Helene Sommerfeld - Das Leben ein großer Rausch

  • Kurzmeinung

    Tine13
    Grandiose Fortsetzung einer tollen Serie aus dem historischen Berlin
  • Kurzmeinung

    hennie
    Epochale Geschichte wird eingebettet in den Werdegang von jungen Frauen.

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  • Atmosphäre um 1923 perfekt getroffen


    Da habe ich mich komplett verhauen und dachte, dass es um einen Krimi aus der Zeit um 1922 spielt, doch das Cover und Polizeiärztin Magda Fuchs würde ermitteln, doch weit gefehlt und ich war positiv überrascht vom Inhalt. Zudem ist mir völlig entgangen, dass es bereits einen ersten Teil gibt, der zwar nicht notwendig ist um dieses Buch zu genießen, aber alle Personen bereits vorstellt und viele Hintergrundinformationen geliefert hätte. Also bin ich ein Quereinsteiger, der 2 starke Frauen beobachtet, die im Berlin dieser Zeit versuchen, sich durchzusetzen.

    Geschichte: Magda Fuchs und Ihr Freund Kommissar Kuno Mehringer besuchen zusammen den Sylvester-Ball, als plötzlich eine junge Schauspielerin mit einem Messerstich zu Boden fällt. Niemand hat den Täter gesehen und Magda eilt sofort zu Hilfe. Auf der anderen Seite ist Celia Fahrland, die Tochter von Magdas Vermieterin, die mit sich hadert ob sie nur die " Affaire " des Reichen Edgar Hinnes ist, oder ob mehr daraus werden kann. Denn eines kann sie nach Ihrer ersten Ehe nicht mehr gebrauchen. Das hübsche Anhängsel eines reichen Mannes zu sein, aber kein Wort mitreden zu dürfen...

    Personen: Das Leben von 6 verschiedenen Frauen, die Ihren Mann stehen müssen um ihre Existenz zu sichern, ist der Mittelpunkt dieses sehr gut geschriebenen Romans eines Autorenduos. Bislang hatte ich noch nicht das Vergnügen und alleine wie die Personen beschrieben und dargestellt werden in einer Zeit, die überhaupt nicht leicht für alleinstehende Frauen ist, ist großartig und lässt einen sofort den Hauch der Zeit um 1923 fühlen und sich in diese angehende Metropole einsaugen.

    Armut, Schwarzmarkt, Werteverfall, altmodische Gesetze und Rechte der Frauen geben einen wunderbaren Einblick, wie wenig im Ernstfall eine Frau zu bestimmen hatte. Speziell das wiederkehrende Thema Schwangerschaft, Verhütung, Unkenntnis der Möglichkeiten, Verbot einer Abtreibung und sogenannte illegale "Engelmacher" sind das zentrale Thema.

    Gestreift wird das langsame Aufkommen des Nationalsozialismus und das jetzt schon rigorose Auftreten der Polizei bei Schwatzmarktrazzien. Alles ist sehr lebendig dargestellt und die 560 Seiten lesen sich schnell. Für Fans dieser Zeit und auch einer Serie von starken Frauen ist das sicherlich ein neues Highlight, wobei die Fortsetzung schon bald folgen soll. Als Fan von Volker Kutscher und seinen Romanen, die jetzt nicht so ganz vergleichbar sind, muss ich daher 1 Stern abziehen. 4 Sterne und eine klare Empfehlung ! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Berlin 1922 - Schatten einer Glitzerwelt



    Die Polizeiärztin Magda Fuchs steht vor einem ganz neuen Anfang. Neben ihrer Tätigkeit im Polizeipräsidium eröffnet sie im Haus ihrer Vermieterin in Charlottenburg eine eigene Praxis. Dieser Schritt stellt sie aber bald vor neue Probleme. Auch privat ergeben sich für Magda Veränderungen, sie heiratet wieder. Aber ist es die richtige Zeit, um an Kinder zu denken?

    Auch im Leben der Mitbewohnerinnen ihrer Pension bleibt nichts wie es ist. Celia hat begonnen, Medizin zu studieren und lernt den charismatischen Edgar kennen und lieben. Fürsorgerin Ina kümmert sich weiterhin aufopferungsvoll um schutzbedürftige Kinder, was sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Journalistin Erika beschränkt sich nicht nur auf ihre Aufgaben als Journalistin. Setzt sich Anwältin Ruth wirklich für Frauenrechte ein? Doris ist ihrem Traum, Schauspielerin zu werden, ein Stück näher gekommen. Dann wird sie Opfer eines Verbrechens und gerät in einen Albtraum. Für Magda und ihren Kollegen, Kommissar Kuno Mehring, ergibt sich die Frage, ob ein Zusammenhang mit anderen Straftaten besteht.


    Der Roman „Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Rausch“ ist der gelungene zweite Teil einer Trilogie des Autoren-Ehepaars Helene Sommerfeld. Wie bereits im ersten Teil beschreiben die Autoren das Leben der Menschen in Berlin, nunmehr im Jahr 1922. Im Mittelpunkte stehen wiederum Frauen, die sich in dieser Zeit behaupten müssen, jede auf ihre eigene Weise. Die bereits bekannten Protagonistinnen Magda, Ina, Doris, Erika, Celia und Ruth, leben in sicheren bürgerlichen Verhältnissen. Den krassen Gegensatz hierzu bilden die ärmlichen, zum größten Teil menschenunwürdigen Verhältnisse im Arbeitermilieu, mit denen Magda und Ina immer wieder konfrontiert werden. Dazu zählen Gewalt, Abtreibungen und Morde. Die Verzweiflung der Menschen, besonders der Frauen, wird spürbar. Vor allem auch die Ausweglosigkeit, diesem Dasein zu entrinnen. Im Gegensatz dazu steht das ausschweifende, luxuriöse Leben einer Oberschicht, die anhand von Celia und und ganz besonders von Edgar dargestellt wird. Die Autoren haben aber auch dem zunehmenden Antisemitismus der Bevölkerumg im Allgemeinen sowie der offenen Gewalt seitens der Staatsmacht gegenüber der jüdischen Bevölkerung Berlins Raum gegeben. Ebenso kommen die Anfänge nationalsozialistischer Ideen zum Ausdruck. Helene Sommerfeld ist erneut ein brillant recherchierter, fesselnder historischer Roman gelungen, der das Leben im Jahr 1922 in Berlin eindrucksvoll schildert. Die Leseprobe am Ende des Buches macht neugierig auf den zweiten Band. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, vergebe fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

