Barbara Kunrath - Wir für uns

  • Kurzmeinung

    Bartie
    Geschichte einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft, lebensnah, authentisch
  • Kurzmeinung

    Falea82
    Flüssiger Schreibstil, aber zu viele Problemthemen, die häufig nur oberflächlich behandelt worden sind.

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  • Josie ist ungewollt schwanger von ihrem verheirateten Freund. Er will das Kind nicht und ihre Umwelt findet sie mit einundvierzig Jahren schon ziemlich alt für ein Neugeborenes.

    Katharina ist siebzig und gerade Witwe geworden. Für beide ändert sich das Leben von jetzt auf gleich radikal. Sie müssen auf einmal lebensverändernde Entscheidungen treffen.

    Trotz des großen Altersunterschiedes werden die beiden Freundinnen. Jede nimmt die andere wie sie ist, will sie nicht ändern sondern unterstützen.

    Die Umwelt der beiden spart nicht mit guten Ratschlägen und wundert sich über diese Freundschaft.

    Babara Kunath gehört zu den Autorinnen auf die ich mich freue wenn ein neues Buch erscheint. Ich fühle mich bei ihren Büchern wohl, auch wenn die Frauen in den Romanen oft eine schwierige Vergangenheit haben die sie im jetzt bewältigen müssen oder wie in diesem Buch schwierige Entscheidungen treffen.

    Ihre Frauen sind nicht allein, Familie oder Freunde auch mal Fremde geben Kraft und Mut. Gleichzeitig handeln die Personen nach dem Spruch " Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott". Sie sind nicht unbedingt stark aber sie entwickeln Selbstbewusstsein, klären ihre Wünsche und können am Ende auch Nein sagen.

    Der Mut ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen zeichnet Josie und Katharina aus. Sie sind sehr verschiedene Charaktere mit Ecken und Kannten, mit denen man sich erst vertraut machen muss. Es ist nicht sofort eine innige Beziehung zu den Figuren. Für den Vater des ungeborenen Kindes gibt es auf Anhieb nur ein Wort. Aber mit jeder weiteren Seite, erkennt man beim Lesen zu jeder Situation gehören meistens zwei.

    Das hat für mich das Buch besonders gemacht, ich kann meine Meinung ändern, dieser Mann wird zwar nicht meine Lieblingsfigur aber ich bringe etwas Verständnis auf.

    Auch ich habe mich im Laufe des Buchs weiter entwickelt.

  • erscheint am 28.7., die ebook-Ausgabe ist schon erhältlich


    Klappentext/Verlagstext

    Für ein Leben, das genau jetzt ganz neu beginnt.

    Josie ist schwanger. Von Bengt, der schon eine Familie hat und kein Kind mehr möchte. Aber was möchte Josie? Sie ist Anfang Vierzig, und ihre Wünsche hat sie immer auf »später« aufgeschoben. Kathi ist plötzlich allein. Ihr Mann Werner ist gestorben, nach fünfzig Jahren gemeinsamen Lebens. Ihr einziger Sohn ist ihr fremd geworden. Auch Kathi hat so vieles auf »später« verschoben. Als Josie durch einen Zufall in Kathis Küche landet, sind beide verwundert. Sie fühlen sich in Gegenwart der anderen so unbelastet. Ernst genommen. Die beiden Frauen spüren, dass das Leben ihnen genau jetzt ganz unerwartet die Tür öffnet.

    Manchmal schickt uns das Schicksal einen Menschen, den wir gar nicht gesucht haben. Und plötzlich steht unser Leben wieder auf »Los«.


    Die Autorin

    Barbara Kunrath schreibt mit feiner Beobachtung und Gefühl über zwischenmenschliche Beziehungen und deren emotionale Bedeutung. Mit ihrem ersten Roman »Schwestern bleiben wir immer« gelang ihr der Sprung auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, mit »Wir für uns« stellt sie den unverhofften Lebensmut zweier Frauen in den Fokus. Barbara Kunrath, geboren 1960, lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Limburg an der Lahn, sie hat zwei erwachsene Töchter und drei Enkelkinder.


