Sibel Daniel – Bündnis der Hoffnung

Anzeige

  • Klappentext des Verlags:


    Die Fortsetzung der bewegenden Reihe um drei starke Frauen, die Wirren der Nachkriegszeit und die Kraft der Liebe.


    »Was bringt einen jungen Deutschen dazu ins Feindesland zu reisen, zu einem Volk, das ihn hasst?«


    Ein kleines Dorf in Süddeutschland 1951. Der Krieg ist vorbei, aber in den Herzen der Menschen ist der Frieden noch lange nicht angekommen. Während eine Gruppe treuer Nazi-Anhänger nach wie vor an der alten Gesinnung festhält und im Hinterzimmer der Dorfkneipe Pläne schmiedet, wartet die schöne Helene auf die Kriegsheimkehr ihres Mannes.


    Helenes Tochter Klara sorgt für den Unterhalt der Familie, der Schwiegersohn hat sich in den Alkohol geflüchtet. Für ihre jüngere Schwester Gertrude gibt es nur einen, der sie retten kann: Gilbert, den französischen Zwangsarbeiter, der sie während des Krieges aus Liebe zu Klara beschützte. Kurz entschlossen macht Gertrude sich auf nach Paris. Sie wird ihn finden. Und dann kann vielleicht noch alles gut werden.



    Meine Meinung:

    Der Folgeroman von „Bündnis der Herzen“ ist ein Nachkriegsroman, der 1951 spielt. Deutschland ist mittlerweile eine Demokratie und befindet sich im wirtschaftlichen Aufbau. Der Krieg und seine Schrecken werden von der Bevölkerung so gut es geht verdrängt. Ihr Denken ist zukunftsgerichtet, doch die Vergangenheit liegt wie ein langer, zäher Schatten über ihrem Leben und bestimmt ihr Handeln.


    „Bündnis der Herzen“ ist aber auch ein „Coming of Age“-Roman. Hauptfigur ist Gertrude, mittlerweile 16 Jahre alt. Der Leser verfolgt ihre spannende Reise durch Frankreich und sieht durch sie Paris und Avignon mit den Augen einer jungen Frau für die alles neu und überwältigend ist. Dadurch wird die Geschichte vielschichtig und sehr eindrücklich. Man erlebt zusammen mit ihr den Hass, der so kurz nach dem Krieg den Deutschen entgegengebracht wird, durchlebt die Aufarbeitung ihrer traumatischen Kriegserlebnisse, und schliesst eine enge Freundschaft mit einem wunderschönen jüdischen Mädchen.


    Der Roman ist in zwei Ebenen aufgebaut. Die Reise von Gertrude durch Frankreich und parallel wird erzählt wie das Leben von Helene, Klara und Ferdinand zuhause weitergeht. Der Spannungsbogen ist von Sibel Daniel gekonnt komponiert und führt die beiden Ebenen im Finale zusammen.


    Wie es zu der Reise kommt:


    Dunkle Geheimnisse aus dem Krieg überschatten das Leben einer kleinen Bauernfamilie: In den letzten Kriegstagen erschoss die damals zehnjährige Gertrude in Notwehr einen Polizisten, der ihre Mutter Helene vergewaltigen wollte. Sechs Jahre später ist Gertrude 16-Jahre alt und träumt noch immer jede Nacht von dem rothaarigen Nazi-Polizisten. Sie ist zerrissen zwischen Gewissensbissen und Wut und gleichzeitig zerfressen von der Angst, dass er zurückkommt, um sich an ihr zu rächen.


    Niemand kennt ihre Ängste. Auch nicht ihre ältere Schwester Klara, die mit ihrem eigenen Unglück zu kämpfen hat. Denn sie ist mit dem Waffeningenieur Ferdinand von Stein verheiratet. Die vermeintlich „gute Partie“, ein adliger Ingenieur aus Berlin, entpuppt sich mehr und mehr als tickende Zeitbombe.


    Ferdinand von Stein ist nach Kriegsende als Waffeningenieur arbeitslos und lebt nun seine bisher unterdrückte „Künstlerseele“ aus. Er arbeitet manisch-depressiv an riesigen Ölgemälden, die niemand kaufen will und lebt von dem Einkommen das Klara als Sekretärin bei der französischen Verwaltung verdient. Seine Frustration darüber ertränkt er in Schnaps und jeder kann seine Leidenschaft nach Hochprozentigem riechen. Klara leidet darunter. Ihr Leben mit ihm hat sie sich wahrlich anders vorgestellt. Zumal sie ihre große Liebe Gilbert, ein ehemaliger französischer Zwangsarbeiter, für Ferdinand aufgegeben hat.


    Erschwert wird das Zusammenleben auch durch die alte Frau von Stein, der Mutter von Ferdinand. Da das gesamte Familienvermögen aufgebraucht oder geklaut ist, und die Immobilien in Berlin zerstört und in Ostdeutschland von der DDR annektiert worden sind, stehen sie und ihr Sohn vor dem „Nichts“. Sie sollte dankbar dafür sein, dass sie in dem kleinen Bauernhaus von Helene „vorübergehend“ unterkommen konnte. Doch von Dankbarkeit weit entfernt, macht sie den drei Frauen das Leben zur Hölle und mit einer tief sitzenden Loyalität „ihrem“ Führer gegenüber, bringt sie sie in Gefahr: Sie organisiert und führt konspirative „Nazitreffen“ und leugnet den Tod von ihrem geliebten Führer.


    Unterstützt von unbelehrbaren Nazis bereitet sie alles für seine „Rückkehr“ vor. Auch ein Nachbar der Familie, Herr Zimmermann gehört zu ihren Verbündeten. Die drei Frauen Helene, Klara und Gertrude gelten als „Franzosenfreunde“ und sind somit Vaterlandsverräter, was sie auch zu spüren bekommen. Von Ferdinand haben sie keine Hilfe zu erwarten. Viel zu sehr ist er mit sich selbst beschäftigt.


    Gertrude, die immer öfter in Konflikt mit der alten Frau von Stein und mit der Kleingeistigkeit des Dorfes gerät, beschließt eines Tages, Hilfe zu holen. In ihrer Not sehnt sie sich den Mann herbei, der ihnen schon einmal als „strahlender Ritter“ beigestanden und sie vor dem Rachedurst seiner Kameraden gerettet hatte: Gilbert, der ehemalige französische Zwangsarbeiter und Spion, der ihre Schwester Klara geliebt hatte. Sie wünscht sich, dass Klara endlich mit Gilbert zusammen kommt und sie alle zusammen glücklich werden können. Doch ist sie sich nicht einmal sicher, ob Gilbert noch lebt. Trotzdem verkleidet sie sich als Junge und macht sich auf den Weg nach Südfrankreich. Sie erinnert sich an den Namen des Dorfes in der Gilberts Familie lebt. Da will sie ihre Suche beginnen. Doch zuerst kommt sie in Paris an.


    Gertrude lernt Paris und seine Einwohner kennen und schließt Freundschaften mit einem jüdisches Mädchen. Wodurch sie sich gezwungenermaßen auch mit dem Thema Judenverfolgung auseinandersetzen muss. Gertrude erlebt die Aufbruchsstimmung und die kreative Energie in Paris und schreibt begeisterte Postkarten nach Hause. Sie schreibt aber nicht, dass sie Gilbert sucht, um ihn zurück zu Klara zu bringen.


    Mein Fazit:

    Eine tolle Fortsetzung von „Bündnis der Herzen“, der aber auch unabhängig als Coming-of-Age-Roman funktioniert. Fünf begeisterte Sterne von mir!


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

Anzeige