Jonas Winner - Der Nachlass

  • Kurzmeinung

    Annabell95
    Ein perfider und abstruser Kampf ums Erbe. Manchmal etwas wirr und noch mit Luft nach oben.
  • Kurzmeinung

    Jasminh86
    Ein spannender und skurriler Erbschaftsstreit mit einem krassen Finale!

Anzeige

  • Etwas ist faul in dieser Familie


    Der Nachlass, Thriller von Jonas Winner, 350 Seiten erschienen im Heyne-Verlag.


    75 Millionen zu vererben, eine seltsame Familie, ein Wettkampf um das Erbe und nur einer kann gewinnen, wie weit werden sie gehen?


    Hedda Laurent liegt im Sterben, noch einmal versammelt sie ihre Familie um sich. Der alte Familiensitz liegt auf einer Insel, in einem See, in Berlin. Sie hinterlässt ein seltsames Testament. Das riesige Millionenvermögen soll zusammenbleiben, 27 Aufgaben gilt es zu bestehen. Wer kann die meisten Challenges für sich entscheiden und erbt am Ende alles? Der Kampf um den Nachlass beginnt.


    Das Buch gliedert sich in vier Teile, die in 68 Kapitel aufgeteilt sind, deshalb sind die einzelnen Leseabschnitte auch kompakt und übersichtlich. Belebt wird die Geschichte durch die äußerst mitreißenden Dialoge, Gedanken und Briefe sind durch kursive Schrift deutlich hervorgehoben. Winner erzählt diesen Thriller in mehreren Zeitebenen, die verschiedenen Zeitstränge sind durch Jahreszahlen und Datumsangeben kenntlich gemacht. Dies ist auch nötig, denn im Buch springt die Erzählung immer wieder zurück in die Vergangenheit in vergangene Jahre, oder auch nur ein paar Tage, von dort auch wieder zurück in die Gegenwart und in die Zukunft. Die Sicht der Geschehnisse ist immer wieder von einer anderen Person gewählt. Der Stammbaum vorne im Buch und auch die Liste der Aufgaben am Ende waren absolut hilfreich.


    Zuerst einmal, wäre zu erwähnen, dass ich das Buch in zwei Tagen gelesen habe. Spannung ist schon zu Anfang vorhanden und steigert sich immer mehr, Plottwists und ein unerwartetes Ende haben mich verblüfft. Und doch konnte ich das Buch nicht so recht genießen, denn den vorliegenden Plot musste ich immer wieder anzweifeln. Kann es wirklich sein, dass die Familienmitglieder so skrupellos, mitunter auch gegen sich selber handeln? Kann die Familiengeschichte die dem ganzen Verlauf zugrunde liegt tatsächlich so geschehen sein? Da bleiben mir doch, die einen oder anderen Bedenken. Ich finde die Handlungen, der agierenden Personen nicht nachvollziehbar, ja beinahe hanebüchen. Die Figuren sind durchweg unsympathisch, da habe ich keinen wirklich gerne gehabt. Was die ominöse Pfauenfrau mit der ganzen Tragödie zu tun hat, dahinter bin ich auch nicht gekommen, für einen gewissen Gruselfaktor war sie jedoch ganz brauchbar.

    Die Auflösung am Ende und die Beweggründe des Täters sind für mich unglaubhaft und zu schnell abgehandelt.
    Ich finde es hier nicht einfach, ein abschließendes Urteil abzugeben. Natürlich handelt es sich um keinen Tatsachenbericht, sondern um eine fiktive Geschichte. Trotzdem kann ich Thriller, die ich nicht ständig nach der Plausibilität hinterfragen muss, mehr genießen. Schade, ich habe mich eigentlich auf ein Buch gefreut, welches die menschlichen Abgründe, besonders wenn es um eine solche Erbschaft geht, so richtig aufzeigt. Auch die zeitliche Abfolge fand ich etwas verwirrend, da werden Personen ermordet, die sich im nächsten Kapitel wieder munter beim Hauchen und Stechen ums Erbe beteiligen, ich habe das zeitliche Durcheinander als Stilmittel unnötig gefunden.
    Insgesamt möchte ich 3 Sterne von 5 möglichen vergeben. Leseempfehlung für die Leser, die solche, etwas skurrile Thriller gut finden.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Das Thema dieses Buches fand ich von Anfang an spannend und erinnerte mich an Bücher wie "Frostgrab" und die "Ich weiß, was du im letzten Sommer getan hast" Filmreihe.
    Und genau dies fand ich dann im Buch auch wieder: Eine Gruppe von Menschen - in diesem Fall eine Familie - kommt nach Jahren wieder zusammen, die einzelnen geraten nach und nach aneinander und allmählich wird klar, das dunkle Geheimnisse nach Rache und Vergeltung rufen. Das Prinzip ist bekannt und wird den Leser_innen in diesem Buch anhand von 27 Aufgaben präsentiert.