    Inhalt

    Josies Einmal-wöchentlich-2-Stunden-Beziehung Bengt hatte keine Zweifel daran gelassen, dass er sich nicht von seiner Frau trennen wird. Mit fast 50 will er auf keinen Fall ein Kind mit seiner Geliebten haben; denn er hat schon Kinder. Als Josie mit über 40 entdeckt, dass sie schwanger ist, bedeutete das die letzte Chance für ein Kind, ehe ihre biologische Uhr abläuft. Zwischen dem Ungeborenen und Bengt wird sie sich entscheiden müssen - wie zu erwarten war. Einem schusseligen Wesen wie Josie traut kaum jemand ein Leben mit Kind zu, am wenigsten Josie selbst. Bisher musste sie in ihrem Single-Leben zu oft ihren Bruder um Hilfe bitten und ist deshalb frisch in Florians Nähe gezogen. Josies Schwangerschaft lässt einen mühsam verborgenen Familienkonflikt aufbrechen. Über das mittlere Kind, Josies ältere Schwester Babette, wurde so gut wie nie gesprochen – und es scheint keine Fotos von ihr zu geben.


    Als Josie den Ehering einer offenbar betagten Person findet, lernt sie die 70-jährige Kathi kennen, die jahrzehntelang im Ort den Lebensmittelladen betrieb. Als Kathis Kunden nur noch das bei ihr kauften, das sie im Supermarkt der Stadt vergessen hatten, rentierte sich der Laden jedoch nicht mehr. Kathi hat nie verwunden, dass sie ihr Geschäft aufgeben musste, in dem sie gearbeitet hat, seit sie 15 war. Die Begegnung der beiden gegensätzlichen Frauen bringt die Idee hervor, in anderer Form wieder einen Dorfladen zu eröffnen. Josie (die sich bestens mit Kathie versteht) und Melanie, die bereits in der Naturkost-Branche gearbeitet hat, würden theoretisch die Mindest-Mitgliederzahl einer Genossenschaft bilden. Doch bevor der Plan Form annehmen kann, muss Kathi umdenken, und alle Beteiligten haben private Klippen zu überwinden. Josie ringt mit Bengts Forderung nach einem Schwangerschaftsabbruch, Kathis Sohn Max trennt sich für die Mutter überraschend von seiner Frau, zu der Kathi ein vertrautes Verhältnis hatte, und im Dorf stehen zu viele alte Verletzungen dem Laden-Projekt im Weg. Nicht nur die schusselige Josie, auch ihre Mutter und Kathi haben eine anstrengende Art, um Tatsachen herum zu lavieren, die für jeden außer ihnen selbst offensichtlich sind.


    Fazit

    Die zahlreichen Querverbindungen zwischen den Figuren ließen mich trotz aller Konflikte schon früh auf ein glückliches Ende hoffen. Irgendjemand würde schon über seinen Schatten springen und damit einen alternativen Lebensentwurf anstoßen. Die Art gleich mehrerer Figuren, Offensichtliches totzuschweigen, bremste zu Anfang die Spannung stark aus. Von der neutralen Erzählerstimme, die aus Katies Leben erzählt, hätte ich gern mehr erfahren als sie selbst portionsweise preisgibt. Josie und Melanie dagegen fand ich zu einseitig unter Vernachlässigung ihres Berufs-Ichs dargestellt. In einem Roman, der 2019 unter berufstätigen Frauen spielt, genügt mir diese Sicht nicht. Als die Geschichte schon beinahe zu Ende war, erlebte ich Josie endlich zum ersten Mal an ihrem Arbeitsplatz, als Sozialpädagogin, die im Jugendamt Familien mit Kindern betreut. Auch die Darstellung von Melanies behinderter Tochter Nela gefiel mir nicht in einem Szenario, in dem eine der Hauptfiguren beruflich ständig mit dem Entwicklungsstand von Kindern befasst ist. Angesichts des zeitgemäßen Themas Dorfladen lässt die einseitige Darstellung der jüngeren Frauenfiguren die 2019 spielende Handlung m. A. zu trivial wirken.


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    :study:-- Mirow - Die Chroniken von Mistle End 3.

    :study: --

    :musik: -- Disher - Barrier Highway (3.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Über die Autorin (E-Book)

    Barbara Kunrath, schreibt mit feiner Beobachtung und Gefühl über zwischenmenschliche Beziehungen und deren emotionale Bedeutung. Mit ihrem ersten Roman ‚Schwestern bleiben wir immer‘ gelang ihr der Sprung auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, mit ‚Wir für uns‘ stellt sie den unverhofften Lebensmut zweier Frauen in den Fokus. Barbara Kunrath, geboren 1960, lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Limburg an der Lahn, sie hat zwei erwachsene Töchter und drei Enkelkinder.


