Shida Bazyar – Drei Kameradinnen

Cover zum Buch Drei Kameradinnen

Titel: Drei Kameradinnen

4,1 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

81,4% Zufriedenheit

Verlag: KiWi-Taschenbuch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 352

ISBN: 9783462003543

Termin: September 2022

Aktion

  • Kurzmeinung

    Bartie
    zu provokativ, überspitzt gezeichnet, schwer zu lesen
  • Kurzmeinung

    Brombeere
    eine tolle - für viele vermutlich andere - Sicht auf Ereignisse, spannend und intensiv
  • Cover zum Buch Nachts ist es leise in Teheran
  • Klappentext/Verlagstext
    In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt. Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden, aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. »Drei Kameradinnen« ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft. »Uns gibt es in dieser Welt nicht. Hier sind wir weder Deutsche noch Flüchtlinge, wir sprechen nicht die Nachrichten und wir sind nicht die Expertinnen. Wir sind irgendein Joker, von dem sie noch nicht wissen, ob sie ihn einmal zu irgendetwas gebrauchen können.« Aus: »Drei Kameradinnen«


    Die Autorin
    Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, bevor sie nach Berlin zog, um ein Doppelleben zu führen. Halbtags ist sie Bildungsreferentin für junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Brandenburg machen, die verbleibende Zeit verbringt sie als Autorin. Neben Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2012 und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Für ihren Debütroman wurde sie mit dem Kulturförderpreis der Ev.-lutherischen Landeskirche Hannover, dem Bloggerpreis für Literatur und mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis ausgezeichnet.

    Inhalt
    „Bleibt beieinander“ hatte Hanis Mutter zu den drei Mädchen gesagt, als sie Kinder waren – und das sollte sich als kluger Tipp herausstellen. Als Erwachsene trifft die Icherzählerin Kasih in Berlin Saya und Hani wieder - zur Hochzeit ihrer Freundin Shaghayegh. Die drei sind als Kinder von Migranten im selben Viertel aufgewachsen und teilen die Erfahrung, dass ihnen die Feinheiten in den Sitten und Codes der Deutschen lange fremd blieben. Ihre eigenen Familien fuhren z. B. nicht in Urlaub, sondern trafen sich zu Familienfesten. Verwandte waren Leute, mit denen Sayas Eltern Erinnerungen teilten, von denen sie ihren Kindern bisher nichts erzählt hatten. Schon als Kinder lernten die Freundinnen, unter Gleichaltrigen nicht aufzufallen. Man verwendete am besten nur die Textbausteine deutscher Kinder, damit sie einen verstanden. Diese Distanz spüren die Frauen bis heute. Auch mit abgeschlossenem Studium gibt es noch immer eine Trennlinie zwischen „uns“ und „den anderen“, ob in der Liebesbeziehung, in der WG oder bei der Jobsuche. In Berlin zeigt sich die Linie absurderweise darin, dass Life, der einzige gebürtige Berliner weit und breit, von den zugezogenen Kneipenwirten wie ein Fremder behandelt wird, weil er einen Tick anders aussieht als sie. Auch gebürtigen Berlinern erschließt sich der Code nicht unbedingt, an dem geschlossene Milieus gegenseitig ihren Stallgeruch erkennen.


    Während alle bereits im Hochzeitsfieber waren, rastete Saya aus. Die Erzählerin wartet in der Gegenwart gerade auf Sayas Entlassung aus der Haft. Was der Anlass dafür war, gibt Kasih in winzigen Schritten erst allmählich preis. Indem sie den Vorhang allmählich zur Seite schiebt, zeigt sie zögernd auch sich selbst. Aus welchen Ländern die Eltern der Freundinnen nach Deutschland kamen, bleibt jedoch ungesagt. Kasih will ihren Lesern und Zuhörern keine Informationen liefern, mit denen Saya, Hani und sie in eine Migranten-Schublade gesteckt werden könnten. Als Reaktion auf die doppelte Diskriminierung als Frau und Einwanderer-Kind der ersten Generation will Kasih nicht mehr nach anderen Maßstäben beurteilt werden als andere. Kasih versucht sich vorzustellen, was ihr Publikum von ihr erwartet, und genau diese Erwartungen wird sie nicht erfüllen. „Ihr“ werdet es sowieso nicht begreifen, davon ist sie überzeugt.


