Trent Dalton - Der Junge, der das Universum verschlang / Boy Swallows Universe

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  • Eli ist 12 Jahre und lebt in einem sozialen Brennpunkt in Australien.

    Sein Bruder August ist ein Jahr älter und redet seit 7 Jahren nicht mehr. Nach einem traumatischen Ereignis hat er aufgehört zu sprechen. Seine Mutter und sein Stiefvater, die früher Drogenabhängig waren, verticken nun Heroin.

    Und dann ist da noch Slim. Ein verurteilter Mörder, der über 30 Jahre im Gefängnis saß und nun der Babysitter von Eli und August ist.


    Eli wächst in einem Umfeld von Gewalt und Drogen auf und fragt sich doch, wie man ein guter Mensch werden kann.


    Meine Meinung:


    Was für eine Geschichte! Das was Eli erlebt, ist wirklich heftig. So heftig, dass man denken mag, der Autor Trent Dalton hat völlig übertrieben. Aber man weiß, das ist die Realität von manchen Menschen. Und das schmerzt. Es hat mich so geschmerzt, dass ich an manchen Abenden nicht einschlafen konnte, weil es mich so aufgewühlt hat.


    Doch die Geschichte ist keineswegs ein typischer Drogen-Roman. In all dem Schweren leuchtet Elis Lebendigkeit und seine Fragen hell auf. Er ist keiner von diesen harten Typen. Er hat sein Herz am rechten Fleck und das verleiht ihm etwas Unschuldiges.


    „Und was interessiert dich an diesen Leuten?“

    „Mich interessiert, was sie an den Punkt gebracht hat, an dem sie sind. Mich interessiert der Moment, in dem sie beschlossen haben, böse zu sein statt gut.“



    Eli und August haben eine enge Beziehung. Sein Bruder durchschaut die Geschäfte der Eltern weit besser, doch er bemüht sich, Eli zu beschützen. Eine Freundschaft und Geschwisterliebe, die einem ans Herz geht.


    Inmitten der Gewalt Poesie


    Ich bin beeindruckt und berührt von der Sprache Daltons. Sie hat für mich in mancher Hinsicht etwas Poetisches. Diese Gegensätze, auf der einen Seite die Gewalt und Brutalität und auf der anderen Seite der eindringliche und poetische Schreibstil: es löst ein Bizzeln im Gehirn aus, was das Buch in meinen Augen absolut bemerkenswert macht.


    „Der Fehler, den diese ganzen alten englischen Schriftsteller und Kitschfilme machen, meint Slim, ist, uns einzureden, dass wahre Liebe leicht wäre, dass sie auf Sterne, Planeten oder Sonnenumläufe wartet. Wartet, bis das Schicksal zuschlägt. Und dass es wahre Liebe für jeden gibt, dass sie irgendwo schlummert, nur darauf wartet, geweckt zu werden, und jäh hervorbricht, wenn sich unser Lebensfaden mit dem eines anderen verheddert und die Blicke zweier Liebender sich treffen. Bumm. Nach allem, was ich weiß, ist wahre Liebe verdammt hart. In wahren Liebesgeschichten steckt immer auch ein bisschen Tod. Und Schüttelfrost mitten in der Nacht und Kackflecken auf dem Bettlaken. Wahre Liebe stirbt, wenn sie aufs Schicksal warten muss,. Wahre Liebe verlangt von den Liebenden, alles zu vergessen, was sein könnte, und sich mit dem zu begnügen, was ist.“


    Fazit:


    Der Roman ist keine leichte Kost.

    Doch jede Seite lohnt sich.


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  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Trent Dalton - Der Junge, der das Universum verschlang“ zu „Trent Dalton - Der Junge, der das Universum verschlang / Boy Swallows Universe“ geändert.
  • Australien in den 1980er-Jahren: Das Leben von Eli Bell in einem Vorort von Brisbane ist nicht einfach. Der Vater des Jungen ist verschwunden, sein Stiefvater ist ein Drogendealer und auch die Mutter ist mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Doch Slim, ein ehemaliger Häftling, passt auf den zwölfjährigen Eli und dessen Bruder August auf. Der Junge hat einen Traum. Aber es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden...


