Kazuo Ishiguro - Der begrabene Riese (ab 05.09.2021)

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  • Grundthema vieler Mythen, Sagen und Märchen ist doch

    oft auch eine weite, gefahrvolle Reise an deren Ende eine Lösung/Erlösung steht.

    Stimmt, Du hast Recht, dieses Muster passt hier auch!

    Allerdings sind es in den Märchen oft junge Menschen, die sich auf die Reise begeben - heute würde man das wohl als Coming-of-Age bezeichnen, immer verbunden mit Bewährungsproben.


    Merkwürdig, dass es hier ein altes taperiges Paar ist, das sich auf eine gefährliche Reise begibt.

    Nun bin ich gespannt, ob und welche Bewährungsproben sich der Autor einfallen lässt.


    Ob die Begegnung mit Charon und dem Tod schon die erste ist?

    :study: Kazuo Ishiguro, Der begrabene Riese. MLR.

    :study: Stephan Thome, Pflaumenregen.

  • Ob die Begegnung mit Charon und dem Tod schon die erste ist?

    Das könnte gut sein. Ich denke, dass die Begegnung mit dem Fährmann, die ja bei

    Beatrix großen Eindruck hinterlassen hat, vielleicht noch einmal eine Rolle spielen

    könnte.

    Mir ist noch etwas zu dem Kosenamen >princess< eingefallen. Wir und auch das alte Paar wissen ja nicht viel über deren Jugend, deren Vergangenheit. Vielleicht steckt ja mehr

    dahinter als nur ein Kosename. In Kapitel 3 gibt es eine Szene in der der Nebel des

    Vergessens sich für kurze Zeit lichtet. Die beiden erleben Fragmente ihrer Vergangenheit

    wieder ans Licht kommen. Es bleibt auf jeden Fall spannend..............

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


    :study:Benita Eisler - Byron

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    :study: Gerhard Herm - Die Kelten

  • Kapitel 3

    Abschnitt 1 - bis "Now forgive me, friends, I must take some rest while I can."


    Zur falschen Zeit am falschen Ort. So könnte man das Eintreffen von Axl und Beatrice

    im sächsischen Dorf wohl bezeichnen. Der Autor beschreibt die Atmosphäre im Dorf

    sehr eindringlich. Geheimnisvoll, aber auch nervös und bedrohlich ist die Stimmung

    und das Verhalten der Dorfbewohner. Geholfen wird den beiden dann von der Heilerin

    und Ivor einem Briten mit einigem Einfluss im Dorf.

    Später erfahren sie, dass das alles durch eine Angriff einiger seltsamer Kreaturen auf ein

    paar Dorfbewohner ausgelöst wurde, die nun mit Hilfe eines Sachsenkriegers losziehen

    um die Kreaturen zu töten.

    Aber auch hier wird klar, dass der Nebel auch in diesem Dorf die Erinnerungen beeinflusst.

    Seltsam fand ich folgende Aussage von Axl über den weiteren Weg zum Dorf des Sohnes:

    Zitat

    "We`ll set off east tomorrow, sir, to our son`s village, where he anxiously awaits us"

    Ob der Sohn tatsächlich in diesem Dorf lebt, können sie eigentlich nicht wissen und das

    er sie besorgt erwartet, ist auch nur eine Annahme. Wieso sind sie sich so sicher?


    Die beiden entscheiden sich für den beschwerlichen Weg über den Berg, denn dort lebt

    ein Mönch, den Beatrix unbedingt sprechen will, weil die Heilerin es empfohlen hat.

    Sind die gesundheitlichen Probleme von Beatrix doch größer als sie sie vor Axl zugibt?

    Warum will sie sonst unbedingt dorthin?

    Dann noch die Geschichte vom Drachen Querig, der zwar nicht aktiv ist, aber allein

    durch seine Anwesenheit schlimme Dinge über das Land bringen kann. Ein Grund für

    den Nebel? Auch der alte Ritter, der noch von König Arthur beauftragt wurde Querig

    zu töten, erledigt seine Aufgabe nicht. Er befindet sich wohl auch irgendwo auf dem

    Weg zum Berg.

    Dieses Kapitel wirft schon im ersten Abschnitt viele Fragen auf.


    Am Ende dann noch Ivors Geschichte über einen Fremden, der folgende Theorie zum

    Erscheinen des Nebels hat.


