Günter Zint - Die weiße Taube flog für immer davon. Ein St.-Pauli-Bilderbuch

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  • Der Autor (Q: Rowohlt von 1984 und Wikipedia): Günter Zint, geboren am 27. Juni 1941 in Fulda, wurde Volontär bei der Deutschen Presse-Agentur und in Frankfurt und München zum Bildjournalisten und Redakteur ausgebildet. Anschließend arbeitete er als Reporter bei „Quick“ und „Twen“. Ab 1963 lebte er als freier Fotograf in Schweden und England, kam jedoch häufig nach Hamburg, um für die Beat-Szene Plattencovers und für die Jugendzeitung „OK“ Reportagen zu machen. 1966 übersiedelte er nach Hamburg und arbeitete als Bildjournalist für den „Spiegel“. Seit 1969 ist er freier Pressefotograf. Er war Mitbegründer einer „Gegenboulevard-Zeitung“, den „St. Pauli-Nachrichten“, stieg dann aber zur „APO-Presse“ um. Neben weiteren Aufträgen von „Stern“, „Spiegel“, „Konkret“, Gewerkschafts- und Auslandszeitungen konzentrierte er sich mehr auf Schwerpunktthemen, die ihn persönlich interessierten. Er beteiligte sich auch an den Gemeinschaftsausstellungen „Lehrstück Brokdorf“ (Hamburg 1977), „Kunst gegen Atomkraft“ (Hamburg 1978), „Deutschland, Deutschland“) (Stockholm 1979) und machte drei eigene Ausstellungen: „Augenblicke“ (Berlin 1966), „Jugend objektiv“ (Hamburg 1969) und „Pressefotograf 59-79“ (Hamburg 1979). Seine Beiträge wurden in vielen Büchern veröffentlicht (u.a. in „Starclub“, Rowohlt 1980). 1977 erschien sein erstes eigenes Buch: „Atomkraft“, 1979 folgte „Gegen den Atomstaat“, 1980 „Republik Freies Wendland“.

    Ab 1982 versuchte er, seine umfangreiche Sammlung von Exponaten, Dokumenten und Fotos zum Hamburger Stadtteil St. Pauli in ein Museum einzubringen, doch zunächst schlugen erfolgversprechende Ansätze immer wieder fehl oder erwiesen sich als schwer finanzierbar. Seit 2005 wird die Sammlung von einem privaten Verein als Sankt-Pauli-Museum getragen, das der Öffentlichkeit einen Teil dieses Materials präsentiert. 2011 zog er mit dem Panfotoarchiv, das über 6 Millionen Fotos von 15 Fotografen enthält, nach Behrste im Landkreis Stade.

    Zint ist Mitglied der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und Ehrenmitglied im Haus der Pressefreiheit.

    2021 ist eine „Günter-Zint-Stiftung“ in Gründung. Sie soll das St.-Pauli-Museum sowie Zints Lebenswerk und die Bestände von Panfoto übernehmen. Neben der Kulturbehörde haben diverse private Geldgeber, darunter die J.P.Reemtsma Stiftung für Wissenschaft und Kultur und Udo Lindenberg, Unterstützung zugesagt.


    Klappentext (Q: Rowohlt, 1984): Günter Zint, hat lange Zeit als Bildjournalist und Reporter für viele große Zeitschriften gearbeitet, bevor er 1969 beschloss, nur noch als freier Pressefotograf zu arbeiten und eigene Projekte zu verwirklichen. Besonder bekannt wurde er durch seine kritischen Foto-Dokumentationen zum Atomkraft-Konflikt.
    Für dieses Buch machte er sich mit seiner Kamera auf die Suche nach dem, was sich hinter den Kulissen des wohl berühmtesten und berüchtigsten Hamburger Stadtteils abspielt. Nicht als Voyeur, sondern als Nachbar (Günter Zint lebt seit 1965 dort) hat er Menschen porträtiert, die auf der „sündigsten Meile der Welt“ arbeiten und leben. Alle Texte zu den Fotos stammen von den Dargestellten selbst: Kellner, Prostituierte, Polizisten, Berber, Zuhälter und Sex-Show-Darsteller erzählen von ihrem so wenig spektakulären Alltag, sie berichten von Stammgästen und sensationslüsternen Touristen, von der drohenden Stadtteil-Sanierung, von der meist vergeblichen Hoffnung auf das große Geld und dem Ausstieg ins solide Leben, von Angst und Solidarität auf dem Kiez.
    „Eine Hommage an die ewigen Verlierer“ („andere zeitung“)