    Der Schreibstil des Autors ist locker und spannend, so dass mensch als Leser_in gerne dabei bleibt und mehr erfahren möchte. Allerdings springen die einzelnen Kapitel teilweise massiv in ihrer Chronologie und mensch muss versuchen sehr genau auseinander zu halten, in welcher Reihenfolge was jetzt passiert ist. Hier hätte etwas Struktur dem Buch sicherlich gut getan.
    Trotz allem kann ich das Buch allen empfehlen, die gerne miträtseln, nicht zu zart beseitet sind und gerne mitdenken.

  • Kampf um das Erbe

    Nach dem Tod von Hedda Laurent versammeln sich alle Familienmitglieder zur Eröffnung des Testaments. Alle sind geschockt, denn das millionenschwere Erbe soll derjenige erhalten, der nach 3 Tagen und 27 zu lösender Aufgaben die meisten Punkte für sich verzeichnen konnte. Anfangs sind diese Aufgaben noch einfach, doch der Wettkampf eskaliert.

    Die Story wird spannen aufgebaut. Durch wechselnde Perspektiven konnte ich immer wieder durch Rückblicke in der Vergangenheit, die einzelnen Charaktere besser kennenlernen. Bei den Einblicken in die Familiengeschichte stellt sich heraus, dass jeder ein Geheimnis zu haben scheint.

    Die perfiden, zu lösenden Aufgaben werden von Mal zu Mal grausamer und gefährlicher. Deren Auswirkungen sind vom Autor teilweise recht bildlich beschrieben und jagten mir Schauer über den Rücken.

    Die Idee des Plots und das überraschende Ende hat mir sehr gute gefallen, allerdings haben mich die wild durcheinander gehenden Zeitsprünge etwas verwirrt. Ich vergebe deshalb für diesen Thriller 4 gute Sterne. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Spannend, fesselnd und eine gut durchdachte Story


    Hedda Laurent verstirbt und hinterlässt ein millionenschweres Erbe. In ihrem Testament hat sie zehn mögliche Erben benannt. U. a. ihren Bruder, Mann und ihre vier Kinder, sowie deren Partner und ein Enkelkind. Jedoch sollen die zehn möglichen Erben Aufgaben erledigen, 27 Runden aufgeteilt auf 3 Tage. Der Gewinner bzw. die Gewinnerin mit den meisten Punkten ist alleiniger Erbe. Die Familie muss jedoch schnell feststellen, dass die vermeintlich harmlosen Aufgaben immer brutaler und kurioser werden…


    Das Buchcover kann einen nur neugierig auf dieses Buch machen. Es passt perfekt zum Buchtitel. Düster, dunkel und auf den Punkt gebracht.

    Die Handlung des Thrillers ist gut durchdacht und spannend ausgearbeitet. Die Kapitel sind aus verschiedenen Sichtweisen der Erben geschrieben und ebenso aus unterschiedlichen Zeiten. Mal aus der Vergangenheit der verstorbenen Mutter und ihrem Mann und dann gibt es auch kurze Abschnitte die in der Gegenwart hin und her springen. Das ist manchmal schon recht verwirrend und ich musste hin und wieder zurückblättern, um zu wissen wo ich mich gerade befinde, aber nach Ende des Buches macht das schon Sinn. Die Spannung wird damit auf jeden Fall gesteigert, weil es nicht einfach heruntergeschrieben wurde. Als kleines Manko muss ich jedoch sagen, fand ich die Erzählung zu der ein oder anderen Aufgabe etwas kurz. Klar, viel kann man manchmal auch nicht herausholen aus den Aufgaben, aber ich hatte zwischendurch das Gefühl förmlich durch zu galoppieren.


    Der Schreibstil ist gut zu lesen, gibt (für mich) jedoch noch bessere Schreibstile.

    Die Protagonisten sind alle netterweise als Stammbaum zum Anfang des Buches aufgezeigt. Das hilft ungemein, um die Personen besonders anfangs auseinander halten zu können. Aufgrund der vielen Zeitsprünge und der vielen Wechsel der Charaktere habe ich keine große Bindung oder Sympathie für die Personen aufbauen können. Wenn ich so darüber nachdenke nur für eine Person. Welche, kann und möchte ich an der Stelle jedoch nicht verraten, um nicht zu spoilern.


