August Strindberg - Ein Lesebuch für die niederen Stände / Ordet i min makt: Läsebok för underklassen

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  • Der Autor (Quelle: Wikipedia): Johan August Strindberg (* 22. Januar 1849 in Stockholm; † 14. Mai 1912 ebenda) war ein schwedischer Schriftsteller und Künstler. Er gilt als einer der wichtigsten schwedischen Autoren, besonders seine Dramen sind weltbekannt. Von den späten 1870er-Jahren bis zu seinem Tod dominierte er die Literaturszene in Schweden, war umstritten und oft in persönliche Konflikte verwickelt. Zu seinem umfangreichen literarischen Werk gehören Romane, Novellen und Dramen, die zu den Klassikern schwedischer Literatur zählen.


    Der Herausgeber (Quelle: Wikipedia): Jan Myrdal (* 19. Juli 1927 in Stockholm; † 30. Oktober 2020 in Varberg) war ein schwedischer Schriftsteller.

    Klappentext (Quelle: Suhrkamp): August Strindberg wird im vorliegenden Band zum ersten Mal mit seinen theoretischen, gesellschaftskritischen Schriften vorgestellt, in denen er sich als – freilich vormarxistischer – Sozialist erweist. Jan Myrdal, der die Texte aus Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätzen zusammengestellt hat, begründet die unverminderte Aktualität dieser hierzulande bislang unbekannten Strindberg-Arbeiten: „Gleich anderen großen Toten muss Strindberg stets aufs neue erobert werden. Seine Texte gelten auch für Leser, die 50 Jahre nach seinem Tod zur Welt gekommen sind. Sie haben nichts an Wirkungskraft verloren, weil die Gesellschaft, die er beschreibt und, indem er sie beschreibt, bekämpft, sich im Grunde nicht verändert hat. Dadurch sind diese Texte noch kräftiger, der Hohn noch bitterer, die Worte noch gefährlicher geworden. Wenn nämlich das, was die Autoritäten des Establishments heute sagen, nicht nur gelogen, sondern darüber hinaus eine alte und abgestandene Lüge aus der Zeit der Urgroßväter ist, werden die entlarvenden Worte doppelt wirksam. Was hier vorliegt, ist eine Auswahl aus den Werken jenes Strindbergs, von dem die Etablierten in den achtziger Jahren nichts wissen wollten, um die Jahrhundertwende nichts wissen wollten und nach wie vor nichts wissen wollen.“


    Schwedische, deutsche und italienische Ausgaben:

    • Die schwedische Originalausgabe erschien, zusammengestellt und herausgegeben von Jan Myrdal, im Jahr 1968 unter dem Titel „Ordet i min makt: Läsebok för underklassen sammanställd av Jan Myrdal“ als PAN-bok im Verlag PAN/Norstedt in Stockholm (231 Seiten), wiederaufgelegt u.a. 1992 im Verlag Jaken in Göteborg (286 Seiten) und 2012 bei Celander in Lund (310 Seiten).
    • Die deutsche Übersetzung aus dem Schwedischen besorgte Paul Baudisch. Sie erschien 1970 unter dem Titel „Ein Lesebuch für die niederen Stände“ als Band 49 der „Reihe Hanser“ im Carl Hanser Verlag in München. Eine Lizenzausgabe als Suhrkamp-Taschenbuch Nr. 402 erschien 1977 im Suhrkamp Taschenbuch Verlag (184 Seiten einschließlich eines achtseitigen Nachwortes von Herausgeber Jan Myrdal (1968), einem dreiseitigen Postskriptum für Deutsche von Jan Myrdal (1970) und einer dreiseitigen biografischen Zeittafel August Strindbergs).
    • Eine italienische Übersetzung besorgte Andrea Martini. Sie erschien 1971 unter dem Titel „Le parole vi ingannano: Un libro di lettura per le classi subalterne“ in der Reihe „Ipotesi - Passato e futuro“ des Verlages Guaraldi in Bologna (201 Seiten).

    Inhalt:

    • Johan August Strindberg über den Schriftsteller August Strindberg (1884-1910, 2 Seiten)
    • Reichstagsreferat aus der zweiten Kammer (1874, 1 Seite)
    • Die Insel der Glückseligen (1884, aus: „Schwedische Schicksale“, 55 Seiten)
    • Der heilige Ochse oder der Triumph der Lüge (1885 in französischer Sprache geschrieben, 1891 in schwedischer Übersetzung erschienen, 6 Seiten)
    • Wie die kulturelle Tätigkeit überschätzt wird („Gleich und Ungleich“, 1884, 12 Seiten)
    • August Strindbergs Kleiner Katechismus für die niederen Stände (Geschrieben 1884/1885, 20 Seiten)
    • Wie die niederen Stände die wichtigsten Phrasen der Oberschicht beantworten („Budkavlen“ 15-18, 1884, 6 Seiten)
    • Die Sage von Herkules (Aus dem alten Reich) (1883, 3 Seiten)
    • Wollen die Völker den Krieg? (Eine aufgefrischte Erinnerung) („Tiden“, 25.8.1884, 3 Seiten)
    • Die schwedische Akademie und der Nobelpreis (1902/1903, 6 Seiten)
    • Warum Geschichtsschreibung unmöglich ist („Ein neues Blaubuch“, 1908, 8 Seiten)
    • Was ist Wissenschaft? („Ein neues Blaubuch“, 1908, 3 Seiten)
    • Der Freisinn der Protestanten („Ein neues Blaubuch“, 1908, 3 Seiten)
    • Oberschicht („Ein neues Blaubuch“, 1908, 3 Seiten)
    • Schlechter Geschmack („Aftontidningen“, 18.7.1910: Rede an die schwedische Nation, 5 Seiten)
    • Schwedische Asienforscher vor Carlo Landberg und Sven Hedin („Aftontidningen“, 25.7.1910: Rede an die schwedische Nation, 3 Seiten)
    • Entdecker-Humbug („Aftontidningen“, 18. & 22.7.1910: Rede an die schwedische Nation, 5 Seiten)
    • Alles fürs Vaterland („Socialdemokraten“, 5.2.1912: Der Kurier des Zaren oder das Geheimnis des Sägefeilers, 3 Seiten)
    • Das Oberkommando rüstet ("Socialdemokraten“, 14.2.1912: Der Kurier des Zaren oder das Geheimnis des Sägefeilers 4 Seiten)
    • Boulangismus ("Socialdemokraten“, 16.2.1912: Der Kurier des Zaren oder das Geheimnis des Sägefeilers 3 Seiten)
    • Aufkäufer und Plantagenbesitzer (Socialdemokraten“, 26.9.1910, 3 Seiten)
    • Die Mandarin-Grenze oder die weiße Taler-Mütze („Aftontidningen“, 29.9.1910, 5 Seiten)
    • Wenn die niederen Stände wüßten... („Ein neues zusätzliches Blaubuch gegen die Schriftgelehrten“, 1910, hg. in „Samlade Otryckta Skrifter“, 1919, 2 Seiten)

    Meine Einschätzung:

    Ein weit nach Strindbergs Tod zusammengestellter Essayband mit gesellschaftskritischen Texten, die „die niederen Stände“ ermächtigen sollen, für die eigene Sache einzustehen. Strindberg erweist sich als vormarxistischer Sozialist bzw. Agrarsozialist (der in seinem Heimatland aus unterschiedlichen Gründen wiederholt richtiggehend als Nestbeschmutzer gehasst wurde), weswegen das Buch in seinen besten Momenten schön klassenkämpferisch und polemisch daherkommt. Es sind Stellungnahmen gegen die Oberklasse, die sich immer dann für Strindberg begeisterte, wenn es um das „Seelenleben“ ging, aber nichts von seinen sozialkritischen und tagespolitischen Einwürfen hören wollte. Die Arbeiter haben Strindberg munter weitergelesen. :wink:

    Manche Texte waren mir jedoch zu zeitgebunden, um sie völlig zu verstehen. Aber das kann ich nicht dem Buch anlasten. Mir gefallen eher die gleichnishaften oder diskursiven Texte, die die unterschiedlichen Interessenlagen in einem Gemeinwesen beleuchten, um Zusammenhänge aufzudecken und Erklärungen für „die Umstände“ zu bieten, so dass diese Umstände ggf. zum Kern einer fundierten Widerrede werden können. :rambo:

    Die von Jan Myrdal besorgte Anthologie enthält mit „Die Insel der Glückseligen“ auch eine sehr gelungene Dystopie über den Niedergang eines perfekten Staates, die lesenswert ist. Alles in allem eine etwas durchwachsene Zusammenstellung. Aber wenn Eingängigkeit das alleinige Merkmal eines guten Buches wäre … :-, Dreieinhalb :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: Sterne.

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  • Amazon.de ist nicht immer hilfreich beim Auffinden von skandinavischen Büchern. Aber bei Bokbörsen, "Schwedens größtem Buchhandel", wird man fündig. Hier der Link zu einer Trefferseite, wo man die unterschiedlichen Ausgaben des schwedischen Buches „Ordet i min makt: Läsebok för underklassen sammanställd av Jan Myrdal“ finden kann: Die Erstausgabe von 1968 als PAN-bok im Verlag PAN/Norstedt in Stockholm und die Neuauflagen bei Jaken (von 1992) und Celander (von 2012).

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  • Mit der italienischen Übersetzung, die1971 unter dem Titel „Le parole vi ingannano: Un libro di lettura per le classi subalterne“ bei Guaraldi in Bologna erschienen ist, verhält es sich bei Amazon.de ähnlich wie mit dem schwedischen Original. :wink: Hier der Link zur italienischen Antiquariatsbuchhandelsseite MareMagnum, wo man die italienische Ausgabe ansehen kann.

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