Dinah Marte Golch - Die andere Tochter

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  • Nicht nur das Cover mit den vielen Puzzleteilen und das alte Familienfoto hat mich sehr neugierig gemacht, auch der Klappentext.


    Es geht um Antonia, genannt "Toni", die nach einem Unfall ihr Augenlicht fast verliert und danach eine Transplantation braucht. Sie erhält einen Brief von der Mutter ihrer Spenderin und entscheidet sich dafür, diese kennenzulernen. Dadurch wird Toni in einen Strudel voller Manipulationen und Flashbacks gezogen. Welches Spiel wird mit ihr gespielt, und warum liegt ihre eigene Mutter im Koma?

    Von der ersten Seite an werden wir direkt in die Geschichte hineingezogen. Puzzleteil für Puzzleteil wird, sehr passend zum Cover, langsam enthüllt und zusammengesetzt. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, nicht nur wegen der spannend rasanten Geschichte, bei der es keine einzige langweilige Szene gibt, sondern auch wegen dem angenehmen Schreibstil in kurzen und knackigen Sätzen.


    Die Charaktere hat die mir bisher unbekannte Autorin sehr gut erschaffen. Am besten hat mir Antonia gefallen, in die man sich während des Lesens richtig gut hineinfühlen konnte. Sie wird als durchaus starke Frau dargestellt und steht die Auf und Abs ihres Lebens sehr gut durch. Und das bis zum unglaublichen Ende, denn da bleibt wirklich kein Stein auf dem anderen. Da stellt man sich während des Lesens die Frage, wem Toni noch vertrauen kann.


    Fazit: Ein Buch voller Emotionen, das mit vielseitigen Themen von geschichtlichen Aspekten bis hin zur Organtransplantation gespickt ist, und wo auch das Menschliche nicht zu kurz kommt! Wirklich ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Die andere Tochter - Dinah Marte Golch“ zu „Dinah Marte Golch - Die andere Tochter“ geändert.
  • Überraschender Pageturner!


    „Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch hat mich echt überrascht. Erwartet habe ich einen Beziehungsroman über Mütter und Töchter, geliefert bekommen habe ich einen echten Thriller und Pageturner! Schon nach den ersten Kapiteln konnte ich das Buch nicht mehr weglegen.


    Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und beide drehen sich um Antonia „Toni“ Petzold. Obwohl zwischen den beiden Zeitpunkten nur ein paar Monate liegen (April 2019 zu Oktober 2019) ist sofort klar, dass die ersten Sätze „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere“, die ganze Ladung des Buches tragen. In den wenigen Monaten hat sich Toni unwiederrufbar gewandelt – das wird alleine durch die klare Abgrenzung der beiden Zeitebenen im Stil deutlich (Ich-Form vs. Dritte Person). Doch warum? Und wie?


    Toni hat im Frühjahr 2019 einen Arbeitsunfall und verliert ihr Augenlicht. Nur durch eine Hornhautspende kann sie wieder sehen. Kurz darauf lernt sie die Mutter der Spenderin, Clara Mertens kennen, die sie sofort für sich vereinnahmt. Doch schnell wird klar, dass in der Famile Mertens nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Und auch Tonis eigene Vergangenheit scheint Geheimnisse zu bergen.


    Die Geschichte nimmt sofort Tempo auf, wird zu einem echten Thriller. Dabei behandelt das Buch unglaublich viele Themen: Seelenwanderung, Mutter-Tochter-Beziehungen, Familiengeheimnisse, Schatten des zweiten Weltkrieges, Psychosen, Schuld, Alkoholismus...

    Trotzdem ist die Geschichte nicht überladen, sondern einfach spannend. Kapitel für Kapitel nähert sich die Vergangenheitsebene der akutellen Situation an – und Schicht für Schicht klärt sich, in welchen Strudel an Ereignissen Toni unbedarft gefallen ist.


