Lukas Rietzschel - Raumfahrer

Cover zum Buch Raumfahrer: »Feine, große Literatur.«...

Titel: Raumfahrer: »Feine, große Literatur.«...

4,8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: dtv

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 288

ISBN: 9783423282956

Termin: Juli 2021

Aktion

  • Irgendwo im Nirgendwo


    Meine Meinung zum neuen Roman von Lukas Riezschel ist zwiegespalten. Auf der einen Seite erhält der Leser einen tollen Einblick in die Stuktur, wie die damalige DDR funktionierte, auf der anderen Seite wird eine Geschichte erzählt – rund um Jan und seine Familie, die mich gar nicht gepackt hat.

    Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, angekündigt als der Autor mit eingeschlagenem Debütroman, hatte ich ehrlich gesagt auf mehr gehofft.

    Der Bau der Mauer und die Trennung zweier Brüder, die versuchen, in Kontakt zu bleiben, Stasi dieses allerdings nicht zulässt. Vielmehr tritt nach Fluchtversuchen des einen Bruders – er wollte dem Künstler nach West-Berlin hinterher, das volle Programm der Beobachtung in Gang.

    Das Cover zeigt ein Feld, an dessen Ende die Ausläufer einer Stadt zu sehen sind, vielleicht der Stadt, deren Untergang durch die Wiedervereinigung skizziert wird.

    Lukas Rietzschel schafft mit seiner Schreibweise nicht, mich in seinen Bann zu ziehen. Schade, ich hatte auf ein weiteres großartiges Buch von ihm gehofft.

    Nach dem Lesen fühlte ich mich auch wie ein Raumfahrer – irgendwo, aber doch nicht angekommen.


    Titel: Raumfahrer

    Autor: Lukas Rietzschel

    Verlag: dtv

    Seitenanzahl: 288

    Genre: Roman

    Preis: 22,00€

  • Das Cover zeigt ein Feld, an dessen Ende die Ausläufer einer Stadt zu sehen sind, vielleicht der Stadt, deren Untergang durch die Wiedervereinigung skizziert wird.

    Und da ich nun die ISBN unter dem Reiter 'Buch' im Editor nachgetragen habe, kann man es sogar srhen 8)

  • Deine Mutti war ne schöne Frau

    Historische Wendezeiten bieten immer eine Stofffülle für eindrucksvolle Romane, verweben sich in ihnen doch menschliche Schicksale wie in griechischen Tragödien in Dilemmata, denen die Protagonisten niemals schuldlos entrinnen können. Auch die jüngste Vergangenheit ist Schauplatz solcher Verwicklungen.

    Wie setzt man das um in Literatur, ohne diese Geschehnisse in Trivialität und Austauschbarkeit zu verflachen?

    Krietschel gelingt dies durch innere Distanz. Er lässt die Fakten für sich sprechen, die die Handelnden gerade in Kleinigkeiten kommentarlos charakterisieren, wie z.B. die Abneigung der bescheidenen Mutter gegen den Aufenthalt im Café vor aller Augen - nein, sie genießt allenfalls einen To-Go-Becher, verbittet sich dabei aber jegliche Störung.

    Spannung baut der Autor auf durch die diskontinuierliche Erzählweise, die den Lesenden eine derartige Konzentration abverlangt, dass ich mir durchaus gelegentlich zur Abwechslung einen straight durchkomponierten Bericht wünsche. Von Anfang an erzeugt der Schriftsteller eine Aura des Rätselhaften, wie grauer Firnis überzieht zudem noch eine Trostlosigkeit den Roman. Das erreicht er mit kargen, dabei aber um so wirkungsvolleren sprachlichen Mitteln.

    Die Grundkonstellation entsteht bei der Begegnung des jungen Pflegers Jan mit dem Patienten Günter. Die episodenhaften Rückblenden kann man eigentlich erst ganz kurz vor dem Ende in einem Aha-Moment einordnen, der aber auch nicht alle Fragen beantwortet. Mein Interesse wurde eigentlich vor der Lektüre geweckt durch den Bezug zum Künstler Georg Baselitz. Dass seine Rolle sich dann eher auf das Private beschränkt und sein Schaffensprozess als solcher kaum zur Sprache kommt, hat mich ein bisschen enttäuscht, aber Rietzschel stellt schon in der Vorrede klar, dass es sich hier um Fiktion handelt. Er hat eine exemplarische reale Konstellation gewählt, um zu demonstieren, was die Zurückgelassenen erlitten, wenn begabte Menschen nach ihrer Flucht im Westen Prominenz erlangten.

    Unterm Strich empfehle ich diese komprimierte Studie geduldigen, an der deutschen Wendezeit interessierten Literaturbegeisterten, die aus lange nachhallenden Subtilitäten ihre Erkenntnisse ziehen.

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