Lisa Gardner - Before She Disappeared

Anzeige

  • Inhalt:
    Frankie Elkin is an average middle-aged woman, a recovering alcoholic with more regrets than belongings. But she spends her life doing what no one else will - searching for missing people the world has stopped looking for. When the police have given up, when the public no longer remembers, when the media has never paid attention, Frankie starts looking.


    A new case brings her to Mattapan, a Boston neighborhood with a rough reputation. She is searching for Angelique Badeau, a Haitian teenager who vanished from her high school months earlier. Resistance from the Boston PD and the victim's wary family tells Frankie she's on her own - and she soon learns she's asking questions someone doesn't want answered. But Frankie will stop at nothing to discover the truth, even if it means the next person to go missing could be her.


    (Quelle: Amazon.de)


    Über die Autorin:
    Ihrer Homepage zufolge startete Lisa Gardner ihre berufliche Karriere in der Unternehmensberatung. Seit den Neunzigerjahren ist sie allerdings Vollzeit-Autorin und hat mittlerweile knapp 35 Bücher veröffentlicht (wenn ich richtig gezählt habe). Ihr persönliches Interesse an Polizeiarbeit und der Recherche brachte ihr einige Erfolge ein: von diversen Literatur-Auszeichnungen bis hin zu TV-Verfilmungen einiger ihrer Werke. Laut Rowohlt-Verlag schaffte es jeder ihrer Romane in die Top Ten. Lisa Gardner lebt mit Ihrer Familie und ihren Hunden in New Hampshire.


    (Quellen: lisagardner.com; rowohlt-Verlag)


    Hinweis zum Buch:
    Das Buch erschien im Januar diesen Jahres im Original auf Englisch. Wann – bzw. ob – eine Übersetzung ins Deutsche erfolgt, ist bislang noch unbekannt. Das zuletzt von ihr ins Deutsche übersetzte Buch erschien bereits 2018 beim Rowohlt-Verlag. Leider konnte ich nicht herausfinden, ob künftig geplant ist, weitere Bücher von ihr zu übersetzen.


    Meine Meinung:
    Dies ist der Auftakt einer neuen Reihe von Lisa Gardner, dessen Folgeband „One step too far“ bereits für das kommende Jahr angekündigt ist. Ich habe ja eine Schwäche für Thriller, die sich um vermisste Personen drehen und besonders interessant an diesem Buch fand ich, dass unsere Protagonistin eine Zivilistin ist, die es sich zur Aufgabe macht Vermisstenfälle aufzuklären, an denen die Polizei schon gescheitert ist. Die allererste Frage, die auch mir auf der Zunge brannte, wird gleich zu Beginn adressiert:

    Zitat

    „Why do I do what I do? So many of our children have vanished. Too many will never be found, often based solely on the color of their skin. Maybe the question shouldn’t be why am I doing this, but why isn’t everyone looking?”

    Natürlich ist das nur ein Teil der eigentlichen Antwort, was einem im Laufe des Buchs sehr schnell klar wird. Frankie ist keine Privatdedektivin, keine ehemalige Soldatin und auch keine Frau mit sonst irgendwelchen nützlichen Kontakten zur Polizei, dem Geheimdienst oder Sonstigem. Tatsächlich ist sie eine trockene Alkoholikerin, die quer durch die USA reist, um vermisste Personen aufzuspüren. Dabei hat sie nichts weiter bei sich, außer einem Rucksack gefüllt mit dem Nötigsten. In jedem Ort sucht sie sich einen neuen Job, mit dem sie sich über Wasser hält, um dann mit ihren Ermittlungsarbeiten zu beginnen. So auch in Boston, um die seit 11 Monaten vermisste 15jährige Angelique Badeau aufzuspüren.


    Ich fand es äußerst erfrischend festzustellen, dass Frankie nicht McGyver-mäßig daher kommt und auf äußerst unrealistische Art und Weise Fälle löst, an denen lokale Polizeibehörden auf unerklärliche Weise zuvor gescheitert sein sollen. Frankie sucht sich von vorn herein nur diejenigen Fälle, die darauf hindeuten, dass die Polizei bspw. zu voreilige Schlüsse zieht oder das Potential noch nicht ausgeschöpft zu haben scheint, insbesondere weil es sich um Minderheiten handelt, die unfairerweise einem bestimmten Raster zum Opfer fallen. Dabei stolpert Frankie auch nicht einfach so in die Ermittlungsarbeiten hinein, sondern kontaktiert die betroffenen Familien und holt sich von ihnen die offizielle Erlaubnis mit den Polizeibehörden zu sprechen und ggf. auch – soweit die Bereitschaft besteht – mit ihnen zusammen zu arbeiten. Ihr Vorgehen schien mir daher von Beginn an realistisch und nachvollziehbar.