    Für mich ein (ganz unerwartetes) Lesehighlight 2021!

  • Thriller!


    „Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch ist ganz einfach als Roman gekennzeichnet. Das ist meines Erachtens tief gestapelt. Die Geschichte hat mich schon nach wenigen Seiten gefesselt. Für mich ist das kein einfacher Roman, sondern ein Thriller, von dem ich mich kaum lösen konnte.


    Wir begleiten das ganze Buch hindurch die Hauptheldin Antonia. Es spielt in zwei Zeitebenen: in der Gegenwart im Oktober 2019, kurz nachdem Antonias Mutter Brigitte umgebracht wurde, und in der Rückblende in eine jüngere Vergangenheit ab April 2019. Die beginnt damit, dass Antonia durch einen Arbeitsunfall ihr Augenlicht verliert, dieses durch eine Hornhauttransplantation zurückerlangt und dann auf unerklärliche Weise mit der Familie der Organspenderin und deren Umfeld konfrontiert wird. Irgendwie scheint es dabei auch eine mystische Komponente zu geben. Außerdem stimmt mit der Familie Mertens, die zu ihrer Organspenderin gehört, etwas nicht.


    Nach und nach werfen sich völlig andere Fragen nach Antonias Vergangenheit auf, vor allem nach ihrer Kindheit. Wir erfahren schnell, dass ihre Kindheit alles andere als normal verlaufen ist. Ab ihrem fünften Lebensjahr wuchs sie bei der Oma auf und kam dann im Alter von zwölf Jahren doch wieder zu ihren Eltern zurück. Das sind Familienverhältnisse, die Antonia selbst nicht so richtig versteht und der sie im Laufe der Handlung auf die Spur kommen wird.


    Die Vergangenheitsebene bewegt sich auf die Gegenwartsebene zu und holt diese schließlich ein. Außerdem bekommt die Erinnerung an die weiter zurückliegende Vergangenheit in Antonias Kindheit im Laufe des Buches immer mehr Raum und Bedeutung. Das ist alles sehr gelungen konstruiert.


    Besonders aufgefallen ist mir dabei, dass in der aktuellen Zeitebene Antonia, oder kurz Toni, in der Ich-Form zum Leser spricht, während die Szenen der Vergangenheit in der dritten Person geschrieben sind – eine nette Würze.


    Ich habe beim Lesen des Buches direkt einen äußerst spannenden Film ablaufen sehen. So wundert es mich nicht, als ich über die Autorin las, dass sie auch eine erfolgreiche Drehbuchautorin ist. Ich kann mir vorstellen, dass ihr Roman eine sehr gute Vorlage für ein Drehbuch bilden könnte.


    Am Ende wird alles zufriedenstellend aufgelöst. Dabei gibt es etliche Überraschungen. Ich bin total begeistert von diesem Buch, aber auch ein wenig traurig, dass ich es schon ausgelesen habe.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Bedrängnis und Lügen


    Das Buch ist als Roman kategorisiert worden. Das ist meiner Meinung nach irreführend. Ich würde es in den Bereich Thriller einordnen- ggf. sogar als Mystery- Thriller.


    Erzählt werden die Erlebnisse von Antonia Petzold (Toni). Dieses erfolgt auf 2 Zeitachsen. Einmal Oktober 2019 (jetzt) und einmal die Zeit ab Mai 2019. Diese zweite Zeitachse läuft auf den Oktober zu und schließlich wird das Ende des Buches einheitlich erzählt. Der Schreibstil lässt sich angenehm lesen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.


