Martin Schäuble - Cleanland

  • An den Anfang stellt der Autor die fünf Gesetze der absoluten Reinheit (GaR). Deren Credo lautet: Schutz vor gesundheitlichen Gefahren um jeden Preis. Dem Leser öffnet sich eine unwirkliche Welt, eine, die konsequent die Folgen einer Pandemie weiterdenkt; so die Ankündigung auf dem Einband des neuen Jugendbuches von Martin Schäuble, für junge Leserratten ab 12 Jahren gedacht. Und natürlich weckt es Gedanken an die real existierende Corona-Pandemie.

    Schließlich ist Cleanland aufgrund einer "großen Pandemie" so geworden, wie es im Buch dargestellt wird. Hauptdarstellerin ist die 15-jährige Schilo. Sie kennt das Leben nicht anders: rund um die Uhr überwacht, zu ihrem eigenen Schutz. Berührungen, Kontakte, Missachtung der Gesetze der absoluten Reinheit (GaR)- absolut undenkbar und mit sofortigen Konsequenzen verbunden. Restriktionen, die dem Schutz der anderen Menschen dienen (sollen). Ein freies jugendliches Leben sieht wohl ganz anders aus, aber: "Gesundheit ist wichtiger als Freiheit" (Artikel 5 der GaR).
    In diesem Szenario beweget sich Schilo und sie kommt klar damit, auch Ihre einzige registrierte Freundin Samira. Doch dann tritt ein junger Mann ins Leben: Toko. Eigentlich lernt sie ihn nur kennen, weil ihre Oma alles daran setzt, allen Einschränkungen zum Trotz, beide zueinander zu führen. Hieraus entwickelt sich eine spannende Geschichte, in deren Verlauf sich die Frage stellt, ob alle Beschränkungen wirklich so elementar sind, oder ob es da vielleicht auch noch etwas anderes gibt, das Leben ausmacht.

    In 38 kurzweilig geschriebenen Abschnitten baut der Autor seine abwechslungsreiche und spannende Geschichte auf. Den Leser vermag dieser Stil zu fesseln. Eigentlich legt man dies Buch nur ungern aus der Hand. Soweit so gut. Den jugendlichen (aber auch den erwachsenen Leser*innen) öffnet sich eine Fremde, sehr kalte und utopische Welt. Der Autor sieht es als konsequente Möglichkeit der Weiterentwicklung einer Pandemie. Wirklich? Ist es so, oder öffnet sich da nicht -vielleicht ein wenig überspitzt ausgedrückt- ein Horrorszenario, vom Autor bewusst gewählt, für junge Leser kalt und befremdlich?
    Die Antwort hierauf mag jeder für sich finden. Nachdenklich stimmt das Buch auf jeden Fall, gut zu lesen ist es allemal - aber für Jugendliche sollte ein offenes Ohr für die aufkommenden Fragen vorhanden sein.