    „Der Junge, der das Universum verschlang“ ist der Debütroman von Trent Dalton.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus relativ kurzen Kapiteln. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Eli. Die Handlung umfasst mehrere Jahre.


    Der Schreibstil ist recht ungewöhnlich und markant. Er ist geprägt von originellen Vergleichen, starken Sprachbildern und Wortneuschöpfungen. Die Sprache ist oft flapsig, teilweise ziemlich derb, wirkt aber durchaus authentisch. Das trifft vor allem auf die zahlreichen Dialoge zu. Kreativ ist auch, dass die Kapitelüberschriften immer aus drei Worten bestehen und fast ausschließlich mit dem Wort „Junge“ beginnen, auf den ein Prädikat folgt. Eingefügt sind mehrere Briefe und Artikel.


    Die Protagonisten sind interessante Charaktere. Es fiel mir nicht schwer, mit dem sympathischen Eli mitzufühlen. Auch die Nebenfiguren sind reizvoll ausgestaltet.


    Mit rund 500 Seiten ist der Roman recht umfangreich und hat gleichzeitig nur wenige Längen. Der Einstieg war für mich jedoch ein wenig verwirrend. Danach konnte mich die Geschichte immer mehr für sich einnehmen.


    Inhaltlich ist die Geschichte ebenfalls sehr speziell. Thematisch geht es um Freundschaft, Familie, das Heranwachsen und wahre Liebe. Darüber hinaus steckt aber auch ernste Problematik in der Geschichte, denn Gewalt und Kriminalität spielen unter anderem ebenfalls eine große Rolle. Das macht den Roman facettenreich und berührend. Anzumerken ist dabei, dass er der Leserschaft einiges abverlangt.


    Der deutsche Titel ist erfreulicherweise nahe am australischen Original („Boy swallows Universe“). Das Cover ähnelt ebenso der Gestaltung der Erstausgabe, was mir gut gefällt.


    Mein Fazit:

    „Der Junge, der das Universum verschlang“ von Trent Dalton ist ein ungewöhnlicher Roman, der trotz kleinerer Schwächen in mehrerer Hinsicht besonders ist.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Meine Meinung: Das Cover ist rosa mit einem blauen Zaunkönig und wenn man dann anfängt zu lesen ist man zunächst etwas verwirrt, weil man bzw. ich eine zuckersüße Geschichte erwartet habe, aber das Buch ist mehr, sehr viel mehr. Das Buch ist vielseitig, es ist hart und derb, aber auch sprachlich elegant, teilweise poetisch, stellenweise philosophisch, aber immer gut lesbar mit vielen Stellen, die man zitieren kann und die man auf das Leben im Allgemeinen anwenden kann. Das Buch zusammenzufassen oder wiederzugeben möchte ich an dieser Stelle gar nicht tun, sondern einfach darauf aufmerksam machen, dass man das Buch aufmerksam in sich aufsaugen sollte, denn es ist viel mehr als eine einfache Erzählung. Vielleicht ist es tatsächlich diese vergessene Kunst des Erzählens, die man nicht wahrlich häufig mehr liest.


    Fazit: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study: Der Verrückte (Henning Mankell) 104 / 512 Seiten

    :study: Stell dir vor ... - Mit Mut und Fantasie die Welt verändern (Rob Hopkins) 93 / 290 Seiten

    :study: Eifersucht (Jo Nesbø) 0 / 270 Seiten

    :study: Der Todbringer (Jeffery Deaver) 54 / 573 Seiten


    SUB: 757


  • Schnapp dir die Zeit, bevor sie dich schnappt!