    Produktinformation (Amazon)

    ASIN ‏ : ‎ B0932FMWY8

    Herausgeber ‏ : ‎ FISCHER E-Books; 1. Edition (1. Juli 2021)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Dateigröße ‏ : ‎ 874 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten


    Wichtige Entscheidungen

    Josie ist von Bengt schwanger. Doch dieser möchte kein Kind mehr, zumal er auch noch verheiratet ist. Aber Josie, was möchte sie? Sie hat alles immer auf später verschoben ist inzwischen Anfang vierzig. Kathi Mann ist plötzlich gestorben. Fast fünfzig Jahre war sie mit ihm verheiratet. Ihr Sohn ist ihr fremd geworden. Auch Kathi hat alles immer auf später verschoben. Josie landet durch Zufall in Kathis Küche und beide sind verwundert. Jede fühlt sich in der Gegenwart der anderen wohl, ernst genommen. Und die beiden Frauen spüren, dass sich ganz unerwartet eine Tür in ihrem Leben öffnet.


    Meine Meinung

    Ich glaube, dies ist das erste Buch das ich von dieser Autorin gelesen habe. Es ließ sich – dank des unkomplizierten Schreibstils der Autorin – auch leicht und flüssig lesen. Keine Unklarheit im Text störte meinen Lesefluss. In der Geschichte war ich auch schnell drinnen, konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen. In Kathi, die nach dem Tod ihres Mannes eigentlich nichts mehr hatte, und am liebsten ihren Laden, den sie vor Jahren aufgegeben hatte, wieder öffnen würde. An Josie, die schon älter als vierzig Jahre, von einem verheirateten Mann schwanger geworden ist. Und dieser Mann will das Kind nicht. Josie ist am Überlegen: Abtreiben oder behalten? Denn es stellt sich natürlich auch die Frage, ob das Kind gesund sein wird. Denn ab ihrem Alter steigt die Gefahr eines kranken Kindes ständig. Doch das ist etwas, was man überprüfen kann. Aber will Josie das überhaupt? Will sie überhaupt das Kind bekommen? Oder Bengts Rat befolgen und zur Abtreibung greifen? All dies kann der Leser in diesem Buch nachlesen, auch was die Entscheidung dazu alles auslöst. Doch Josie und Kathi haben sich angefreundet, und die Eine hilft der Anderen bei ihren Überlegungen. Dies ist kein Buch mit großartiger Spannung. Natürlich fragt man sich: Tut sie es oder tut sie es nicht? Bekommt sie ihr Kind, oder nicht? Macht Kathi ihren Laden wieder auf oder lässt sie es bleiben? Es ist ein Unterhaltungsroman, ein Roman über Liebe und Freundschaft. Über Elternliebe und auch Kindesliebe und noch so manches mehr. Er hat mir gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter. Von mir dafür vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.


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    Liebe Grüße
    Lerchie



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    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • So ist das Leben

    Das Cover ist in freundlichen warmen Farben gehalten. Die abgebildeten geschwungenen stilisierten Pflanzen finden sich auch zum Auftakt jedes der fünf Teile des Romans - eine schöne Gestaltung des Buchs.

    Die Erzähl-Perspektive wechselt kapitelweise zwischen den beiden Protagonistinnen, die Kapitel der jüngeren Frau sind aus der Ich-Perspektive geschrieben, von ihr erfährt der Leser mehr Gedanken und Gefühle, während die ältere Protagonistin oft ihre Vergangenheit reflektiert. Mir gefällt dieser Rhythmus beim Lesen.


    Der Roman erzählt von der durch einen Zufall entstehenden Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen, der 41-jährigen schwangeren Josie, die sich für oder gegen das Kind entscheiden muss, und da ist die siebzigjährige Kathi, gerade Witwe geworden und ratlos, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen soll.


    Beide akzeptieren die andere bedingungslos, sie unterstützen einander und ermutigen sich gegenseitig, zum jetzigen Zeitpunkt das zu tun, was sie wirklich für sich wollen. Neben dieser Freundschaft werden nach und nach die Erfahrungen geschildert, die beide Frauen in ihren Familien gemacht haben:

    die Konstellationen innerhalb einer Familie sind kompliziert und können verletzen und das ganze weitere Leben auf vielfältige Art und Weise beeinträchtigen. Die Autorin spricht hier viele unterschiedliche Themen an, die jede/n von uns im Laufe des Lebens beschäftigen oder auch konfrontieren können.


    Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Autorin schreibt lebendig, zugewandt und herzlich, beschreibt sowohl Charaktere als auch Ereignisse authentisch und realitätsnah. Besonders mit Josie fällt die Identifikation leicht, viele Leserinnen werden sich in diesem Roman wiederfinden können.


    Die Botschaft kommt an: lebe im Jetzt, sei mutig und trau Dich, Deine Träume wahr werden zu lassen, es ist nie zu spät.


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  • *** Grandioser Schreibstil! ***


    Barbara Kunrath hat einen wundervollen Roman über unerwartete Freundschaften, familiäre Konflikte und Geheimnisse, schwierige Entscheidungen und mutige Neuanfänge erschaffen.


    Bereits das zauberhafte Cover strahlt für mich, trotz der suggerierten Leichtigkeit aufgrund der niedlichen Vögelchen, eine gewisse Tiefgründigkeit aus, und die stilvolle, gedeckte Hintergrundfarbe sowie die goldenen Elemente verleihen der Gestaltung einen hochwertigen, edlen Touch. Jener authentische Eindruck setzt sich im Laufe des Romans fort, in dem facettenreiche, aus dem Leben gegriffene Figuren mit realistischer Ernsthaftigkeit ausgearbeitet worden sind, ohne dabei Sympathiepunkte einzubüßen.


    Josie, knapp über Vierzig, hört in der Ferne bereits die biologische Uhr ticken, als sie überrascht feststellt, dass sie schwanger ist. Für ihren Partner Bengt (der diese Bezeichnung im Grunde gar nicht verdient, denn offiziell ist er nicht IHR Freund, sondern der Ehemann einer Anderen – und Vater deren Kinder) steht fest, dass Josie die Schwangerschaft abbrechen muss. Kathi, 70, frisch verwitwet, hat ganz andere Sorgen. Fünfzig Ehejahre liegen hinter ihr - wie soll es nach dem Tod ihres Werners nun weitergehen? Ihr Sohn Max und sie haben sich voneinander entfremdet; er kämpft mit seinen eigenen Problemen, die Kathi nur schwer akzeptieren kann. Ihre einst innige Mutter-Kind-Beziehung scheint, aller Bemühungen zum Trotz, nicht mehr zu kitten. Tief in Kathi schlummert zudem der Wunsch, ihren ehemaligen Lebensmittelladen neu zu eröffnen, der einen großen Teil ihres Lebens geprägt, allerdings auch für familiäre Unstimmigkeiten gesorgt hatte. Aber ist diese Sehnsucht überhaupt realistisch oder sollte man das Vergangene lieber ruhen lassen?


    So unterschiedlich beide Frauen in ihrem Wesen, ihren Lebenserfahrungen und Überzeugungen sind, so selbstverständlich ergänzen sich ihre Charakterzüge zu einer von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägten Freundschaft. Beide weiblichen Hauptfiguren sind mir auf ihre ganz eigene Art ans Herz gewachsen und ich freute mich aufrichtig über ihre persönliche Entwicklung. Ein weiteres bedeutendes Thema in dieser Geschichte sind die gesundheitlichen Risiken und mütterlichen Ängste spätgebärender Frauen, insbesondere im Hinblick auf die Chromosomenanomalie Trisomie 21.


    Erzählt wird die samt Epilog in sechs Abschnitte unterteilte Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Josie (Ich-Form) und Kathi (in der 3. Person). Der klare Schreibstil der Autorin ist geprägt von Authentizität und Feingefühl und hat mir unheimlich gut gefallen.


    Fazit: Ein stilles, empathisches, aber auch kraftvolles Buch, das zum Nachdenken anregt.

  • „Mach die Augen zu und flieg“ oder „Manchmal muss man Vertrautes loslassen und nach vorne schauen“


    Das Cover ist farblich schön, aber thematisch neutral gestaltet und hat deshalb meine Neugierde geweckt. Die Autorin kannte ich bisher nicht, die Buchbeschreibung gefiel mir und hat das erste Gefühl bestätigt. Ich wurde nicht enttäuscht, denn ich habe die Lektüre der Geschichte sehr genossen. Der Roman handelt von der Freundschaft der Protagonistinnen Josie und Kathi, die sich jeweils an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Leben befinden.