    Toni verliert durch einen beruflichen Unfall ihr Augenlicht und erhält es durch eine Gewebespende einer Toten zurück. Die Gewebespende erfolgt- wie in Deutschland vorgeschrieben- anonym. Sie schreibt einen Dankesbrief an die Familie der Spenderin über die Gewebebank und erhält von deren Mutter überraschend Antwort. Sie möchte die Familie kennenlernen und mehr über die Spenderin erfahren. Deren Familienangehörigen verhalten sich seltsam, teilweise sogar feindselig ihr gegenüber. Sie gerät in einen Strudel von Anziehung, Ablehnung und Halbwahrheiten. Der Tod der Spenderin scheint auch eher ungeklärt zu sein. Gleichzeitig steht Toni auch im Oktober 2019 vor massiven Problemen, da ihre Mutter nach einem Angriff im Krankenhaus ist, ihr Vater ist nicht ansprechbar, sie wohnt bei einer Freundin und die Wohnung ihrer Eltern ist ein Tatort und darf dementsprechend nicht betreten werden. Die Verletzungen der Mutter sind so schwer, dass Toni eine Patientenverfügung suche muss. Zudem scheint auch in Tonis Kindheit ein großes Problem zu schlummern. Seit ihrer Zeit bei der Familie der Spenderin hat sie immer öfter das Gefühl fremdgesteuert zu werden und außerkörperliche Erfahrungen. Sie fragt sich, ob der Geist der Spenderin auf sie übergeht.


    Ich habe nach der Leseprobe andere Erwartungen an das Buch gehabt und war von den tatsächlichen Themengebieten (und deren beträchtlichen Umfang) überrascht. Ich habe mich dann auf den Roman völlig eingelassen und mit großer Anspannung immer weitergelesen. Wer jedoch die Vorstellung Tote zu spüren und das Thema der Seelenwanderung völlig abtut, wird vermutlich eher keine Freude an dem Buch haben.


    Das Buch wirkt auf mich wegen der Fülle an Thematiken: Beutekunst, Organspende, Mord, Kindesvernachlässigung, Alkoholismus, Untreue, Bindungsängste, spirituelle Exkursionen usw. etwas überfrachtet. Auch das Ende ist teilweise offen und teilweise ohne Erklärung überraschend positiv. In der Summe ist die Geschichte für mich somit nicht ganz rund, aber lesenswert.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Mit den Augen der Anderen


    Die andere Tochter, Roman von Dinah Marte Golch, 448 Seiten erschienen im List-Verlag.


    Ein Roman über Mütter und ihre Töchter, über Organtransplantation, über Schuld, Familienkonflikte und psychische Probleme.


