Wladimir Tendrjakow - Mondfinsternis / затмение / Zatmenie

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  • Der Autor (Quelle: Suhrkamp): Wladimir Fjodorowitsch Tendrjakow, 1923 im Gebiet von Woronesch geboren, begann sein Studium 1946 am Gorki-Literatur-Institut in Moskau. 1947 veröffentlichte er seine erste Erzählung. 1957 tritt er als Kritiker des Regimes hervor und wird von der Vollversammlung der Schriftsteller dafür gerügt. Tendrjakow ist ein Bewunderer Tolstojs und Tschechows, die ihn beeinflusst haben. Als bekannter Vertreter der Tauwetter-Periode der sowjetischen Literatur starb er 1984 mit 60 Jahren in Moskau, noch bevor Glasnost und Perestroika das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Systems der Sowjetunion modernisierten.


    Klappentext (Quelle: Suhrkamp): „Begreife einen Menschen und erkenne ihn an, den einzigen von allen, der bestimmt ist, mit dir den Weg zu teilen. Begreife ihn! Nein, das ist schwer. Wahrlich: gegenseitiges Verstehen bezahlen die Menschen mit Blut und Stücken ihres Lebens.“ Diese Sätze stehen am Ende des Romans „Mondfinsternis“, der Geschichte einer Liebe und einer Ehe, des Scheiterns von beidem. Es ist die Geschichte von Maja und Pavel, die mit dem Erlebnis einer Mondfinsternis beginnt und mit einer Mondfinsternis endet, wenn alles seinen Lauf und sein Ende gefunden hat. Tendrjakow geht der Schuldfrage nach und zeigt auf, dass sie nicht gestellt werden kann. Er hat das Leben seiner jungen Helden aufgebaut, zerstört und setzt zu neuen Möglichkeiten für ein neues Leben an. Dies geschieht im Bewusstsein, „jene Gesetzmäßigkeiten zu durchdringen, auf denen menschliche Beziehungen beruhen“, so präzisiert der Autor.


    Russische und deutsche Ausgaben:

    • Die russische Originalausgabe erschien 1977 unter dem Titel „затмение“ (Zatmenie) in der russischen Literaturzeitschrift „Družba narodov“ (1977) Nr. 5. Neu aufgelegt u.a. 1986 bei Sovremennik in Moskau.
    • Die westdeutsche Übersetzung aus dem Russischen von Wolfgang Kasack erschien 1978 unter dem Titel „Mondfinsternis“ im Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main, neuaufgelegt als Suhrkamp-Taschenbuch 717 im Jahr 1981 im Suhkamp Taschenbuch Verlag (314 Seiten).
    • Die ostdeutsche Übersetzung aus dem Russischen von Helga Gutsche erschien 1981 unter dem Titel „Mondfinsternis“ als Ausgabe 372 der „Roman-Zeitung“ (3/1981) im Verlag Volk und Welt in Berlin (153 Seiten).

    Ich finde keine englische oder französische Übersetzung dieses Romans. Die kyrillische Schreibweise des Autorennamens lautet Владимир Тендряков, die englische Vladimir Tendryakov und die französische Vladimir Tendriakov.


    Inhalt:

    1. Erstes Kapitel: Frühlicht (48 Seiten)
    2. Zweites Kapitel: Morgen (74 Seiten)
    3. Drittes Kapitel: Mittag (46 Seiten)
    4. Viertes Kapitel: Abenddämmerung (70 Seiten)
    5. Fünftes Kapitel: Finsternis (71 Seiten)


    Meine Einschätzung:
    Ein sowjetischer Roman (bzw. ein Powest, also eine kürzere, chronikalische Prosaform zwischen Erzählung und Roman) über die Ehe zweier junger Leute, die aufgrund unterschiedlicher Temperamente zunächst in Langeweile und Illoyalitäten erstarrt, bis sie völlig in die Brüche geht. Manchmal etwas holzschnittartig, dann wieder lebendig dank etlicher sehr stimmig auf die Spitze getriebener Situationen, quasi zu Szenen gewordene Probleme und Frontenbildungen. Entlarvend allgemeingültig und angenehm ohne wirkliche Schuldzuweisungen geschrieben (wenn auch klar aus der Männerperspektive erzählt). Der Verzicht auf die Benennung eines Schuldigen, der für das Scheitern der Liebe verantwortlich ist, lässt billige Erklärungen außen vor und belässt den zwischenmenschlichen Beziehungen ihre unübersichtliche Komplexität, bei denen sogar guter Wille nicht automatisch belohnt wird. Das bringt dem traurigen, aber nicht hoffnungslosen Roman vier :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne ein, wenn auch etwas wacklige.

    Heller "Gut wie Gold" (287/454)


    Jahresbeste: Mizielińska (2022), Lorenzen (2021), Jansson (2020), Lieberman (2019), Ferris (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:

    Gelesen: 61 (2022), 185 (2021), 161 (2020), 127 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Kauf: Conrad "Almayers Wahn" (20.6.)

  • Die ostdeutsche Übersetzung aus dem Russischen von Helga Gutsche erschien 1981 unter dem Titel „Mondfinsternis“ als Ausgabe 372 der „Roman-Zeitung“ (3/1981) im Verlag Volk und Welt in Berlin (153 Seiten).

    1. Verlag: Berlin: Volk u. Welt Verl., 1981, 1. Aufl., 159 S., brosch., (Reihe: Roman-Zeitung, Bd. 372)(3/81)


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  • Die russische Originalausgabe erschien 1977 unter dem Titel „затмение“ (Zatmenie) in der russischen Literaturzeitschrift „Družba narodov“ (1977) Nr. 5. Neu aufgelegt u.a. 1986 bei Sovremennik in Moskau.


    Bei Amazon werde ich nicht fündig, aber bei dem russischen Onlineversandhandel Ozon.ru.

    Heller "Gut wie Gold" (287/454)


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