Marcus Paudler - Schwule sind doch immer nett

  • Kurzmeinung

    Canach
    Lektorat/Korrektorat wären nötig und manche "Szenen" bräuchten mehr Tiefe, aber mir hat das Buch gefallen.
  • Kurzmeinung

    Gaymax
    Die Intentionen sind gut, die Geschichte kann triggern, Handlung teilweise nicht nachzuvollziehen

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  • Tim benötigt eine Story für die Lokalzeitung, damit er seinen Job behalten kann. In einer Kneipe lernt er Julian kennen, ein jungen schwulen Mann, der ihm seine Geschichte erzählt. So erfährt Tim, wie durch Julians schwierigen Lebensweg, der starke, selbstbewusste Mann wurde, der jetzt vor ihm sitzt.

    Das Cover ist nicht nur toll gelungen, es passt auch perfekt zum Buch und unterstreicht noch einmal den Titel des Buches.

    Die Charaktere und Orte werden alle (auch die kleinsten Nebendarsteller) detailreich beschrieben, was zwar fast schon übertrieben ist, mir aber trotzdem gefiel.

    Tim, der zwar in der Inhaltsangabe vorkommt, nimmt nur einen minimalen, unwichtigen Teil des Buches ein; er ist fast schon zu vernachlässigen, wenn nicht eine Fortsetzung über Tim geplant wäre (lt. Autor).

    Das Buch ist nach wahren Geschichten - so steht es auch am Cover. Und es müssen hier wirklich ein paar Schicksale verknüpft sein, denn, dass einem soviel Mist passieren kann, ist schon fast unmöglich.

    Die ganze Story ist hochemotional, mit ein paar wenigen Erotik-Szenen gespickt, die gut in die Geschichte integriert wurden.

    Ungewöhnlich ist, dass es viele Absätze mit Leerzeilen gibt. Das irritiert aber nur ganz zu Beginn etwas.

    Gestört hat mich, dass einiges immer wieder vorweggenommen und wiederholt wird. So liest man nicht nur einmal Sätze wie: "Wenn ich das gewusst hätte...".

    Noch störender aber war, dass das Buch dringend noch ein Lektorat/Korrektorat benötigt. Ausgelassene Pronomen oder Artikel stören hier noch weniger als Wörter wie "Priese" statt "Brise" oder ein "Tunfisch".

    Schade, denn wenn diese Fehler ausgemerzt werden hätte sich das Buch einen Stern mehr verdient.

    Fazit: Hochemotionale Story, die aber noch lektoriert/korrigiert werden muss. 4 von 5 Sternen (ohne Fehler wäre es die Höchstpunktezahl)

  • Meine Meinung: Ich finde die Intention des Buches ist gut. Ich finde die Wahl ein autobiographischen Roman als Debütant zu schreiben äußerst mutig. Ich halte dieses Genre auch für ein Genre was mit am schwersten ist. Die Idee dahinter ist klar und auch nachvollziehbar, ich finde, dass die Protagonisten teilweise überhaupt nicht nachvollziehbar handeln. Natürlich kann man versuchen sich in manche Situationen und Handlungen hineinzuversetzen, aber das ist nur teilweise möglich, oftmals schwierig und manchmal sogar unmöglich, wenn Hintergründe fehlen, wenn aktuelle Emotionen fehlen. Ich persönlich halte eine Triggerwarnung vorne im Buch für nicht ganz verkehrt und ich fände auch Infomaterial oder Anlaufstellen hinten im Buch hilfreich. Insgesamt ist es aber definitiv bewundernswert ein solches Buch zu schreiben, was auf wahren Erfahrungen beruht.


    Fazit: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study: Alle Weihnachtserzählungen (Charles Dickens) 218 / 608 Seiten

    :study: Big History (David Christian) 113 / 384 Seiten

    :study: Der Wal und das Ende der Welt (John Ironmonger) 11 / 478 Seiten


    SUB: 792


  • Bei diesem Buch handelt es sich um einen Roman, der auf autobiographischen Erlebnissen des Autors und ihm bekannten Personen beruht. Der Protagonist Julian beschreibt Erfahrungen, die er auf der Suche nach Liebe und Beziehung im Umgang mit Jungen und Männern gemacht hat. Viele dieser Erlebnisse waren sehr negativ und lösen beim Lesen Betroffenheit, Hilflosigkeit und Wut aus. Es ist daher ratsam, sich nur an dieses Buch heran zu wagen, wenn man mit der Beschreibung traumatischer Erlebnisse zurecht kommt.


    Mich hat dieses Buch nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt, mich emotional tief bewegt und auch im Nachhinein noch viel beschäftigt. Insbesondere die zweite Hälfte des Buches war sehr spannend zu Lesen und schaffte es, mich an die Seiten zu fesseln.


    Leider gab es aber auch einige stilistische Hürden und inhaltliche Lücken, die mich gestört haben. Der Schreibstil ist insgesamt angenehm, allerdings wechseln sich detaillierte Beschreibungen von Orten und Figuren mit eher oberflächlich geschilderten Szenen ab, ohne dass hier ein Muster für mich zu erkennen war. Dies hat mich teilweise irritiert. Insbesondere die erste Hälfte der Geschichte ist eher episodenartig erzählt, sodass Julians Umgang mit den geschilderten Vorfällen, sein Innenleben und sein Alltag nicht beschrieben wurden und ich Probleme hatte, seine Lebenswelt zu verstehen. In der zweiten Hälfte gab es eine fortlaufende Handlung, wodurch ich stärker mitgerissen wurde und mich besser in Julian einfühlen konnte. Allerdings konnte ich Julians Handeln bzw. Nicht-Handeln oft nicht nachvollziehen, es passte für mich oft nicht mit seinen zuvor durchlebten Gedankengängen überein.


    Fazit:

    Insgesamt denke ich, dass dieses Buch noch zu sehr zwischen Biographie und Roman, zwischen einzelnen Episoden und linearer Handlung, zwischen Erfahrungsbericht und Liebesgeschichte schwimmt und eine klarere Richtung braucht. Dennoch konnte ich einiges für mich mitnehmen und würde empfehlen, das Buch zu lesen, wenn man sich anhand der Inhaltsbeschreibung dafür interessiert. Ich vergebe gute :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne.

    Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen. Kurt Tucholsky :wink:


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