Sarah Höflich - Heimatsterben

  • Kurzmeinung

    hennie
    Die politischen Geschehnisse sind fiktiv. NOCH! Ich verstehe das Buch als Warnung. Vieles kommt schon sehr realistisch u

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  • Die Journalistin Hanna Ahrens kommt aus einer weitverzweigten Familie, die sich fremd geworden ist. Der einzige Anker ist Oma Tilda die im Sterben liegt. Sie bittet ihre Lieblingsenkelin die Familie zusammen zu halten. Obwohl sie in den USA lebt gibt sie sich große Mühe und kehrt nach Deutschland zurück. In Deutschland sind Wahlen und die nationale Partei steht vor dem Wahlsieg. Hannahs Schwager ist der zukünftige Bundeskanzler.

    Am Anfang steht die Frage wieviel Nationalismus verträgt eine Demokratie. Dann ist da die Tatsache das in einer Partei es verschiedene Meinungen zu brisanten Themen gibt. Wer gewinnt die Oberhand, die Gemäßigten oder die Radikalen. Wenn es die Hardliner sind, wie entwickelt sich das Land? Wo sind dann die Grenzen?

    Am Beispiel einer Familie beantwortet die Autorin diese Fragen und macht sich Gedanken um die Folgen. Die einzelnen Mitglieder der Familie werden in kurzen prägnanten Sätzen beschrieben. Jede Persönlichkeit hat nachvollziehbare Gründe warum sie sich so verhält und nicht anders. Ihr Umfeld ist ein erweiterter Kreis mit ähnlichen Vorgaben. Der Ursprung liegt in der Geschichte. Flucht und dann der Wunsch nach Sicherheit sind die Grundlagen. Eine wertekonservative Denkweise der Aufbau. Das berauschende Gefühl von Macht und Anerkennung sorgt für den Rest.

    Am Ende schreibt sie: "Es ist eine rein fiktionale Geschichte auch wenn mich während der Arbeit daran, die Realität manchmal zu überholen schien."

    Genauso habe ich es empfunden. Bei jeder Figur hatte ich ein Gesicht vor Augen. Mal aus der realen Politik, mal aus dem Bekannten- oder Freundeskreis.

    Es hat mir Angst gemacht, was ist wenn dieses Buch keine Fiktion sondern eine Blaupause der Zukunft ist.

  • Leseempfehlung!


    Hannah Ahrens lebt in New York und wird zurück nach Deutschland gerufen, als ihre geliebte Grossmutter Tilde im Sterben liegt. Hannah verspricht Tilde auf dem Sterbebett, vor allem auf ihre Schwester Trixie achtzugeben, die mit Felix Graf von Altdorff, der als neuer Bundeskanzler kandidiert, verheiratet ist. Felix ist in einer sehr konservativen Partei, die nationalistische Züge aufweist. Obwohl Hannah eine genau gegenteilige politische Einstellung hat, lässt sie sich durch den charismatischen Felix hineinziehen in die Strudel der Politik.


    Die Familie Ahrens, die 97-jährige Tilde und ihre Nachkommen, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Vor allem Tildes Enkelin Hannah und Schwiegerenkel Felix werden in den Fokus gerückt. Mit den beiden zieht auch eine Menge Politik in die Geschichte ein, die zum Nachdenken animiert. Denn Felix, der als Bundeskanzlerkandidat politisch sehr rechts steht, kämpft gegen das Fremde, die Migration und schrammt sehr, sehr oft nah am Rechtsradikalismus vorbei. Hannah, politisch mit gegenteiliger Einstellung, lässt sich durch ein Versprechen, das sie Tilde gegeben hat, hineinziehen in die politischen Gefüge ihres Schwagers, um dann…. Doch lest selbst. Es lohnt sich!


    Die Geschichte der Familie Ahrens beginnt damit, dass Tilde den Zweiten Weltkrieg, auf der Flucht mit einem Säugling, knapp überlebt. Wie oft in dieser Generation prägt dies das ganze Leben und weist eine starke Haltung auf. Tilde, wie auch Hannah, ist eine starke Frau mit viel Durchhaltewillen, jedoch auch mit ausgeprägtem Familiensinn. Hannah muss sich dann auch rasch einmal entscheiden zwischen ihren Werten und diesem hochgehaltenen Familiensinn.