    Zitat

    The stranger thought it might be God himself had forgotten much from our

    pasts, events far distant, events the same day. And if a thing is not in God`s

    mind, then what chance of it remaining in those of mortal men?

    Eine wirkliche Erklärung ist das nun auch nicht. Heißt ja nur, dass man in den neuen

    Gott vertrauen sollte, dass er sich wieder erinnert um die Menschen so vom Nebel

    zu befreien.

    Hier macht sich wohl auch nur Beatrix Gedanken über diese seltsame Aussage. Axl

    scheint da eher unberührt.

    Man darf gespannt sein, was die beiden auf ihrem Weg zum Berg erwartet.

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Kapitel 3


    Ich habe das Kapitel begonnen zu lesen. Möchte aber nochmals etwas zu dem diskutierten „vergessen“ das „erinnern“ erwähnen. Denn dies wird uns sicher die ganze Zeit beschäftigen. Mit dem Wort vergessen sind sehr viele Assoziationen möglich, welche auf mehrere Arten interpretiert werden können, wie wir schon lesen durften.

    Zitat

    Der Gedanke, der Axl dabei sofort in den Sinn kam, war, dass er sein Haar deshalb zusammengebunden hatte, damit es ihm im Kampf nicht in die Augen fiel. Dieser Gedanke war Axl ganz selbstverständlich gekommen; erst hinterher erschrak er ein wenig, denn es war, als wäre ein Moment des Wiedererkennens damit verbunden. Mehr noch – als der Mann mit großen Schritten auf die Menge zutrat und seine Hand sich dabei zum Schwertgriff senkte, empfand Axl diese ganz besondere, mit dieser Geste untrennbar verbundene Mischung aus Ruhe, Erregung und Furcht: Das Gefühl war so deutlich, als läge seine Hand auf diesem Schwert. Mit dem Vorsatz, sich irgendwann später mit ihr zu befassen, verbannte er diese sonderbare Empfindung vorläufig aus seinem Sinn und konzentrierte sich auf die Szene, die sich vor ihm abspielte.

    Hier spürt man dass Axl - eine aufflammende Erinnerung „verbannt“ - er ist noch nicht bereit sich damit zu befassen.

    Das Dilemma der Menschheit ist, dass die Idioten so selbstsicher und die Intelligenten so voller Selbstzweifel sind.

    Oscar Wilde


  • Hier spürt man dass Axl - eine aufflammende Erinnerung „verbannt“ - er ist noch nicht bereit sich damit zu befassen.

    Ja, das wird immer auffälliger. Beatrix macht sich viele Gedanken über das Vergessen und

    einen Weg sich wieder zu erinnern. Axl hingegen schiebt das noch von sich. Er beschäftigt

    sich mit den aktuellen Gefahren die auf dem Weg lauern könnten. Alles andere hält er

    für unpraktisch und wenig förderlich.

    So gesehen ergänzen sich die beiden aber recht gut, auch wenn ich Beatrix Unverständnis

    bezüglich Axls Verhalten verstehen kann.

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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    :study: Kazuo Ishiguro - The Buried Giant

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  • Kapitel 3


    Puh, also grundsätzlich muss ich zugeben, dass es mir schwer fällt, einen Zugang zum Roman zu finden - vielleicht, weil ich keinerlei Ahnung habe, wo das Ganze hin will und was es sein will. Historischer Roman? Fantasyroman? (Nicht, dass eine genaue Einordnung unbedingt notwendig wäre, aber aktuell fügen sich für mich die einzelnen Versatzstücke nicht recht zusammen.) Wäre es kein Ishiguro, würde ich mir tatsächlich überlegen, ob ich überhaupt weiterlesen soll.


    Was für mich klar geworden ist: Auch in dem sächsischen Dorf greift das "Vergessen" um sich, die Theorie, es habe etwas damit zu tun, dass auch Gott bestimmte Dinge vergessen habe, scheint mir doch sehr löchrig. Ich bin nicht wirklich religiös, aber es wäre ja doch recht seltsam (und fatal), wenn ein allmächtiger Gott auf einmal vergessen würde.


    Neben dem Vergessen gibt es noch ein weiteres, realeres Problem: die Menschenfresser. Wobei mir auch hier noch nicht klar ist, um wen oder was es sich handelt. Zunächst wäre ich eher von einem menschlichen Feind ausgegangen, aber nach der Erwähnung des Drachen könnte es sich ja um alles handeln.