    Der Roman beginnt mit einem schönen italienischen Sprichwort und einem Prolog aus Sicht von Josie. Anschließend wechseln die Erzählperspektiven der Protagonistinnen pro Kapitel, die in fünf Teile aufgeteilt sind. Der Epilog ist abschließend wieder aus Josies Sicht geschrieben. Handwerklich ist das richtig gut gemacht und der Sprachstil insgesamt sehr angenehm. Die Gefühle und Gedanken der Frauen zweier unterschiedlicher Generationen sind empfindsam, warmherzig und realistisch geschildert, so dass ich mich gut in die Charaktere hineinversetzen konnte. Die Geschichte behandelt dabei viele unterschiedliche, teils aktuelle Themen, ohne überfrachtet oder belehrend zu wirken.


    Ein wenig mehr Spannung und Höhepunkte innerhalb des Romans und ein nicht ganz so schnelles und klischeehaftes Ende hätten mir zwar gut gefallen, trotzdem eine klare Leseempfehlung für diesen nicht ganz typischen Frauenroman.

  • Eine Geschichte mitten aus dem Leben!


    Josie ist 41 Jahre alt und schwanger von Bengt. Bengt ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und drängt Josie dazu, das Kind abzutreiben. Josie sieht diese Schwangerschaft als letzte Chance Mutter zu werden...doch ein Kind ohne Vater aufziehen? Schafft sie das? Durch einen glücklichen Zufall lernt Josie Kathi kennen, die gerade ihren Mann Werner nach langer Ehe beerdigen musste. Die beiden Frauen schliessen, trotz der dreissig Jahre Altersunterschied, schnell Freundschaft.



    Die Geschichte um Josie und Kathi ist eine, die mitten aus dem Leben entsprungen sein könnte. Nicht nur, dass die Themen authentisch daher kommen. Die Figuren tun es ebenfalls und kommen dem Leser sehr nahe. Denn in abwechselnden Kapiteln erfährt man in Ich Perspektive die Sichtweise von der schwangeren Josie und der trauernden Kathi.

    Bei Josie spürt man sehr schnell, wo der Hase in der Beziehung mit Bengt begraben liegt. Man spürt auch, wie sie hin und her gerissen ist. Die Diskussion, um das Schicksal des gemeinsamen Kindes, zeigt viele Facetten der Beziehung zwischen Josie und Bengt. Ich hatte sehr viel Mitleid mit Josie, denn ihr Leben zu Beginn des Buches, empfand ich als trist. Bedrückend wie sie sich verbiegt, um so zu sein, wie Bengt sie haben möchte.

    Und dann ist da auch noch Kathi, die nach einer erfüllten Ehe zurückblickt und merkt, dass nicht alles so perfekt war, wie sie dachte. " Er gab ihr Sicherheit und sie ihm Ruhe" ist wohl doch nicht das Nonplusultra einer Ehe. Sehr tiefgündig sind die Überlegungen von Kathi, die auf ihr Leben zurückschaut.

    Beide Lebenssituationen haben mich gleichwertig gefesselt. Ich fand vor allem die Unterschiede toll.

    Die Autorin hat bei mir Emotionen geweckt. Im Bezug zu den Beziehungen beider Frauen, aber auch zur Lebenssituation von Kathis Sohn Max. Und dann sind auch noch die Themen pränatale Tests, Kinder mit einem Down Syndrom und Klimawandel.

    Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen. Vor allem der Neubeginn, den beide Frauen anpacken, ist faszinierend.

    Den Schreibstil habe ich als sehr gut lesbar empfunden. Ich hatte " Wir für uns" relativ schnell gelesen, Da immer wieder Unerwartetes geschieht, konnte ich es kaum aus der Hand legen.


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  • Inhalt Zitat amazon.de:

    Für ein Leben, das genau jetzt ganz neu beginnt.
    Josie ist schwanger. Von Bengt, der schon eine Familie hat und kein Kind mehr möchte. Aber was möchte Josie? Sie ist Anfang Vierzig, und ihre Wünsche hat sie immer auf »später« aufgeschoben. Kathi ist plötzlich allein. Ihr Mann Werner ist gestorben, nach fünfzig Jahren gemeinsamen Lebens. Ihr einziger Sohn ist ihr fremd geworden. Auch Kathi hat so vieles auf »später« verschoben. Als Josie durch einen Zufall in Kathis Küche landet, sind beide verwundert. Sie fühlen sich in Gegenwart der anderen so unbelastet. Ernst genommen. Die beiden Frauen spüren, dass das Leben ihnen genau jetzt ganz unerwartet die Tür öffnet.
    Manchmal schickt uns das Schicksal einen Menschen, den wir gar nicht gesucht haben. Und plötzlich steht unser Leben wieder auf »Los«."