  • Schwungvoller zweiter Teil


    Magda Fuchs hat sich so langsam in Berlin eingewöhnt. Ihr Arbeit als Polizeiärztin verlangt ihr vieles ab, aber davon allein kann sie nicht leben. Sie sucht eine Arbeit, die ihr die nötige Freiheit bringt. Da ist es ihr gerade Recht, dass sie Räumlichkeiten für eine Praxis angeboten bekommt. Auch in ihrem Privatleben ereignet sich einiges, sie und Kuno Mehring kommen sich näher. Doch der Gedanke an eine Ehe und Kinder macht ihr auch Angst. Die 20er-Jahre in Berlin sind nicht einfach. Jeden Tag sieht Magda als Ärztin das Elend der Frauen in der Stadt. Auch Celia steht vor schweren Entscheidungen, will sie ihre Freiheit für Edgar aufgeben? Vielleicht doch darauf verzichten, Ärztin zu werden? Und die junge Schauspielerin Doris, die ihr Leben genießt und die Gefahr nicht erkennt. Die Frauen stehen vor den schwersten Entscheidungen ihres Lebens, wie wird ihrer aller Leben weitergehen, wie wird die Inflation sie beeinflussen und werden sie die schweren Krisen überstehen können?


    Auf diesen zweiten Teil von „Die Polizeiärztin“ habe ich mich schon sehr gefreut, ich war gespannt darauf, wie das Leben von Magda, Celia, Ina und all den anderen Protagonisten weitergehen würde. „Das Leben, ein großer Rausch“ schließt dann auch direkt an den Vorgänger „Das Leben, ein ewiger Traum“ an. Ich empfehle daher, die Bücher nicht einzeln zu lesen. Kleine Rückblenden geben zwar in etwa den Inhalt von Band 1 wieder, aber unterhaltsamer ist es, liest man die Bücher der Reihe nach.


    Da Magda weiterhin als Polizeiärztin arbeitet und Kuno Mehring ebenfalls Polizist ist, gibt es natürlich auch einen schwierigen Fall zu lösen. In diesem Fall handelt es sich um einen Täter, der mehrere Frauen brutal überfällt. Magda und Kuno suchen wieder gemeinsam nach der Verbindung und den Motiven des Täters, aber diese Untersuchungen finden eigentlich nur am Rande statt. Der Schwerpunkt dieser Geschichte ruht auf Magda Fuchs und ihre Arbeit als Ärztin. Sie ist Ärztin für Frauenheilkunde. Schnell muss sie aber feststellen, dass damit auch einiges an Gefahren verbunden ist. Mit der Eröffnung der eigenen Praxis für Magda gibt die Autorin Helene Sommerfeld jetzt einen umfangreichen Einblick in diese Arbeit der 20er-Jahre. Ich fand es spannend zu lesen, womit die Frauen zu kämpfen hatten, wie groß in dieser Zeit oft die Verzweiflung war. Auch Magda stand vor so manch schwerer Entscheidung.


    Mir hat gut gefallen, wie die Autorin es hier verstanden hat, den historischen Hintergrund zu erläutern und gleichzeitig mit ihrer fiktiven Geschichte rund um Magda und ihre Freundinnen einzubinden. Sie hat nicht nur von dem Glanz in den Tanzsalons erzählt, sondern vielmehr von der unteren Gesellschaftsschicht, die eben um ihr Überleben kämpfen musste. Diese Einblicke waren extrem spannend. Zudem hat Helene Sommerfeld es verstanden, ihre Charaktere weiterzuentwickeln. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten und dies wurde gut ausgearbeitet. Mir hat es Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen und zu erleben, wie das Leben weiterging.


    Der Erzählstil der Autorin ist leicht und locker zu lesen, sie versteht es, ihre Geschichte dabei fesselnd zu erzählen. Mir hat vor allem gefallen, wie sie historische Details mit eingebunden hat und dabei eine glaubwürdige Geschichte entstanden ist. Ein Personenregister zu Beginn sorgt für den nötigen Überblick über die Protagonisten und ein Stadtplan von Berlin zeigt genau, wo sich die Charaktere befinden.


    Fazit:

    Das Leben in den 20er-Jahren wird glaubhaft geschildert, die Protagonisten überzeugen durch ihre Vielfalt, sie haben Ecken und Kanten und wirken lebendig und authentisch. Ich habe diesen zweiten Teil von „Die Polizeiärztin“ gern gelesen und fühlte mich einmal mehr von Helene Sommerfeld wunderbar unterhalten. Sie hat es gut verstanden, den historischen Hintergrund in ihre fiktive Geschichte zu binden, jetzt warte ich gespannt auf Teil 3 und hoffe, die losen Fäden dieses Teils werden zusammenfinden.