    Fazit

    Shida Bazyar sät im Rant ihrer Icherzählerin Kasih immer wieder Zweifel daran, ob die authentische Geschichte der Freundinnen erzählt wird oder es sich einfach um Geschichten handelt. Zusammen mit der eingeschränkten Perspektive einer Icherzählerin lässt diese geplante Verunsicherung ihren Roman auf mich sehr spröde wirken.

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    :study: -- Lents - Diversität
    :study: -- Le Guin - Der Tag vor der Revolution
    :study: -- Ernst - Fast Abend, immer noch hell
    :musik:--

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow

    --> Merkzettel: Serie: Buchtitel (Originaltitel), Erscheinungsjahr d. Erstausg. d. Originaltitels, ISBN d. Übersetzung
    Buchseite betreffend: direkt auf d. BS melden

  • Voller Emotionen - nicht nur positiv

    Inhaltlich geht es in diesem Buch um drei Freundinnen (Kasih, Hani und Saya), die sich schon lange kennen und deren große Gemeinsamkeit ihr Migrationshintergrund ist. Sie leben in Deutschland, ihr Heimatland wird nicht verraten (warum eigentlich?). Die drei Frauen scheinen in die Gesellschaft integriert, haben weiterführende Schulen besucht, Abitur gemacht bzw. studiert, haben deutsche Freunde, aber dennoch fühlen sie sich ausgegrenzt. In dieses Gefühl steigern sie sich hinein, so intensiv, dass man sich als 'weißer' Leser irgendwie angefeindet fühlt. Das habe ich jedenfalls so empfunden.

    Der Schreibstil ist interessant und lebhaft, bisweilen spricht die Autorin den Leser auch direkt an, was ich reizvoll finde, aber andererseits provoziert die Autorin in ihren direkten Ansprachen. Die Sprache ist sehr ausdrucksvoll, was mir gut gefällt, sie gibt die jeweiligen Stimmungen und Gefühlslagen sehr gut wieder. Auf der anderen Seite finden sich auch langatmige Tiraden, z.B. von Saya, wenn sie über ihre antifaschistische Haltung doziert. Oder auch die Beschreibung eines Yoga Kurses, den sich die Autorin aus dem Fenster heraus mit ihrem Freund ansieht. Da fragt man sich wirklich, ob das junge Paar nichts Besseres zu tun hat als die allwöchentliche Yoga-Schau.

    Einen Sympathieträger entdecke ich nicht unter den drei Hauptprotagonisten, am ehesten noch Hani, die in meinen Augen von den anderen beiden oft nicht ernst genommen oder auch ausgenutzt wird.

    Es ist ergreifend zu lesen, wie vielfältig die Diskriminierungen sind, die die drei Frauen erlebt haben, andererseits habe ich auch nicht das Gefühl, dass sie bereit sind, gegen ihre versteinerten Meinungen anzukämpfen. Es gibt nämlich durchaus Figuren in diesem Buch, mit denen ein ausgeglichenes Verhältnis möglich wäre, aber diese Chancen scheinen einfach zu verfliegen.

    Das Prolog-Thema 'Jahrhundertbrand', der zur Verhaftung von Saya führte, kommt leider etwas kurz und bleibt ungeklärt, was ich enttäuschend finde, wie auch das gesamte Buch für mich eher enttäuschend war.

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • wichtig und intensiv

    Worum geht es?

    Kasih berichtet von ihrer Freundschaft mit Hani und Saya, von der Kindheit, von Ausgrenzungen und von dem stetigen Gefühl, dass sie nicht dazu gehören.

    Worum geht es wirklich?

    Zusammenhalt, Wut und gemeinsame Erfahrungen.

    Lesenswert?