    Bei diesem Cover wird deutlich, dass es nicht viel braucht, um Atmosphäre zu schaffen, die gefangen nimmt. Hier wird durch die wenigen, jedoch gut gesetzten Details viel Tiefsinn ausgedrückt. Durch die Darstellung der zweierlei Vogelarten, die aber dennoch Interesse aneinander zeigen, wird schon viel vom Inhalt offenbart.

    Der Schreibstil kommt fast etwas unnahbar daher. Die Erzählweise wirkt aber gerade deshalb sehr atmosphärisch und lässt den Leser tief ins Geschehen eindringen. Durch diesen Stil und die sich abwechselnden Geschichten der Protagonistinnen, die sich nach und nach annähern, konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen, weil ich nicht nur dabei, sondern mitten im Geschehen war.

    Die Charaktere kommen dadurch so wunderbar zur Geltung und haben Charisma mit Ecken und Kanten. Die Gedankengänge und Reaktionen sind schlüssig und nachvollziehbar.

    Die Authentizität und der Tiefsinn haben mich von der ersten bis zur letzten Seite voll und ganz überzeugt.



    Mein Fazit: konnte mich von Anfang bis Ende begeistern

  • Lebensnah und sympathisch


    „Wir für uns“ ist ein wunderbarer Titel für dieses Buch. Denn es geht um ein bisschen mehr „wir“ und es geht darum, sich selbst treu zu bleiben bzw. werden.


    Da ist Josie, schwanger aus einer 9 Jahre andauernden Affäre, die sich fragen muss, was sie wirklich will im Leben. Bisher hat sich viel darum gedreht, was ER will und wie ER sich dieses Leben vorstellt. Doch wieviel davon ist auch ihr Wunsch? Wie intensiv lebt sie überhaupt während des Wartens auf die gemeinsamen Abende? Und wie ist das alles mit ihrem Wunsch nach Familie, nach Zugehörigkeit zu vereinbaren?


    Und da ist Kathi, deren Mann plötzlich verstirbt und deren Lebensinhalt, ein kleiner Laden, bereits vor Jahren aufgelöst wurde. Sie fragt sich, ob es das schon war mit dem Leben. Und sie beginnt, die gemeinsame Zeit mit ihrer Familie und ihrem Sohn zu hinterfragen. War sie jemals richtig glücklich? Und wie ist es jetzt, wo scheinbar alles auseinanderbricht?


    Durch Zufall finden die beiden unterschiedlichen Frauen zusammen, sind sich Ratgeber und Stütze. Worauf ihr gegenseitiges Urvertrauen baut, wird nie ganz klar. Aber sie sind für einander da und helfen der jeweils anderen, den Blick zu weiten.


    Mir gefällt, dass es in diesem Buch nie um gut oder böse, um schwarz oder weiß geht. Immer sind die verschiedensten Grautöne dabei. Die Frauen begreifen ihre eigenen Anteile an den teilweise verzwickten Situationen und öffnen sich für Veränderungen. So werden nicht nur die Protagonistinnen nahbar, sondern auch die Nebenfiguren. Dadurch wird das Buch für mich absolut lesenswert.


    Auch wenn ab einem gewissen Zeitpunkt klar war, wie das Buch enden wird, war ich neugierig, welche Hürden die beiden Frauen noch überwinden können.


    Das Buch liest sich sehr flüssig. Man kann einerseits an den Gedanken von Josie und Kathi teilhaben und erlebt sie andererseits direkt in der Aktion. Dieser Wechsel gefällt mir sehr gut. Dadurch kann man sich einfach noch besser in die beiden Hauptfiguren hineinversetzen.


