Philipp Skoeries - Berlin liegt in Frankreich

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  • Inhalt:

    Der cholerische Rico ist ein etwas seltsamer Gorilla mit einer Vorliebe für Frankreich. Er nennt sich lieber „Jean-Pierre“, wird aber seinem vornehmen Anspruch aufgrund zahlreicher Wutausbrüche nur selten gerecht.

    Als er im Wald ein Rehlein mit französischem Akzent trifft, verliebt er sich und jagt ihm hinterher bis nach Frankreich. Wie er glaubt...

    In Wirklichkeit verirrt er sich bei seiner Suche in Berlin und ist bald umgeben von eingebildeten Hühnern, aggressiven Nashörnern und fiesen Schweinen. Wird Rico nicht nur seine Contenance wahren, sondern auch sein geliebtes Rehlein finden?

    Quelle: Tredition


    Meine Rezension:

    Auf und davon – nur noch weg aus der Provinz. So empfinden viele Hipster-Jugendliche und träumen von einem Leben in der großen, weiten Welt. Von überall her kommen Menschen mit ihren Träumen nach Berlin: Flüchtlinge, junges Partyvolk, Karrieristen, Politiker, Unternehmer.


    Dabei ist es nicht nur die wirtschaftliche Chance die Berlin dem einen oder anderen bietet – es ist auch das Versprechen sich selbst entwickeln zu können. In Philipp Skoeries Debütroman „Berlin liegt in Frankreich“ geht es genau darum.


    Die Fabel spielt in einer Welt, die der unseren sehr ähnlich ist. Genau genommen, gibt es keinen Unterschied zu unserem, heutigen Berlin, nur das alle Protagonisten Tiere sind anstelle von Menschen. Außerdem entsprechen die Tierarten den einzelnen Stereotypen, die man von jedem Stadtteil ganz gut kennt: Aggressive Nashörner gibt’s in Neukölln, schwarze Schafe im Görlitzer Park, eingebildete Hühner in Friedrichshain und einen arroganten Hahn in Charlottenburg.


    Hauptfigur ist der Gorilla „Rico“, der sich lieber „Jean-Pierre“ nennt und unbedingt etwas Besseres sein will. Dafür nimmt er so einiges in Kauf und verirrt sich nach einem verrückten Trip durch seinen Wald, trotz cholerischer Anfälle und wilder Eskapaden bis nach Berlin. Weil dort der „Eiffelturm“ steht – wie er denkt.


    Aber muss ein Gorilla sich immer wie ein Affe benehmen, nur weil man es von ihm erwartet? Und darf ein Angsthase einem Gorilla helfen? Diesen Fragen geht Philipp Skoeries in seiner humorvollen Geschichte näher auf den Grund und kommt in der witzigen und rasant erzählten Coming of Age Geschichte zum Schluss, dass nichts so ist wie es scheint – oder aussieht.


    „Berlin liegt in Frankreich“ ist eine Geschichte voller Parabeln und gesellschaftskritischer Anspielungen, die manchmal leise und manchmal brüllend komisch, zwischen den Zeilen lebt.


    Wer sie liest wird nicht nur viele Details und verborgene „Easter-Eggs“ für Berlin-Kenner finden, sondern auch eine überlegte und feinfühlige Reflexion über Ressentiments und Vorurteile die in der heutigen Gesellschaft gang und gäbe sind. Dabei wirkt die Erzählung niemals belehrend oder gar für eine politische Sache Partei ergreifend, sondern bleibt stehts neutral und fokussiert sich auf die eigentliche Persönlichkeitsentwicklung des Hauptprotagonisten.


    Fazit:

    Leser die eine humorvolle Kombination aus Jugendbuch und Gesellschaftskritik, verpackt in einer unterhaltsamen Coming-of-Age Geschichte schätzen, werden ihren Spaß an diesem Buch haben. Die Geschichte lebt von vielen subtilen und metaphorischen Andeutungen und ist daher nicht nur für Jugendliche sondern auch für Literatur-interessierte Erwachsene, Lehrer oder Pädagogen interessant.







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