Nikos Milonás - Kretisches Schweigen

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  • Touristen bevölkern den Strand von Frangokastello, denn sie wollen die sagenhaften Drosoulites sehen, die Ende Mai in der Frühe erscheinen sollen. Dabei finden einige von ihnen am Strand menschliche Knochen. Kommissar Michalis Charisteas und sein Partner Pavlos Koronaios bekommen es aber nicht nur mit neugierigen Touristen zu tun, sondern auch mit Einheimischen, die nicht weichen wollen, aber auch sehr schweigsam der Polizei gegenüber sind. Es stellt sich heraus, dass dort zwei Männer vergraben waren, die von Schüssen getötet wurden. Scheinbar stoßen Michalis und sein Kollege in ein Wespennest, denn Kriminaldirektor Ioannis Karagounis scheint sehr nervös.


    Es ist ein Krimi, der mich von Anfang an gepackt hat. Diese Erscheinungen der „Seelen des Taus“ (Drosoulites) finde ich sehr spannend. Sie haben für die Menschen in Süd-Kreta eine große Bedeutung.


    Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, auch wenn es nicht einfach ist die fremden Namen auseinander zu halten. Aber ich kenne auch die Vorgängerbände und daher auch das „Stammpersonal“, das macht es einfacher. Die Landschaften und auch das Lebensgefühl sind gut dargestellt und machen Lust auf einen Kreta-Urlaub. Allerdings finde ich es auch bedrohlich, wenn ich höre wie viele Schusswaffen es dort gibt, die auch bei Festen genutzt werden. Aber nicht nur bei Festen, wie man in diesem Krimi feststellen kann.


    Michalis ist ein Mensch, der die Insel, seine Familie und das Lebensgefühl dort sehr schätzt. Auch wenn Familie oft anstrengend ist, so sind doch alle füreinander da. Aber er liebt auch die Deutsche Hannah, wie gerade wieder einmal zu Besuch ist und vor einer beruflichen Entscheidung steht. Auch Pavlos hat familiäre Probleme, denn seine Frau ist gerade für ein paar Tage nicht da, treibt ihn aber telefonisch in den Wahnsinn. Doch das Private hält sie nicht von ihren Ermittlungen ab und trotz Gegenwind machen sie weiter. Mir hat auch der Leiter der Polizei Sfakia, Alekos Tatsopoulos, gut gefallen, der sich Respekt zu verschaffen weiß, aber auch einschätzen kann, wann er sich besser zurückhält, denn die Kreter regeln ihre Angelegenheit meist ohne Polizei.


    Es ist nicht einfach, Mordfälle zu klären, die über zehn Jahre zurückliegen. Aber hier ist es besonders schwierig, denn ganz offensichtlich wissen alle etwas, aber niemand macht den Mund auf. Doch Michalis und Pavlos sind Polizisten, die nicht aufgeben.


    Mir hat dieser sehr spannende Kreta-Krimi mit viel Atmosphäre gut gefallen.

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    Ein Fall mit vielen Mauern



    Es ist Ende Mai auf Kreta, und die Insel steht in voller Blüte. Im Süden Kretas haben sich zahlreiche Urlauber am Strand von Frangokastello eingefunden, weil sie im Morgengrauen die Drosoulites, die „Seelen des Taus“, sehen wollen. Der Legende nach erheben sich jedes Jahr Ende Mai diese Seelen für einige Minuten aus dem Sand und ziehen in riesigen Schwaden über den Strand. Doch in diesem Jahr kommen nicht die Seelen zum Vorschein: Im Sand finden sich die Skelette zweier Männer. Beide weisen Einschusslöcher auf. Also Mord? Als Michalis Charisteas seine Ermittlungen aufnimmt, erfährt er jedoch eine völlig andere Geschichte.



    „Kretisches Schweigen“ von Nikos Milonás ist der dritte Teil um die Ermittler Michalis Charisteas und seinen Partner Pavlos Koronaios. Die Bücher hängen zwar ein bisschen zusammen, können aber ohne Probleme unabhängig voneinander gelesen werden.


    Der Titel des Buchs ist bei diesem Fall wirklich Programm.


    Es tauchen zwei Skelette auf und die beiden Ermittler machen sich auf ihre gewohnt souveräne Art auf, mögliche Zeugen und Täter zu finden. Doch besonders die Dorfbevölkerung macht das Vorhaben nicht leicht und blockiert die Ermittlungen.


    Michalis und Koronaios habe ich mittlerweile richtig ins Herz geschlossen. Die Zwei sind recht unterschiedlich und ergänzen sich dafür richtig gut.


    Ihre Familien und auch Michails Freundin Hannah bereichern alles.


    Auch dieses Mal, habe ich die Zwei gerne bei ihren Ermittlungen begleitet. Auch wenn ich sagen muss, dass das Buch grade mittig ein bisschen langatmig wurde, eben weil niemand wirklich reden wollte. Alles drehte sich ein bisschen im Kreis und dafür waren es dann für meinen Geschmack etwas zu viele gleichklingende Namen.


    Doch das letzte Viertel hat mich dann wieder versöhnt und eine spannende Auflösung geboten.


    Ein Highlight sind natürlich dazu die Landschaftsbeschreibungen und die Aufzählungen der absolut schmackhaft klingenden kretischen Küche.


    Auch wenn sich dieser Teil, mit seinen sehr eigenwilligen Figuren, ein wenig gezogen hat, hat er mir trotzdem gut gefallen. Ein schöner kretischer Krimi.

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