    Zwei Dinge, die mir sonst noch aufgefallen sind:


    1. Beatrice Gesundheitszustand scheint mir viel ernster zu sein, als sie zugibt. Wozu würde sie sonst den beschwerlichen Weg zu dem Mönch überhaupt in Erwägung ziehen, wenn es nur ein Alterszipperlein wäre. Axl scheint da allerdings keinen Widerspruch zu sehen - oder er möchte einfach die Augen verschließen. (Überhaupt finde ich ihn manchmal schrecklich passiv.)


    2. Es scheint ein gewisses Erkennen zwischen Wistan und Axl zu geben, doch keiner von beiden kann den anderen zuordnen - vielleicht der verlorene Sohn?

    :study: Kazuo Ishiguro / Der begrabene Riese (MLR)

    :study: Victoria Lee / A Lesson in Vengeance





  • 2. Es scheint ein gewisses Erkennen zwischen Wistan und Axl zu geben, doch keiner von beiden kann den anderen zuordnen - vielleicht der verlorene Sohn?

    Das ist ein guter Gedanke. Auf jeden Fall verstehen die beiden sich sehr gut und

    man bemerkt wirklich eine gewisse emotionale Verbindung. Das dieses "Erkennen"

    nicht an die Oberfläche gelangt, könnte man ja auch dem Nebel zuschreiben, der bei

    Axl noch deutlicher vorhanden ist als bei seiner Frau.

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Zu Kapitel 3

    Hier spürt man dass Axl - eine aufflammende Erinnerung „verbannt“ - er ist noch nicht bereit sich damit zu befassen.

    - und damit wären wir wieder beim Tabuisieren.

    es habe etwas damit zu tun, dass auch Gott bestimmte Dinge vergessen habe, scheint mir doch sehr löchrig. Ich bin nicht wirklich religiös, aber es wäre ja doch recht seltsam (und fatal), wenn ein allmächtiger Gott auf einmal vergessen würde.

    Ich fand es interessant, wie dem Vergessen hier eine andere Bedeutung zugewiesen wird. Das Vergessen ist keine Strafe Gottes, sondern eine Folge davon, dass Gott etwas vergessen will - eine Untat seiner Geschöpfe, für die er sich so schämt, dass er sie vergessen und sich nicht mehr daran erinnern will.

    Das ist ein anderes Gottesbild als das des Christentums. Ich finde es auch seltsam.


    Ich habe mich spontan an den Zustand des sog. zwîvel im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach erinnert: das ist der Zustand der Abwesenheit von Gott. Das scheint mir hier aber anders zu sein - oder?


    Beatrice Gesundheitszustand scheint mir viel ernster zu sein, als sie zugibt.

    Den Eindruck habe ich auch. Sie spielt es herunter, und Axl glaubt es ihr gerne.


    Wenn wir wieder an das Märchenmuster denken, taliesin, wir hatten schon mal kurz das Gespräch darüber, dann ist es hier ja nicht so, dass ein junger Mensch sich bewährt, um ins Leben zu gehen, sondern es sind zwei Alte.

    Ist das Ganze vielleicht die Reise in den Tod? Und tritt deswegen der schaurige Fährmann schon zu Beginn der Reise auf? Auch hier im 3. Kapitel wird er erwähnt.

    eine gewisse emotionale Verbindung.

    Es scheint ein gewisses Erkennen zwischen Wistan und Axl zu geben, doch keiner von beiden kann den anderen zuordnen - vielleicht der verlorene Sohn?

    Besteht die Verbindung nicht einfach darin, dass Wistan, ein Sachse, ein "Heide", bei den christianisierten Britanniern aufgewachsen ist und ihnen sehr viel verdankt? Ist er damit so eine Art Wanderer zwischen zwei verfeindeten Welten?

    Im Jungen Edwin würde sich das Schicksal Wistans wiederholen: Wistan will Edwin nicht, wie das Dorf es will, in einem sächsischen Dorf unterbringen, sondern bei den Britanniern, in einem "christlichen Dorf" (s. 108). Edwin würde damit zu jüngeren Ausgabe Wistans.

    Ich habe mich bei dieser Stelle gefragt, wieso Wistan bei den Britanniern aufwuchs? Was war da los? Ist er eine Kriegswaise?


    Das Verhalten der Dorfbewohner ist mir noch aufgefallen.