    Man merkt, dass der Autorin einzelne Themen sehr wichtig sind. So beschäftigt sich Josie stark mit Trisonomie 21, Kathie muss sich mit Homosexualität auseinandersetzen. Das Buch ist fast ein Plädoyer für Offenheit und Unvoreingenommenheit. Schade finde ich, dass zusätzlich (gefühlt krampfhaft) viele weitere aktuelle Themen gestreift werden. Das ist ein bisschen zu viel und findet in dieser Geschichte für mich so richtig keinen Platz.

  • Wie das Leben so spielt...


    Mit diesem Buch schenkt uns Barbara Kunrath eine Geschichte, die das Leben schreibt.


    Im fiktiven, kleinen Ort Solbach in Hessen, in der Nähe des Westerwaldes und der Großstadt Frankfurt am Main finden zwei Frauen durch einen wunderbaren Zufall zueinander. Sie sind verschiedener Generationen zugehörig. Josie wird mit 41 Jahren plötzlich und ungewollt schwanger von ihrem jahrelangen Geliebten, der aber mit ihr kein Kind möchte. Seit neun Jahren unterhalten sie eine Dienstagsbeziehung. Kathi ist 70 Jahre alt und verlor plötzlich kurz vor der Goldenen Hochzeit ihren Mann. Es sind die tiefen, schmerzhaften Einschnitte ins Leben, die die Autorin recht anschaulich zu beschreiben versteht.


    In fünf Teilen erfuhr ich in abwechselnden Kapiteln von Josie und Kathie, wie sie den Neubeginn nach den einschneidenden Veränderungen bewältigen. Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit. Unverarbeitete Konflikte in der Großeltern- und Elterngeneration der Protagonistinnen kommen zur Sprache, die sich nachhaltig auf ihr Leben auswirkten. Dazu erfolgen bei Kathi die Rückblicke auf eine lange Ehe und ihre Rolle als Mutter und die Berufstätigkeit im Dorfladen, bei Josie ist es hauptsächlich ihre lang andauernde Beziehung zum verheirateten Bengt, die sich vorwiegend im Bett abspielte.


    „Wir für uns“ ist problembehaftet. Es kommen viele Themen zur Sprache, vielleicht etwas zu viele für nur einen Roman. Zumal diese dann zum Ende recht schnell gelöst und abgehandelt scheinen.

    Angenehm fiel mir auf, dass keine moralische Wertung erfolgte. Das kann jeder mit seiner eigenen Lebenserfahrung abgleichen.

    Den Sprachstil fand ich bereits wie bei „Töchter wie wir“, feinfühlig, ansprechend, nachvollziehbar und lebensecht.


    Fazit:

    Ich empfand den Roman als sympathisch geschriebene Geschichte über den Neubeginn des Lebens zweier Frauen unterschiedlicher Generationszugehörigkeit.


    Meine Empfehlung mit vier von fünf Sternen! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Lebenswege

    Josie, Anfang 40, ist von Bengt schwanger, mit dem sie seit 9 Jahren zusammen ist. Doch Bengt ist verheiratet und hat bereits eine Familie. Für ihn kommt es nicht infrage, dass Josie das Kind bekommt und drängt auf einen Abbruch der Schwangerschaft. Jetzt steht sie vor einer entscheidenden Lebensfrage, möchte sie weiter immer nur dienstags auf Bengt warten und die Zweisamkeit genießen oder soll sie ohne Mann ein Kind großziehen und dann ist da auch noch die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Durch Zufall trifft sie auf Kathi, deren Mann Werner nach fast 50 Jahren Ehe plötzlich verstorben ist. Als auch noch kurze Zeit später ihr Sohn Max sich von seiner Frau trennt, kann Kathi den wahren Grund nur sehr schwer akzeptieren. Das Verhältnis zu ihrem Sohn wird dadurch stark belastet. In dieser Zeit entwickelt sich zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen, vom Alter her wie auch charakterlich, langsam eine Freundschaft.

    Josie mit ihrer manchmal sehr naiven Art und immer auf der Suche nach den richtigen Worten, die ihr dann doch so missverständlich über die Lippen kommen, habe ich gleich sehr ins Herz geschlossen. Bei Kathi habe ich mich da etwas schwerer getan. Ihre doch sehr spröde und ruppige Art, hat sie nicht immer sympathisch dastehen lassen. Doch auf ihre ganz eigene Art hat sie Zugang zu Josie gefunden. In dieser Geschichte wurde nicht nur die Frauenfreundschaft in den Vordergrund gestellt, sondern auch mit welchen Ängsten und Risiken Spätgebärende zu kämpfen haben. Schön eingeflochten in die Handlung wurde die Bekanntschaft zu Melanie mit ihrer Tochter Nela, die Trisomie 21 hat.