    Da Frankie sich auf Vermisstenfälle von Minderheiten konzentriert, landet sie auch in Boston in einem Problemviertel, in dem sich hauptsächlich Flüchtlinge aus Haiti angesiedelt haben, die aufgrund des Erdbebens im Jahr 2010 nach Boston gekommen sind und teilweise auch nur temporär in den USA geduldet werden. Dort herrschen chaotische Verhältnisse mit finanziell und auch sozial vernachlässigten Familien. Gang-Aktivitäten, Überfälle und Schießereien stehen an der Tagesordnung. Frankie kann sich als Frau somit nur eingeschränkt allein bewegen, muss sich ständig entsprechend vorbereiten und Vorkehrungen treffen, bevor sie die Familien oder Zeugen in diesem Viertel treffen kann. Als weiße Frau sticht sie in der Gegend heraus wie ein bunter Hund und ist zudem nicht wirklich willkommen.

    Im Laufe des Buches muss man schließlich doch feststellen, dass Frankie nicht ganz ohne Fähigkeiten ist. Ihre Empathie und insbesondere die fehlenden Verbindungen zur Polizei öffnen ihr Türen und bringen sie schnell an Informationen, die der Polizei selbst bislang verwehrt blieben. Wie und warum Frankie an bislang unbekannte Informationen gelangt, hat immer einen nachvollziehbaren Hintergrund. Ich betone das so oft, weil ich hier das größte Potential für ein schlechtes Buch gesehen hätte. Wie will schließlich eine vollkommen unspektakuläre Zivilistin plötzlich Lösungen erarbeiten, für die sich die Polizei mit entsprechend professioneller Ausbildung und Ausrüstung zu blöd angestellt hat? Zu keiner Zeit dachte ich mir, dass sich die Autorin hier ihre Welt zurechtbiegt, sondern vielmehr hat sie es aus meiner Sicht geschafft einen Charakter zu kreieren, der mal frischen Wind in die ganze Welt der hochintelligenten Detectives und whiskeytrinkenden Privatdedektive bringt. Gerade weil sie offenbar als Frau häufig von ihrem Gegenüber unterschätzt oder zumindest nicht als bedrohlich wahrgenommen wird, kann sie daraus bewusst ihre ganz eigenen Vorteile bei Ihren Ermittlungen ziehen


    Das muss schließlich auch Detective Lotham zähneknirschend zur Kenntnis nehmen. Es entwickelt sich eine spannende Zusammenarbeit, in der Stück für Stück das Puzzle um Angeliques Verschwinden zusammengesetzt wird. Langweilig wird es zu keinem Zeitpunkt, aber trotz der Menge an spannenden Momenten, habe ich es insgesamt eher als unaufgeregt wahrgenommen. Mehr Krimi, als Thriller. Auch Frankies Hintergrund und Vergangenheit blieb mir – gerade weil immer wieder zwischendurch Hinweise dazu eingeworfen wurden – schlussendlich etwas zu blass. Daher nicht ganz die volle Punktzahl. Dennoch aber aus meiner Sicht eine klare Empfehlung. Ich freue mich auf die Fortsetzung.


    Fazit: Ein für mich gelungener Versuch für frischen Wind in der Ermittler-Welt. Eine Zivilistin, die es sich als Aufgabe gemacht hat vermisste Personen aufzuspüren, die die Welt bereits aufgegeben hat. Frankie ist sympathisch und neu und obwohl sie ausschließlich auf ihre eigene Menschenkenntnis und ihrem Talent Informationen gut kombinieren zu können, bauen kann, schafft sie es zu überzeugen ohne dabei wie Superwoman realitätsfremd die Polizei auszustechen. Das Schicksal um Angelique wird auf spannende Weise aufgelöst und die gute Recherchearbeit der Autorin zum Setting und den Hintergründen ist durchweg spürbar. Minimaler Punktabzug für Frankies blasse Hintergrundgeschichte und dem Funken, der fehlt, um es tatsächlich als einen „Thriller“ bezeichnen zu können.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    "The worth of a book is to be measured by what you can carry away from it."

Anzeige