    Sie reagieren aggressiv auf Fremde, und unser altes Paar fürchtet um sein Leben. Der alte Ivor bezeichnet sie als "kopflos vor Angst" (S. 83), mit Vernunft kommt man ihnen nicht mehr bei, sie rotten sich zu Haufen zusammen und halten sich nicht an Gebote (hier: Wache zu schieben).

    Das kennt man ja...

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    :study: Stephan Thome, Pflaumenregen.

  • Ist er damit so eine Art Wanderer zwischen zwei verfeindeten Welten?

    So kann man das sicher auch sehen. Der Wanderer zwischen den verfeindeten Stämmen.

    Ist er aber auch jemand der nicht nur zwischen Stämmen vermittelt, sondern auch zwischen

    den verschiedenen Religionen? Der alten Naturreligion mit ihren Göttern, Geistern und

    Dämonen (für die auch der Drache steht) und dem neuen christlichen Gott, der diese alte

    Religion auslöschen will. (töten des Drachens).

    Auf den Drachen komme ich zu sprechen, weil er ein wichtiger Teil der Sage um Artus ist.

    Merlin erweckt, um seine Zauberkunst zu stärken, den Drachen, der die Kraft der Erde in

    sich trägt und so nicht nur Teil, sondern Mittelpunkt der alten Naturreligion ist.

    Stirbt der Drache, vergeht die Religion und ist nur noch dem Vergessen überlassen.


    Ist das Ganze vielleicht die Reise in den Tod? Und tritt deswegen der schaurige Fährmann schon zu Beginn der Reise auf?

    Vielleicht ist es ihre letzte Aufgabe. Den Sohn zu finden, dadurch den Nebel des

    Vergessens zu lichten, sich selbst und ihre Vergangenheit zu erkennen und dann zum

    Fährmann ans Ufer des Flusses zu gehen um ihm die richtigen Antworten zu geben.

    Im Tod auf dem anderen Ufer nicht einsam, sondern zu zweit diese andere Welt

    erkunden zu dürfen.

    (ich spekuliere hier wild herum, aber mir gefällt der Gedanke).

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • den Drachen, der die Kraft der Erde in

    sich trägt und so nicht nur Teil, sondern Mittelpunkt der alten Naturreligion ist.

    Stirbt der Drache, vergeht die Religion und ist nur noch dem Vergessen überlassen.

    Interessant. Das deckt sich mit der Ikonografie, was die christliche Gottesmutter Maria angeht (eine "Sonderform" der Mondgöttin), die dem Drachen den Kopf zertritt.


    Aber verstehe ich das jetzt richtig: der Drache ist also das Symbol einer vorchristlichen Naturreligion? Ein Symbol, das gefürchtet und zugleich verehrt wird?

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  • Aber verstehe ich das jetzt richtig: der Drache ist also das Symbol einer vorchristlichen Naturreligion? Ein Symbol, das gefürchtet und zugleich verehrt wird?

    Das gilt auf jeden Fall für den Mythos um König Artus, der ja nach der Sage ein Christ war,

    der die Aufgabe, den heiligen Gral zu finden an seine Ritter weitergab.

    Der Drache steht als Symbol für das Heidentum im Allgemeinen (heiliger Georg um

    280 n.Chr.) Man kennt die Darstellung in der er den Drachen tötet.

    In der Artus Saga ist der Drache aber direkt mit Merlin verbunden und der war ja auch ein

    Symbol für die alten Religionen, die die aufkommende christliche Religion ablehnte, weil

    sie die Verehrung dieser alten Kraft, die aus der Natur, aus der Erde kam, als Aberglaube

    bezeichnete und bekämpfte. Der Drache ist also tatsächlich ein Symbol für diese Kraft, die

    man fürchtet weil sie, wenn erweckt, kaum zähmbar ist.

    Ich weise nochmal auf Tolkien hin, der in seinen damals berühmten Vorlesungen diese

    Themen genial vermittelte. >Gute Drachen sind rar< und >On fairy tales< erklären die

    Ursprünge dieser alten Mythen sehr eindringlich.

    In den Köpfen der Menschen sind diese alten Rituale auch nach ein paar tausend Jahren

    immer noch präsent. Erinnerst du dich an Burnside, der an diese alten Rituale in seinem

    Heimatland berichtete? serjena hatte es schon erwähnt. Endgültig besiegt wurde der

    Drache dann wohl doch noch nicht............. :wink:

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    William Shakespeare


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  • Der Drache steht als Symbol für das Heidentum im Allgemeinen (heiliger Georg um

    280 n.Chr.) Man kennt die Darstellung in der er den Drachen tötet.