    Ja. Ein sehr bewegendendes, sehr emotionales Buch. Erzählerin Kasih richtet diese Geschichte an den*die weiße*n Leser*in. Die drei Freundinnen treffen sich nach längerer Zeit wieder, sie sind miteinander in der gleichen Siedlung aufgewachsen, haben zusammen gefeiert und die gleichen Orte gemieden, an denen sie nicht erwünscht waren. Nun berichtet Kasih zum einen von den Ereignissen der paar Tage, doch natürlich spielen auch die Ereignisse in der Vergangenheit eine Rolle, da sie die Frauen zu denen gemacht haben, die sie jetzt sind.

    Obwohl alle drei charakterlich unterschiedlich sind und mit Frust, Wut und Enttäuschung sehr unterschiedlich umgehen können, verbindet sie doch diese enge Freundschaft. Sie sind füreinander da, sie wollen einander nur das Beste, sie möchten Dinge den anderen zuliebe tun.

    Und so, als säße die Erzählerin mir mit einer Zigarette und einem Bier spät in der Nacht gegenüber, so erzählt sie diese Geschichte auch. Ich habe etwas länger gebraucht, bis ich in die Art des Erzählers eingestiegen bin. Nach jeder Pause ging es mir wieder so. Aber sobald man ein paar Seiten gelesen hat, ist man gebannt von dem, was Kasih erzählt, man möchte wissen wie es weitergeht. Sie holt aus, berichtet von alten Erlebnissen. Sie erzählt alte Geschichten, damit man die Personen einordnen kann. Sie weiß, dass man sich ein Bild von Saya macht, stellt aber auch klar, dass sie sie viel länger kennt und es deshalb besser weiß. Diese Art, dieses Ausholen, diese vielen Nebensätze, die machen das Lesen nicht immer leicht. Aber es macht alles so authentisch und das ist toll. Es hat dafür gesorgt, dass ich Saya großartig fand, dass mich ihre Wut berührt hat, dass ich frustriert war von dem was passiert und ich einfach mit ihr mitgelitten habe.

    Es ist kein schönes Buch, aber auch kein trauriges. Es ist die Geschichte von drei jungen Frauen, eine möglicherweise beispielhafte Geschichte, die Einblick in eine sehr tiefe Freundschaft bietet. Die Situationen zeigt, die ein weißer Mensch so nicht erlebt und die zu erklären vermutlich auch nicht einfach sind. Aber hier wird man einfach mitgenommen, sodass man sie erlebt und fühlen kann.

    Es ist kein Buch, das mir eine konkrete Botschaft vermittelt, aber es ist eines, das emotional nachhallt. Ich kann es definitiv empfehlen.

    4 :bewertung1von5:

  • Es gibt wenige Bücher, die so radikal den immanenten Rassismus und die fehlenden Bewusstwerdung über Privilegien, Vorurteile und Diskriminierungen aufzeigen wie dieses Buch von Shida Bazyar.

    Es handelt vordergründig von den drei Freundinnen Hani, Kasih und Saya, ihren Lebenserfahrungen und ihren jeweiligen Umgang mit einer ihr Weiß -Sein negierenden Mehrheitsbevölkerung in Deutschland. Es handelt von der Zeit des NSU Prozesses und des fehlenden Bewusstseins für die Grundlagen, auf denen diese Terrororganisation entstanden ist. Das Buch ist aber vor allen Dingen ein Abbild eines Landes, das Vielfalt, Diversität und Vderänderung nur in dem Maße zu akzeptieren bereit ist, wie es dem eigenen Image und der Vermarktung nutzt, das aber stillschweigend nicht bereit es, grundlegende Veränderungen und Perspektivwechsel vorzunehmen.

    Das Buch ist komplett aus der Ich - Perspektive von Kasih geschrieben und kann von all denen als Zumutung empfunden werden, die nicht bereit sind Privilegien und Vorurteile in Frage zu stellen. Wer aber bereit zur Veränderung ist, wird hier viele Ansatzpunkte finden.