    Der Bildband „Die weiße Taube flog für immer davon: Ein St.-Pauli-Bilderbuch“erschien zuerst 1982 beim Ernst Kabel Verlag in Hamburg auf 263 überwiegend illustrierten Seiten. Textbearbeitung von Günter Handlögten und Inge Kramer. Im Juli 1984 erschien das Buch als rororo 5292 beim Rowohlt Taschenbuch Verlag in Reinbek bei Hamburg (281 Seiten), für die Taschenbuchausgabe eingerichtet von Jan Enns.


    Im Grunde ein unglaublich sympathisches Buch mit tollen und vor allem vielen Fotos. Bilder aus dem Kiez-Alltag, von Abstürzen, aus Hinterzimmern, Menschen die sich voller Stolz präsentieren, andere die erledigt am Boden liegen. Motorräder vor schmierigen Kneipen, Stellprobe für Live-Sex-Show, Rumstehen auf Kontakthöfen, Partybilder, Star-Club, Salambo, grinsende Männer mit dicken Bäuchen, Frauen ohne Kleider, Fummeltanten, Schnapsleichen, Menschen, die Drei-Finger-Joe, Berliner-Carmen, Eisbein-Elli oder Puff-Dieter heißen Die Texte der auf den Fotos Porträtierten sind eindringliche, authentische Selbstzeugnisse. Zwischendurch dichtet der (ehemalige) Pornokinobesitzer und (jetzt) Dichter Wolfgang „Wolli“ Köhler sein „Lied der Penner“ und andere Gedichte:

    Zitat

    Auf unsre Scheitel scheint der blonde Himmel,

    Der euch nur auf die teuren Hüte brennt.

    Jawohl, ihr Herrn, da hilft auch kein Gebimmel:

    Es ist der himmel, nur der Himmel, der uns trennt!

    („Lied der Penner“, letzte Strophe, S. 107)


    Cartoons gibt es auch und Zeitungsausrisse. Vielleicht sind es ein paar Hurengespräche zuviel. Die Texte von „normalen“ St. Paulianern über den Alltag und vor allem die Texte über die (auch städtebaulichen) Veränderungen des Kiezes gefielen mir "auf Dauer" mehr.

    Zints St.-Pauli-Bilderbuch ist wirklich das Panoptikum einer untergegangenen Zeit, immer bedroht durch soziökonomische Verdrängung und das Ausfegen subkultureller Dreckecken. In Zints Fotos dürfen die Randständigen, die sozial Ausgegrenzten, die scheel Angeschauten, die übel Beleumundeten und die Verlierer der Gentrifizierung hochleben! :thumleft:

    Roberta Ann McAvoy "Raphael" (83/252)

    Tove Jansson "Eine drollige Gesellschaft" (54/194)


    Jahresbeste: Drury (2021), Jansson (2020), Lieberman (2019), Ferris (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:

    Gelesen: 61 (2021), 161 (2020), 127 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Grady Hendrix "Paperbacks from Hell" (24.4.)

  • Das ist die Erstauflage des Bildbandes beim Ernst Kabel Verlag in Hamburg von 1982.

    Roberta Ann McAvoy "Raphael" (83/252)

    Tove Jansson "Eine drollige Gesellschaft" (54/194)


    Jahresbeste: Drury (2021), Jansson (2020), Lieberman (2019), Ferris (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:

    Gelesen: 61 (2021), 161 (2020), 127 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Grady Hendrix "Paperbacks from Hell" (24.4.)

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