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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Starke Frauen in harten Zeiten
    Berlin 1922. Polizeiärztin Magda Fuchs wird zu einem grausamen Verbrechen gerufen: Die junge Mutter hat sich zu ihrem Kind geschleppt und ist kurz darauf ihren Stichverletzungen erlegen. Magda und Kommissar Kuno Mehring stellt sich die Frage, ob dieser sinnlos erscheinende Mord zu einer Serie brutaler Überfälle auf junge Frauen gehört. Sie alle haben auf der Straße ihre Gunst verkauft. Denn die Zeiten sind schwer: Die unvorstellbar rasch voranschreitende Inflation frisst das Geld für das tägliche Leben auf.
    Magda braucht ebenfalls eine Arbeit, von der sie leben kann. In Charlottenburg eröffnet sie ihre eigene Praxis. Frisch verheiratet stellt sie sich ebenso wie ihre Patientinnen die große Frage: Kann man ausgerechnet jetzt an eine Zukunft mit Kind glauben? Auch Medizinstudentin Celia liebt ihren Edgar. Aber will sie für ihn die Freiheit aufgeben, die sie so hart erkämpft hat? Ist Anwältin Ruth dafür die richtige Ratgeberin? Schauspielerin Doris genießt die Liebe wie im Rausch. Plötzlich wird daraus bitterer Ernst …


    Autoren (Quelle: Verlagsseite)
    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Ihre Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius hat ihre Leser mitten ins Herz getroffen und landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die fesselnde Kombination aus historischer Genauigkeit und leidenschaftlichen und glaubwürdigen Figuren macht die Romane von Helene Sommerfeld zu einem mitreißenden Leseerlebnis.


    Allgemeines
    Zweiter Band der Trilogie um die Polizeiärztin Magda Fuchs
    Erscheinungstermin: 20. Oktober 2021 bei dtv als TB mit 560 Seiten
    Gliederung: Personenverzeichnis – Motto – 18 mit Überschriften versehene Kapitel – Leseprobe zu Band 3
    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven
    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1922 bis 1924


    Inhalt
    Die Polizeiärztin Magda Fuchs und ihr Lebenspartner Kommissar Kuno Mehring bekommen es mit einer Reihe sinnloser Angriffe auf Prostituierte zu tun, die Frauen werden durch Messerstiche in den Bauch verletzt, zwei der Angegriffenen sterben. Da sie von ihren Einkünften als Polizeiärztin nicht leben kann, eröffnet sie eine gynäkologische Praxis. Dort wird sie mit den schwierigen Verhältnissen konfrontiert, in denen viele Patientinnen leben. Durch die Inflation geht es vielen Menschen – nicht nur aus der Unterschicht – schlecht und die zahllosen ungewollten Schwangerschaften verschärfen die Lage der Familien.
    Celia von Liebenau hat sich nach dem Tod ihres Mannes den Traum vom Medizinstudium erfüllt, dennoch ist ihr Leben nicht frei von Konflikten. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist nach wie vor schwer belastet und auch ihre Partnerschaft mit dem reichen Edgar Hinnes ist nicht ohne Konfliktpotenzial, da Edgar ihre Eigenständigkeit nicht immer akzeptieren will.
    Doris Kaufmann wünscht sich keine feste Partnerschaft und träumt weiterhin von einer Karriere als Schauspielerin, doch der gewählte Weg ist steinig.
    Die Anwältin Ruth Jessen verdient ihr Geld mit Scheidungsfällen und Eheverträgen, sie berät auch Celia.


    Beurteilung
    Der zweite Band setzt die Geschichte um die vier starken Frauenpersönlichkeiten Magda, Celia, Doris und Ruth fort, deshalb ist es empfehlenswert, ihn erst im Anschluss an den Vorgängerband zu lesen. Auch hier wird das Leben im Berlin der 1920er Jahre, vor allem aus der Sicht der Frauen, geschildert. Magda wird als Ärztin wiederholt mit Bitten um eine Abtreibung konfrontiert, ihre persönliche Einstellung zu dieser Frage hat für die betroffenen ungewollt Schwangeren teilweise tragische Folgen. Dass es quasi unmöglich ist, unter dem Deckmantel der „Gesundheitsfürsorge“ Verhütungsmittel bekannt zu machen und zu verteilen, macht die Lage nicht einfacher. Celia muss ihre Rolle als Studentin und Aushilfsschwester im Krankenhaus mit der Rolle als Verlobte eines stadtbekannten Mannes unter einen Hut bringen und Doris muss feststellen, dass das Leben ohne festen Partner für eine Jungschauspielerin gar nicht so einfach ist.
    Der historische Hintergrund der Zeit ist gut recherchiert. Den Menschen geht es nicht gut, viele Männer sind noch immer von den Erlebnissen des Ersten Weltkrieges traumatisiert, die Frauen müssen weiterhin um mehr Unabhängigkeit und das Recht, über ihre Körper zu bestimmen, kämpfen. Bis auf die Reichsten leiden alle Bürger unter der extremen Inflation, die in vielen Familien zu Hunger führt und illegale Einkäufe auf dem Schwarzmarkt erforderlich macht. Diese Märkte werden oft von Juden geführt, die sich bereits zunehmender Aggressivität und Verfolgung ausgesetzt sehen.
    Der Erzählstil ist lebendig und anschaulich, er erzeugt Kopfkino und lässt die Charaktere der Romanfiguren plastisch hervortreten.


    Fazit
    Eine sehr lesenswerte Fortsetzung, die man jedoch erst im Anschluss an den ersten Band um die Polizeiärztin Magda Fuchs und ihr Umfeld lesen sollte!

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    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
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    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Über das Autorenpaar (Amazon)

    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Ihre Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius hat ihre Leser mitten ins Herz getroffen und landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die fesselnde Kombination aus historischer Genauigkeit und leidenschaftlichen und glaubwürdigen Figuren machen die Romane von Helene Sommerfeld zu einem mitreißenden Leseerlebnis.