    Es mischen ganz schön viele Figuren der Familie Ahrens mit. Zum besseren Verständnis wurde ein Stammbaum der Familie eingefügt. Immer wieder mal habe ich nachgeschaut, wer denn nun schon wieder Cousin x oder Neffe y ist.


    Ich musste zweimal nachsehen, doch es ist so: „Heimatsterben“ ist das Debüt der Autorin Sarah Höflich. Ein sehr gelungenes Debüt, mit einem hervorragenden Plot, einem sehr flüssig zu lesendem Schreibstil, bei dem nichts holpert und gut ausgearbeiteten Figuren.

    Die Geschichte handelt 2023 und zeugt viele Parallelen zur heutigen Politik, das vor allem die Situation von Migranten und / oder das Asylwesen betrifft. Ich empfand viele Situationen als absolut erschreckend. Vor allem auch, weil ich weiss, dass sie leider nur zu real sind. Dieses Buch enthält nicht nur eine Familiengeschichte mit spannenden Mitgliedern, sondern ist leider auch ein Spiegelbild der heutigen politischen Situation in westlichen Ländern.

    Obwohl sich "Heimatsterben" sehr flüssig lesen lässt, habe ich ordentlich Zeit benötigt, um es durchzulesen. Denn immer wieder musste ich innehalten, über das Gelesene nachdenken und es auch verdauen. Ein Buch, das ganz sicher nachklingen wird!


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Wir sind Heimat!


    Der Roman beginnt mit Tilde Ahrens. Sie ist mit ihren 97 Jahren die Älteste des Familienclans, der mit seinen Nachkommen den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Ihr schweres Schicksal, der weitere Verlauf ihres Lebens/Sterbens/Tod und ihr unmittelbare Einfluß auf die sie umgebenden Menschen werden immer wieder thematisiert und bilden das Gerüst für das aktuelle Geschehen. Die Entwicklung eines neuen Deutschlands wird hauptsächlich erzählt anhand der Familienmitglieder Ahrens und von Altdorff.


    Ich bekam mit der Geschichte beunruhigende Ausblicke in die nahe Zukunft, in das Jahr 2023. Die Pandemie ist gerade vorbei. Aus der Türkei droht die nächste große Flüchtlingswelle – Hauptziel Deutschland.

    Die Situationen und Handlungsabläufe werden anhand der verschiedenen Charaktere, zu denen es durchaus ähnliche Pendants zur heutigen politischen Szene gibt, sehr authentisch dargestellt.

    Mit dem Slogan „Wir sind Heimat“ erhob sich eine neue Partei, die BürgerUnion, nachdem die AfD implodiert war. Felix von Altdorff ist der Spitzenkandidat der Partei. Seine Ehefrau Trixie ist die Schwester von Hanna Ahrens, der ältesten Enkelin von Tilde.


    Schließlich erstarkten die nationalistischen, heimatbewussten Kräfte so sehr, dass die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten entschieden wurden. Die rechte Partei BürgerUnion siegt mit überwiegender Mehrheit. Felix von Altdorff, „die neue deutsche Hoffnung“, wird der neue Bundeskanzler mit großer Strahlkraft. Er ist der Typ Saubermann, der die Massen schon mit seiner Erscheinung beeindrucken kann. Erst recht mit seinem Hintergrund des uralten Adels, seiner aparten Frau und den properen Kindern. Durch seine charismatische Art versteht er es auch Hanna auf seine Seite zu ziehen, obwohl sie eine andere Einstellung hat. Sie wird ihm zunächst eine große Stütze in der politischen Arbeit sein.


    Sehr beeindruckend, wie Sarah Höflich es verstanden hat, in ihrem Debütroman so packende Szenen mit ungeheuerlicher Sogwirkung zu entwickeln. Die Ereignisse überstürzen sich. Die dramatische Entwicklung für die gesamte Gesellschaft wird überdeutlich. Extrem rechtsradikale Kräfte agieren mit roher Gewalt, ohne Rücksichten und ohne Verstand.


    Das schlichte Cover mit dem verfaulenden Apfel kommt für mich symbolträchtig daher. Sehr stimmig zur Geschichte! Hilfreich beim Lesen und Verstehen der Zusammenhänge ist der Stammbaum der Familie im vorderen Innenteil des Buches.


    Die politischen Geschehnisse sind fiktiv. NOCH! Ich verstehe das Buch als Warnung. Vieles kommt schon sehr realistisch und aktuell daher. Deshalb wehret den Anfängen. Wir müssen aufpassen.