    Antonia ist von Beruf Entrümplerin, sie löst Haushalte von verstorbenen Personen auf. Eines Tages erleidet sie bei der Arbeit einen Unfall und verliert ihr Augenlicht. Durch eine Cornea-Transplantation kann sie wieder sehen, doch plötzlich fühlt sie sich mit der Spenderin in seltsamer Weise verbunden. Sie nimmt Kontakt zur Mutter der Spenderin auf, dadurch gerät sie sich in gefährliche Verwicklungen und kommt einer lange vertuschten Untat auf die Spur. Doch auch in ihrer eigenen Familie gibt es unglaubliche Geheimnisse.
    Das Buch besteht aus 94 Kapiteln die mit Monats- und Jahresangaben versehen sind. Es teilt sich in zwei verschiedene Erzählstränge die in verschiedenen Zeitebenen spielen, zum einen der Hauptstrang in auktorialer Erzählweise, dazwischen immer wieder die aktuellen Geschehnisse, in Ich-Form aus der Sicht der Protagonistin. Der Leser ist dadurch in der Lage die Vorkommnisse von allen Seiten zu überblicken. Gerade die Kapitel aus Antonias Sicht, sind informativ und greifen dem Erzählstrang vor. Der Roman ist dicht und doch flüssig erzählt, immer wieder bin ich ganz tief in Tonis Leben und ihre Gefühle hineingezogen worden, die Thematik Organspende und die Gefühle der Empfängerin sind gut geschildert und haben mich tief berührt, haben mir eiskalte Schauer den Rücken hinunterlaufen lassen. Die Spannung, die sich durch die nimmermüden Nachforschungen von Toni ergab, hat mich des Öfteren alles ringsherum vergessen lassen. Schon nach dem ersten Drittel habe ich gedacht, ich weiß was passieren wird. Doch nach einigen ungeahnten Wendungen, war der Schluss jedoch ganz anders als vermutet.
    Mich hat das Buch super unterhalten und tief berührt, manchmal war es einfach zu viel des Geschehens und ich musste das Buch zur Seite legen und über das Gelesene nachdenken. Thrillerelemente und die psychologischen Verwicklungen waren mir manchmal unheimlich, besonders die Flashbacks wenn Toni in einen Spiegel sah oder das Gefühl der Berührungen. Zum Ende überstürzen sich die Ereignisse und die letzten 100 Seiten habe ich in einem Durchgang gelesen, an diesem Punkt haben mich die Fakten fast erschlagen. Nicht immer handeln die Akteure nachvollziehbar, ihre kriminelle Energie ist erschütternd und machten mich wütend. Lange habe ich um eine Auflösung gerätselt und das Ende habe ich so nicht ahnen können. Wie leichtsinnig Toni ihre transplantierten Hornhäute aufs Spiel gesetzt hat, hat sie mir nicht gerade sympathisch gemacht, eine direkte Lieblingsfigur hatte ich nicht, am wenigsten konnte ich tatsächlich Evelyn, die Schwester von Zsazsa leiden. Briefe, Zitate und Bilderdaten sind kursiv gekennzeichnet und deutlich gemacht.
    Die Informationen am Ende zu den verschwundenen Bildern, der Raubkunst der Nazis und die psychologische Ebene zur Organspende waren informativ und haben mir sehr geholfen.
    Eine absolute Leseempfehlung an alle Leser und von mir 5 Sterne. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Kurzbeschreibung


    Ein Roman über Mütter und Töchter

    Bei einem Unfall hat Antonia fast das Augenlicht verloren und danach eine einsame Entscheidung getroffen: Sie möchte die Mutter der toten Spenderin der Transplantate kennenlernen, mit denen sie wieder sehen kann. Sie hofft, so viel wie möglich über diese Frau zu erfahren, eine Malerin, jung, beliebt, schön. Und sie fragt sich, ob die Tote versucht, ihr etwas mitzuteilen. Denn seit der OP verfolgten Antonia Flashbacks. Als sie schließlich erkennt, dass sie manipuliert wird, schwebt ihre eigene Mutter bereits in Lebensgefahr. Und nur wenn Antonia sich dem Geheimnis ihrer eigenen Familie stellt, hat sie eine Chance, dem perfiden Spiel der anderen zu entkommen.



    Autorin


    Dinah Marte Golch wurde 1974 in München geboren. Sie begann 1999, nach einer Karriere als Werbetexterin, für das Fernsehen zu schreiben und wurde 2011 für ihr Drehbuch „Tatort: Nie wieder frei sein“ mit dem Adolf-Grimme-Peis und dem Deutschen Fernseh-Krimi-Preis ausgezeichnet. Der Film stand viereinhalb Jahre auf Platz 1 der Besten-Liste der inzwischen über eintausend „Tatort“-Filme.

    Ihr erster Roman „Wo die Angst ist“ bekam den Stuttgarter Krimi-Preis für das beste Debüt. 2018 erschien ihr zweiter Roman „Die fehlende Stunde“.

    2018 schrieb sie für die deutsche Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ und im Herbst 2021 wird die Mini-Serie „Gefesselt“ für Amazon gedreht, die sie mitschrieb und entwickelte.

    Inzwischen wurden mehr als sechzig ihrer Drehbücher für „Tatort“, „Der Usedom-Krimi“ und für humoristische Serien wie „Edel & Stark“, „Der Bulle von Tölz“ und „Berlin, Berlin“ verfilmt. Von 2004-2007 schrieb sie ihre eigene Krimi-Reihe „Stadt, Land, Mord!“ und betreute die Spielfilme auch als Producern.