    Ich kann dieses Buch jedem Thrillerfan empfehlen. Die Handlung ist klasse, es ist super abwechslungsreich und ich finde das Ende überraschend. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • 🌟Ein spannender und skurriler Erbschaftsstreit mit einem krassen Finale!🌟


    "Der Nachlass" von Jonas Winner und dem Heyne-Verlag ist ein Psychothriller, der am 14. Juni 2021 erschienen ist. Mir hat der Inhalt sehr gut gefallen, die verwirrende Handlung war bis zum Ende hin nicht durchschaubar, denn durch geheimnisvolle Andeutungen aus der Familie Laurent wurde ich auf falsche Fährten geführt. Aber der Schluss hat mich wirklich überrascht, denn mit diesem skurrilen Finale habe ich überhaupt nicht gerechnet. Dies hat mir richtig gut gefallen, obwohl die letzten Seiten sehr realitätsfern waren. Der Autor hat auf jeden Fall eine makabere Fantasie, was den Thriller unheimlich spannend gemacht hat.


    Zum Inhalt: Wie weit wirst du gehen? Hedda Laurent ist gestorben. Die Familie ist in Trauer vereint: Ihr Mann, die vier Kinder mit ihren Familien und Heddas Bruder Ruben sind nach Berlin gekommen, um Abschied zu nehmen. Doch bei der Testamentseröffnung erleben sie eine böse Überraschung. Nur einer der Anwesenden wird Heddas beträchtliches Vermögen erben. Wer der Glückliche ist, soll ein Wettkampf entscheiden. 27 Aufgaben müssen die Angehörigen bewältigen. Nur einer kann gewinnen. Doch was ganz harmlos beginnt, droht bald zu eskalieren. Alte Konflikte und Verletzungen reißen wieder auf. Und das Spiel wird gefährlich ...


    Hier wird eine Familie zu einem Spiel aufgefordert, dessen Regeln schnell klar sind. Obwohl sich am Anfang jeder über die Aufgaben wundert, versucht jeder, sein Bestes zu geben. Denn es stehen einige Millionen auf dem Spiel. Es kommen zahlreiche Protagonisten vor, an dessen Rollen ich mich erst einmal gewöhnen musste. Bis ich alle so richtig auf dem Schirm hatte, habe ich immer wieder zum Anfang des Buches geblättert, denn dort ist ganz am Anfang der Stammbaum der Familie Laurent aufgelistet. Dieser ist sehr hilfreich, um nicht den Überblick zu verlieren. Die Charaktere sind jetzt alle nicht tiefgründig beschrieben worden, jedoch hat mich dies in dieser rasanten Handlung nicht gestört. Zeitsprünge aus der Gegenwart, der Vergangenheit und auch aus der Zukunft haben die Spannung gesteigert, sodass ich unbedingt den Zusammenhang wissen wollte. Außerdem wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Dies und die sehr kurzen Kapitel haben für einen schnellen Lesefluss gesorgt. Besonders die 27 Aufgaben, die von der Familie verlangt wurden, haben sich von Aufgabe zu Aufgabe ins Extreme gesteigert, sodass selbst ich mir die Frage gestellt habe: Hat wirklich Hedda Laurent dieses makabere und skurrile Testament verfasst? Wenn ja, dann war sie am Ende in einem sehr schlechten geistigen Zustand. Oder wurde das Testament manipuliert? Diese Frage hat mich brennend interessiert, dessen Antwort mich wie erwähnt, geschockt hat. Denn es gibt Geheimnisse innerhalb der Familie, die nach und nach ans Licht kommen und die richtig krass erscheinen.


    Alte Allianzen, verbotene Gefühle, aber auch tief sitzender Groll, all das bricht in der aufgeheizten Atmosphäre erneut unter den Familienmitgliedern auf. In ihrem Testament hat Hedda verfügt, dass die Erben bestimmte Aufgaben lösen müssen. Insgesamt sind es 27 und es fängt ganz harmlos an. Ein Wissensquiz, ein Worträtsel, ein Wettlauf. Doch je länger es dauert, desto schwieriger werden die Herausforderungen. Unerbittlich führt der Wettkampf die Erben an ihre Grenzen. Die Aufgaben sind am Ende des Thrillers nochmal chronologisch aufgelistet, sodass ich es nicht sein lassen konnte und auf die nächste Aufgabe gewartet habe. Denn wozu ein Mensch hier fähig ist um an ein Millionenschweres Erbe zu kommen, ist gut rübergekommen.