    Eli Bell, der Junge, der das Universum verschlang, hat eine bemerkenswerte Leidenschaft für Kleinigkeiten. Genau das trifft auch auf den Autor Trent Dalton zu und so entfaltet sich Elis Coming of Age Lebensgeschichte in vielen verschachtelten Sätzen voller Details und bildgewaltigen Symbolen mit häufigen Ausflügen und Umwegen über Anekdoten und Nebenschauplätze. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich auf den ersten 200 Seiten von diesem Stil ziemlich erschlagen gefühlt habe.


    Elis Leben ist nicht einfach und von Armut und Kriminalität geprägt. Seine Mutter und ihr Partner dealen mit Heroin, sein bester Kumpel (und Babysitter) Slim ist ein alter, verurteilter Mörder, der seine Knastzeit abgegessen hat und sein Bruder August spricht nach einem Vorfall in der Kindheit nicht mehr. Eli & August, die beiden Bell Brüder, die von allen für etwas Besonderes gehalten werden, haben mich dann doch irgendwie gefesselt, sodass ich trotz anfänglich fehlender Begeisterung weitergelesen habe. Ab der Hälfte habe ich dann in dem Buch auch gefunden, was ich gesucht habe. Eine sensibel erzählte Lebensgeschichte, Brüder, die sich wortlos verstehen, Schmerz und Versöhnung, vielschichtige Beobachtungen, alles aus der Sicht eines Teenagers erzählt. Daher verzeihe ich der Geschichte auch, dass sie manchmal unglaubwürdig daher kommt.


    Schnapp dir die Zeit, bevor sich dich schnappt! Wissen besteht aus Einzelheiten. Und Wissen ist Macht. Timing, Planung, Glück, Glaube. Diese Weisheiten gibt Slim Eli mit auf den Weg und ich finde sie beschreiben auch perfekt das ganze Buch. Eli nimmt sein Leben in die Hand und verfolgt seine Pläne, alle Details fest im Blick. Fazit: Für mich eine Liebe auf den zweiten Blick, aber auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

  • Ein geborener Farbenschreiber


    Was für ein Buch! Vorab: Es lohnt sich an diesem etwas sperrigen Werk dranzubleiben und es bis zum Ende zu lesen!


    Eli Bell ist 13 Jahr alt und wächst in den 80ern in denkbar ungünstigen sozialen Verhältnissen in einem Vorort von Brisbane, Australen, auf. Drogen, Alkohol und Gewalt sind an der Tagesordnung, aber Eli und sein stummer Bruder August versuchen dennoch, auf der guten Seite zu bleiben. Nicht einfach, wenn selbst die Eltern Drogendealer sind und der Babysitter ein berühmter Ausbrecherkönig und verurteilter Mörder. Als in Eli der Plan reift, diesen Sumpf hinter sich zu lassen und für sich und die Familie einen neuen Weg einzuschlagen, trifft ihn das Schicksal erbarmungslos. Der größte Drogenbaron der Gegend zerstört das kleine Glück der Bells. Aber der Junge, der an das gute Ende in allem glaubt und unbedingt Kriminalreporter werden will, gibt nicht auf und kämpft jahrelang für seine Träume.


    Elis Schreibstil, in dem viel zu viele Gedanken Platz finden, wird im Buch kritisiert, denn er male Bilder, statt Nachrichten zu schreiben. "So habe ich schon immer geschrieben. [...] Verschiedene Blickwinkel. Die Kunst, einen Augenblick bis zur Unendlichkeit in die Länge zu ziehen. Details. Einzelheiten [...]" (S. 460). Und genauso schreibt auch Trent Dalton selbst. Die Geschichte von Eli ist unglaublich verzweigt, vielschichtig und verzahnt. Jetzt, wo ich das Buch durchgelesen haben, bekommen so viele Dinge, die vorher überflüssig und merkwürdig anmuteten, einen Sinn. Eigentlich müsste man das Buch gleich nochmal lesen.