    Ab 2011 unterrichtete sie mehrere Jahre regelmäßig als Gastdozentin an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Sechs Jahre war sie Vorstandsmitglied im Verband der Deutschen Drehbuchautoren. Dinah Marte Golch hat eine Ausbildung zur Trainerin in „Gewaltfreier Kommunikation“ und lebt in Berlin.



    Meine Meinung


    Ein wahres Puzzle


    beinhaltet dieser Psychothriller, daher finde ich das Cover überaus gelungen und passend.


    Die Handlung ist in zwei Zeitspannen gegliedert – zum einen Oktober 2019 und zum anderen April 2019.


    Antonia Petzold, genannt Toni, passiert in ihrem Beruf als Entrümplerin ein folgenschwerer Unfall mit einer ausgelaufenen Putzflüssigkeit – sie erblindet. Wie das Schicksal es will, wird eine Spenderin gefunden und sie erhält durch eine Cornea-Implantation ihr Augenlicht zurück. Sie schreibt einen Brief an die Datenbank, den diese anonymisiert an die Spenderfamilie weiterreicht. Seltsamerweise nimmt die Mutter der Toten nach dem Erhalt des Briefes Kontakt mit ihr auf und lädt sie ein und hier nimmt die Story so richtig an Fahrt auf. Allerdings stellt sich beim Lesen gleich die Frage: Woher wußte Clara Mertens wer die Absenderin bzw. Spenderempfängerin war, wenn der Brief anonymisiert war? Was Toni im Haus der Familie Mertens über die Tote, deren Leben, Charakter etc. erfährt ist immens. Susanne scheint eine sehr vielschichtige und facettenreiche Persönlichkeit gewesen zu sein. Aber Toni quälen immer wieder Flashbacks, glaubt sie wirklich an Seelenwanderung oder was steckt dahinter?


    Im zweiten Strang erfährt man, daß Tonis Mutter anscheinend von ihrem Vater ermordet wurde und Toni die Patientenverfügung sucht, um den Wunsch der Mutter bezüglich einer Organspende respektieren zu können. Toni verbindet eine innige Liebe zu ihrem Vater und sie kann sich nicht vorstellen, daß er zu einer solchen Tat fähig war. Außerdem ist sie vollkommen überrascht, als sie von den früheren Eheproblemen ihrer Eltern erfährt.



    Ich hatte bereits ein Buch der Autorin gelesen, das mir sehr gut gefiel. Daß sie schreiben kann, davon kann man bei ihrer Vita ausgehen und bei diesem Buch könnte ich mir eine Verfilmung gut vorstellen. Sie schreibt absolut spannend und packend. Ich mag komplexe Thriller, die nicht gleich durchschaubar sind. Die Protagonistin Toni mit ihrem Gefühlen der Erblindung, der Transplantation, die daraus resultierenden psychischen Belastungen und dann das Kennenlernen der Spenderfamilie wurde sehr genau und eindringlich erzählt, man erlebte dies gemeinsam mit ihr. Auch der Ehrgeiz von Toni, Klarheit zu erlangen über die Familie Mertens, aber auch die Gründe ihrer Flashbacks und das Schicksal ihrer eigenen Familie zu ergründen waren realistisch beschrieben. Erst am Ende konnte man verstehen, weshalb Toni nicht bei ihren Eltern, sondern viele Jahre bei der Großmutter gelebt hat. Die Figur von Clara Mertens und ihre Anhänglichkeit an die „neue“ Tochter fand ich nachvollziehbar, aber auch die Eifersucht von Susannes Schwester war verständlich. Die Autorin hat Organspende und die Folgen zu einem Thema des Buches gemacht und mir hat dieser Part sehr gut gefallen. Dieser Thriller ist sehr emotional und es wird Puzzleteil für Puzzleteil zusammengesetzt, am Ende wird der Leser nochmals überrascht. Es spielen auch noch etliche andere Faktoren mit in die Geschichte, wodurch es mir etwas zu überfrachtet wurde.