  • Falls es jemanden interessiert: im letzten "Bücher"-Magazin gibt es ein interessantes Interview mit der Autorin.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Falls es jemanden interessiert: im letzten "Bücher"-Magazin gibt es ein interessantes Interview mit der Autorin.

    auch auf dem Blauen Sofa zur LBM gibt es ein Interview

    https://www.zdf.de/kultur/das-bla…5-2021-100.html

    :study: Thomas Chatterton Williams: Selbstportrait in Schwarz und Weiss - Unlearning Race


    „An allem Unrecht, das geschieht, ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der, der es nicht verhindert.“

    Erich Kästner

    "Das fliegende Klassenzimmer"

    Warnhinweis:
    Lesen gefährdet die Dummheit

    :study:

  • Uff...

    Uff! Das war meine erste Reaktion, als ich "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar aus der Hand legte. Und irgendwie hält diese Reaktion auch Tage später an, während ich versuche, eine Meinung zu diesem Buch zu formulieren, das mich mit ausgesprochen zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen hat. Ich hätte es gerne gemocht, die Themen sprechen mich an: Frauen, Freundschaft, multikulturelle Gesellschaft, Alltagsrassismus und der Umgang damit. Und ich mochte die Schreibweise der Ich-Erzählerin an sich - die Schnoddrigkeit, den sprunghaften Erzählfluss, das Atemlose.

    Aber - und das ist ein großes Aber - genervt hat mich die unaufhörliche Schwarz-Weiß-Malerei, die Larmoyanz, die schablonenhafte Aggression, die Publikumsbeschimpfung in Buchform, die einfach mal voraussetzt, dass die Leser die "anderen" zu sein haben, die jetzt gefällig mal sehen sollen, wie es ist, wegen der ethnischen Herkunftsbiografie schief angesehen zu werden. Als ob nicht auch Menschen mit migrantischem Hintergrund zu dem Buch greifen könnten. Oder Biodeutsche, die es auch nicht leicht haben, weil sie queer sind oder eine Behinderung haben oder Altersdiskriminierung ausgesetzt sind oder einfach aufgrund ihrer sozialen Herkunft nie eine Chance hatten.

    Denn auch wenn die drei Freundinnen Saya, Hani und Ich-Erzählerin Kasih, deren Biografien nur angedeutet werden, verkörpern die unterschiedlichen Chancen, auch wenn sie alle in der gleichen Siedlung aufgewachsen sind: Hani, deren Eltern aus einem nicht näher beschriebenen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen sind und deren Vater auf dem Bau arbeitete, hat "nur" Realschulabschluss, arbeitet in einem hippen Start-Up als Sekretärin und wehrt sich nicht dagegen, permanent von den Kollegen ausgebeutet und mit zusätzlicher Arbeit überschüttet zu werden. Hani ist auch diejenige, über die wegen ihrer Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft auch in einem leicht verächtlichen Ton geschrieben wird.

    Kasih hat Soziologie studiert und ist ganz erstaunt, dass es nach Abschluss des Studiums nicht mit einem Arbeitsplatz klappt, während Saya, die ständig Rassismus sehende und dagegen wütende, zur jet-settenden Kosmopolitin geworden ist, in Metropolen auf verschiedenen Kontinenten gelebt hat und offensichtlich sehr erfolgreich ist. Wer da für sich in Anspruch nimmt, unterprivilegiert und aus rassistischen Gründen benachteiligt zu sein - ich weiß ja nicht.

    Saya ist auch der dreh- und Angelpunkt in Kasihs Gedanken, die aus reißerischen Medienartikeln zitiert, in denen angedeutet wird, dass Saya im Gefängnis ist, dass ihr ein islamistischer Brandanschlag vorgeworfen wird. In Rückblenden wird von den letzten Gesprächen der drei Freundinnen erzählt, von Jugenderinnerungen, vom gemeinsamen Besuch bei der Hochzeit einer Bekannten aus der Siedlung, in der sie aufgewachsen sind. Und zwischendurch immer wieder Ansprache an den Leser, häufig in aggressiv-herablassendem Tonfall nach dem Motto, ey du Ignorant, war doch alles ganz anders, aber natürlich peilst du es nicht, weil du nur Stereotypen im Kopf hast und so verpeilt bist, dass ich dir jetzt sagen muss, was Sache ist. Brauch ich das? Nein.