    Der Psychothriller ist nur am Ende etwas übertrieben unrealistisch, jedoch finde ich das Gesamtpaket raffiniert, spannend, gut durchdacht, dramatisch und skurril. Die bedrohliche Atmosphäre hat mich während des Lesens die ganze Zeit gepackt, sodass ich die 349 Seiten in zwei Durchgängen durchgelesen habe. Der flüssige Schreibstil ist gut zu lesen und hat mir ebenfalls klasse gefallen. Von mir gibt es deshalb 4,5 Sterne.

  • Ein Erbe mit Folgen!


    Als Hedda Laurent weit über 80-jährig stirbt, hinterlässt sie nicht nur ihren Mann Artur und die vier erwachsenen Kinder, sondern auch einen speziellen letzten Willen. Ihre Familie, das heisst die vier Kinder Jannick, Sophia, Theo und Patty mit ihren Partnern, sowie ihr Mann Artur und ihr Bruder Ruben, sollen in einem Wettkampf entscheiden, wer das millionenschwere Vermögen von Edda erbt.


    Die Geschichte beginnt wie ein typischer Familienroman. Beziehungen, Eifersüchteleien zwischen den Geschwistern, sowie Kindheitserinnerungen sind an der Tagesordnung. Jedes der vier Kinder hat seinen Platz im Familiengefüge, jedoch auch seine Vorstellungen, wie es nach dem Tod von ihrer Mutter ablaufen soll mit dem Erbe. Und dann überrascht Edda post mortem alle mit einem Wettkampf.

    Hier kristallisiert sich heraus, was ein Mensch alles zu tun bereit ist, um an das grosse Geld zu kommen. Als Leser konnte ich oft nur den Kopf schütteln, denn man sieht als Beobachter wie tief Menschen sinken können. Die Aufgaben beginnen mit Themen wie an einem Kindergeburtstag und gipfeln schlussendlich in lebensbedrohlichen Situationen. Es gibt da ein paar Aufgaben, da haben sich bei mir nur schon beim Lesen die Haare gesträubt. Gruselig und abstossend. Die Protagonisten sterben dann auch wortwörtlich wie die Fliegen in diesem Buch. Pech für mich, dass oft genau die Figur als Nächstes stirbt, die ich gerade am meisten verdächtigt habe für die Morde verantwortlich zu sein. Schlussendlich hat mir Jonas Winner in der Beziehung die lange Nase gezeigt!


    Die nicht chronologisch geordneten Kapitel waren für mich ein regelrechter Lesefluss - Killer. Hin und her springt die Handlung, von der Gegenwart ins Jahr 1963, dann wieder in die Zeit vor Heddas Tod und von dort zu Kapiteln, die mit „vor dem Totensonntag bis zu „sechs Monate vor Totensonntag“ betitelt sind. Die Kapitel, die in der Kinder und Jugendzeit der Geschwister handeln, enthüllen die Beziehung zwischen den Geschwistern, jedoch auch zu Mutter Edda und Vater Artur. Unterschwellig wabern hier dunkle Geheimnisse mit, deren Andeutungen mich neugierig gemacht haben.


    Sehr gut fand ich den kleinen gezeichneten Stammbaum auf der ersten Seite. Da doch etliche Figuren in der Handlung mitmischen, kann so vor allem beim Start ins Buch rasch nachgesehen werden, von wem die Rede ist.


    Die Auflösung, wie alles zusammenhängt, hat mich einerseits sehr überrascht, andererseits empfand ich das doch an den Haaren herbeigezogen. Schwierig zu erklären, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Ein Kind, das mit 8 Jahren noch genauso aussieht wie Vierjährig? Und das bei einem zufälligen Treffen wiedererkannt wird? Sehr unwahrscheinlich meiner Meinung nach.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Obskurer, irrer Racheplan


    „Der Nachlass“ – Zehn Hinterbliebene, abgeschnitten auf einer Insel, 27 teils abartige Aufgaben zu lösen, ohne Strom und Telefon/Handy bei Frost, Schnee und Eis – dazu die Geistergeschichte der Pfauenkranzlady und die Folgen -


    Der Tod Hedda Laurents ist vorauszusehen und deshalb versammelt sie kurz vor ihrem Ableben die Familie um sich. In ihrem Testament, das eine riesige Millionensumme enthält, wurde festgelegt, wie das Erbe verteilt werden soll. Die Erwachsenen der Familie, bestehend aus Ehemann, Bruder, den vier Kindern, deren Partner und Partnerinnen und ein volljähriges Enkelkind müssen sich einem Wettbewerb stellen und 27 Aufgaben lösen. Wer als Sieger daraus hervorgeht,soll alles erben. Es ist ein Gesamtbetrag zwischen 70 und 80 Millionen Euro.