    Dalton schreibt konsequent aus der Sicht Elis, der zu Beginn der Handlung 13 Jahre alt ist und wir begleiten ihn durch sechs Jahre seines Lebens. Prall gefüllt mit Katastrophen, Liebe und Zuversicht. Eli hat eine unglaubliche Phantasie und die lebt er durch Worte aus. Daher springt die Handlung hin und her, macht Salti, Umwege und sie deutet voraus. Mir war nicht immer klar, was ist real und was spielt sich nur in Elis Kopf ab.

    Ich bin nicht einfach in das Buch reingekommen und dann hatte ich auch einen Durchhänger und hab es erstmal für ein paar Tage zur Seite gelegt. Dann hat es mich aber richtig gepackt und ich konnte es nicht mehr zuklappen, bis es ausgelesen war.

    Neben der besonderen Schreibweise sind die unglaublich ansprechenden und lebendigen Charaktere hervorzuheben. Allen voran Eli, in dessen Figur viel vom Autor selbst steckt. Slim, der Ausbrecherkönig, der stumme Gus, Stiefvater Lyle, Robert und Fran, die Eltern, alle haben Züge von realen Personen aus dem Umfeld des Autors. Slim Halliday aus Zelle D9 hat es übrigens tatsächlich gegeben. (Hier lohnt eine Internetrecherche.) Die vielen skurrilen Nebenfiguren beleben die Geschichte, sorgen aber auch für die schon erwähnte Weitschweifigkeit in der Schreibweise.


    Das Buch ist nichts für zwischendurch, weil es so unglaublich viel zu entdecken gibt, auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene. Das ist mitunter anstrengend, gelegentlich auch ermüdend und oftmals grausam, aber alles macht am Ende Sinn. Der Schluss war für mich so nicht vorhersehbar... obwohl im Nachhinein, wenn man alles genau betrachtet, eigentlich doch. Auf alle Fragen gibt es eine Antwort. Nur eine bleibt unbeantwortet: Warum wurde der Originaltitel nicht eins zu eins übersetzt? Wer das Buch gelesen hat, weiß, warum es nur "Junge verschlingt Universum" heißen kann und nicht anders.

    Ich vergebe eine unbedingte Leseempfehlung für einen anspruchsvollen Text und viereinhalb Sterne.

  • Wechselndes Leseerlebnis

    Stiefvater Dealer, Mutter drogensüchtig und mittendrin die beiden Jungen August und Eli Bell mit ihrem Babysitter, der lange im Gefängnis war. Die Jungs wachsen mit Kriminalität auf und erleben diese am eigenen Leib. Immer darauf bedacht, den wahren Verbrechern das Handwerk zu legen.

    Motiviert und begeistert habe ich mit dem Buch begonnen, ansprechendes Cover und vielversprechender Klappentext. Die Begeisterung legte sich schnell. Es dauerte gut 200 Seiten, bis ich zu Eli eine Beziehung aufbauen konnte. Diese verlor sich keine 100 Seiten später wieder und erst zum Ende hin entstand sie erneut.

    Antworten auf Fragen wollte ich finden, am Ende hatte ich mehr Fragen als zuvor. Ist die Übersetzung so schlecht geraten oder haben die Australier eine andere Lesekultur? Dort scheint das Buch regelrecht eingeschlagen zu sein, ich habe kaum einen Bezug dazu schaffen können.

    Der Schreibstil des Autors ist gut lesbar, zum Teil etwas langatmig, einige Passagen hätten durchaus gekürzt werden können. Es werden etliche Themen wie Dealen, Drogenkonsum, Gefängnisaufenthalt, Behinderung und vieles mehr angesprochen aber nicht zu Ende gebracht.

    Ich hatte so viel von diesem Buch erwartet und bin leider enttäuscht worden. Schade.


