Antonia Blum - Jahre der Hoffnung

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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Berlin 1918: Marlene Lindow ist glücklich, nach ihrem Medizin-Studium wieder in der Kinderklinik Weißensee arbeiten zu können. Die meisten Ärzte wurden in Lazarette befohlen, so dass sie die kleinen Patienten oft allein behandeln muss. Fortan kämpft sie nicht nur um ihren geliebten Maximilian, der völlig verändert aus dem Krieg heimkehrt, sondern auch gegen die Spanische Grippe, die sich rasant in Berlin ausbreitet. Als der Sohn ihrer Schwester Emma ebenfalls erkrankt, taucht der verschollene Kindsvater auf. Er bietet Emma eine neue Heimat fern des seuchengeplagten Berlins, wo ihr Sohn unbeschwert aufwachsen kann. Marlene kann sich allerdings ein Leben ohne Emma nicht vorstellen. Und auch die kranken Kinder in der Klinik brauchen die engagierte Kinderkrankenschwester. Wie wird sie sich entscheiden?


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Antonia Blum lebte längere Zeit in Berlin, ohne den Weißen See dort je gesehen zu haben. Erst Jahre später, nachdem sie die Hauptstadt längst verlassen hatte, entdeckte sie durch einen Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik in Weißensee und kommt seitdem von dem Ort und seiner bewegten Geschichte nicht mehr los. Heute fährt Antonia nicht nur zum Spazierengehen immer wieder an den Weißen See, der dem Berliner Stadtteil seinen Namen gab. Sie ist überzeugt, dass dort ein Tor in die Vergangenheit existiert.


    Allgemeines
    Zweiter Teil der Trilogie „Kinderklinik Weißensee“
    Erschienen am 24. September bei Ullstein als TB mit 512 Seiten
    Gliederung: Prolog - 42 Kapitel – Autorennachwort – Bibliographie
    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven
    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1918 bis 1919


    Inhalt
    Seit ihrer gemeinsamen Ausbildung zur Krankenschwester an der Kinderklinik Weißensee haben es die Lindow-Schwestern weit gebracht. Emma ist eine hochgeschätzte, einfühlsame Kinderkrankenschwester, die dank hilfreicher Nachbarn ihr berufliches Leben mit der privaten Situation als alleinerziehende Mutter vereinbaren kann. Ihre Schwester Marlene hat soeben ihr Medizinstudium abgeschlossen und will nun in der Kinderklinik Weißensee ihr Medizinalpraktikum absolvieren, um anschließend zu promovieren. Dort wird ihr das Leben nicht leicht gemacht, da es immer noch Ärzte gibt, nach deren Meinung eine Frau für den Arztberuf ungeeignet ist. Marlene muss auch auf die Unterstützung ihres Verlobten, des Arztes Maximilian von Weilert, verzichten, denn dieser befindet sich in einem Lazarett an der Front. Auch nach seiner Rückkehr aus dem Krieg muss sie allein um ihr berufliches Fortkommen kämpfen; Maximilian ist von seinen Kriegserlebnissen traumatisiert und sehr verschlossen geworden. Als Emma nach einer schweren Erkrankung ihres Sohnes Theodor beschließt, mit diesem aus Weißensee wegzuziehen und ihrem Kind ein gesünderes Leben in ländlicher Umgebung zu ermöglichen, droht Marlene vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren…


    Beurteilung
    Der zweite Band der Trilogie schließt inhaltlich eng an den ersten (Zeit der Wunder) an und sollte deshalb der Verständlichkeit wegen erst im Anschluss an diesen gelesen werden. Anhand der beiden fiktiven Protagonistinnen, die in einem gut recherchierten historischen Kontext agieren, werden die Probleme sichtbar, denen sich Frauen in den Jahren um das Ende des Ersten Weltkriegs gegenübersehen. Eine unverheiratete Mutter muss mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen; einer Frau mit dem Anspruch, als Ärztin zu praktizieren, schlägt noch immer viel Ablehnung – von Kollegen ebenso wie von Patienten – entgegen.
    Dennoch ändert sich das tradierte Weltbild stetig, der Kaiser ist ins Exil gegangen, sozialdemokratische Ideale werden formuliert und die Frauen erhalten das Wahlrecht.
    Die Ereignisse in der Kinderklinik werden anschaulich und fesselnd beschrieben, besonders werden dabei neue Therapieansätze in der Kinderheilkunde thematisiert, wozu nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch der einfühlsame, kindgerechte Umgang mit den kleinen Patienten zählt.
    Ein weiteres Schwerpunktthema stellt der Kampf gegen die Spanische Grippe dar, der zwar schon mit modernen hygienischen Maßnahmen wie Desinfektion, Mundschutz und Isolation geführt wird, aber ohne Verfügbarkeit von Impfstoffen und Virostatika leider auch häufig verloren wird.
    Die Entwicklungen im Privatleben der beiden Schwestern sind interessant, hätten aber etwas gekürzt werden dürfen. Die Liebesgeschichten von Emma und Marlene nehmen relativ viel Raum ein und werden gelegentlich etwas zu „gefühlsbehaftet“ geschildert.
    Ein informatives Nachwort und eine Bibliographie runden den lesenswerten zweiten Band um die Kinderklinik Weißensee und ihre Beschäftigten ab.


    Fazit
    Ein lesenswerter Roman über die Kinderklinik Weißensee, ihre Patienten und Beschäftigten in der Zeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs!

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    Vorzeitige Rezension mit Genehmigung durch Vorablesen

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
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    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

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