    Genau, so ist ja auch diese oben erwähnte Mariendarstellung zu verstehen.

    Die Sagen um den Hl. Georg werden wiederum zu Rittersagen ausgebaut, und da wären wir wieder bei Artus. Wobei der Kampf gegen die Ungläubigen, sprich: den Drachen, nicht zu den hochmittelalterlichen Tugenden zählte. (Kreuzzüge - das ist etwas anderes...)

    Erinnerst du dich an Burnside, der an diese alten Rituale in seinem

    Heimatland berichtete?

    Aber natürlich erinnere ich mich an dieses schöne Buch, das ich ab und an zur Hand nehme und ein bisschen drin lese. Ich erinnere mich auch noch an eine Studienreise durch Schottland, bei der uns eine sehr ambitionierte Reiseleiterinin die keltische Mythologie einführte.


    Aber:

    Ist diese religiöse Komponente hier gemeint?

    Sie spielt mit, ohne Zweifel, aber ich habe den Eindruck, dass wir unseren Blick verengen, wenn wir nur diese religiöse/mythische Symbolik betrachten.


    Für mich hat das Vergessen etwas mit einer kollektiven Schuld, die im Drachen symbolisiert wird. Und die Reise der beiden Alten ist eine Art Pilgerreise mit dem Ziel, diese kollektive Schuld wieder ins Bewusstsein und damit zu einer individualisierten Schuld zu machen - und damit den Lebensweg zu beenden.

    Ist nur Spekulation.

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  • Ist diese religiöse Komponente hier gemeint?

    Sie steht sicher nicht im Vordergrund, schwingt aber zuweilen mit. Ich erinnere mich zwar

    nicht an so einiges im Buch, aber eine Szene am Ende hat sich als Bild sozusagen fest-

    gesetzt. Daher mein Ausflug in die religiöse Komponente im Buch.

    Darauf kann man ja vielleicht später noch eingehen.

    Für mich hat das Vergessen etwas mit einer kollektiven Schuld, die im Drachen symbolisiert wird.

    Eine Schuld, so groß, dass selbst der Christengott sie vergessen möchte............

    Das Thema Schuld, Vergessen oder auch Verdrängen dieser Schuld spielt sicher eine

    grundlegende Rolle. Das macht die Auflösung, auf die der Leser nun langsam zugeführt

    wird, so interessant. Noch liegt das Ganze ja auch für den Leser noch im Nebel.

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    William Shakespeare


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  • Das Vergessen ist keine Strafe Gottes, sondern eine Folge davon, dass Gott etwas vergessen will - eine Untat seiner Geschöpfe, für die er sich so schämt, dass er sie vergessen und sich nicht mehr daran erinnern will.

    Das entspräche dann dem alten Testament

    Zitat

    Zefania 3, 1 In den Untergang stürzt die Stadt, die sich gegen den Herrn aufgelehnt hat, in der Unrecht und Gewalt herrschen!

    Zitat

    Lukas 9, 26: Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.

    Zitat

    Doch, Axl. Aber dann frage ich mich wieder, ob es mit dem, was wir heute im Herzen fühlen, nicht so ähnlich ist wie mit den Regentropfen, die von den nassen Blättern auf unsere Köpfe fallen, obwohl der Regen schon lang aufgehört hat. Ich frage mich, ob die Liebe ohne unsere Erinnerungen nicht unweigerlich vergehen und schließlich sterben wird.«

    »Das würde Gott niemals zulassen, Prinzessin.« Axl sagte es leise, fast flüsternd, denn jetzt fühlte er selbst eine namenlose Furcht in sich aufsteigen.

    Somit ist es wichtig dass sich Axl und Beatrice erinnern, auch wenn dies möglicherweise sehr schmerzhaft sein wird.

    Das Dilemma der Menschheit ist, dass die Idioten so selbstsicher und die Intelligenten so voller Selbstzweifel sind.

    Oscar Wilde


  • Ob der Sohn tatsächlich in diesem Dorf lebt, können sie eigentlich nicht wissen und das

    er sie besorgt erwartet, ist auch nur eine Annahme. Wieso sind sie sich so sicher?

    Dieses Dorf dient ihnen nur zur Rast und damit Beatrice zur Heilerin gehen kann, sie sich ausruhen können. Es ist nicht das Dorf in dem ihr Sohn leben sollte.