    Fazit: Ein fesselnder Pageturner, in den die Autorin für mich etwas zuviel hineingepackt hat.

  • Traumabewältigung - Das andere Ich


    Antonia, genannt Toni, entrümpelt beruflich die Wohnungen Verstorbener. Nach einem unglücklichen Unfall verliert Sie ihr Augenlicht und erhält durch eine Corneaspende ihre Sehfähigkeit zurück. Da Transplantationen in Deutschland anonym verlaufen und es Toni besonders wichtig ist sich zu bedanken, schreibt sie einen Brief an die Spenderfamilie, der über die Cornea-Datenbank weitergeleitet wird. Kurze Zeit später nimmt die Mutter der Spenderin zu ihr Kontakt auf und lädt sie nach Frankfurt ein. Auf Anhieb verstehen sich Clara und Antonia und ihr Umgang ist sehr herzlich, fast schon freundschaftlich. Nachdem sie mehr über die junge Spenderin Zsazsa erfährt, meint sie, in den immer wieder seit der Operation auftretenden Visionen, Gefühle und Botschaften von Zsazsa zu erkennen und zweifelt an ihrer eigenen Identität. Je tiefer sie ins Umfeld der Familie Mertens hineingezogen wird, desto mehr Geheimnissen ist sie auf der Spur, auch in ihrer eigenen Familie, die weit in die Vergangenheit reichen.



    Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen zwischen April 2019 und Oktober 2019. Abwechselnd bewegen sich diese beiden Zeitebenen im Laufe des Buches aufeinander zu.



    Das erste Drittel des Buches fand ich ein bisschen zäh, doch dann haben die Handlungen Fahrt aufgenommen und aus dem vermeintlichen Roman ist ein Krimi geworden. Der Spannungsbogen konnte bis zum Ende gehalten werden. Zwischenzeitlich wirkte die Protagonisten auf mich oft verloren und ihre Handlungen waren immer wieder irrational.



    Das Cover finde ich super auf den Inhalt abgestimmt, denn die Protagonistin muss Puzzleteil für Puzzleteil zusammensetzen, um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Auch die Farbgebung ist sehr passend und es gefällt mir sehr gut. In diesem Buch wurden spannende Themen, wie Organspende, Patientenverfügung, Provenienzforschung und Traumata angesprochen.



    Ich habe vorher noch kein Buch von Dinah Marte Golch gelesen und kann dieses nur empfehlen!

  • Die andere Tochter ist deutlich spannender als es das Cover vermuten lässt. Obwohl das Buch mit etwas über 400 Seiten gar nicht so dick ist, passiert in der Geschichte unglaublich viel, sodass man als Leser ordentlich mithalten muss. Es wird in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen erzählt, die irgendwann im später ansetzenden Strang zusammenlaufen.

    Der Hauptcharakter ist Toni, die nach einem Unfall ihr Augenlicht verliert und auf eine Gewebespende angewiesen ist. Tonis Familienverhältnisse sind recht schwierig, deshalb zieht sie die Familie ihrer toten Spenderin quasi magisch an. Das führt allerdings für alle Beteiligten zu großen Schwierigkeiten.

    Der Schreibstil lässt sich recht angenehm lesen und wirkt größtenteils authentisch. Das Buch enthält sehr viele Nebencharaktere, die man mal mehr mal weniger gut kennen lernt. Die meisten Charaktere sind aus verschiedensten Gründen ziemlich unsympathisch. Auch Toni ist nicht gerade ein leuchtender Charakter, sie hat ziemlich viele, teils sehr schwere Charakterfehler. Dennoch fiebert man mit ihr auf ihrer Reise zu sich selbst mit.