    Ich empfehle den Debütroman mit der Höchstbewertung! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Ein verfaulter Apfel und der Titel Heimatsterben sagen ja nun erst mal gar nichts aus und würden mich in der Buchhandlung eiskalt daran vorbeigehen lassen. Doch wer ahnt schon, dass sich darunter eine absolute Perle der Literatur versteckt hält ?
    Heimatsterben hat es mir leicht gemacht ...

    Deutschland 2023 , die Pandemie liegt hinter uns. Die alten Probleme durch steigende Kriminalität, Flüchtlingswellen und Immigrationsprobleme, verbunden mit der Unfähigkeit der Altparteien die Bevölkerung zu schützen, sorgen dafür dass eine neue "rechte" Partei eine gute Chance bekommt, bei den nächsten Bundeskanzlerwahlen weit mit vorne zu liegen. Hanna Ahrens , 40 Jahre alt und in den USA lebend und gerade dabei zu entdecken, dass ihr Freund sie betrügt, erfährt, dass Ihre geliebte Großmutter gestürzt ist und keiner weiß ob sie es überleben wird.. Sie reist sofort nach Deutschland und muss ihrer Oma versprechen, sich um ihre Schwester Trixie zu kümmern, doch die scheint keine Hilfe zu brauchen. Verheiratet mit Felix einem Grafen, der als der nächste Anwärter für den Posten des Bundeskanzlers gilt. Doch zu aller erstaunen fragt Felix ob Hannah ihm nicht helfen kann auf dem Boden zu bleiben....

    Hochaktuell, Brisant und vor allem realistisch geschrieben, erleben wir den absoluten rechten Flügel, genau wie die gemäßigten Aktivisten, die nur ein besseres und sauberes Deutschland wollen. Doch die Realität wird zum Krimi und die besten Wünsche, lassen sich nicht immer erfüllen.

    Großartiger Schreibstil mit vielen Absätzen zum Luft holen, die man auch braucht, weil der Leser mitleiden kann und sich aufregt. Das Buch bewegt und nimmt mit auf die Reise in eine Geschichte einer Großfamilie , die unterschiedlicher nicht sein kann. In jedem Fall beste Unterhaltung und Spannung!

    Klare Empfehlung für einen Roman, der als fiktive Literatur gesehen wird, aber durchaus Thriller Qualitäten in sich birgt! Von mir in jedem Fall 5 Sterne ! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Denk ich an Deutschland in der Nacht...

    Hannah Ahrens, die als Journalistin in New York lebt, erhält einen Anruf ihrer Schwester Trixie: ihre 97jährige Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, liegt im Sterben. Hannah schafft es gerade noch rechtzeitig zurück nach Deutschland, um sich von der Matriarchin Tilde verabschieden zu können.


    Als junge Frau war Tilde in den Wirren des zweiten Weltkriegs aus dem Osten nach Niedersachsen geflohen, ihr Erstgeborener hatte die Flucht nur knapp überlebt. Dort heiratete sie einen verwitweten Gutsbesitzer und hatte mit ihm zwei weitere Kinder, eines davon Hannahs und Trixies Mutter Lou, der jedoch ihre Unabhängigkeit wichtiger war als ihre Kinder. Auf dem Sterbebett verspricht Hannah Tilde, auf ihre Schwester achtzugeben. Trixie ist mit dem Adligen Felix Graf von Altdorff verheiratet, der einer rechten Partei angehört und als Bundeskanzler kandidiert. Zu ihrem großen Erstaunen fragt Felix die liberal eingestellte Hannah, ob sie nicht für ihn arbeiten möchte. Die gegensätzlichen Einstellungen empfindet er als Herausforderung. Nach längerem Zögern willigt Hannah ein, zumal ihr Leben in New York gerade nicht so rund läuft.


    Die weitverzweigte Verwandtschaft und Familiengeschichte der Hauptpersonen stellt eine Herausforderung dar, sehr hilfreich ist dabei der zu Anfang des Buchs eingefügte Familienstammbaum, ohne den man als Leser wahrscheinlich verloren wäre.


    Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft und viele der beschriebenen Probleme und politischen Strömungen bestehen auch heute schon. Ein großes Thema ist beispielsweise Migration und Fremdenfeindlichkeit. Ein immer größerer Teil der Bevölkerung lehnt sich gegen die Überfremdung Deutschlands auf und ultrarechte Kräfte wehren sich durch die Gründung einer sogenannten Bürgerwehr. Obwohl Felix Graf von Altdorff selbst sehr konservativ ist, sind ihm diese Strömungen äußerst suspekt, doch manches geschieht, ohne dass er darauf Einfluss nehmen könnte. Hannah ist von der politischen Entwicklung in Deutschland zunehmend abgestoßen und beschließt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Doch längst sind die Dinge nicht mehr zu kontrollieren, da sie den Alltag jedes Einzelnen bereits mitbestimmen...


    Obwohl es sich bei diesem Roman um eine Dystopie handelt, ist es ein sehr realistisches Szenario, das sich abspielt und das jederzeit so oder so ähnlich stattfinden könnte. Dieser Gedanke macht Angst und erinnert an Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“


    Sarah Höflich hat mit „Heimatsterben“ einen sehr eindringlichen und spannenden Debütroman geschrieben, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Absolute Leseempfehlung und 5 Sterne! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Interessante Idee, schwache Umsetzung


    "Heimatsterben" von Sarah Höflich verbindet das politische Schreckensszenario eines Rechtsrucks in der Regierung mit einer komplexen Familiengeschichte. Hanna Ahrens, freie Journalistin in New York, kehrt aufgrund des Todes ihrer Großmutter nach Deutschland zurück. Dort ist ihr Schwager Felix von Altdorff Kopf einer sehr erfolgreichen rechten Partei - und ausgerechnet Hanna lässt sich überreden, ihn zu unterstützen.

    Eine spannende, aktuelle Grundidee also - aber das Buch bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.


    Zunächst enttäuscht mich die Figurenzeichnung. Hanna überzeugt mich nicht: Sie soll eine gebildete Frau mit einer politischen Einstellung eher links von der Mitte sein, geht ihrem Schwager aber sofort auf den Leim, als sie seine deutlich nationalistischen Briefe an ihre verstorbene Großmutter liest. Auch das Wahlprogramm der BürgerUnion erscheint ihr "nicht schwachsinnig" - warum, das bleibt mir völlig unklar. Zu allem Überfluss lässt sie sich nach kurzer Überlegung auf die Landesliste der Partei setzen, als ob dies die einzige Möglichkeit wäre, ihrem Schwager zu helfen. Bei Felix muss seine persönliche Schuld gegenüber einer anderen Familie als Konstrukt als Erklärung dafür herhalten, dass er ihre noch nationalistischere Haltung akzeptiert. Dazu kommt die merkwürdige Idee, er müsse "Angebote machen" und dafür mit sehr rechts eingestellten Personen zusammenarbeiten.


    Außerdem wird die politische Entwicklung immer nur kurz angerissen. In wenigen Sätzen wird eine Entwicklung oder eine Einstellung der Bevölkerung zusammengefasst, der Hintergrund bleibt unklar. Erklärungen und Zusammenhänge spart sich die Autorin auch dadurch, dass sie mehrmals in ihrem Buch Zeitsprünge einbaut - bequem, aber nicht überzeugend. Die Familiengeschichte ist interessant, auch wenn sie ein bisschen den Eindruck erweckt, die Welt - oder zumindest Deutschland - sei ein Dorf. Teilweise ist sie auch arg melodramatisch geraten; es gibt keinen Sturm, der keine Bedeutung hätte.


    Insgesamt hätte ich mir von diesem Buch deutlich mehr versprochen, als Roman über Politik ist es mir zu oberflächlich und als Familiengeschichte zu klischeehaft und melodramatisch.

  • Wenn man sich in unserer Welt umschaut und sich bewusst macht, welche politischen Gruppierungen immer mehr nach vorne drängen, dann kann einem angst und bange werden. Haben wir aus der Vergangenheit nichts gelernt?


    Die Journalistin Hanna Ahrens lebt und arbeitet in den USA. Doch als ihre Großmutter im Sterben liegt, reist sie sofort nach Deutschland. Ihre Oma Tilda legt ihr noch eine schwere, wenn gar unmögliche Bürde auf, denn Hanna soll ihre Familie zusammenhalten. Doch die Mitglieder ihrer großen Familie sind sehr unterschiedlich. Als Hannas Schwager Felix Graf von Altdorff als Kanzlerkandidat der nationalistischen Partei BürgerUnion die Wahl gewinnt, bittet er sie um Unterstützung bei seiner Arbeit. Eigentlich will Hanna gleich ablehnen, doch dann sagt sie zu, da sie glaubt, mit ihrer Einstellung etwas bewirken zu können, damit die Radikalen nicht zu stark werden. Doch sie war wohl zu blauäugig und so zieht sie sich zurück.