    Zitat

    Noch etwas macht mir Kopfzerbrechen, Prinzessin. Dieses Dorf mag nur ein paar Tage entfernt sein, wie du sagst. Aber wie finden wir den Weg dorthin?«

    Beatrice gab keine Antwort; sie starrte vor sich hin, ihre Schultern hoben und senkten sich sacht mit ihrem Atem. »Ich glaube, wir kennen den Weg ganz gut, Axl«, sagte sie schließlich. »Auch wenn wir noch nicht genau wissen, in welchem Dorf er lebt, war ich doch mit den anderen Frauen mit unserem Honig und Zinn oft genug auf Handelschaft in den umliegenden Dörfern. Zur Großen Ebene und dem Sachsendorf dahinter, wo wir oft Rast gemacht haben, finde ich blind. Das Dorf unseres Sohnes kann nur noch ein Stück weiter sein, es zu finden dürfte uns keine große Mühe machen. Axl, werden wir wirklich bald aufbrechen?«

    Das Dilemma der Menschheit ist, dass die Idioten so selbstsicher und die Intelligenten so voller Selbstzweifel sind.

    Oscar Wilde


  • Dieses Dorf dient ihnen nur zur Rast und damit Beatrice zur Heilerin gehen kann, sie sich ausruhen können. Es ist nicht das Dorf in dem ihr Sohn leben sollte.

    Das weiß ich schon, aber Beatrix sagt ja auch, dass das Dorf des Sohnes nur noch ein Stück weiter sein kann. Es könnte sein, aber sicher ist da eigentlich nichts. Deshalb habe ich ja

    geschrieben, dass es nur eine Annahme ist. Es bleibt eine Suche.........

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Dieses Dorf dient ihnen nur zur Rast und damit Beatrice zur Heilerin gehen kann, sie sich ausruhen können. Es ist nicht das Dorf in dem ihr Sohn leben sollte.

    Das weiß ich schon, aber Beatrix sagt ja auch, dass das Dorf des Sohnes nur noch ein Stück weiter sein kann. Es könnte sein, aber sicher ist da eigentlich nichts. Deshalb habe ich ja

    geschrieben, dass es nur eine Annahme ist. Es bleibt eine Suche.........

    Gut dann habe ich es missverstanden und falsch interpretiert 😊

    Das Dilemma der Menschheit ist, dass die Idioten so selbstsicher und die Intelligenten so voller Selbstzweifel sind.

    Oscar Wilde


  • Kapitel 3

    Kapitel 3


    Puh, also grundsätzlich muss ich zugeben, dass es mir schwer fällt, einen Zugang zum Roman zu finden - vielleicht, weil ich keinerlei Ahnung habe, wo das Ganze hin will und was es sein will. Historischer Roman? Fantasyroman? (Nicht, dass eine genaue Einordnung unbedingt notwendig wäre, aber aktuell fügen sich für mich die einzelnen Versatzstücke nicht recht zusammen.)

    Das empfinde ich genauso.


    Der erste Teil von Kapitel 3 war verstörend. Die stinkenden Kadaver. Die Bevölkerung vom Sachsendorf. Beatrice versteht die Sprache. ?( Kennt die Heilerin. :scratch: Dann kommt noch eine Drachin vor. Der Krieger, der irgend etwas getötet hat, kann ich aber nach der Beschreibung nicht identifizieren. Ich kann nicht sagen, was es jetzt war. :(


    Das der Krieger Axl fragt, ob sie den Jungen in Sicherheit bringen können, hat mich überrascht. Normalerweise interessiert es Helden nicht, was aus anderen wird. Aber vielleicht fand er die Sache genauso verstörend wie ich.

  • Aber vielleicht fand er die Sache genauso verstörend wie ich.

    Du meinst diesen Aberglauben, vermute ich, dass jemand durch den Biss eines Unholds selber zum Unhold wird? Das erinnert an Vampire und Zombies :) .


    Ich denke auch, dass er diesen Aberglauben ablehnt, eben weil er einen anderen Werdegang bzw. eine andere Sozialisation hinter sich hat: er ist, obwohl er Sachse ist, bei seinem Feind aufgewachsen und hat viel von ihm übernommen.

    Eben z. B. auch die ablehnende Haltung gegenüber diesem Aberglauben.


    Die Dorfbewohner sind offenbar derart verschreckt und verängstigt, dass sie den Jungen nicht selber zum nächsten Sachsendorf bringen wollen.

    Von seinen Eltern ist nicht die Rede. ?(

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