    Produktinformation (Amazon)

    ASIN ‏ : ‎ B092JK4LYG

    Herausgeber ‏ : ‎ dtv (20. Oktober 2021)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Dateigröße ‏ : ‎ 2238 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 561 Seiten


    Sehr guter zweiter Teil

    Magda Fuchs wird zu einem furchtbaren Verbrechen gerufen. Eine junge Frau hat sich noch zu ihrem Kind geschleppt und ist dann ihren Verletzungen erlegen. Magda und Kuno stellen sich die Frage, ob dieses Verbrechen zu einer Serie gehört, der junge Frauen zum Opfer fallen. Alle sind Prostituierte, denn die Zeiten sind schwer und das Geld wird immer weniger wert.

    Magda braucht ebenfalls eine Arbeit von der sie leben kann. Der Verdienst als Polizeiärztin reicht da nicht. Sie eröffnet eine Praxis. Sie heiratet Kuno Mehring und stellt sich die Frage, ob man in diese Welt ein Kind setzen kann. Die Medizinstudentin Celia liebt ihren Edgar, aber sie weiß nicht, ob sie für ihn ihre Freiheit aufgeben will. Die Schauspielerin Doris genießt die Liebe. Doch dann wird darauf bitterer Ernst.

    Den Beruf der Polizeiärztin gab es ab 1900 in Berlin. Sie arbeiteten zwar für die Polizei, jedoch waren sie an polizeilichen Arbeiten nicht beteiligt. Sie mussten die Opfer medizinisch betreuen, hauptsächlich die vielen Prostituierten. Das Amt wurde nur gering entlohnt, und war daher eher ein Nebenberuf.


    Meine Meinung

    Mir hat der erste Band dieser Reihe schon sehr gut gefallen. Ich war daher schnell in der Geschichte drinnen und konnte das Buch, dank des unkomplizierten Schreibstils des Autorenpaars, der keine Unklarheiten im Text zuließ und daher meinen Lesefluss auch nicht störte, sehr gut lesen. In die Protagonisten konnte ich mich hineinversetzen. In Magda Fuchs, die immer an ihren Eid dachte, wenn Frauen versuchten, sie zu einer Abtreibung bei ihnen zu überreden. Und ihre Praxisvermieterin war von Abtreibungen überzeugt, würden sie doch das nötige Geld einbringen. Dann ist da noch Magdas Schwester in Heidelberg, die darauf hoffte, die kleine, zehnjährige Elke für immer bei sich behalten zu dürfen. Dann ist da noch Celia die Tochter von Magdas Vermieterin, die Medizin studierte und um ihr Geld kämpfen musste. Um Geld, das jeden Tag weniger wert war. Wer mehr über diese Personen wissen will, muss dieses Buch selbst lesen und es ist durchaus interessant, ja spannend vom Anfang bis zum Ende. Auf den ersten Seiten befindet sich noch ein Personenverzeichnis, was ich sehr begrüße, auch wenn man daraus leider nicht erlesen kann, ob es eine historische Person gibt. Ich denke, die aufgeführten Personen sind wohl alle fiktiv. Trotzdem ist das Buch ein historischer Roman, denn es spielt in den zwanziger Jahren des 20., Jahrhunderts und verrät uns auch was damals so alles geschehen ist. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, es hat mich auch gefesselt und sehr gut unterhalten. Daher empfehle ich es sehr gerne weiter und vergebe die volle Bewertungszahl.


    Der letzte Band der Trilogie mit dem Titel Das Leben, ein wilder Tanz soll im März nächsten Jahres erscheinen.


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    Liebe Grüße
    Lerchie



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    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • Powerfrauen in harter Zeit


    Es geht nahtlos weiter: „Das Leben, ein großer Rausch" ist der zweite Teil der Magda Fuchs Reihe. Der 2. Band schließt nahtlos ans Geschehen an, nachdem mit einem hochgradig neugierig machenden Cliffhanger geendet wurde. Eine lange Wartezeit entstand bis zur Möglichkeit des Weiterlesens.


    Den Mittelpunkt bildet nach wie vor Magda Fuchs, eine junge Frauenärztin, die engagiert ihren Beruf ausübt und zusätzlich im Dienst der Polizei das schlechtbezahlte Amt einer Polizeiärztin erfüllt. In der schwierigen Zeit der Inflation eröffnet sie in Charlottenburg ihre eigene Praxis. Dabei kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Sie übernimmt die Praxisräume des verstorbenen Mannes ihrer Pensionswirtin Agnes Fahrland. Über mangelnde Arbeit und die auch noch unter schwierigsten Bedingungen kann sie sich nicht beklagen.

    Um Magda herum entwickelt das Autorenduo Helene Sommerfeld weiterhin eine grandiose Authentizität, die mir die Realität im Berlin Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts recht nah brachte. Der rote Faden verbindet die verschiedenen Charaktere, die mal mehr und mal weniger mit der Ärztin in Kontakt stehen. Ich las nun sehr erwartungsvoll weiter über die Entwicklung Magdas und die der anderen weiblichen Personen: Doris, Ina, Celia, Erika. Auch über die Männer wird berichtet. Am besten gefiel mir wiederum der junge Kommissar Kuno Mehring, der genau wie Magda leidenschaftlich, engagiert und mit Erfolgswillen in seinem Beruf agiert. Sie arbeiten zusammen und ergänzen sich hervorragend, was sich natürlich auch im Privatleben niederschlägt. Ihre Harmonie ist beeindruckend.

    Sehr anschaulich und lebensecht erfährt man von den Jahren zwischen 1922 bis 1924. Dabei werden neben dem überbordenden Reichtum (z. B. Familie Hinnes) auch Berlins Schattenseiten beleuchtet, die unvorstellbare Armut, Hunger und Elend, die grausamen Schicksale von Frauen und Kindern, deren aussichtlose Notlagen im familiären Umfeld. Kriminelle Auswüchse wie Mord, Totschlag, Kinderhandel sind an der Tagesordnung. Die sozialen Umstände für die unteren Schichten sind katastrophal und jede Hilfe, die Magda und Ina Dietrich, die Fürsorgerin, den Frauen zukommen lassen, erscheint wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bildung und Aufklärung tut Not, um kleine Verbesserungen des Lebensnivaus zu erreichen. Es ist ein weiter Weg!


