William Kotzwinkle - Königin der Schwerter / Queen of Swords

  • Kurzmeinung

    Jean van der Vlugt
    Seltsam kalter Roman über männlichen Hochmut, weibliche Musen, Kreativität und ganzheitlichen Seelenfrieden.

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  • Der Autor (Quelle: Knaur): William Kotzwinkle, Jahrgang 1943, erhielt zweimal den National Magazine Award for Fiction und den World Fantasy Award. Ehe er sich ganz der Schriftstellerei zuwandte, war Kotzwinkle unter anderem Koch, Chauffeur, Holzfäller und Weihnachtsmann in einem Kaufhaus.


    Klappentext (Quelle: Knaur): Nach fünfzehn alles andere als unglücklichen Ehejahren verlässt der wenig erfolgreiche Schriftsteller über Nacht seine Frau, eine träge Kunstmalerin, um an der Seite der vorzeitig ergrauten, raubtierhaften Komponistenwitwe glücklich zu werden. Zwischen zwei Frauen von äußerster Gegensätzlichkeit gerät er bald in einen Zustand chaotischer Verwirrung. Die Tragikomödie einer Beziehungskrise!


    Englische, deutsche und französische Ausgaben:

    • Die amerikanische Originalausgabe erschien 1983 als „Queen of Swords“ bei G.P. Putnam's Sons in New York (175 Seiten), neu aufgelegt u.a. 1985 bei Abacus in London und 1985 bei Berkley Books in New York.
    • Die deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt erschien 1985 unter dem Titel „Königin der Schwerter“ bei der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. in München, wiederaufgelegt 1988 als Knaur-Taschenbuch Nr. 1578 ebendort (240 Seiten).
    • Die französische Übersetzung von Mimi Perrin erschien 1984 als „Histoire d'amour“ im Verlag Presses de la Renaissance in Paris (238 Seiten). 2018 wurde der Roman unter dem Titel „La reine d'épées“ im Verlag Cambourakis in Paris wiederaufgelegt (254 Seiten). Als Übersetzerin ist Mimi Perrin angegeben, aber ob es sich um eine durchgesehene, veränderte, neue oder die unveränderte alte Übersetzung handelt, ist mir nicht bekannt.


    Meine Einschätzung:
    Seltsam kalter Roman über männlichen Hochmut, weibliche Musen, Kreativität und ganzheitlichen Seelenfrieden, sehr reichhaltig, eine Versuchsanordnung, bei der es nicht um Einfühlung oder Mitgefühl mit der Hauptfigur geht, geschrieben von einem humorvollen, cleveren Erzähler mit versiertem Blick für Situationskomik und schräge Figuren. Ein Roman über den männlichen Blick (eines Künstlers) auf das Verhältnis von Frauen zu Männern. Ein Schriftsteller namens Eric, der sich in seiner alten Beziehung zu einer genügsamen, etwas faulen, beobachtenden, langsamen Malerin (fälschlicherweise) als der intelligentere, mental-sozial-physisch „bessere“ Part vorkommt - das perfekte Beispiel eines herablassenden Mansplainers -, der sich obendrein viel auf seine gesunde Lebensführung und Ernährung einbildet: Immer etwas von oben herab blickt er auf seine völlig in sich ruhende Janet. Als er die Bekanntschaft einer unkonventionellen, entschlossen auftretenden Komponistenwitwe macht, verlässt er seine Frau, um an der Seite von Nora, dieser „Königin der Schwerter“ glücklich zu werden, was aber nicht gelingt: Sein kreativer Output wird schlechter und beliebiger. Und er beginnt wieder das Trinken.