    Viele spannende Wendungen machen das Buch zu einem Pageturner, der – abgesehen von ein paar recht anstrengenden Hokus-Pokus-Passagen über Schamanismus und co. – durchaus sehr empfehlenswert ist.

  • Spannende Traumabewältigung in mehr als einer Hinsicht


    Antonia, genannt Toni, verliert durch einen Arbeitsunfall fast ihr Augenlicht und kann dank einer Hornhauttransplantation wieder sehen. Ihr Dankesbrief an die Familie der Spenderin wird versehentlich nicht anonymisiert und so kommt es zum persönlichen Treffen. Toni hat eigentlich genug eigene Probleme psychischer und sozialer Art und sieht sich allmählich auch mit denen der Spenderfamilie konfrontiert.

    Eine Spirale immer neuer Wendungen, Überraschungen und Entdeckungen entwickelt einen starken Sog, der mich als Leser nicht mehr losgelassen hat, nachdem einige Längen im Mittelteil des Buchs überwunden waren.

    Das Cover passt perfekt: Toni deckt ein Puzzleteil nach dem anderen auf und nicht nur die Geheimnisse der Spenderfamilie treten zu Tage, sondern auch die ihrer eigenen Familie.


    Geschickt gestaltet, gibt es zwei sich abwechselnde Zeitebenen, die nur sechs Monate auseinander liegen und sich am Schluss vereinen. Die Ereignisse in der Vergangenheit werden von einem personalen Erzähler aus Tonis Perspektive geschildert, während in der Gegenwart Toni die Ich-Erzählerin ist und schon der Auftakt „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere.“ erzeugt große Spannung und nimmt den Leser von Beginn an gefangen.

    Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sehr angenehm zu lesen. Dinah Marte Golch ist eine erfolgreiche und preisgekrönte Drehbuchautorin, die ihr Können auch in diesem Roman unter Beweis stellt.

    Das Buch behandelt eine Vielzahl von Themen, die alle plausibel zur Erzählung beitragen und mir gut recherchiert erscheinen. Als besonders hilfreich und glaubwürdig empfand ich die Ausführungen von Tonis Therapeuten und auch das Nachwort der Autorin.


    Eine Identifikationsfigur gibt es für mich im Roman nicht, aber alle Protagonisten sind authentisch und glaubhaft beschrieben, vor allem Tonis schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, ihren Gefühlen und den Träumen ist völlig nachvollziehbar und hat mich sehr berührt.


    Ich kann das Buch allen Lesern empfehlen, die sich für Familiengeschichten und -geheimnisse interessieren, für Traumabewältigung und mögliche psychische Folgen von Organtransplantationen.


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  • Ein Thriller mit Tiefgang!


    Antonia verliert bei einem Unfall ihr Augenlicht. Mit Hilfe einer gespendeten Cornea kann sie wieder sehen, doch sie möchte Kontakt zur Familie des Spenders aufnehmen.


    Die Geschichte beginnt sehr dramatisch und behält die ganze Zeit über eine gewisse Spannung. Ich hatte immer ein unheimliches Gefühl. Zum Ende hin nahm die Story dann allerding rasant an Fahrt auf und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das Ende und die Aufklärung um die Spenderfamilie haben mich schließlich völlig überrascht.


    Antonia ist eine sehr zerrissene Person. Ihr scheint nichts zu gelingen, sie bleibt anderen Menschen gegenüber auf Abstand, ihre Beziehung ist nicht optimal. Das macht sie sehr menschlich und nahbar. Sie hat mir immer wieder leid getan in ihrer Bemühung um Zuneigung.


    Die Sprache ist sehr klar und flüssig. Das Buch hat sich leicht gelesen. Mir hat es sehr gut gefallen, da es spannend war, aber nicht blutig und brutal.


    Fazit: es ist kein Thriller wie alle anderen, sondern eher subtil, trotzdem durchweg spannend. Absolute Leseempfehlung!

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    2021 gelesen: 50 Bücher / 21331 Seiten


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