    Die Covergestaltung gefällt mir gut. Nach dem auffallenden Grün nun ein Titelumschlag in sattem Rot. Der Untertitel „Das Leben, ein großer Rausch“ läßt sich weiterführen. Auf der einen Seite sind da die grandiosen Verführungen, der Rausch des Lebens, die zum Beispiel Doris bis zum Exzeß genießt. Das wird ihr fast zum Verhängnis.


    Fazit:

    Sehr gute Erzählung über die Jahre 1922 bis 1924 mit all seinen Schrecken bis hin zur historischen, beispiellosen Inflation.

    Epochale Geschichte wird eingebettet in den Werdegang von jungen Frauen.


    Ich fühlte mich wieder hervorragend unterhalten und war traurig als ich am Ende des Buches angekommen war. Nun heißt es erneut warten auf Band 3, der im März 22 erscheint. Allerdings freue ich mich sehr darauf.


    Von mir gibt es die Höchstbewertung und die unbedingte Kauf- und Leseempfehlung!

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Spannend geht es weiter

    Berlin 1922


    Magda Fuchs scheint in Berlin angekommen zu sein. Ihre Arbeit als Polizeiärztin ist zwar hart, aber dennoch will sie diese nicht missen. Als ihr eines Tages Praxisräume angeboten bekommt, greift sie zu und kann sich so einen langersehnten Traum erfüllen. Allerdings währt die Freude nicht allzu lange. Immer öfters eckt sie mit ihrer Praxisgehilfin, die auch ihre Vermieterin ist, an und stößt dabei an ihre moralischen Grenzen. Aber nicht nur dies bereitet ihr große Sorgen, auch privat ziehen einige dicke Wolken herein. Sie liebt zwar Kuno, aber wird sie jemals ihre eigene Familie gründen können?


    Zeitgleich studiert die junge Celia weiterhin Medizin und auch sie steht vor beruflichen und privaten Entscheidungen. Ihre große Liebe heißt Edgar, aber immer öfters zeigt er sich von einer Seite, die ihr Angst macht. Karriere oder Kind?



    Mit großer Begeisterung las ich im März 2021 den Auftaktband Polizeiärztin Magda Fuchs Das Leben, ein ewiger Traum von dem Erfolgsautorenpaar Helene Sommerfeld, der mit einem fiesen Cliffhanger endete. Es gibt nichts Schlimmeres als diese Ungewissheit, wie es mit den Protagonisten weitergehen wird und so wartete ich neugierig und mit voller Vorfreude auf den zweiten Teil, der jetzt im Oktober 2021 unter dem Titel Polizeiärztin Magda FuchsDas Leben, ein großer Rausch im dtv Verlag erschienen ist. Endlich geht es mit Magda Fuchs und Co weiter….


    Wie schon im ersten Band konnte mich der flüssige und bildhafte Schreibstil wieder fasziniert und so tauchte ich in die Geschichte von Magda Fuchs ein und ab. Bereits ab der ersten Seite war es wie ein nach Hause kommen, denn sofort traf ich liebgewonnene Charaktere, die mich schon im ersten Band mit ihrem Handeln und Tun überzeugen konnten. Polizeiärztin Magda Fuchs, Celia Fahrland, Kuno Mehring, Doris Kaufmann, Edgar Hinnes oder die rasende Journalistin Erika Hausner. Wer den ersten Teil gelesen hat, wird mit Beginn dieses Bandes merken, wie nahtlos der Übergang ist. Sofort findet sich der Leser beim Silvesterball im Admiralspalast im Jahr 1922 wieder. Ein brutaler Überfall überschattet dieses prunkvolle Ereignis und das tragische bei der Sache ist, dass keiner was gesehen hat. Jetzt heißt es für den Kriminalkommissar Kuno Mehring den Täter zu suchen bzw. zu finden. Aber nicht nur dieses Ereignis überschattet Berlin, sondern auch die politische und wirtschaftliche Lage in der Stadt ist mehr als nur dramatisch. Die Politik gerät mehr und mehr in Schieflage. Tagtäglich nehmen die Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung zu. Entweder müssen sie sich körperlichen Angriffen zu Wehr setzen oder ihre Geschäfte werden zerstört bzw. geplündert. Aber nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Lage ist mehr als bedrohlich. Zusehens verliert das Geld an Wert und die Preise schießen in die Höhe. Viele Menschen wissen keinen anderen Ausweg als sich illegal auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel zu besorgen oder sogar Selbstmord zu begehen. Anschaulich und eindrucksvoll hat Helene Sommerfeld diese schweren Jahre eingefangen und wieder gespiegelt. Während des Lesens kann man die Angst der Berliner spüren, die sich dieser harten Zeit aussetzen mussten. Aber die Handlung soll kein Geschichtsbuch werden und somit wenden wir uns wieder den Hauptpersonen Magda Fuchs und Celia Fahrland zu. In dieser schweren Zeit kann Magda Fuchs ihren langersehnten Traum erfüllen und ihre eigene Praxis eröffnen. Sie möchte für ihre Patientinnen da sein und ihnen helfen, aber was man von ihr verlangt übersteigt ihre eigenen Vorstellungen. Sie soll Abtreibungen durchführen und genau dies ist das, was sie nicht machen will. Zudem kommen noch private Sorgen hinzu, denn sie überlegt, ob sie mit ihrem Mann Kuno nicht eine Familie gründen möchte. Aber Beruf und Familie geht das überhaupt? Celia Fahrland hat ihr Glück gefunden. In ihrem Medizinstudium kommt sie gut voran und auch mit ihrer neuen Liebe Edgar scheint sie glücklich zu sein, aber Edgars Verhalten macht ihr mehr und mehr zu schaffen. Hinzu kommen auch noch familiäre Probleme, die ihr Leben überschatten. Aber es gibt auch einen Lichtblick am Horizont, aber wird sie dafür ihre Freiheit opfern müssen?


