Stefan Zweig - Brief einer Unbekannten

  • Buchdetails

    Titel: Brief einer Unbekannten


    Verlag: Diogenes

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 544

    ISBN: 9783257242133

    Termin: Januar 2013

  • Bewertung

    4.8 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Brief einer Unbekannten"

    Unerhörte Begebenheiten versammelt dieser Band mit den schönsten Erzählungen Stefan Zweigs. Sein Interesse aber gilt vor allem dem inneren Aufruhr seiner Figuren, ihren Neurosen, ihrer Zerrissenheit. Mit großer Empathie, aber auch mit gelassener Distanz zeichnet der Meisternovellist das Bild der ›guten‹ Gesellschaft zwischen Konvention und Rebellion. Er erzählt von der ›comédie humaine‹, der menschlichen Komödie - mit meist tragischem Ausgang.
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  • Autor: Stefan Zweig
    Titel: Brief einer Unbekannten, erschien erstmals 1922
    Seiten: 96 Seiten
    Verlag: Fischer Tb
    ISBN: 9783596130245


    Der Autor: (der Verlagshomepage entnommen)
    Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren und lebte ab 1919 in Salzburg, bevor er 1938 nach England, später in die USA und schließlich 1941 nach Brasilien emigrierte. Mit seinen Erzählungen und historischen Darstellungen erreichte er weltweit in Millionenpublikum. Zuletzt vollendete er seine Autobiographie ›Die Welt von Gestern‹ und die ›Schachnovelle‹. Am 23. Februar 1942 schied er zusammen mit seiner Frau »aus freiem Willen und mit klaren Sinnen« aus dem Leben.


    Inhalt: (Klappentext)
    Ein Liebesbrief erreicht den Romancier und Lebemann R. an seinem einundvierzigsten Geburtstag – die leidenschaftliche Lebensbeichte einer Frau, deren Lebensmittelpunkt er war.
    Doch sie ist für ihn nur eine belanglose Geliebte unter vielen geblieben, letztlich eine Unbekannte. »Ich klage Dich nicht an, mein Geliebter, nein, ich klage Dich nicht an«, verspricht sie, und doch stellen ihre glühenden Worten das Leben dieses Mannes, der »nur das Leichte, das Spielende, das Gewichtlose« lieben kann und vor Bindungen zurückscheut aus »Angst, in ein Schicksal einzugreifen«, vollständig in Frage


    Meinung:
    Der erfolgreiche Schriftsteller kommt an seinem 41. Geburtstag aus dem Urlaub zurück und findet einen Brief ohne Absender vor. Eine Frau schreibt ihn vertraulich an, schreibt, dass sie ihn seit vielen Jahren kennt, ja, dass sie sich schon mehrmals getroffen haben, miteinander gesprochen – er sie allerdings bei den Treffen nicht wiedererkannt hätte.
    Zwar nicht anklagend, aber doch vorwurfsvoll erzählt sie, wie sie als Nachbarskind bereits den Schriftsteller verehrt habe, ihre Begegnungen in den nächsten Jahren und ihre Hoffnungen, dass er sie nicht nur als hübsche Frau wahrnimmt, sondern als Bekannte, als Weggefährtin. Aber der Schriftsteller hat nur eine oberflächliche Beobachtungsgabe. Der Frauenschwarm kann sich trotz regelmässiger Hinweise (Blumen zum Geburtstag) und teils intimen Begegnungen nicht an die Dame erinnern.


    Diese Novelle in Briefform zeigt einmal mehr Stefan Zweigs grandiose Erzählkunst, seine poetisch-schöne Sprache. Es ist eine tragische, berührende Erzählung über eine unerhörte Liebe, über gebrachte Opfer und nach dem Lesen bleibt zunächst eine triste Leere. Allerdings muss man sich auf die Grundkonstellation einlassen, und dafür habe ich einen halben Stern abgezogen, denn: wie wahrscheinlich ist es denn, dass eine Frau ihr Leben lang nach dem einen Mann schmachtet – und sich dann doch nicht traut ihn so manches Mal direkt anzusprechen? Und wie glaubhaft ist es, dass der Schriftsteller so ein schlechtes Gedächtnis hat, bzw so oberflächlich ist, dass die Frauen praktisch austauschbar, alle eins sind? Aber nimmt man das mal hin (war das so vor 100 Jahren oder hat Zweig die beiden Charaktere einfach der Geschichte wegen so überzeichnet?), dann kann man die traurig-schöne Novelle an einem Nachmittag genüsslich lesen.

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