    Titel: Der Junge, der das Universum verschlang

    Autor: Trent Dalton

    Verlag: Harper Collins Germany

    Seitenanzahl: 512

    Genre: Roman

    Preis: 24,00

  • Menschen von Down Under

    Was für ein Tornado aus Menschen und Schicksalen, der den Leser schier umwirft und ihm den Atem nimmt! Der Schauplatz, an dem die Protagonisten dieses Romans versammelt sind, erscheint als tiefster Höllengrund, und es ist nicht klar, ob es Engel oder Teufel sind, die hier ihr Leben fristen, Verlorene sind es allemal! Frappierendster Umstand: obwohl für die beiden Brüder Eli und Gus die Startbedingungen ins Leben denkbar ungünstig sind, scheinen sie, einem inneren Kompass folgend, gespeist von einer inneren Kraftquelle, im tiefsten Inneren unangreifbar einem Pfad zur charakterlichen Festigung zu folgen. Was keinesfalls auch für ihre äußere Unversehrtheit gilt! Gus‘ Verstummen nach einem traumatischen Kindheitserlebnis, das erst vergleichsweise spät im Roman aufgeklärt wird, Elis Verstümmelung, erzählt in einer denkbar brutal gestalteten Episode, verdeutlichen dem Leser exemplarisch diesen für den Roman konstituierenden Widerspruch. Eine Traumwelt, deren lebenserhaltende Qualität immer wieder deutlich wird, erfährt ganz am Schluss ihre Auflösung, als sie nicht mehr vonnöten ist, um die Brüder die lebensfeindliche Realität ertragen zu lassen. Kritisch anzumerken ist, dass dem Autor der Text einfach zu lang geraten ist, Motive, die für die Auflösung der überaus komplexen Konstruktion unverzichtbar sind, geraten zeitweise aus dem Blick. Doch es ist hervorzuheben, dass die prägnanten Charakterporträts der Individuen, die für die Entwicklung der beiden jugendlichen Hauptfiguren entscheidend sind, den Leser fesseln. Trent Daltons These ist ganz klar, dass ein negatives soziales Umfeld nicht zwangsläufig zu einer negativen Sozialisierung führen muss.

    Mein Urteil: 4 Sterne

  • Ergreifend


    Nur schwer und zögerlich fand ich Zugang zum Buch. Kein Kind sollte den kalten Entzug seiner Mutter zu Hause miterleben. Überhaupt ist die Kindheit von Eli Bell schwer als solche zu bezeichnen. Er erlebt und erleidet Schreckliches. Und doch findet er immer wieder Halt bei seinem stummen Bruder, bei der Mutter, beim Freund der Mutter, beim Vater. Aber Eli Bell gibt selbst Halt und Trost: einem Gefängnisinsassen, einem asiatischen Freund, einem Ex-Häftling, seiner Mutter, die im Gefängnis sitzt, seinem neurotischen Vater. Eli Bells Kindheit ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle, ein ständiges auf der Hut sein vor Drogendealern und Mördern. Genau genommen kann man dieses Buch dem „Coming of Age“ Genre zu zählen, wenn da nicht auch ganz klare Thriller Elemente drin wären, vor allem in der zweiten Hälfte des Buches. Eli Bell durch- und überlebt die fatalen und tragischen Momente in seinem Leben, er wird reifer, aber er behält seinen Mut, seine Macht zu lieben, zu verstehen, mitzufühlen. Sein weites Herz und heller Verstand helfen und leiten ihn weiter. Als junger Erwachsener, als er so nebenbei Mörder und Kindesentführer stellt, gewinnt er auch noch die große Liebe seines Lebens.


    Das Buch trägt offensichtlich autobiografische Züge. Und das macht es einerseits so schwer, das Buch zu lesen. Wenn man weiß, es ist nicht pure Fiktion, Eli Bell ist Trent Dalton, was im Buch erzählt wird, ist tatsächlich so oder ähnlich passiert, dann ist es bitter weiterzulesen. Andererseits ist es doch ein wunderschönes, Leben bejahendes Buch, voller Liebe in seiner pursten Form.