    Es gibt eindrückliche Szenen in "Drei Kameradinnen", die unverbrüchliche Freundschaft, das füreinander einstehen, der Bezug zu den NSU-Morden und dem Umgang von Polizei und Justiz mit den Opfern und ihren Angehörigen. Leider, leider gerät all dies in den Hintergrund, wenn ich am Ende nach einer neuen Wendung der Erzählung das Gefühl habe, auf mehr als 300 Buchseiten verarscht worden zu sein. Wenn Bazyar ihren Lesern einen entlarvenden Spiegel vorhalten wollte (und überhaupt, wer ist denn "der/die Leser*in???) hat sie auf diese Weise der Sache, um die es ihr ja wohl ging, keinen echten Gefallen getan. Denn trotz aller unbestreitbaren guten und interessanten Aspekte dieses Buchs bleibt am Ende dieses genervt-verärgerte"Uff".

  • Starke Anklage – provokativ und kontrovers

    Das Feuer mit Flammen löschen?


    Ein Zeitungsartikel über einen verheerenden Brand, bei dem viele Menschen ihr Leben verloren haben, eröffnet diesen Roman. Saya M. wurde dieses schrecklichen Verbrechens verdächtigt.


    Saya ist eine von den drei jungen Frauen, über die dieser Roman handelt. Mit ihren beiden Freundinnen Kasih und Hani verbindet sie eine nicht deutsche Herkunft und die in einer Wohnsiedlung zusammenverbrachte Jugend. Aus der Sicht der Kameradinnen ist der Migrationshintergrund dafür verantwortlich, dass ihr Leben nicht so verläuft, wie sie es sich wünschen würden. Die drei Freundinnen fühlen sich oft benachteiligt, beobachtet, verfolgt und diskriminiert. Besonders Saya leidet darunter und versucht auf eigene Art sich zu wehren und den eigenen, persönlichen Kampf auszufechten.


    Die Geschichte wurde von Kasih erzählt, obwohl von einer fesselnden Erzählung kann hier keine Rede sein. Gleich am Anfang stellt die Verfasserin dieser Geschichte klar:


    „Ich möchte fair bleiben, alle Missverständnisse aus dem Weg räumen und von vornherein kein Geheimnis daraus machen, was dieser Text ist und was er nicht ist.


    Ich möchte das doch nicht.“
    (Zitat S.10)


    Und so kommt es, dass sie ihrer Leserschaft Ausschnitte aus dem Leben der drei Frauen präsentiert, ohne sich um die Chronologie und/oder den Wahrheitsgehalt zu kümmern. Dabei geht es in diesem Roman um sehr wichtige Themen, wie zum Beispiel: Alltagsrassismus, Diskriminierung, Migration, Rechtsextremismus in Deutschland. Es sind alles hochbrisante Themen, über die man nicht nur reden, sondern auch darauf reagieren müsste.


    Als Leserin dieses Buches muss ich stattdessen unzählige Anschuldigungen, Vorurteile und Provokationen der Autorin, die sich der Stimme von Kasih bedient, hinnehmen. Dabei sind Kasih Aussagen oft unfair, widersprüchlich und verwirrend, die Bilder des Alltags übertrieben und/oder verzerrt dargestellt.


    Ich konnte diesmal keine Sympathien für die Protagonistinnen des Romans empfinden, die Episoden aus dem Leben der drei Frauen konnten mich nicht wirklich bewegen. Ich bedauere es sehr, aber bei so brisanten Themen habe ich einfach mehr von diesem Roman erwartet. Auch bin ich unsicher, ob eine wütende Standpauke den gewünschten Effekt bringen würde. Kann man denn wirklich ein Feuer mit lodernden Flammen löschen?

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

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