Pater Nikodemus Schnabel - #FragEinenMönch

Anzeige

  • Verlagsinfo


    Als im Dezember 2019 das YouTube-Video #FragEinenMönch erschien, in dem der Benediktiner Nikodemus Schnabel auf vorher gesammelte Fragen zum Leben als Mönch antwortete, war das Echo begeistert: Ein Mönch und Katholik, der offen, ehrlich und reflektiert auch auf schwierige und persönliche Fragen eingeht und einen klaren Standpunkt vertritt! Und dass, ohne andere zu verurteilen oder ihnen seine Meinung aufzudrücken. Allgemeines Credo der über 1 Million Zuschauer: "Mit dem würde ich gern mal ein Bier trinken und über Gott und die Welt reden!" und: "Wenn mehr Menschen in der Kirche so wären, würde ich vielleicht wieder eintreten!"


    - Was tragt ihr eigentlich unter der Kutte?

    - Glaubst du wirklich alles, was in der Bibel steht?

    - Vermisst du manchmal dein altes Leben und die Freiheiten?

    - Habt ihr im Kloster W-LAN?


    In diesem Buch greift Nikodemus diese und noch viele weitere Fragen auf, die in den viel zu kurzen 15 Minuten des Videos nicht zur Sprache kamen. Mit festem Glauben, einem weiten Horizont und jeder Menge Humor.


    Meine Meinung


    Ich bin ja in keiner Religion verhaftet und in Glaubensfragen immer am Zweifeln - aber was ich immer gerne hätte wäre mal eine Diskussion oder so eine Fragerunde an einen Mönch, einen Rabbi oder ähnlich glaubensfesten Menschen und deshalb hat mich das Buch sofort regelrecht angesprungen!

    Ich hatte von dem youtube Video nichts mitbekommen, das im Dezember 2019 erschienen ist, hab mir das aber erstmal angeschaut: und Pater Nikodemus ist mir gleich so sympathisch gewesen! Er hat so strahlende Augen, die eine Zufriedenheit und innere Ruhe rüberbringen und er antwortet offen und menschlich auf alle Fragen aus der Community - da wollte ich natürlich wissen, welche anderen Antworten in diesem Buch zusammengefasst wurden.


    Das Vorwort von Gregor Gysi hätte man sich meines Erachtens ersparen können, das war irgendwie "nichtssagend". Dafür war die kurze Einleitung von Pater Nikodemus selbst gleich perfekt einstimmend und ich finde es faszinierend, wie einem durch ein kurzes Video oder ein paar Zeilen ein Mensch gleich so sympathisch sein kann. Vor allem da er hier gleich eine Lebensweisheit mit einbringt, die ich sehr wichtig finde:


    Ich glaube, dass wir vielen Problemen einfach entgegenlachen können, denn Humor gibt Menschen Kraft und kann auch ein Schutz sein.

    Zitat Seite 22


    Die Fragen wurden übrigens von Pater Nikodemus selbst und dem Journalisten Sascha Hellen zusammengestellt - er hat sich also nicht die "einfachsten" rausgepickt, sondern zu einer bunten Vielfalt an unterschiedlichsten Themen Stellung genommen.


    Sehr schön finde ich z. B. seine Antwort auf Zweifel, dass man diese nicht als Gegner sehen sollte, sondern als Herausforderung, als Fragen, die neue Gedanken zulassen. Ebenso wie er gerade mit Atheisten gerne diskutiert oder Menschen, denen Religion und der Glaube an einen Gott völlig egal sind. Weil sie Anregungen bieten, für beide Seiten.

    Auch dass Mönche keine Heiligen sind und durchaus ihre kleinen Laster haben und eben nicht immer und zu jeder Zeit fromm und gelassen sind, auch mal lügen, unachtsam sind oder gehässig, eben menschlich.


    Der Verzicht ist selbstbestimmt - was einen großen Unterschied ausmacht zu jenen, die Armut, Enthaltsamkeit oder Gehorsam auferzwungen bekommen. Das macht ihn frei und ich kann ihn da teilweise sehr gut verstehen. Der Besitz, der Konsum, das alles füllt ja eine Leere, die mit "Dingen" nicht aufzuwiegen sind. Was uns hier fehlt nennt er die erfüllende Sehnsucht nach Gott, zumindest hab ich es so verstanden.

    Ganz so sehe ich es zwar nicht, aber ich weiß, was er meint.


    Der Ordensgründer Benedikt hat gesagt: "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht."

    Ein Ausspruch, den Pater Nikodemus leben möchte, den Genuß des Lebens selbst, was für ihn nicht im Widerspruch steht mit seinem Leben im Kloster, das ihn erfüllt.

    Allerdings sagt er auch, dass er das nie für alle Menschen als Ziel sehen würde, dafür sind wir zu unterschiedlich und der Zölibat würde dann der Menschheit auch bald ein Ende setzen ;)


    Bei manchen Fragen hatte ich das Gefühl, dass er etwas ausweichend antwortet, oder (un)bewusst seine Worte in eine andere Richtung lenkt. Manches ist auch wirklich schwer mit wenigen Worten auszudrücken, manches möchte er auch vielleicht einfach für sich behalten, wozu er ja auch jedes recht hat.


    Ich fand dieses "Interview" auf jeden Fall spannend durch die vielen kleinen Einblicke und Infos, die ich bislang nicht wusste über das Leben als Mönch, witzig und sehr erfrischend in der Art, wie der Pater mit den Fragen ganz offen umgeht; mit ihm würde ich gerne mal zusammensitzen und über Gott und die Welt diskutieren. Etwas schade sind natürlich die Kürze der Antworten, da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, oder ja, einen Dialog, aber vielleicht kommt in dieser Richtung ja auch noch etwas in einer anderen Art von Format.

    Auf jeden Fall hat es ein neues Verständnis für diese Lebensentscheidung mitgebracht.


    Mein Fazit: 4 Sterne

    Ich hätte es einfach gerne noch ausführlicher gehabt ;)


    Weltenwanderer

Anzeige