    Eli Bell erzählt naiv, nüchtern und doch poetisch über sein Leben und wie er die Dinge und das Leben sieht. Der Stil ist fesselnd, lässt einen nicht mehr los. Der Aufbau des Buches legt Zeugnis von einem großen Autor. Allein der Satz „Dein Ende ist ein toter blauer Zaunkönig“, der im Buch von Gus mit dem Finger in die Luft geschrieben wird, immer wieder, man denkt, das ist eine Marotte des großen Bruders, denkt sich, ja, der Junge ist halt so. Nur gegen Ende des Buches findet dieser merkwürdige Satz plötzlich solch eine reale und brutale Bedeutung. Es sind solche Hinweise und Bemerkungen, die irgendwo im Buch auftauchen, man schenkt ihnen keine große Beachtung und plötzlich erschlagen sie einen fast mit ihrer Wucht, als sie in den Fokus der Handlung gelangen.


    Leseempfehlung? Und ob!

  • Australien 1980er Jahre: Der zwölfjährige Eli Bell lebt mit Mutter, Stiefvater und älterem Bruder in keinen guten Verhältnissen, dennoch fühlt er sich nicht unwohl – bis eine Tragödie über die Familie hereinbricht und sein Leben auf den Kopf stellt. Aber Eli ist niemand, der schnell aufgibt.


    Trent Dalton ist Journalist und debütiert mit diesem Roman, der offenbar – hoffentlich nicht allzu viele – biografische Anteile hat. Der Autor lässt seinen Protagonisten selbst in Ich-Form erzählen, teilweise in recht derber Sprache, wie man es aber auch von einem Junge dieses Alters aus diesem Milieu erwarten könnte. Erzählt wird über mehrere Jahre und Eli erlebt viel, auch viel Schlimmes, aber er gibt nicht auf, kämpft für seine Familie, seine Träume (u. a. den, Journalist zu werden), und tut nicht immer das Richtige. Auf Grund seiner Herkunft stellt er sich immer wieder die Frage, wie sich gute und schlechte Menschen unterscheiden, wie man wird, was man ist – explizit beantwortet wird diese Frage aber nicht, so dass man selbst darüber nachdenken kann. Eli ist ein wunderbarer Junge, der mich emotional packt und dem ich durchgehend die Daumen gedrückt habe.


    Eine ganz besondere Rolle in Elis Leben spielt Slim, der viele Jahre im Gefängnis saß, immer wieder ausgebrochen ist, und dessen Schuld offen bleibt. Er ist es, der viele Weichen in Elis Leben stellt. Ich mochte ihn, und erlebt im Nachwort eine kleine Überraschung.


    Viele der Charaktere, die Eli trifft, sind gut gelungen. Sie werden alle aus Elis Perspektive, also subjektiv gefärbt, betrachtet, dennoch kann man sie sich als Leser gut vorstellen. Dass man sich in Australien befindet, spürt man immer wieder, nicht nur, weil es an Weihnachten warm ist, auch die australische Tier- und Pflanzenwelt, die Bevölkerung u. a. spielen ihre Rolle. Der Autor ist selbst Australier.


    Der Roman hat mich von Anfang an gepackt und wurde schnell zum Pageturner. Elis Schicksal nahm mich schnell mit und ist spannend, gegen Ende sogar sehr spannend. Was mir zudem gut gefällt, ist, dass bei aller Tragik, immer auch Humor hervorblitzt, z. B. bei Elis Wiedersehen mit einem Schulkameraden, oder bei seinem Besuchsvorhaben im Gefängnis – turbulent, überdreht, tragikomisch. Ich könnte mir den Roman sehr gut verfilmt vorstellen, er hat eine Menge Bilder in meinen Kopf gepflanzt.


    „Der Junge, der das Universum verschlang“ ist eines meiner bisherigen Jahreshighlights. Der Roman ist packend, auch emotional, und wird noch länger nachhallen. Ich vergebe sehr gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle, die sich von der manchmal derben Sprache und den nicht immer schönen Erlebnissen des Protagonisten nicht abschrecken lassen.

  • richtig guter Thriller mit Schwächen

    Eins vorweg, dieser Roman ist nichts für Zartbesaitete.