    Auch mit ihrem zweiten Band konnte mich das Autorenduo Sommerfeld in ihren Bann ziehen und eins kann ich definitiv sagen: die beiden verstehen ihr Handwerk und haben eine brillante Arbeit geleistet. Dank der akribischen und detaillierten Recherchen, die sie über die zwanziger Jahre Berlins geführt haben, wurde die Authentizität der Handlung perfekt unterstrichen. Aber nicht nur die geschichtlichen Details trugen dazu bei, sondern auch die Charaktere, die durch ihr lebensnahe Auftreten die Geschichte brillant abrundeten. Sommerfeld geben den Figuren nicht nur einen Platz, sondern lassen sie wachsen, so dass sich der Leser mit ihnen identifizieren kann. Für mich ist die Handlung Leben, denn irgendetwas passiert immer und seien es nur Kleinigkeiten. Einen Stillstand gibt es nicht und so mag ich es auch. So mochte ich dieses Buch kaum noch aus den Händen legen, denn ich wollte wissen wie es weitergeht. Selbst das dickste Buch mit über 500 Seiten findet mal ein Ende und so endet dieses wieder mit einem Cliffhanger. Schade, jetzt heißt es bis Anfang nächsten Jahres warten.



    Für mich war es wieder ein Lesehighlight, dass ich unbedingt weiterempfehlen will.


    5 von 5 Sternen!!

  • Ein umfassender Rückblick auf die 1920er

    Ich habe aus Büchern schon viel über diese politisch hochbrisante Zeit gelernt, aber dieses Buch hat meinen Horizont noch mehr erweitert, ein großes Lob an die Autoren für die präzisen Recherchen! Man erhält sehr tiefgreifende Einblicke in die Probleme dieser Zeit nach dem ersten Weltkrieg anhand einzelner Schicksale und Beobachtungen. Waren die Menschen zunächst noch froh, den Krieg hinter sich zu haben, und konnten wieder Spaß am Leben empfinden, kam es ganz schnell zu desolaten Zuständen, wie Hunger, Geldentwertung, Wohnungsnot usw.

    Sehr schön wird dargestellt, in welch misslicher Lage sich viele Frauen befanden, die meist in völliger Abhängigkeit von ihren Männern lebten, so wurde z.B. Celia das Studieren von ihrem Ehemann verboten!!! Eine Abtreibung durfte nur mit Zustimmung des Ehemannes erfolgen!!! Eine Frau, die allein ins Kino oder in eine Kneipe ging, war äußerst ominös...es gibt noch viele Beispiele. Demzufolge sind die weiblichen Hauptprotagonisten als emanzipiert anzusehen, denn sie sind nicht bereit, sich unbegründet unterzuordnen, sondern haben ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein mit der Zielsetzung eines sinnerfüllten Lebens.

    Auch die Aufklärung über körperliche Schutzmaßnahmen, wie z.B. Verhütung, war noch in den Anfängen, so dass die Zahl der Abtreibungen hoch war, meist natürlich illegal. Allen Ernstes wurden Kniebeugen gegen eine ungewollte Schwangerschaft empfohlen! Magda als Ärztin befindet sich in ständigem Dilemma: Abtreibungen sind verboten, aber ihr Herz möchte den Frauen helfen.....

    So weit, so gut und sehr interessant. Was mir allerdings gefehlt hat, war ein roter Faden durch das Buch, die einzelnen Szenen wurden aneinandergereiht, teilweise sogar ohne deutlichen Zeilenabstand, so dass man dann plötzlich 'umschalten' musste. Außerdem fehlt mir in weiten Bereichen eine gewisse Spannung, die zum Lesen verlockt. Die Handlung plätschert gemütlich vor sich hin. Da ist z.B. der sogenannte frauenattackierende 'Schlitzer', der einen spannenden Einstieg bietet, dann aber nur noch untergeordnet erwähnt wird. Schade! Daraus hätte man mehr machen können.

    Trotzdem ist das Buch lesenswert und informativ, ein Sternchen allerdings abgezogen aus oben genannten Gründen.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • "Im Leben ist das Beste nur ein Rausch." (George Gordon Byron)

    1922 Berlin. Polizeiärztin Magda Fuchs ist endlich in Berlin heimisch geworden und hat sich sogar eine eigene Frauenpraxis zugelegt, in der sie an einigen Tagen in der Woche praktiziert. Als sie in ihrer Funktion als Polizeiärztin zu einem Tatort gerufen wird, nimmt sie das Verbrechen persönlich mit. Das Opfer hat sich mit schwersten Stichverletzungen noch zu ihrem Baby geschleppt, bevor sie starb. Gemeinsam mit Kommissar Kuno Mehring, der auch privat eine große Rolle in Ihrem Leben spielt, macht sich Magda daran, dem Täter auf die Spur zu kommen, denn immer mehr junge Frauen, die sich prostituieren, kommen gewaltsam zu Tode oder werden schwer verletzt. Die Suche gestaltet sich wie nach der Nadel im Heuhaufen, und dann stößt auch noch Magdas Freundin Doris etwas zu…


