Izabelle Jardin - Erntejahre

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  • "Das Einzige, wofür es sich zu kämpfen lohnt, ist die Familie." (Lincoln Burrows)

    Eva bringt 1958 Tochter Bettina zur Welt, die schon als dreijähriges Mädchen durch den Bau der Berliner Mauer miterleben muss, wie diese ihre Familie unweigerlich in Stücke reißt. Ihre Großmutter Constanze muss mit Clemens im Osten bleiben und ist unerreichbar, während Bettina im Westen aufwächst und sich schon bald politisch engagiert und der Friedensbewegung anschließt. Als eines Tages in den 70er Jahren ihr bisher unbekannter amerikanischer Halbbruder auftaucht, muss Bettina feststellen, dass sie viel zu wenig über ihre eigene Familiengeschichte weiß. Ihre Neugier ist geweckt und lässt Bettina nicht eher los, als bis sie Antworten erhalten hat…


    Izabelle Jardin hat mit „Erntejahre“ den Abschlussband ihrer historischen Wartenburg-Saga vorgelegt, der in punkto Spannung und Dramatik sowie exzellent recherchiertem Hintergrund den beiden Vorgängerromanen in nichts nachsteht und sich diesmal auf Constanzes Enkelin bzw. Evas Tochter Bettina konzentriert. Der flüssige, farbenprächtige und gefühlvolle Erzählstil lädt den Leser erneut zu einer Zeitreise ein, die sich von 1958 bis ins Jahr 2004 erstreckt. Die Geschichte erstreckt sich über zwei Handlungsstränge, wobei der eine Bettina begleitet, während der andere Großmutter Constanze eine Bühne bietet und der Leser so erfährt, was ihr und Clemens alles widerfährt. Mit Bettina erlebt der Leser eine junge Frau, die gern Journalistin werden will und ebenso wie ihre Mutter politisch engagiert ist. Jardin hat akribisch recherchiert und den damaligen historischen Hintergrund wunderbar mit ihrer Handlung verwoben. So darf der Leser nicht nur hautnah den verstörenden Mauerbau miterleben, der eine Schneise durch Deutschland schlägt und Familien voneinander trennt. Auch der Vietnamkrieg, die Olympischen Spiele 1972 in München mit dem Attentat auf die israelischen Sportler, die Flugzeugentführung der „Landshut“, die RAF-Anschläge sowie das Nuklearunglück in Tschernobyl und viele andere geschichtlich relevanten Ereignisse sind in den Roman eingezogen, um der Handlung den zustehenden realistischen Rahmen zu geben. Nicht nur Bettinas Nachforschungen in die familiäre Vergangenheit bringen genügend Spannungsmomente, vor allem die Erlebnisse von Constanze und Clemens in der ehemaligen DDR bringen beim Leser eine Achterbahn der Gefühle hervor, die vor allem von Entsetzen, Unglauben und Wut geprägt ist.


    Auch bei ihren Protagonisten hat Jardin wieder besonderes Talent bewiesen, denn alle sind sehr lebendig und mit menschlichen Ecken und Kanten in Szene gesetzt, so dass der Leser sich gern an ihre Fersen heftet, weil er sich ihnen verbunden fühlt und bereits als alte Freunde betrachtet. Bettina ist eine Protagonistin, die einem schnell ans Herz wächst, denn sie überzeugt durch ihre offene Art, Mut und Stärke sowie einem festen Willen. Constanze kann man für ihr Durchhaltevermögen nur bewundern, vor allem, wenn man um ihre Geschichte weiß und wieviel zu aushalten musste. Eva ist diesmal eher eine Randerscheinung, doch hat sie Bettina in ihrer Entwicklung stark geprägt und somit indirekt Einfluss auf deren Handlungsweise. Alle drei Frauen stehen für die Dinge ein, die ihnen am Herzen liegen und weichen auch Widerständen nicht aus. Aber auch Clemens, Wilhelm, Mathias und einige mehr tragen mit ihren Episoden zur Intensität der Handlung bei.


    „Erntejahre“ ist ein wunderbarer Abschluss, vollgepackt mit einer spannenden, teils dramatischen Handlung sowie geschichtlichen Momenten, die der Leser während der Lektüre hautnah miterleben darf. Anrührend, fesselnd und vor allem nachklingend hat die Geschichte eine absolute Leseempfehlung verdient!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

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