    Die Autorin beschreibt Familiengeschichten mit ihren Problemen, Missverständnissen, Schweigen und fehlender Akzeptanz, wie sie überall vorkommen können.

    Durch den fließenden und lebendigen Schreibstil, die gut herausgearbeiteten Charaktere ließ sich das Buch wunderbar lesen und ich habe es sehr genossen. Es hat in einigen Punkten auch zum Nachdenken angeregt.

    Das Cover ist sehr schön gestaltet, so dass es mir persönlich auf einem Büchertisch sofort ins Auge gefallen wäre. Hier kann ich eine klare Leseempfehlung aussprechen.

  • „Carpe diem“ rät der Dichter Horaz. Doch wir alle kennen das, dass wir Dinge aufschieben, weil es gerade nicht so passt.


    Auch Josie hat ihre Wünsche auf „später“ verschoben. Nun ist sie Anfang vierzig und hat eine Beziehung zu Bengt, der schon eine Familie hat. Dann ist Josie unverhofft schwanger und Bengt möchte kein Kind mehr.


    Auch Kathi hat vieles auf „später“ verschoben. Nun ist sie alleine, da ihr Mann nach über fünfzig Jahren gemeinsamen Lebens verstorben ist und ihr Sohn ihr fremde geworden ist.


    Dann bringt der Zufall diese beiden ungleichen Frauen zusammen. Sie spüren gleich eine Verbindung und was noch wichtiger ist: Sie fühlen sich verstanden. Das Leben der beiden Frauen verändert sich und eröffnet damit neue Chancen.


    Dies ist mein zweiter Roman der Autorin Barbara Kunrath. Der Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen und die Geschichte zeig6t, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu verändern.


    Ich konnte mich beide Frauen gut hineinversetzen. Sie haben ihr Leben nach dem Mann ausgerichtet und sich selbst ein wenig darüber vergessen. Es ist nicht einfach, sich dann aufzuraffen und Änderungen im Leben zuzulassen. Doch sie geben sich gegenseitig Kraft und Zuversicht.


    Diese Geschichte regt dazu an, sich Gedanken zu machen, ob man nicht auch einiges auf „später“ verschoben hat.


    Eine emotionale Geschichte, die mir gut gefallen hat.

  • Ungewöhnliche Frauenfreundschaft


    Josie ist Anfang Vierzig, Kathi Anfang Siebzig. Beide Frauen begegnen zufällig einander. Josie ist mit ihrem ersten Kind schwanger und lebt in keiner festen Beziehung. Der Vater des Kindes ist nämlich verheiratet und alles anderes als glücklich über Josies Schwangerschaft. Das Kind passt nicht in sein Leben, er will es nicht.


    Kathi hat gerade ihren Mann Werner verloren. Er ist nach fast fünfzig Jahren Ehe gestorben. Kathi hat noch ihren Sohn Max, zu dem sie derzeit aber keine Verbindung findet. Sie ist enttäuscht von ihm, weil er offen zugibt, dass er schwul ist.


    Beide Frauen haben bisher ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse immer wieder auf „später“ verschoben. Viel wichtiger waren für sie ihre Pflichten: Partner, Familie, Beruf. Doch ihre zufällige Begegnung bringt gravierende Veränderungen in ihrem Leben. Denn trotz des großen Altersunterschiedes verstehen sie sich auf Anhieb und vertrauen einander ihre Sorgen und Probleme. Sie sind für einander da und treffen Entscheidungen, die ihr bisheriges Leben verändern werden.


    „Wir für uns“ ist eine Frauen- und Familiengeschichte, die hervorragend bedeutende Bilder unserer heutigen Gesellschaft vermittelt. Die Autorin spricht viele aktuellen Themen in ihrem Roman an. Es geht vor allem um typische Frauen- und familiäre Probleme, wie Risikoschwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, alleinerziehende Mutter, Familiengeheimnisse, Ehebruch, Verlust, Trauer und Loslassen. Aber auch die Homosexualität, Behinderung oder Klimawandel werden hier angesprochen. Es ist also ein vielseitiger Roman, der gerne von der gesamten Leserschaft gelesen werden kann.


    Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und fühlte mich gut unterhalten.

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