    Das Autorenduo Helene Sommerfeld hat mit „Das Leben, ein großer Rausch“ den zweiten Band um die Polizeiärztin Magda Fuchs vorgelegt, der nicht nur mit einem gut recherchierten historischen Hintergrund besticht, sondern auch mit einer spannenden Geschichte aufwarten kann, die den Leser schnell in den Bann zu ziehen weiß. Der flüssige, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil lässt einen sofort in die Handlung abtauchen und findet sich im Berlin der zwanziger Jahre wieder, um sich an Magdas Fersen zu heften. Die Autoren lassen eine Stadt mit zwei Gesichtern lebendig werden, die eine lebt in Saus und Braus, während die andere kaum weiß, wie sie sich ernähren soll, die Inflation hat alle im Griff. Obwohl als Polizeiärztin tätig, muss auch Magda sich ein zweites Standbein schaffen, um über die Runden zu kommen. Neben den gesellschaftlichen und politischen Akzenten sind es vor allem die persönlichen Probleme von Frauen, die das Autorenduo empathisch in ihre Handlung miteinwebt. Magda hat in ihrer Praxis mit einem bunten Publikum zu tun, die mit den unterschiedlichsten Wehwehchen an sie herantreten und so manchen inneren Konflikt bei Magda auslösen. Interessant sind auch ihre eigenen Gedanken über Familie und Kinder, denn die momentane wirtschaftliche Lage macht ihr nicht gerade große Hoffnungen. Auch die anderen Bewohner der Pension müssen Entscheidungen treffen und der Einblick in ihre Welt ist ebenso spannend wie Kunos und Magdas Jagd nach dem Mörder. Besonders herauszustellen ist auch hier wieder einmal, wie gekonnt ein Kriminalfall in den historischen Kontext eingebunden und nebenbei das alltägliche reale Leben der Menschen präsentiert wurde.


    Die liebevoll und lebendig gestalteten Charaktere haben sich glaubhaft weiterentwickelt und verstehen es, den Leser an sich zu binden. Magda ist eine hilfsbereite und fleißige Frau, die sich immer hinterfragt und für ihre Patientinnen nur das Beste will. Freundin Ina ist warmherzig und fürsorglich, aber auch eine große Unterstützung für Magda. Celia steht vor einer schwierigen Entscheidung, denn sie möchte studieren, hat aber auch ihr Herz verloren. Schauspielerin Doris ist unbeschwert und genießt alles, was ihr das Leben bietet, bis es sie einen hohen Preis bezahlen lässt. Kuno ist ein pragmatischer und analytisch denkender Kommissar, doch Magda gegenüber ist er warmherzig und liebevoll.


    Mit „Das Leben, ein großer Rausch“ ist dem Autorenduo eine sehr unterhaltsame und spannende Fortsetzung gelungen, die dem Leser die Lage im Berlin der zwanziger Jahre nahe bringt, einen undurchsichtigen Kriminalfall präsentiert und nebenbei auch noch die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Lage der Bevölkerung durch unterschiedliche Schicksale beleuchtet. Für diesen Pageturner ist eine absolute Leseempfehlung mehr als verdient!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Das Cover hat gleich Wiedererkennungswert. Dies ist der 2. Band aus der Polizeiärztin Serie. Wie gewohnt wieder mit kleiner Karte und Personenregister (sehr hilfreich). Diesmal spielt die Geschichte Anfang der 20er Jahre.
    Die Polizeiärztin Magda Fuchs hat sich sehr gut in Berlin eingelebt. Sie erhält von ihrer Pensionswirtin das Angebot in den ehemaligen Praxisräumen ihres verstorbenen Mannes eine eigenen Praxis zu eröffnen. Magda greift zu, aber es kommt viel zum Streit mit Frau Fahrenholz. Um mehr Geld zu verdienen soll sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Die Polizeiärztin weigert sich. Dafür kommen sie und Kuno sich immer näher und denken an Familiengründung. Dieser ist auf der Suche nach dem Schlitzer, der wahllos auf leichte Mädchen einsticht, auch Doris wird zum Opfer. Celia studiert Medizin und versucht unabhängig zu sein, bis sie sich in einen Mann aus reichem Hause verliebt.
    Dies Buch ist eine gelungene Fortsetzung von Band 1. Der Leser darf unterschiedlich starke Frauen durch ihren Alltag begleiten. Die Standesunterschiede treten sehr stark hervor. Auf der einen Seite Vergnügen und Glanz, auf der Anderen Armut und Hunger. Die Inflation macht den Menschen sehr zu schaffen, der Hass auf die Juden nimmt zu.
    Es hat mir sehr viel Freude gemacht, das Buch zu lesen. Durch den flüssigen Schreibstiel kam ich gut durch die Zeilen. Bin schon gespannt, wie es im nächsten Band weitergeht.

  • Liebesangelegenheiten


    Polizeiärztin Magda Fuchs ist schwer verliebt in ihren Kommissar und freut sich auf die neue Herausforderung, die mit der Eröffnung ihrer neuen Praxis für Frauenheilkunde auf sie wartet. Doch zunächst gibt es andere Probleme, denn das Jahr 1922 fängt nicht ganz friedlich an. Auf dem Silvesterball gibt es ein Attentat auf Pensionsgefährtin Doris. Ist sie Opfer des Frauen-Schlitzers geworden, der gerade in Berlin sein Unwesen treibt? Medizinstudentin Celia scheint auch verliebt zu sein. Ihr Edgar ist aber sehr fordernd! Wollen die beiden Frauen ihre Freiheit wirklich wieder für einen Mann opfern?


    Die Fortsetzung „Das Leben ein großer Rausch“ der Serie über Polizeiärztin Magda Fuchs hat mich wieder völlig in ihren Bann gezogen. Das Autorenehepaar, das sich hinter dem Pseudonym "Helene Sommerfeld" versteckt, schildert das Leben der damaligen Zeit so anschaulich und bewegend, als wäre man mit vor Ort. Das Lesen ist ein Genuss, das Kopfkino springt an und man fühlt mit den Figuren, deren Lebensumstände schonungslos geschildert werden. Die Protagonisten haben es nicht einfach, schwierige Zeiten stehen bevor, die Inflation und Politik bewegt die Menschen. In diesem Teil geht es trotz eines kriminellen Aspektes auch recht privat zu. Die Vorausschau auf Band drei macht auch schon sehr gespannt auf das weitere Geschehen.

