürftigen in Not. Sein Suizid zeigt, dass er diesen Kampf verzweifelt aufgab und nun kann ich Roths Bestürzung verstehen: wenn ein solcher Kämpfer keinen Ausweg mehr sieht, als nur noch über den Freitod «den Bestien nicht in die Hände zu fallen», dann ist es ein schlimmes Zeichen.


    Ein interessanter Dramatiker, Schriftsteller und Aktivist. Schade, dass er im Zuge der Bücherverbrennungen, Ausbürgerung und Repressalien der Nazis «mundtot» gemacht wurde und heutzutage kaum mehr bekannt zu sein scheint.

    1. (Ø)

      Verlag: Hanser Elektronik / Fachbuch


  • Ich kannte Toller bisher nur dem Namen nach und von einigen Erwähnungen Zuckmayers her. Sehr interessanter Autor und sehr schöne Besprechung. Vielen Dank. :)

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