Klappentext/Verlagstext
In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt. Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden, aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. »Drei Kameradinnen« ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft. »Uns gibt es in dieser Welt nicht. Hier sind wir weder Deutsche noch Flüchtlinge, wir sprechen nicht die Nachrichten und wir sind nicht die Expertinnen. Wir sind irgendein Joker, von dem sie noch nicht wissen, ob sie ihn einmal zu irgendetwas gebrauchen können.« Aus: »Drei Kameradinnen«
Die Autorin
Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, bevor sie nach Berlin zog, um ein Doppelleben zu führen. Halbtags ist sie Bildungsreferentin für junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Brandenburg machen, die verbleibende Zeit verbringt sie als Autorin. Neben Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2012 und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Für ihren Debütroman wurde sie mit dem Kulturförderpreis der Ev.-lutherischen Landeskirche Hannover, dem Bloggerpreis für Literatur und mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis ausgezeichnet.
Inhalt
„Bleibt beieinander“ hatte Hanis Mutter zu den drei Mädchen gesagt, als sie Kinder waren – und das sollte sich als kluger Tipp herausstellen. Als Erwachsene trifft die Icherzählerin Kasih in Berlin Saya und Hani wieder - zur Hochzeit ihrer Freundin Shaghayegh. Die drei sind als Kinder von Migranten im selben Viertel aufgewachsen und teilen die Erfahrung, dass ihnen die Feinheiten in den Sitten und Codes der Deutschen lange fremd blieben. Ihre eigenen Familien fuhren z. B. nicht in Urlaub, sondern trafen sich zu Familienfesten. Verwandte waren Leute, mit denen Sayas Eltern Erinnerungen teilten, von denen sie ihren Kindern bisher nichts erzählt hatten. Schon als Kinder lernten die Freundinnen, unter Gleichaltrigen nicht aufzufallen. Man verwendete am besten nur die Textbausteine deutscher Kinder, damit sie einen verstanden. Diese Distanz spüren die Frauen bis heute. Auch mit abgeschlossenem Studium gibt es noch immer eine Trennlinie zwischen „uns“ und „den anderen“, ob in der Liebesbeziehung, in der WG oder bei der Jobsuche. In Berlin zeigt sich die Linie absurderweise darin, dass Life, der einzige gebürtige Berliner weit und breit, von den zugezogenen Kneipenwirten wie ein Fremder behandelt wird, weil er einen Tick anders aussieht als sie. Auch gebürtigen Berlinern erschließt sich der Code nicht unbedingt, an dem geschlossene Milieus gegenseitig ihren Stallgeruch erkennen.
Während alle bereits im Hochzeitsfieber waren, rastete Saya aus. Die Erzählerin wartet in der Gegenwart gerade auf Sayas Entlassung aus der Haft. Was der Anlass dafür war, gibt Kasih in winzigen Schritten erst allmählich preis. Indem sie den Vorhang allmählich zur Seite schiebt, zeigt sie zögernd auch sich selbst. Aus welchen Ländern die Eltern der Freundinnen nach Deutschland kamen, bleibt jedoch ungesagt. Kasih will ihren Lesern und Zuhörern keine Informationen liefern, mit denen Saya, Hani und sie in eine Migranten-Schublade gesteckt werden könnten. Als Reaktion auf die doppelte Diskriminierung als Frau und Einwanderer-Kind der ersten Generation will Kasih nicht mehr nach anderen Maßstäben beurteilt werden als andere. Kasih versucht sich vorzustellen, was ihr Publikum von ihr erwartet, und genau diese Erwartungen wird sie nicht erfüllen. „Ihr“ werdet es sowieso nicht begreifen, davon ist sie überzeugt.
Fazit
Shida Bazyar sät im Rant ihrer Icherzählerin Kasih immer wieder Zweifel daran, ob die authentische Geschichte der Freundinnen erzählt wird oder es sich einfach um Geschichten handelt. Zusammen mit der eingeschränkten Perspektive einer Icherzählerin lässt diese geplante Verunsicherung ihren Roman auf mich sehr spröde wirken.
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