    Tilda musste seinerzeit aus Schlesien fliehen und hat viel Schweres erlebt. Das hat nicht nur sie geprägt, sondern auch ihre Kinder, die so unterschiedlich sind. Auch wenn ich das Handeln jedes Einzelnen aufgrund seiner Prägung nachvollziehen konnte, gutheißen konnte ich vieles natürlich nicht. Niemand aus dieser verzweigten Familie (der Stammbaum im Buch war hilfreich) war mir sympathisch


    Dieser fiktive Roman kommt einem beim Lesen sehr real vor und ist beängstigend. Die Familiengeschichte wird zunehmend zu einem Polit-Thriller. Er macht deutlich, dass wir gut bedenken sollten, wen wir wählen und wem wir damit die Macht geben. Mit einer Wahl verändert sich nicht alles schlagartig, aber die Änderungen kommen und sie werden nicht gefallen.


    Ein erschreckender, aber lesenswerter Roman.

  • Es ist eher selten, das ich Büchern volle fünf Sterne gebe, dieses Werk von Sarah Höflich hat diese aber auf jeden Fall vollumfänglich verdient.

    Inhaltlich geht es um den Tod einer älteren Frau, zu deren Beerdigung sich die Familie noch einmal versammelt und wo viel ungesagtes auf einmal auf den Tisch kommt.

    Was scheinbar als reine Familiensaga daher kommt entwickelt sich aber recht schnell zu einem sehr politischen Buch, das sehr schnell die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischt. Denn im Laufe der Geschichte wird deutlich, wie eine wertkonservative Einstellung, wie sie sich die verstorbene Oma nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrt hat, in der Enkelgeneration zu Anfälligkeit für Rechtspopulismus und dem Erstarken faschistischer Kräfte führt. Das hier dann einmal entzündete Feuer lässt sich dann nur noch schwer stoppen und führt zum Untergang.

    Beim Lesen des Buches werden bestimmt jeder_m Leser_in Parallelen zu aktuellen politischen Entwicklungen auffallen und hoffentlich bei einigen ein Nachdenken bewirken. Es wäre definitiv nötig, denn ein "Drittes Reich" hatten wir schon mal.

    Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und dabei keine einzige Seite bereut. Ich fände es schön, wenn es zur politischen Willensbildung auch im Schulunterricht gelesen würde.

  • Familienroman oder dystopischer Politthriller?


    Heimatsterben von Sarah Höflich ist beides – Familienroman und politischer Thriller. Als Tilde Ahrens hochbetagt stirbt, hinterlässt sie eine große Familie, in der der Zusammenhalt längst nicht mehr vorhanden ist. Während Hanna eher links orientiert in der New Yorker Künstlerszene lebt, hat ihre Schwester Trixie in den konservativen Adel eingeheiratet. Ihr Mann Felix hat die BürgerUnion gegründet, eine rechtsorientierte Partei im Aufschwung. Er überredet Hanna nach Trixies Tod ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen.


    Was folgt ist eine erschreckend realistische Dystopie. Sarah Höflich beschreibt eindrücklich, wie verschiedene Persönlichkeitstypen vom Rechtsruck mitgerissen werden und sich der politische Diskurs zunehmend verschärft. Angesichts der aktuellen politischen Situation liefen mir beim Lesen regelmäßig Schauer über den Rücken, denn der Roman zeigt deutlich, wie einfach eine Demokratie ins Wanken geraten kann.


    Abgesehen davon bin ich leider beim Lesen den Protagonist:innen nicht wirklich Nahe gekommen. Durch den eher sachlichen Stil und die große Anzahl an verschiedenen Familienmitgliedern blieb ich beim Lesen eher auf Distanz. Das liegt auch daran, dass mir gerade Hannas impulsiver Entschluss Felix zu unterstützen, sehr „out of character“ vorkam.


    Nichts destotrotz kann ich den Roman, gerade im Hinblick auf die anstehenden Wahlen, nur empfehlen, denn er zeigt deutlich, wie wichtig es ist, gerade jetzt politisch Stellung zu beziehen.

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