    Elli Bell hat alles andere als eine friedliche und behütete Kindheit und Jugend. Das Gegenteil ist der Fall. Sein Babysitter, der seinen Bruder und ihn bespaßt ist ein verurteilter Mörder und Ausbrecher, der seine besten Jahre hinter sich hat und sich nun auf sein Altenteil zurückgezogen hat. Sein Mutter und sein Stiefvater sind in seiner Kindheit Totallausfälle, da sie ihre Zeit lieber damit verbringen Drogen unter die Menschen zu bringen anstatt ihren Jungs eine gewisse Stabilität zu gewährleisten. Doch sein Stiefvater lägt sich mit den Falschen an. So stürmen eines Abends ein Drogenboss und seine Handlanger das Haus der Familie, trennen Elli einen Finger ab, verschleppen den Stiefvater und seine Mutter landet für mehrere Jahre im Knast. Ob nun Glück im Unglück oder nicht landet die beiden Brüder bei ihren Vater, der nicht nur ein Alkoholproblem hat, sondern auch ein Problem mit dem Rausgehen. So vergehen die Jahre, Elli und sein Bruder werden größer gehen ihren Weg bis zu einer Verhängnisvollen Begegnung, die Ellis Leben noch mal gehörig erschüttert.



    Der Autor macht es den Leser alles leicht, dieses Buch mal eben so nebenbei zu lesen. Er entwirft mit brillanter Wortakrobatik die schönsten Bilder nur um dann mit dem Vorschlaghammer, wie ein von der Tarantel Gestochener, dies im Bruchteil eines Wimpernschlages zu Nichte zu machen. Ein ums andere mal wird mal als Leser mit extremen Gewalttaten konfrontiert, die man so nicht von dem Buch erwartet hat. Im starken Kontrast dazu steht der liebenswerte kindlich naive Erzählstil.



    Das Elli Bell alles andere als eine normale und behütete Kindheit hat wird schon nach den ersten Seiten klar. Und ganz ehrlich wer damit so seine Schwierigkeiten hat, sollte vielleicht dann 200 Seiten überspringen und dann erst anfangen zu lesen. Warum ich dies so ausdrücklich sage, hat den Grund das gerade auf den ersten 200 das Pendel zwischen exzessiver Gewalt und bildberauschenden Phasen extrem hin- und herschwingen. Mal ganz abgesehen davon das sich die Handlung teilweise ganz schön in die Länge zieht besonders merkt man dass, wenn man ein wirklich extrem langes Kapitel ließt. Aber all diese Kritikpunkte sehen blass aus, wenn man am Ende des Buches angelangt ist. Leute das entschädigt wirklich für alles. Besonders Thriller und Krimifans unter euch werden dieses Ende lieben.



    Elli Bell und sein Bruder August sind im wahrsten Sinne des Wortes ganz besondere Jungs. Auch wenn sie nicht auf der Sonnenseite des Universums groß werden konnten, zeigt sich doch wieder mal, dass das Universum oder das Schicksal seine ganz eigenen Pläne hatte. Sie wurden durch ein Tal der Tränen geschickt, das ihnen einiges abverlangte und sie als Familie auf die Probe stellte. Es zeigt sich wieder mal, nicht jeder der eine miese Kindheit hatte wird gleich kriminell. Vielmehr bereichern sie das Leben ihrer Mitmenschen und ändern so, so manches Leben. Sie mögen durch ihre harte Kindheit stark traumatisiert worden sein, aber sie kämpfen, wie die Löwen für ein besseres Leben und ihre Träume. Wie kann da das Universum den Spielverderber spielen wollen.



    Das Cover ist zwar herrlich bunt, vermittelt jedoch ein gänzlich anderes Bild über das Buch, als es in Wirklichkeit ist.



    Fazit: Ein bildgewaltiger, brutaler und zugleich unglaublich schöner „Thriller“, der einen einfach nicht mehr loslässt. Das Universum ist immer für eine Überraschung gut, also lasst euch überraschen. Auch wenn es sich zeitweilig recht zäh ließt gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.

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