    Die Symbolik des Titels (auf die im Roman gar nicht Bezug genommen wird) entstammt dem Tarot: Die „Königin der Herzen“ ist eine Tarotkarte, deren Figur für alles steht, was Frauen in den letzten Jahrhunderten entbehrten. Sie ist autark und unabhängig. In ihrer Stellung als Witwe drückt sich ihr Status als Überlebende aus, jemand, der noch auf der Spielfläche steht, wenn die Mitspieler längst vom Brett genommen sind. Eine scharfe Kritikerin und Kommentatorin, selbstgenügsam, laut und lakonisch. Eine faszinierende, freigeistige Person. Die Kraft, die ihr innewohnt, ist nicht dafür da, andere Menschen zu stärken, sondern nur für sich selbst eine Quelle der Macht und des Lebens. Eric hat gedacht, von ihrer Stärke profitieren zu können. Er versteht ihre Beziehung als die Begegnung mit einem gleichwertigen Gegenüber. Doch er zeigt sich mehr und mehr geschwächt durch sein Zusammenleben mit dieser Person, der an keiner inneren Verbindung gelegen scheint – in diesem Sinne ist sie tatsächlich eine Spiegelung seiner selbst. Da er weiterhin nur an sich denkt, sucht er das Heil darin, zu seiner alten Liebschaft Janet zurückzukehren, die ihm und seiner Schriftstellerei (nun in der Rückschau) besser getan hat. Doch dieser Zug scheint abgefahren, da seine Muse nicht ewig auf den Zögerliche zu warten bereit ist…


    Ein symbolisch aufgeladener Roman voller exzentrischer Figuren, der mich als Leser kaum an sich herangelassen, aber dennoch fasziniert hat. Der Niedergang eines Mannes, der sich für besser hält als er in Wirklichkeit ist, im Grunde eine lächerliche Figur, was den Roman zu einer Komödie macht, die aber tiefsinniger ist als es die reine Oberfläche der Handlungselemente nahelegt. Ein Buch über die Beziehungen zwischen Männern und Frauen: Wer sich aus welchen Gründen auch immer welches Gegenüber sucht, um dadurch selbst besser dazustehen, und was man aus dieser Wahl über sich selbst erfahren kann. Wenn man einmal alle Verbindungen zwischen den Figuren in diesem Roman in den Blick nimmt, wird klar, dass es immer darum geht, welche Zweckgemeinschaften eingegangen werden: Wer taugt als Partner in der Liebe, wer als Partner im Geschäft, wer als Partner im Sport, wer im Freizeitvergnügen und wer als Mittelsmann im Drogenhandel. :wink: Die Königin der Schwerter weist einem den Weg in die Zukunft und eröffnet, wie aus Gedanken Taten werden. In der rechten Hand hält sie das Schwert, die Linke ist erhoben: als Handreichung, als Weisung oder als Warnung. Oder aber sie präsentiert den abgeschlagenen Kopf des Mannes. :P


    Ein recht enigmatischer Roman, der auf rein dramaturgischer, situativer Ebene leicht verständlich abläuft, dennoch während des Lesens nur schwer fasslich und wenig einladend ist, aber bei mir im Nachhinein länger zu bleiben verspricht als zunächst gedacht: Als hätte der Verzicht auf Einfühlung und Mitgefühl die Figuren stärker in meiner Erinnerung verankert, als es eine launige Innenperspektive geschafft hätte. :thumleft:

    Jiménez "Platero und ich" (49/415)


    Jahresbeste: Lorenzen (2021), Jansson (2020), Lieberman (2019), Ferris (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:

    Gelesen: 170 (2021), 161 (2020), 127 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Mullen "Darktown" (12.11.)

  • Die amerikanische Originalausgabe erschien 1983 als „Queen of Swords“ bei G.P. Putnam's Sons in New York (175 Seiten), neu aufgelegt u.a. 1985 bei Abacus in London und 1985 bei Berkley Books in New York.

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  • Die französische Übersetzung von Mimi Perrin erschien 1984 als „Histoire d'amour“ im Verlag Presses de la Renaissance in Paris (238 Seiten).

    1. (Ø)

      Verlag: Presses de la renaissance


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  • 2018 wurde der Roman in Frankreich unter dem Titel „La reine d'épées“ bei Cambourakis in Paris wiederaufgelegt (254 Seiten). Als Übersetzerin ist erneut Mimi Perrin angegeben, aber ob es sich um eine durchgesehene, veränderte, neue oder die unveränderte alte Übersetzung handelt, ist mir nicht bekannt.

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