    Das Cover von Teil zwei ganz in Rot ist gut gewählt;) rot wie die Liebe, die im Roman eine große Rolle spielt.


    Mein Fazit:

    Diese spannungsvolle und authentische Zeitreise ins Berlin der 20er Jahre, macht mir große Freude. Freue mich schon ungemein auf den nächsten Teil:).

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :thumleft:

  • Wer an Polizeiärztinnen denkt, wird wahrscheinlich meinen, dass diese wohl eine wichtige Rolle bei der Polizei spielen und ihre Arbeit auch gut honoriert werden würde. Die Realität in Preußen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sah aber anders aus: Polizeiärztinnen betreuten nur medizinisch die Opfer von Gewalttaten und erhielten dafür nur wenig Lohn. Wie nun der konkrete Alltag von Polizeiärztinnen, Medizinstudentinnen, Rechtsanwältinnen und Schauspielerinnen im ersten Teil der 1920er Jahre aussah, können die geneigten Leser_innen im nun bereits zweiten Band der Reihe um Magda Fuchs, Celia und ihre Freund_innen nachvollziehen.

    Gekonnt verknüpft die Autorin Helene Sommerfeld private Erfahrungen der Protagonist_innen mit der Beschreibung von gesellschaftspolitischen Verhältnissen der damaligen Zeit. Dies ermöglicht es den Leser_innen tief in das Schicksal der Charaktere und die damalige Zeit einzutauchen.
    Ich bin jetzt schon richtig auf den Folgeband gespannt und werde diesen bestimmt wieder gerne lesen.

  • Wiedersehen mit Magda Fuchs


    Dies ist eine nahtlose und passende Fortsetzung des ersten Romans um Polizeiärztin Magda Fuchs und den interessanten Personen um sie.


    Die Zeit der 20er Jahre in Berlin wird detailliert eingefangen: die Jeunesse Doree gibt sich dem Vergnügen und dem Kokain hin, die Armen kämpfen ums tägliche Überleben. Hinzu kommt die ungeheuerliche Inflation, das Erstarken verfassungsfeindlicher rechtsextremer Gruppierungen Straßenschlachten, ständig wechselnde Regierungen die nicht gerade zur Stabilisierung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage beitragen. Neu war mir, dass sich in Berlin eine große Zahl galizischer jüdischer Flüchtlinge als Folge des Ersten Weltkrieges befand. Gerade nur geduldet, den Schikanen der Polizei und der faschistoiden Schlägertruppen ausgesetzt, ohne konkrete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, ist es kein Wunder, dass sie sich dem Schwarzmarkt widmen, der wiederum ein Dorn im Auge der Obrigkeit ist. Das schaukelt sich gegenseitig hoch.


    Doch zurück zu Magda Fuchs und den anderen Frauen die wir aus dem ersten Roman kennen. Magda ist Polizeiärztin mit einem viel zu niedrigen Einkommen, eröffnet sie eine Praxis für Frauen- und Kinderheilkunde. Doch nicht lange kann sie die Praxis halten. Von ihrer Vermieterin und einigen Frauen bedrängt, weigert sie sich hartnäckig Schwangerschaften abzubrechen. Unter diesen Bedingungen kann sie die Praxis nicht weiterführen. Ihr Mann, der Polizeikommissar Kuno Mehring unterstützt sie und bestärkt sie in ihrer Ablehnung gegenüber Abtreibungen. Ihre Patientinnen sind entweder reiche Frauen die in ihre Praxis zur Konsultation kommen oder Prostituierte und Frauen aus den Armenvierteln die Magda im Gefängnis oder im St, Hedwig-Krankenhaus.


    Celia ist vom Tod ihres ersten Mannes freigesprochen worden, es war ein Selbstmord. Sie kann nun Medizin studieren. Edgar, ihr Geliebter, ist schwerreich doch scheint er recht labil zu sein. Celia wird regelrecht in eine Verlobung dann Ehe mit ihm gedrängt.


    Die junge Doris lebt nur für ihren Traum, Filmschauspielerin zu werden, nimmt dafür alles in Kauf.


    Erika, die Journalistin und neuerdings auch Schriftstellerin, unterstützt Doris und interessiert sich auch für Magdas Arbeit als Polizeiärztin.


    Ina, arbeitet sich in der Fürsorge komplett auf, sie versucht mit äußerst begrenzten Mitteln Familien in Not zu helfen. Kinder und Frauen sind die Leidtragenden, während sich die Männer der armen Klassen in Alkohol und Gewalt ertränken.


    Über allen grassiert ein Serienmörder, der jungen Frauen – hauptsächlich Prostituierten en passant sozusagen, den Bauch aufschlitzt. Doris, die selbst Opfer des Serientäters wurde, erkennt die Person und Magda kann zur Festnahme beitragen. Dieser Krimi erscheint fast wie eine Nebenhandlung, so sehr nimmt uns das Schicksal der starken und selbstbestimmten Frauen gefangen. Was heute für uns eine Selbstverständlichkeit ist, war damals ein harter Kampf. Studium, Familie und Beruf vereinbaren – das war damals für Frauen keine Selbstverständlichkeit.


    Der einfache und geradlinige Erzählstil, etwas zurückhaltend, wenn es um große Gefühle geht, macht das Buch noch attraktiver. Die Recherchen zum Berlin der 20er Jahre sind allumfassend und kommen rüber, ohne in eine Geschichtsvorlesung auszuarten. Einfach aber gekonnt in die Handlung eingebettet, merkt man erst hinterher wieviel Neues man über die Roaring Twenties in Berlin erfährt.

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