    Die gruselige, beunruhigende Atmosphäre, die fast über den gesamten Roman anhält, beginnt bereits im Prolog mit dem Tod des alten Mannes. Auch der immer wiederkehrende Auftritt der Frau mit dem Pfauenkranz in den Erzählungen der beiden jüngeren Kinder Theo und Patricia tut sein Übriges. Was geschah 1963? Was geschah 1978? Welche Dinge sind in der Villa in der Vergangenheit passiert, die so gravierend in die Gegenwart nachwirken? Was haben sie mit Heddas Tod zu tun? Und warum diese Aufgaben, um das Erbe zu erfüllen?

    Der Autor erzählt in mehreren Zeitebenen. Dadurch, und sowohl durch die Technik des Rückblendens und wiederum nach vorne Schauens wird die Spannungskurve des öfteren unterbrochen. Ich musste mehrmals nachschauen, bei wem und in welcher Zeit ich mich gerade befand. Das fand ich nicht förderlich. Der Stammbaum im Vorderteil des Buches war indes absolut hilfreich. Die Kompliziertheit der Zusammenhänge der verschiedenen Ereignisse erschloß sich mir erst gegen Ende dieses Psychodramas.


    Kurz nach dem Tod Heddas wird der Wettbewerb begonnen. Zuerst mit harmlos erscheinenden Aufgaben, die sich aber innerhalb dreier Tage in immer absurdere, grausamere, Ekel erregende Prüfungen steigern. Ich möchte es abartig nennen. Kann eine Mutter so voller Haß sein? Da schlichen sich bei mir leise Zweifel ein. Einige Angehörige der Familie Laurent stellten sich Fragen, aber keiner widersetzte sich diesem irren, letzten Willen. Die Situationen laufen aus dem Ruder und eskalieren.

    Es war interessant zu lesen, was die Aussicht auf viel Geld aus Menschen machen kann. Seltsame Charaktere versammelten sich auf dem alten Familiensitz. Nach und nach entblätterten sich die Hintergründe, die Zusammenhänge, die Konstellationen in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Autor entwarf eine komplexe Geschichte. Das Ende ist überraschend.


    Ich bewerte diesen Thriller mit vier von fünf Sternen! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Das Spiel ums Erbe

    Hedda Laurent liegt im Sterben. Die ganze Familie versammelt sich in Berlin. Als sie gestorben ist und das Testament eröffnet wird, erleben alle eine böse Überraschung. Nur einer wird ihr Vermögen erben und zwar derjenige, der nach dem Wettkampf mit den meisten Punkten als Sieger hervorgeht. Die Angehörigen bekommen 27 Aufgaben über drei Tage verteilt. Alles beginnt ganz harmlos, doch dann eskaliert alles. Alte Konflikte und Verletzungen reißen wieder auf und das scheinbar harmlose Spiel wird gefährlich...

    Der tolle Schreibstil und die Idee mit dem Wettkampf ums Erbe haben mich sofort ans Buch gefesselt. Ich konnte quasi gar nicht mehr aufhören zu lesen, da ich wissen wollte, wie das Ganze ausgehen wird.

    Nur das Ganze war teilweise etwas wirr. Der Autor wollte für 352 Seiten etwas zu viel auf einmal. Die einzelnen Wettkampfaufgaben wurden nach einander wie bei einer Kettenreaktion abgearbeitet. Es geschieht direkt nacheinander wie bei einer Aufzählung. Da bleibt kaum Luft und Zeit mal das Ganze auf sich wirken zu lässen. Dann wird auch schnell hin und her gewechselt und dadurch wird es ein wenig wirr dem Ganzen zu folgen.

    Von mal zu mal werden die Aufgaben grausamer und es wird eklig und blutrünstig. Daher vielleicht auch nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete, aber ich liebe so etwas. Je blutrünstiger ein Thriller ist, desto besser. Aber ich hätte mir gewünscht, dass die Wettkampfaufgaben mal ein wenig ausführlicher gewesen wären, dann hätten sie noch besser auf den Leser gewirkt.

    Dadurch dass alles wie bei einer Kettenreaktion abgearbeitet wurde, blieben die Charaktere auch recht unnahbar. Da waren zwar Protagonisten, die machen auch was, aber ich habe kein Bild bekommen. Sie wurden nicht lebendig gestaltet. Mir hat da so ein bisschen die Gefühlswelt gefehlt.

    Das beste aber war die Auflösung, denn die kam für mich völlig unerwartet und überraschend.

    Mein Fazit:

    Weniger wäre mehr gewesen, aber trotzdem ein klasse Thriller mit einer außergewöhnlichen Idee. Spannend bis zum Schluss. Auf jeden Fall lesenswert.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

Anzeige